Schlagwort-Archive: abschied

schreibidee (263)

tschüss, servus und baba. manchmal ist es zeit, abschied zu nehmen. sich von alten gewohnheiten, von guten freunden oder auch von wohnorten, gegenständen oder jobs zu trennen. das fällt nicht immer leicht, ist manchmal nicht selbstgewählt, doch es verändert unser leben. und geschichten leben von trennungen und abschieden. darum ist diese schreibidee eine anregung für „abschiedsgeschichten„.

als einstieg werden in der schreibgruppe ideen gesammelt, von was man sich verabschieden kann. diese ideen werden am flipchart notiert. die teilnehmerInnen wählen sich einen abschied aus. nun schreiben sie ein 10-schritte-programm, wie der abschied zu vollziehen ist. da kann es darum gehen, sich von einem haustier zu verabschieden, da es gestorben ist, oder sich von seinem eigenen image zu verabschieden oder auch nur von einer reisebegleitung. und doch ist jeder abschied anders, darum erst einmal der blick auf die handlungsabfolge. die jeweiligen 10 schritte werden kurz vorgestellt.

nun wird zu dem gewählten abschied (es kann auch ein neues beispiel gewählt werden) von den schreibgruppenteilnehmerInnen ein abschiedsbrief geschrieben. was wollte man dem gegenstand, der person oder der lebenssituation noch einmal sagen? der brief sollte nicht länger als zwei seiten werden. die briefe werden anschließend ohne feedback in der schreibgruppe vorgetragen.

als letzte vorbereitung für eine längere abschiedsgeschichte, werden abermals am flipchart abschiedsszenen stichwortartig gesammelt. dies können filmszenen, zitate aus romanen oder auch selbst erlebte situationen sein.

anschließend wählen sich die schreibgruppenteilnehmerInnen aus diesem ganzen vorbereitungsbeispielen und -texten ideen aus, die in eine längere abschiedsgeschichte fließen. dabei soll darauf geachtet werden, dass die leserInnen von den freiwilligen oder unfreiwilligen abschieden möglichst tief berührt werden. die texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen und in der feedbackrunde wird eine abschiedsskala erstellt, auf der alle teilnehmerInnen jeweils ihre rührung bewerten können.

und dieses mal werden vor dem schluss des schreibgruppentreffens von allen teilnehmerInnen „abschieds-vierzeiler“ verfasst, die wiederum beim verabschieden vorgetragen werden.

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selbstbefragung (65) – abschied

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um den „abschied„.

  • von wem haben sie sich zuletzt intensiv verabschiedet? beschreiben sie?
  • wie leicht oder schwer fallen ihnen abschiede? worin unterscheiden sie sich?
  • von wem oder was haben sie sich im laufe ihres lebens gern verabschiedet?
  • welcher abschied fiel ihnen am schwersten? warum?
  • wie verabschieden sie sich von menschen, die ihnen nahe stehen? beschreiben sie.
  • welchen menschen, der sich von ihnen verabschiedet hat, würden sie gern wiedersehen? warum tun sie es nicht?
  • ihr dramatischster abschied?
  • was machen sie, wenn sie nach dem abschied allein sind, am liebsten?
  • von welchen menschen oder situationen wollten sie sich in ihrem leben nie verabschieden, hätten gern die zeit angehalten?
  • wie erlebten sie berufliche abschiede (schule, uni, job…)? stellten diese für sie einen neuanfang oder einen verlust dar?

nabelschau (28)

und tschüss! abschied ist nicht gleich abschied. es lassen sich unterschiedliche formen des abschieds feststellen.
da ist die flucht. eigentlich könnte man ja noch weitermachen, eigentlich weiß man ja nicht, was man jetzt noch sagen soll, eigentlich war es richtig schön. da muss man ganz schnell weg, sonst ergeht man sich in hilflosigkeiten.
da ist die wut. man möchte noch nicht voneinander scheiden, aber äußere zwänge nötigen einen. es wäre noch so viel zu sagen gewesen, es wäre noch so viel zu klären gewesen, es hängt noch so viel unausgesprochenes im raum. doch die zeit drängt, ein schlussstrich muss gezogen werden. man scheidet eigentlich nicht aus der welt, doch in diesem moment scheint es so. das macht wütend. und tschüss!
da ist die gleichgültigkeit. meist geht dieser abschied mit beruflichen verpflichtungen einher. die sitzung ist beendet, das seminar vorbei, die verhandlungen sind zum abschluss gekommen. alle teilnehmerInnen ziehen wieder ihrer wege. die ziele sind mehr oder weniger erreicht, man hat kein interesse persönliche kontakte aufzubauen, es war nur arbeit. hier spielen emotionen keine große rolle. man verabschiedet sich, da weitere verpflichtungen anstehen. der abschied ist ein kurzes, schmerzloses ritual, manchmal noch einhergehend mit neuen terminvereinbarungen.
da ist das hin und her. man möchte sich nicht trennen, bekommt schon beim abschied sehnsucht auf den anderen. man umarmt, sagt schönes und geht seiner wege. doch man kehrt gleich darauf wieder um, geht noch einmal aufeinander zu, wiederholt den abschied, will nicht gehen. auch das gegenüber will nicht verlassen. es scheint, wie wenn der abschied für immer sein sollte. also die phase der trennung so lang es geht hinauszögern. es gibt keine regeln dafür, wie oft das hin und her stattfinden darf. im letzten moment kann man ja noch entscheiden, einfach nicht zu gehen.
da ist das wortlose. die begegnung war scheisse. man fühlt sich unbefriedigt, unzufrieden mit der eigenen rolle. es grummelt im innern, es wühlt und kocht hoch. nun geht es darum beim abschied das gesicht zu wahren, nicht ausfällig zu werden. also schweigt man. schweigen ist auch eine wunderbare form beim gegenüber noch ein wenig die schuld für das misslingen abzuladen. wortlose verabschiedungen, eventuell noch nicht einmal ohne nicken, sollen verletzen. sie sind alles andere als „sprachlos“.
da ist das zärtliche. man weiß, man wird sich wiedersehen. man weiß, man kann sich aufeinander verlassen. es gibt viele sicherheiten im hintergrund. man wird sich nicht aus den augen verlieren und man hatte sich eine menge zu sagen. der stoff für weitere begegnungen geht nicht aus. in diesem moment wird die nähe in den abschied gepackt, einen zufriedenen abschied. beide sind sich einig, dass es nun die richtige zeit ist, voneinander zu scheiden, ja zärtliches ist ein ausdruck von einigkeit.
da ist das dramatische. dieser abschied dient im selben atemzug auch der katharsis. emotionen wandeln das scheiden in eine seifenoper. harte und zarte worte wechseln in hoher frequenz, beschimpfungen oder lautstarkes eingeschlossen. es spitzte sich eine situation auf den abschied hin zu. es gibt kein entrinnen, nur ein trennen, doch die bindung wird durch die emos eher gestärkt, denn aufgehoben. das dramatische ist die dampframme unter den abschieden.
da ist das charmante. die hand zum abschied ein wenig länger gehalten als üblich, der blick in die augen gegenüber tief. dieser abschied ist ein anfang. es soll mehr daraus werden, es soll auf keinen fall für immer sein, nein, eigentlich soll signalisiert werden, dass man interesse am gegenüber hat. kleine komplimente werden zum schluss hinterhergeworfen, über die straße gerufen. man sieht sich.
da ist das vielfältige. es gibt noch viele andere abschiede. vielleicht als schreibübung für die nächste schreibgruppe. im abschied steckt zumeist die zusammenfassung des vorhergehend und manchmal auch der ausblick auf zukünftiges. selten ist es eine trennung für immer. aber es ist ein ritual für einen wechsel zu anderen lebenstätigkeiten.

schreibpädagogik und loslassen

irgendwann endet jede schreibgruppe. manche nach einer klar umrissenen zeitdauer (von einem nachmittag bis zu mehreren monaten), andere enden erst nach jahren, wenn die gruppe sich selber auflöst. da sich im laufe der kurzen oder langen zeit, die teilnehmerInnen der gruppen über ihre texte, ihre feedbacks und ihre gemeinsame kreativität ein ganzes stück näher gekommen sind, fällt der abschied voneinander nicht immer leicht.

meist dienen schreibgruppen nicht nur dem zweck gemeinsam etwas zu verfassen, sondern sie sind für viele auch eine auszeit vom alltag und vom stress. es ist wie in urlaub fahren, sich gedanklich allem drängenden zu entziehen. das bedeutet oft genug, dass sich die menschen auf ganz anderen ebenen als üblich annähern können. sie hören persönliches in den geschichten und texten voneinander. es entstehen schnell bindungen, die ebenso schnell wieder aufgelöst werden.

das phänomen, dass sich die teilnehmerInnen versprechen, nach den gruppen weiter kontakt miteinander zu halten, ist der versuch, nicht sofort die gemachten erfahrungen loslassen zu müssen. meist funktioniert das aufrechterhalten des kontakts nicht. aber im moment des auseinandergehens spielt das keine rolle. und natürlich können einzelne kontakte intensiv aufrecht erhalten werden.

doch man erinnere sich nur einmal, wie intensiv die kontakte nach 10 oder 13 gemeinsamen schuljahren blieben. vereinzelt ja, aber viele ehemalige mitschülerInnen sieht man nur bei klassentreffen, jahre später wieder. und wie sehr hatte man sich geschworen, nicht den kontakt zu verlieren. dies hier notierte soll nicht die gute absicht in frage stellen. aber es ist auch eine realität, dass einen der alltag meist (wie nach dem urlaub) sehr schnell wieder einholt. Weiterlesen

schreibidee (183)

der herbst ist ein abschied vom grün, von der wärmenden sonne und vom quirligen leben für beinahe ein halbes jahr. menschen werden griesgrämiger, häuslicher und ihre kleidung erdfarben oder dunkel. was könnte in diese jahreszeit besser passen, als texte und geschichten zu verfassen, die mit abschied zu tun haben. ob es nun um den tod, eine trennung, eine lange reise oder das ende eines gemeinsamen wochenendes in einer wochenendbeziehung geht, in all diesen situationen nehmen menschen von einander abschied. darum schlägt die schreibidee dieses mal das verfassen von „abschiedstexten“ vor.

als einstieg werden dieses mal in der schreibgruppe an einem flipchart oder auf einer tafel abschiedsformeln gesammelt. zum beispiel „tschau babe“, „und tschüss“, „ade“ oder „auf wiedersehen“ am ortsausgang 😉 die teilnehmerInnen wählen sich eine verabschiedung aus und schreiben dazu ein freewriting. dann greifen sie den für sie ansprechendsten satz aus dem freewriting auf und schreiben eine geschichte dazu. die geschichten werden in der schreibgruppe ohne feedback vorgetragen.

als nächstes erstellen alle schreibgruppenteilnehmerInnen eine liste von abschieden, die sie in letzter zeit erlebt haben. und sie verfassen eine liste von abschieden, die sie gern vornehmen würden. aus diesen listen greifen sie einen punkt heraus und schreiben einen abschiedsbrief dazu. dies kann also posthum geschehen oder schon vorausschauend formuliert werden. die abschiedsbriefe werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen. beim feedback liegt dieses mal der fokus auf der frage, wie berührend der abschied formuliert wurde.

zum abschluss werden von allen teilnehmerInnen noch einmal alle bisherigen texte und listen betrachtet, um anschließend eine abschiedsgeschichte der absurden art zu schreiben. absurd soll heißen, dass zum beispiel abschiede vom fussabtreter vor der wohnungstür vorgenommen werden, oder abschiede von den schulbüchern nach der schulzeit, von der verblühten blume in der vase und dergleichen mehr. man kann sich ja von allem verabschieden, auch von sich selbst, wenn man für einen tag mal die schnauze voll hat 😀 Die Geschichten werden in der Schreibgruppe vorgelesen und es gibt ein Feedback durch die Gruppe.