Schlagwort-Archive: abschlussarbeit

wissenschaftliches schreiben und klischee

generationen von wissenschaftlerInnen, studentInnen und doktorandInnen tragen das klischee weiter, dass wissenschaftliches schreiben vor allen dingen eines sei: anstrengend! schaut man genau hin, dann löst sich auch dieses klischee auf, wie es andere klischees auch tun, wenn man sie genauer betrachtet. es ist nicht das wissenschaftliche schreiben, das anstrengend ist, es ist der kontext, der es so anstrengend macht. das eigentliche schreiben könnte als leicht im gegensatz zu literarischer arbeit gesehen werden, da viele stilistische und strukturelle vorgaben herrschen, die einem den weg des wissenschaftlichen schreibens vorzeichnen.

anstrengend macht das wissenschaftliche schreiben zum beispiel die aussage, dass wissenschaftliches schreiben anstrengend sei. geht jemand unbedarft daran, einen wissenschaftlichen text zu verfassen, dann melden sich schnell mahnende stimmen – seltener von außen, häufiger von innen. da ist der gedanke an die bewertung – es muss eine gute abschlussnote werden, die zukünftige existenz ist davon abhängig. es muss eine so saubere argumentation sein, damit möglichst kein widerspruch von außen aufkommen kann. es muss der hierarchische weg des wissenschaftslebens eingehalten werden – vorgesetzte sollten zitiert und in die betrachtungen einbezogen werden. es muss der richtige zeilenabstand, die richtige zitierweise, das korrekte forschungssetting mit angemessener auswertung, die zurückstellung von eigenen kommentaren und vorstellungen sein. und heute muss es vor allen dingen das korrekte einhalten der bearbeitungszeit und der geforderten seitenzahl sein.

dies alles sind aspekte, die das wissenschaftliche schreiben in ein korsett zwängen, das mit dem forschenden geist nicht mehr viel zu tun hat. es ist schule geworden, bis in die Weiterlesen

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wie man den spass am schreiben abgewöhnt (10)

absurder anspruch

selten wird der anspruch an die schreibenden offen gezeigt oder ausgesprochen. es handelt sich dabei eher um ein unterschwelliges gären, das sich bei den schreibenden verfestigt. im gegensatz zur angloamerikanischen welt, ist europa und insbesondere deutschland den gedanken von der elite, der exzellenz und dem genie verhaftet. kreatives, literarisches und wissenschaftliches schreiben werden nicht in die kategorie „erlernbar“ angesiedelt, sondern unter begabung und talent.

das senkt das engagement des vermittelns von unbeschwertem schreiben und erhöht die frustration bei den schreibenden. denn die urteile, ob etwas gelungen oder nicht gelungen ist, werden auch auch von den schreibenden unter „ich kann einfach nicht schreiben“ abgelegt. dieser entscheidung wird auch nicht gegen gesteuert. eigentlich wäre hier eine ähnliche aussage, wie beuys sie für die kunst mit dem satz „jeder ist ein künstler“ getroffen hat, notwendig: jede/r kann schreiben.

nun kommen aber beinahe alle menschen irgendwann in die situation, dass sie eine schriftliche arbeit, eine ausarbeitung oder einen vortrag abliefern müssen. im hintergrund formulieren viele für sich: das muss jetzt der außergewöhnlich wurf werden, damit ich auch die entsprechenden bewertungen erhalte. und in dieser haltung nähern sie sich dem schreiben. der anspruch an sich selbst ist nicht mehr abwertung (ich kann nicht schreiben), sondern hohe erwartung (ich muss etwas perfektes schreiben).

es wird aus den augen verloren, dass alle einmal klein angefangen haben. es wird ebenso aus den augen verloren, dass man erst einmal einfach drauflos schreiben kann, um alles später zu überarbeiten. schon der erste satz muss unter diesem absurden anspruch der perfekte satz werden. die belastung des anspruchs an sich selbst (der eben noch nicht einmal von außen formuliert wird) führt viele menschen in eine schreibkrise. qual an jedem satz von anfang an zu feilen, bis er perfekt sitzt, verleidet jeden weiteren schreibversuch oder überhaupt eine unverkrampftes schreiben.

das „creative writing“ oder auch die lockeren abwandlungen des wissenschaftlichen schreibens in der angloamerikanischen welt befördern eben kein niedriges niveau, sondern eine gelassenere herangehensweise. wenn ich weiß, dass es einen stete entwicklung meines schreibens geben kann, und wenn ich weiß, dass ich mich dem schreiben auch spielerisch und interessengeleitet nähern kann, dann senkt sich die schwelle des eigenen anspruchs enorm. und dies bedeutet nicht, dass man in der niveaulosigkeit verharrt, sondern es bedeutet, dass man mehr energie und arbeit in das überarbeiten steckt, dass man stück für stück an einen text herangeht.

aber viel leichter in diesem zusammenhang fällt der einstieg in das verfassen der texte. und diese leichtigkeit ermöglicht viel kreativere, intuitivere und außergewöhnlichere gedanken. hier wird eigentlich erst der raum für kreatives, literarisches oder wissenschaftliches schreiben gegeben. feststellen kann man dies als leserInnen: angloamerikanische fachtexte strahlen oft eine viel entspanntere Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und alter

lebenslanges lernen wird zur zeit an allen ecken propagiert. das ist eine schöne sache, wenn es nicht in die erwartung eingebunden ist, damit seinen gesellschaftlichen wert zu beziffern. wer möchte kann auch im alter noch lerninteressen folgen und sich weiter mit für einen persönlich spannenden themen auseinandersetzen. doch es sollte der persönliche spaß im vordergrund stehen und nicht irgendeine schon wieder von außen formulierte erwartung.

um dem wissenschaftlichen lernen eine chance zu geben, haben viele hochschulen inzwischen ihre veranstaltungen den seniorInnen geöffnet. teilweise sind studiengebühren zu entrichten, etliche veranstaltungen oder vorträge können auch ohne weitere kosten besucht werden. so bietet die freie universität in berlin zum beispiel die „gasthörercard“ und viele andere möglichkeiten, an den neuen erkenntnissen der hochschule teilzuhaben (siehe: http://www.fu-berlin.de/sites/weiterbildung/gasthoerercard/index.html ).

aber man kann sich auch entscheiden, im alter noch den doktor zu machen, also zu promovieren. es ist heute nicht mehr ganz so einfach, wie früher, da inzwischen auch promotionen durch verordnungen und zeitfenster streng geregelt sind. aber der versuch, sich nach doktorvätern umzuschauen und aus beruflichem wissen vielleicht eine wissenschaftliche arbeit zu machen, ist es wert. mit großer wahrscheinlichkeit lassen sich wege finden.

ältere menschen werden dann meist ebenso wie jüngere menschen feststellen, dass sie sich beim wissenschaftlichen schreiben in identischen schwierigkeiten wiederfinden können. sicherlich kommen „aufschieberitis“ und schreibkrisen seltener vor, wenn das schreiben einer wissenschaftlichen arbeit nicht mehr der existenzsicherung dient, sondern den eigenen interessen folgt. doch wer glaubt, dass hohe ansprüche an sich selbst oder der ehrgeiz eine Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und wünsche

der hauptwunsch, seine wissenschaftliche arbeit endlich vollendet zu bekommen, der ist hier nicht weiter diskutierbar und einfach nur verständlich. aber die wünsche, die an einen herangetragen werden beim verfassen einer wissenschaftllichen arbeit, die können diskutiert werden. vor allen dingen die gutachterInnen oder korrektorInnen haben bestimmte vorstellungen, wie eine wissenschafltiche arbeit in ihren augen aussehen soll. diese muss mann als wissenschaftlich schreibender mensch herausfinden.

um nicht beständige den betreuenden die wünsche von den augen abzulesen, ist es hilfreich, die wünsche in einem beratungsgespräch abzufragen. dabei kann man leider ab und zu der haltung begegnen, dass sich die korrektorInnen weigern, hinweise zu geben, da man ja im laufe seines studiums oder seiner ausbildung gelernt haben müssen, wie man einen brauchbaren wissenschaftlichen text verfasst. dabei kommt es dann wirklich auf das angebot der hochschule an. meist wird wissenschaftliches schreiben eben nicht vermittelt. aber man kann zur not bei anderen studierenden und menschen, die schon einen text für die lehrenden verfasst haben, nach den modalitäten nachfragen.

es gibt sehr verschiedene auffassungen darüber, wie weit persönliche positionen in einer wissenschaftlichen arbeit auftauchen dürfen. manche lassen eigene positionen nur in einem extra-abschnitt einer wissenschaftlichen arbeit zu, andere in allen textabschnitten, so weit die eigene position nur klar gekennzeichnet ist. da wissenschaft und forschung eigentlich vom diskurs und nicht nur von den statistischen variablen leben, ist es nicht ganz verständlich, weshalb positionen nur gebündelt in einem abschnitt auftauchen dürfen.

doch strategisches verhalten ist im zusammenhang mit abschlussarbeiten sinnvoll. auch wenn man inzwischen viele eigene vorstellungen entwickelt hat, so ist man doch auf eine positive bewertung für Weiterlesen

ab 10ten april seminar zum schreiben einer wissenschaftllichen abschlussarbeit

Ob Master-, manche noch Diplom- und Magisterarbeit oder ob Doktorarbeit, manchmal gerät man in die Situation, nicht zu wissen, wie man beginnen soll. Oder es stellt sich die Frage, wie man einen regelmäßigen Schreibfluss beibehalten kann, wo der rote Faden ist, wie die Struktur der wissenschaftlichen Arbeit am sinnvollsten ist und vieles mehr. Dann kann dieses Seminar der SchreibBoutique Christof Zirkel ab Anfang April 2012 mit fünf jeweils 3-stündigen Treffen bestimmt weiterhelfen. Es werden Arbeits- und Schreibtechniken vermittelt, die das Verfassen von Abschlussarbeiten erleichtern. Zudem steht Raum zur Klärung persönlicher Schwierigkeiten beim Schreiben zur Verfügung.
Hier die Daten zum Seminar:

Termine: 10./17./24.04., 08./15.05.2012 (dienstags 17.00 – 20.00 Uhr)
Ort: SchreibBoutique Christof Zirkel, Heesestr. 6, 12169 Berlin
Informationen: http://schreibboutique.de/wissenschaftliches-schreiben/
Teilnehmerzahl: Maximal 10 TeilnehmerInnen
Rückfragen / Anmeldung: Mail: info@schreibboutique.de

Aber auch hier im Blog sind viele Gedanken und Anregungen zum Wissenschaftlichen Schreiben zu finden. Einfach in die Suchfunktion die Worte „wissenschaftliches schreiben und“ eingeben und schon werden die Posts zum Thema angezeigt. Vielleicht helfen ja einzelne Gedanken weiter. Außerdem finden sich unter obigem Link auf der Homepage der SchreibBoutique neben der Seminarankündigungen weitere Infos.

wissenschaftliches schreiben und textauswahl

was ist ein standardwerk? diese frage stellt sich allen menschen, die eine wissenschaftliche arbeit verfassen. denn die behauptung, dass ein buch oder ein text standard sei, ist leichter gesagt als geglaubt. ganz gleich, welches wissenschaftsgebiet und welches „fach“ man betrachtet, die aussagen, was standard in diesem forschungsbereich sei, gehen meist weit auseinander.

manchmal einigt sich ein forschungsverbund oder eine bestimmte wissenschaftliche schule auf ein grundlegendes werk, auf das sich alle weiteren schritte des forschens beziehen. somit kann man dieses buch oder diesen text für die jeweilige forschungsrichtung als standardwerk betrachten. und ich garantiere ihnen, es gibt mindestens einen vertreter, eine vertreterin dieser forschungsrichtung, die den „standard“ in frage stellen. das macht zwar zum einen überhaupt wissenschaft aus, also der diskurs über die grundlagen der eigenen annahmen und untersuchungen, es verunsichert aber gleichzeitig alle wissenschaftlich schreibenden, die überlegen, auf welches standardwerk sie sich in ihren betrachtungen beziehen sollten.

ein beispiel: sigmund freud hat großen einfluss auf die heutige psychologie gehabt. er wird oft erwähnt, zitiert und es wird sich auf ihn bezogen. noch häufiger stellen seine betrachtungen die grundlage für späteres psychotherapeutisches vorgehen und psychotherapeutische theorien dar. aber in der forschungsrichtung psychologie, an den hochschulen, wird freud kaum einbezogen. er wird mal kurz betrachtet, jedoch in vielen zusammenhängen als unwissenschaftlich abgetan. so werden die vorlesungen von freud sicherlich von den meisten lehrenden nicht als standard für ihre forschung in der psychologie betrachtet. bei den praktikern außerhalb der hochschulen sieht dies aber ganz anders aus.

doch wie soll man nun damit in einer wissenschaftlichen abschlussarbeit umgehen. einziger rat, den man geben kann, klären sie dies mit den wissenschaftlerInnen, die ihre arbeit betreuen. die vorstellung von „standardwerken“ ist eine zutiefst subjektive. das fiese daran ist, die verantwortlichen, darauf angesprochen, werden mit großer wahrscheinlichkeit immer sagen, dass ihre auswahl der standardwerke objektive kriterien folge und keinesfalls subjektiv sei. denn es handle sich schließlich um den standard aller. ohne diesen standard ist in ihren augen wissenschaftlliches arbeiten unvorstellbar. noch ein tipp: glauben sie es. verhalten sie sich strategisch und gehen sie erst einmal davon aus, wenn sie keine lust auf einen langen diskurs im rahmen einer abschlussarbeit haben.

noch einen schritt weiter: welche anderen texte und bücher sind für ihr wissenschaftliches schreiben relevant? auch hier ist die auswahl enorm, irgendwann müssen sie sich begrenzen. doch auf welcher grundlage? Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und trennen

es klingt ein wenig absurd, kommt aber häufiger beim schreiben von wissenschaftlichen arbeiten vor: nachdem man sich über monate oder jahre mit einem thema beschäftigt hatte und das schreiben oft schwierig und mühsam war, fällt es plötzlich schwer, den text loszulassen, das schreibprojekt abzuschließen. es fällt einem immer noch etwas ein, das in die arbeit eingeflochten werden sollte, etwas, das noch nachgeschlagen werden, etwas, das man auch noch berücksichtigen könnte und das layout stimmt auch noch nicht.

für diese schwierigkeit, sich von seinem eigenen wissenschaftlichen text zu trennen, kann es sehr verschiedene gründe geben. am häufigsten ist es wahrscheinlich der versuch, perfekt sein zu wollen. perfektionismus sorgt dafür, dass alles, was man produziert, eigentlich noch besser sein könnte. perfektionismus ist unendlich erweiterbar, denn alles kann noch besser werden. auch nach dreissig jahren arbeit an einem buch oder schriftlichen arbeit, kann man noch etwas verbessern. hier ist es hilfreich, auch wenn es sehr schwer fällt, irgendwann einen schlussstrich zu ziehen. es ist notwendig, in der eigenen vorstellung den mut zur lücke auszuhalten. mantra-artig sollte man sich sagen, dass man nie die ganze welt erfassen kann.

der zweite grund einer trennungsblockade könnte die angst davor sein, was denn nun als nächstes kommt. man war von der aufgabe für den wissenschaftlichen text so besetzt, dass plötzlich eine große leere droht, wenn alles abgeschlossen ist. was dann? das gedankengebäude noch befeuern könnten die teils schlechten beruflichen aussichten für akademikerInnen sein. da hat man unter großen anstrengungen eine abschlussarbeit verfasst, sein studium beendet, und dann weiß man nicht, wo Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und selbstwert

für viele nagt das wissenschaftliche schreiben am selbstwertgefühl. die hochschulen tun wenig dagegen, die große verunsicherung, vor allen dingen beim verfassen von abschlussarbeiten, einzudämmen oder zu beseitigen. master-, diplom- und doktorarbeiten sind für hochschulangehörige meist die ersten momente, in denen sie selbstständig forschungsfragen entwickeln und forschungen durchführen. hausarbeiten, referate und die bachelor- oder vordiplomarbeiten sollen sicherlich eine vorbereitung auf den nächsten größeren schritt darstellen. doch meist fehlt es am ausführlichen feedback, das die weiterentwicklung der eigenen (schreib)kompetenzen ermöglicht.

hochschulen haben schon zu wenig personal, um die wissenschaftlichen schreibprozesse angemessen zu begleiten. selbstzweifel und versagensängste nehmen bei den schreibenden zu, je näher die abschlussarbeiten rücken. manche versuchen sich an anderen abschlussarbeiten zu orientieren, andere fragen im freundeskreis oder versuchen über literatur zum wissenschaftlichen schreiben, einen weg durch den schreibprozess zu finden. je voller die hochschulen, seminare und sprechstunden werden, desto schwieriger wird es für dozentInnen eine angemessene begleitung anzubieten.

dabei gibt es an einzelnen hochschulen erfolgsversprechende konzepte und einrichtungen, die eine schreibdidaktische begleitung des schreibprozesses ermöglichen. so werden schreibzentren mit „peer-tutoring“-konzepten aufgebaut, es gibt beratungsstellen und online-beratung. aber das sind bis heute immer noch die wenigsten hochschulen, die dies anbieten. auf der anderen seite wird beklagt, dass die zahl der studienabbrecherInnen zunimmt. völlig außer acht gelassen wird in den meisten diskussionen die psychologische komponente, dass sich viele studierende auf sich selbst zurückgeworfen fühlen.

wie stellt man denn eine forschungsthese auf? wie positioniert man sich zu der these und wie begründet man schlüssig seine eigene position? was sagen meine forschungsergebnisse letztendlich aus und wie trenne ich sie klar von meiner subjektiven position? wann komme ich ins deuten und ins kaffeesatzlesen und wann arbeite ich wissenschaftlich? wie finde ich die richtigen worte? ab welchem moment klingt ein text zu locker, wann erschöpft er sich Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und helfen

eine heisses eisen ist die hilfe und unterstützung beim verfassen wissenschaftlicher texte. es kommt immer auf die form der texte an, wie weit hilfe gehen darf. veröffentlichungen in wissenschaftlichen journalen oder auf homepages werden nicht selten von den forschenden gemeinsam erstellt. wer an einer untersuchung gemeinsam arbeitet, veröffentlicht die ergebnisse meist auch gemeinsem. anders sieht es mit akademischen abschlussarbeiten aus. diese müssen den passus enthalten, dass die forschungsleistung und das wissenschaftliche arbeiten allein vollbracht wurde. und die erklärung ist von allen verfasserInnen abzugeben.

doch natürlich kann man bekannte, verwandte oder auch professionelle fragen, wie bestimmt abschnitte in einer abschlussarbeit oder einem artikel klingen, ob der forschungsansatz nachzuvollziehen ist. man kann mit anderen menschen inhaltliche diskussionen führen, kann sich über die neuen erkenntnisse austauschen. wissenschaft gründet auch auf einem ausführliche diskurs. aber es geht nicht, dass man andere beauftragt, die eigene arbeit zu verfassen. es ist ein sehr aktuelles thema in der diskussion um plagiate bei forschungsarbeiten.

und doch gibt es unter der hand immer wieder angebote von ghostwritern, die das verfassen der haus- oder abschlussarbeiten gegen geld übernehmen. dabei handelt es sich um eine rechtlich problematische vorgehensweise. und, dies mag jetzt recht moralisch klingen, was bringt es einem das eigene forschungsergebnis von anderen verfassen zu lassen, wenn man dadurch versäumt, überhaupt einmal wissenschaftlich schriftlich gearbeitet zu haben. auch spätere tätigkeiten können einen immer wieder an den gleichen punkt bringen.

interessanter wäre es dann wahrscheinlich, die frage zu stellen, warum man etwas macht (oder eben machen lässt), zu dem man überhaupt keine lust hat. wieso daran festhalten und sich selber über das ohr hauen? Weiterlesen

„frei geschrieben“ von judith wolfsberger – ein buchtipp

auch dieses buch widmet sich dem wissenschaftlichen schreiben wie das vor kurzem vorgestellte buch. aber die herangehensweise der autorin ist eine völlig andere. hier werden schreibübungen und schreibanregungen zu den einzelnen arbeitsschritten gegeben, die ihre nähe zum kreativen schreiben nicht verleugnen können.

das buch von judith wolfsberger enthält schon im titel eine idee vom lustprinzip beim wissenschaftlichen arbeiten: „frei geschrieben – mut, freiheit & strategie für wissenschaftliche abschlussarbeiten„. es zeigt die schwierigkeiten, in die man beim verfassen einer wissenschaftlichen abschlussarbeit geraten kann, offen und unverblümt auf. und die autorin nimmt kein blatt vor den mund, wenn sie die situationen an den hochschulen beschreibt. die situationen, die es zusätzlich erschweren, eine interessante und spannende wissenschaftliche abschlussarbeit zu verfassen.

judith wolfsberger regt zu einer unkonventionelleren herangehensweise an, die vor allen dingen darauf ausgerichtet ist, für sich selber eine angenehmes zeitmanagement zu finden, in einen schreibfluss zu kommen und gleichzeitig fantasie und kreativität in die eigenen wissenschaftlichen texte einfließen zu lassen. dabei gibt sie schreibanregungen, die in kurzer zeit umzusetzen sind.

am besten eignet man sich das buch einige zeit vor dem verfassen einer abschlussarbeit an, um genug zeit für die umsetzung zu haben. dies wird einem später große vorteile bringen: die angst vor dem verfassen einer wissenschaftlichen abschlussarbeit könnte verflogen sein. das buch bietet viele beruhigungen und vor allen dingen anregungen zur zeitstrukturierung an. ein durchweg empfehlenswertes buch. es ist bei utb 2009 in der 2ten auflage erschienen. ISBN 978-3-8252-3218-4

schreibberatung und liebe

nein, es soll hier nicht darum gehen, dass sich ratsuchende oder klientInnen in ihre beraterInnen oder therapeutInnen verlieben können. das kann vorkommen, wie in jedem anderen job auch. es macht vieles kompliziert und widerspricht teilweise dem berufsethos, doch es kann nur persönlich geklärt werden.

es soll hier um ein anderes phänomen gehen, das oft einhergeht mit anstrengenden situationen. wer kennt es nicht, dass in prüfungszeiten oder wenn der stress am größten ist, prompt alles zusammenkommt. das heisst, plötzlich wird in diesen momenten auch die beziehung zu anderen menschen zusätzlich thema. man muss eine abschlussarbeit verfassen und die existierende beziehung fängt an zu kriseln. oder man lernt ausgerechnet in diesem moment eine person kennen, die einen verwirrt.

zu erklären ist das phänomen schwer, man kann nur vermutungen darüber anstellen. so kann es damit zu tun haben, dass in sehr fordernden und konzentrierten situationen die emotionalen fühler und die persönlichen gefühle auf einem sensibleren niveau liegen. also kann es in der schreibberatung passieren, dass diese emotionalen ausnahmesituationen den schreibfluss und die schreibkrise beeinflussen.

nun kann man natürlich versuchen, die persönlichen gefühlslagen in der beratung auszuklammern, sich auf den schreibprozess zu konzentrieren. doch wenn man davon ausgeht, dass schreibschwierigkeiten beeinflusst werden von diversen lebenslagen und die schreibberatung diese einbeziehen sollte, um gemeinsam handlungsmöglichkeiten zu finden, dann müssen die beziehungskonstellationen auch thema sein dürfen.

so kann die schreibberatung, wenn das thema gefühle und liebe thematisiert wurden, schreibtechniken anbieten, die zum einen der klärung des gefühlschaoses zuträglich sein können, und die zum anderen schreiben trotz eines gefühlschaoses ermöglichen. Weiterlesen

nabelschau (37)

verschwörungstheorien als ausrede für plagiate. ja, es liegt mir auf den lippen: wäre unser verteidigungsminister zu mir in die schreibberatung gekommen, wäre das nicht passiert 😀 doch das ist zu spät. eigentlich ist es zu spät für alles. denn, der schritte sind zu viele getan.

ja, es gibt viele menschen, die faken. es herrscht inzwischen oft die „copy-und-paste-haltung“ beim erarbeiten neuer dinge. dagegen spricht nichts, wenn man sich nur die ganzen neuinterpretationen alter musikstücke anschaut, wenn man sich die weiterverwertung von geschriebenem in blogs betrachtet und wenn man sich die filmcollagen mancher satiresendungen betrachtet. hier wird das plagiat zum zitat, zu einem kreativen zitat. aber es wird meist darauf hingewiesen wer urheber der ideen war.

aber, und da liegt der knackpunkt für einen juristen, alle akademikerInnen kennen die eidesformeln oder versicherungen, dass sie ihre abschlussarbeiten selbstständig verfasst haben. es gibt aber auch menschen, die den ghostwriter für abschlussarbeiten geben, gegen geld versteht sich. und doch, es gibt regeln des zitierens, copyright und diverse andere grundlagen des urheberrechts. im gegensatz zu naiven kopiererInnen weiß ein jurist, was er in dem moment, in dem er dagegen verstösst, macht.

oder der jurist muss sich den vorwurf gefallen lassen, er sei unglaublich naiv. doch wer glaubt bei dieser doktorarbeit an naivität? niemand. aber ein teil glaubt, die situation dadurch retten zu können, dass er tief in die kiste der verschwörungstheorie greift. ja, es ist sicherlich auch wahr, dass das fehlverhalten politisch genutzt wird. aber, jemand, der sich selber gern als wahrhaftig, moralisch integer und korrekter mensch darstellt, sollte zumindest erkennen, wann es an der zeit ist, fehler einzugestehen. oh nein, es benötigt keine entschuldigung, es benötigt klarheit.

doch die mediale maschinerie wird genutzt, um es wie ein kavaliersdelikt erscheinen zu lassen, was inzwischen in vielfältiger weise widerlegt wurde. es deutet darauf hin, zumindest laut „spiegel„, dass dies noch nicht alles war. dies hin oder her, von menschen, die ihre abschlüsse verloren haben, da sie copy-and-paste verwendeten, und von menschen, die einfach geforscht, zusammengefasst und veröffentlicht haben, kann die aktuelle situation nicht mehr verstanden werden.

da wirkt der politische angriff gegen die opposition wie ein machtspielchen abseits aller begebenheiten. und es sagt etwas über die haltung, die in manchen kreisen dieser gesellschaft eingenommen wird. im schwäbischen sagt man „es gibd soddige ond soddige. und ieh bin oiner von de soddige.“

schreibberatung und verirren

es gibt keine schreibblockade, es gibt keine schreibkrise. die abschlussarbeit schreibt sich locker von der hand, es läuft. doch als man das geschriebene noch einmal liest, stellt man fest, dass die gedanken zur geplanten arbeit, eigene wege gegangen sind und von anderen, ja von einem selber nicht nachvollzogen werden können. wie konnte das passieren? man hat sich in der materie der arbeit verirrt.

auch in diesen momenten kann die schreibberatung hilfreich sein. der schock über das geschriebene sitzt so tief, dass vielleicht nur ein weg vorstellbar erscheint. alles in die tonne werfen und noch einmal von vorn schreiben. aber das ist nicht unbedingt notwendig. die gedanken, die in die irre führten haben mit der thematik der abschlussarbeit zu tun. sie greifen wege und überlegungen auf, die zwar nicht zentral sind, aber auch nicht sinnfrei.

in der schreibberatung kann als erster schritt über diverse techniken versucht werden, einen generellen roten faden für die abschlussarbeit zu erstellen. hat man diesen roten faden oder die thematische gliederung gefunden, kann man das ganze mit dem schon geschriebenen abgleichen und schauen, was davon eingefügt und somit verwendet werden kann.

manchmal genügt es auch, das schon geschriebene umzustellen, zu korrigieren und zu kürzen, um einen großteil der abschlussarbeit geschafft zu haben. das ist natürlich der schönste fall. generell kommt der aber nicht sehr häufig vor. doch ein blick einer neutralen person von außen kann in diesem zusammenhang sehr hilfreich sein. schreibberaterInnen kennen sich mit großer wahrscheinlichkeit nicht mit der thematik der arbeit aus. dadurch haben sie einen blick für verständlichkeit.

es ist nicht schlimm, sich zu verirren. es ist immer schwierig, wenn das verirren sehr lang dauert und erst zum schluss beim letztmaligen durchlesen auffällt. Weiterlesen

schreibberatung und motivation

schreibkrisen oder schreibblockaden basieren häufig auf der fehlenden motivation, sich an die bestehende schreibaufgabe zu setzen. was kann schreibberatung beisteuern, um wieder in einen motivierten modus zu gelangen?

meist scheitert das schreiben dann, wenn man etwas verfassen muss, das nicht viel spaß bringt. man schreibt gern viele andere dinge, nur eben nicht das notwendige. doch wie soll man sich nun überreden, doch zum stift oder zur tastatur zu greifen? oft ist es noch nicht einmal das thema, das einen anödet, sondern es ist das korsett, in dem geschrieben werden muss.

die schreibberatung macht in diesen momenten nichts anderes, als das korsett aufzuschnüren. es kann ja später wieder zugeschnürt werden, doch zwischendurch sollte man mal luft holen. das erreicht man zum beispiel durch regelmäßiges freewriting. dafür benötigt man maximal 10 minuten, oft genügen auch fünf minuten. man kann zum beispiel täglich ein oder zwei freewriting zum thema der abschlussarbeit machen, also seine gedanken schriftlich schweifen lassen.

denn auch über diesen weg kann man sich dem thema annähern, neue ideen dazu erlangen und vielleicht einen roten faden finden. in kurzer zeit entstehen mehrere texte zur abschlussarbeit. diese kann man insoweit überarbeiten, dass man sich die wichtigsten sätze oder gedanken markiert und noch einmal auf ein blatt zusammenträgt. das angenehme an dieser übung besteht darin, dass man überhaupt wieder in den schreibfluss kommt. dieses hinterlässt, auch wenn es sich nicht um einen qualitativ hochwertigen text handelt, ein angenehmes gefühl. allein der gedanke, etwas zur notwendigen schriftlichen arbeit geschrieben zu haben, kann einen motivierenden charakter bekommen.

zusätzlich dazu können zum beispiel noch diverse cluster zu verschiedenen aspekten der schreibaufgabe erstellt werden. diese bilden die eigenen ideen zu einzelnen themen ab. Weiterlesen

schreibpädagogik und schreibberatung

jeder mensch kann einmal in die situation geraten, dass es mit dem schreiben hakt. selbst berufsschreiberInnen landen ab und zu in einer schreibkrise oder schreibblockade. in dem moment kann die zeit vor dem weißen blatt oder dem weißen bildschirm quälend werden. die ideen fehlen oder die umsetzung der idee gelingt nicht angemessen.

daneben kann es aber auch zu den bekannten fluchtbewegungen kommen. es ist dringend eine abschlussarbeit zu schreiben, ein bericht oder antrag zu verfassen, ein brief zu schreiben, und man räumt lieber die wohnung auf, spült das geschirr, wäscht die wäsche, putzt die fenster, staubt die bücher ab, repariert das fahrrad, kachelt das bad neu. wer kennt das nicht?

es ist so lang erträglich, so lang es bei kurzen episoden bleibt. die kann man mit anderen dingen überbrücken und sollte sich nicht verrückt machen. das schadet nicht und wird entspannender, wenn man sich zugesteht, dass einem nicht immer etwas einfallen muss. schwieriger wird es, wenn der gesamte studienabschluss oder die berufliche existenz langsam auf dem spiel stehen. dann wird der druck auf die schreibenden immer größer, ein kleiner teufelskreis kommt in gang. denn je größer der druck, desto schwerer fällt es vielen, nicht zu flüchten.

wünschenswert ist es dann, dass man noch rechtzeitig erkennt, allein schaffe ich das jetzt nicht mehr. gründe kann es dafür viele geben, aber man kommt ihnen allein nicht auf die schliche. hier macht es sinn, sich hilfe zu suchen. dies können gute freunde sein, die einen unterstützen, mit denen man kontrollanrufe oder andere hilfestellungen vereinbart. es kann auch helfen, den schreibort zu verlegen. etliche ziehen sich zum beispiel gern in die leseräume von bibliotheken zurück, wo alle anwesenden versuchen zu arbeiten, zu lesen und zu schreiben, denn das kann animierend sein. so lenkt zumindest nichts ab, wie es zuhause doch häufig der fall ist.

dann gibt es noch die möglichkeit, ratgeberbücher zu hilfe zu nehmen. Weiterlesen

selbsterkenntnis und schreibpädagogik

schreiben hat immer reflexive momente. selbst wenn ich gerade eine horrorgeschichte verfasse, fließt etwas von mir als person ein. dies kann sich in verhaltensweisen des protagonisten zeigen, in gedanken der opfer, im gesamten plot oder auch nur an der ausstaffierung einer beschriebenen wohnung. aber es gibt kaum einen schreibprozess, in dem ich so weit von mir abstrahieren kann, dass das ergebnis keine persönlichen anteile enthält. geschäftsbriefe, vielleicht auch forschungsarbeiten oder juristische texte kommen meist ohne persönlichen anteil aus. doch das macht sie auch so distanziert und alles in allem recht uninteressant, zumindest für nicht-spezialisten.

inzwischen lösen sich selbst diese starren muster ein wenig auf. es menschelt in der post und in der wissenschaft. das kann skurrile formen annehmen, die eher nach emotionalen offenbarungen scheinen, denn nach ernsthaften professionellen tätigkeiten. es kann aber auch zu ansprechenden texten mit persönlichem bezug führen, die sich angenehm lesen und noch eine menge informationen vermitteln. selbst solche texte schreiben sich leichter von der hand, wenn ich mir meiner bewusst bin. daher kommt es nicht von ungefähr, dass menschen, die abschlussarbeiten oder berichte verfassen müssen, prompt dann in persönliche krisen geraten, wenn dies ansteht. abgesehen von der frage, „warum mach ich das überhaupt?“, oder dem zweifel, „wie sieht meine zukunft nach der abgabe aus?“, lässt das regelmäßige schreiben die gedanken nebenher fließen. sie in zaum zu halten fällt schwer und kann einen ganz schön aus der bahn werfen.

hier bekommt die schreibpädagogik zwei funktionen. zum einen durch techniken eine trennung zu schaffen zwischen dem verfassen der professionellen arbeit und den persönlichen reflexionen, zum anderen aber, selbst in die arbeit, die wissenschaftlichen gedanken, persönliches einfließen zu lassen. und eigentlich gibt es noch eine dritte funktion, die aber mit psychologischen vorgehensweisen kombiniert wird, einen umgang mit den selbstreflektiven momenten in stresssituationen zu finden. Weiterlesen

schnickschnack (42)

wie manche leserInnen feststellen konnten, habe ich ein faible für grafikdesign. und so ist es nicht verwunderlich, dass eine seite, in der studentInnen des studiengangs „design – medien design“ der fachhochschule in mainz ihre diplomarbeiten vorstellen, meine zustimmung findet. besonders angenehm an der homepage ist die tatsache, dass bei vielen abschlussarbeiten der versuch unternommen wurde „praegnanz“ zu zeigen.

dabei handelt es sich in vielen fällen darum, die botschaften auf die wichtigsten aspekte zu reduzieren und keinen überquellenden tand zu präsentieren. so findet man bei der „diplomschau“ sehr unterschiedliche aber nicht weniger interessante abschlussarbeiten des studiengangs. sie können nur eine anregung sein, meist sind sie nur ausschnitthaft zu betrachten, sich bei eigenen entwürfen oder ideen auf das wesentliche zu konzentrieren. doch durch die vielfalt kann der besuch der seite zu einer kleinen entdeckungstour werden und zu eigenem schaffen anregen. zu finden ist die seite unter: http://diplomschau.praegnanz.de/ .