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schreibidee (360)

wenn man anfängt nach schreibanregungen zu suchen, dann fängt man auch meist an, mit offeneren sinnen durch die welt zu laufen. man betrachtet dinge, die man erlebt hat, auch unter dem aspekt, ob diese eine geschichte wert sind. und je öfter man mit den ausgefahrenen antennen durch die welt läuft, um so häufiger nimmt man ereignisse und anekdoten wahr. darum dieses mal eine schreibanregung zu „anekdoten-sammlungen“.

diese schreibidee benötigt eigentlich einen längeren vorlauf, macht also in schreibgruppen sinn, die sich regelmäßig treffen und in denen gern auch mal kleinere aufgaben übernommen werden. dann kann man die gruppenteilnehmerInnen dazu einladen, sich ein notizbuch anzulegen, das sie möglichst immer mit sich herumtragen. in dieses notizbuch werden über einen längeren zeitraum alle erlebnisse, eindrücke oder szenen notiert, die einem „geschichtsträchtig“ scheinen.

ob es nun im öffentlichen nahverkehr, auf der strasse, am arbeitsplatz oder im nachtleben ist, es gibt immer wieder ereignisse, die einen schmunzeln lassen, einen empören oder vielleicht einen tief bewegen. solche momente sollten in dem notizbuch vor allen dingen festgehalten werden. wenn die aufgabe von der schreibgruppe konsequent verfolgt wird, dann sammeln sich im laufe der zeit eine ganze menge geschichten (und notizen) an.

als erstes werden bei dem anekdoten-sammlung- schreibgruppentreffen von allen teilnehmerInnen ihre notizbücher durchforstet. nun notieren sich die teilnehmerInnen die szenen noch einmal in einem kleinen abschnitt von ein paar sätzen. der schwerpunkt liegt noch nicht darauf, eine geschichte daraus zu machen, sondern in ein paar worten das erlebte wiederzugeben.

anschließend stellen alle teilnehmerInnen ihre abschnitte in der schreibgruppe vor. die schreibgruppe wählt aus dem persönlichen pool der ereignisse pro person zwei beispiele aus, zu denen sie später eine geschichte hören möchte (dies macht man am besten per stimmzettel oder durch kurze abstimmungen per handaufzeigen). nun schreiben die teilnehmerInnen zu den gewählten notizen zwei geschichten. die geschichten werden anschließen in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.

zum abschluss wählt die schreibgruppe aus den jeweils zwei dargebotenen geschichten noch einmal eine aus. und aus allen ausgewählten geschichten kann eine anekdoten-sammlung der schreibgruppe erstellt werden. entweder veröffentlcht man diese gemeinsam im internet, man kopiert oder druckt ein kleines büchlein oder man veranstaltet eine lesung dazu. der titel könnte zum beispiel lauten „die letzten drei monate in xy – anekdoten, die das leben schrieb“.

natürlich können die kurzbeschreibungen der notizen auch ausgetauscht werden und andere gruppenteilnehmerInnen schreiben eine geschichte dazu, oder man wählt selber die bevorzugte geschichte aus. die sammlung lässt sich über einen längeren zeitraum fortführen und es werden immer wieder neue geschichten von den schreibenden beigesteuert. der alltag bietet zumindest anregungen ohne ende.

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biografisches schreiben und kombinieren

wenn man sich seine lebensgeschichte anschaut, dann gab es mit großer wahrscheinlichkeit immer wieder ereignisse, die sich ähnelten aber jedesmal unterschiedlich verliefen, je nachdem, welche menschen aufeinander trafen, was in der folge passierte. selbst wenn man sich bemüht, alle äußeren bedingungen identisch zu gestalten, hat jedes ereignis seine ganz eigenen regeln und verläufe. es lässt sich nichts vorhersagen.

beim biografischen schreiben kann man den blick auf die ereignisse werfen, die einen am meisten erstaunten. man dachte, man weiß, was passieren wird, ahnte die folgen der kombination und wurde überrascht. listen sie doch einmal die überraschungen ihres lebens auf. und schauen sie, wie sie mit den überraschungen umgingen. die spontanen reaktionen sind oft die spannendsten, wenn man sich selber noch ein wenig kennenlernen möchte.

natürlich kann man sich noch ganz andere kombinationen des eigenen lebens anschauen. welche menschen brachte man gern zusammen, mit welchen menschen brachte man sich selber gern zusammen und welche menschen passten gar nicht in einen raum? woran lag es, was geschah?

oder blicken sie auf ihre ästhetische welt: welche farben, welche muster und welche kleidung haben sie gern zusammengebracht, wurden zu ihren erkennungszeichen? warum gefielen ihnen die kombinationen? wie reagierten andere Weiterlesen

100 „wortklaubereien“ aus diesem blog

worte, werbung, wortwendungen, polit- und beratersprech – ein weites feld, in dem sich immer wieder begrifflichkeiten oder aussagen finden, die absurd, fragwürdig, irrwitzig oder einfach nur kracher sind. ich fühle mich nicht als saubermann der deutschen sprache – ich greife nur gern skurriles auf (auch wenn es nicht tagesaktuell ist) und versuche, es auseinander zu klauben. nun sind die 100 klaubereien voll, darum hier eine linksliste zu den verschiedenen auffälligkeiten:

wortklauberei (01): „tiefkühlkost“
wortklauberei (02): „seitenflügel“
wortklauberei (03): „ausbildung“
wortklauberei (04): „zeitnah“
wortklauberei (05): „wellness“
wortklauberei (06): „mit dem wort links habe ich keine berührungsängste“
wortklauberei (07): „wintereinbruch“
wortklauberei (08): „verantwortungsloses system“
wortklauberei (09): „dienstleistungsgesellschaft“
wortklauberei (10): „garnier-koffein-augen-roll-on“
wortklauberei (11): „finanzmarktstabilisierungsanstalt“
wortklauberei (12): „die genuss-molkerei“
wortklauberei (13): „schicksalsreportage“
wortklauberei (14): „handy“
wortklauberei (15): „rauschtrinken“
wortklauberei (16): „clashen lassen“
wortklauberei (17): wort des jahres: „finanzkrise“
wortklauberei (18): „kinderleicht-regionen“
wortklauberei (19): „… dass niemals wieder ein vorstandsvorsitzender der deutschen bank ein renditeziel von 25 prozent vorgibt“
wortklauberei (20): „kampfmittelbeseitigung“
wortklauberei (21): unwort des jahres: „notleidende banken“
wortklauberei (22): „always ultra mit secure guard schutzkonturen“
wortklauberei (23): „ein herz für erzeuger“
wortklauberei (24): „eine neue zeit beginnt. wir sind bereit.“
wortklauberei (25): „in dieser unendlichen weite des tabellen-ozeans“
wortklauberei (26): „cesar – zeig deine liebe“
wortklauberei (27): „wir werden das konjunkturtal überwinden“
wortklauberei (28): „up-&-awake-pads“
wortklauberei (29): „athletisches design“
wortklauberei (30): „zwei leben. eine liebe. sheba“
wortklauberei (31): „karriere lounge“
wortklauberei (32): „creativ catering“
wortklauberei (33): „bunte eier aus bodenhaltung“
wortklauberei (34): „das stinkt doch nach pfusch“
wortklauberei (35): „schicken sie ihren gaumen auf weltreise“
wortklauberei (36): „bossnapping“
wortklauberei (37): „bad bank“
wortklauberei (38): „sei welt – sei meister – sei berlin“
wortklauberei (39): „stück für stück ins homoglück“
wortklauberei (40): „gesundheitskasse“
wortklauberei (41): „endlich gibt es tempo auch als toilettenpapier“
wortklauberei (42): „trendwende“
wortklauberei (43): „internationaler tag des kusses“
wortklauberei (44): „frauenpolitik & genderpolitik in der friedrich-ebert-stiftung“
wortklauberei (45): „basisfahrplan“
wortklauberei (46): „analog-käse“
wortklauberei (47): „kundenlebenswert“
wortklauberei (48): „dienstleistungsbereitschaft“
wortklauberei (49): „du bist nicht auf der welt, um zu schweigen“
wortklauberei (50): „sprachbox“
wortklauberei (51): „black puty”
wortklauberei (52): „eine gute id“
wortklauberei (53): „unsere kommune ist demenzfreundlich“
wortklauberei (54): „millionisieren”
wortklauberei (55): „verschwulung des bezirks“
wortklauberei (56): „wutbürger“
wortklauberei (57): „wahre liebe kribbelt nicht. sie brutzelt.“
wortklauberei (58): „neujahr“
wortklauberei (59): „der vorsatz“
wortklauberei (60): „amt warnt vor asthma durch babyschwimmen“
wortklauberei (61): „abends mit gesundem gemüse kochen“
wortklauberei (62): „thailändisches überschwemmungsamt“
wortklauberei (63): „die unnötigen zeilenumbrüche des nachrichtentextes wurden automatisch entfernt“
wortklauberei (64): „transformationspartnerschaft“
wortklauberei (65): „lebensqualität“
wortklauberei (66): „eine entscheidung der konsequenz“
wortklauberei (67): „stumpfsinn“
wortklauberei (68): „grenzwert“
wortklauberei (69): „warnschussarrest“
wortklauberei (70): „mozarella in „herzli“-form zum muttertag“
wortklauberei (71): „angsthase“
wortklauberei (72): „eifersucht“
wortklauberei (73): „rumgurken“
wortklauberei (74): „lehruntauglich“
wortklauberei (75): „nicht kirchensteuerpflichtig = vd“
wortklauberei (76): „smartbucher“
wortklauberei (77): „schlichtgefieder“
wortklauberei (78): „lasst benni nicht im heim sterben”
wortklauberei (79): „sozialer patriotismus“
wortklauberei (80): „schmutzfangmatten“
wortklauberei (81): „krümelschutz“
wortklauberei (82): „bundestrojaner“
wortklauberei (83): „dumpf-muffiger fehlton“
wortklauberei (84): „flexiquote“
wortklauberei (85): „schuldenschnitt“
wortklauberei (86): „un-möglich“
wortklauberei (87): „un-gehalten“
wortklauberei (88): „auf der grundlage eines festen kompasses“
wortklauberei (89): „der breite widerstand ist friedlich“
wortklauberei (90): „selbstausfragung“
wortklauberei (91): „kochblockade“
wortklauberei (92): „care-verpflichtungen“
wortklauberei (93): „verfassungsschutz“
wortklauberei (94): „globalzufriedenheit“
wortklauberei (95): „ausgeflöckel“
wortklauberei (96): „for you. vor ort“
wortklauberei (97): „ehrensold“
wortklauberei (98): „einschaltquote“
wortklauberei (99): „billiges geld“
wortklauberei (100): „fettstufe“

viel spaß damit!

schreibidee (345)

stellen sie sich vor, sie laufen auf einem waldweg dahin, genießen die natur und kennen den weg nicht. sie haben auch keine karte dabei, wollen einfach nur so rumlaufen. dann kommt eine weggabelung – kein schild, kein hinweis, nichts. gehen sie nach rechts oder nach links? ähnliches geschieht uns täglich. wir entscheiden in unserem alltag laufend, was wir als nächstes tun, wie wir handeln wollen oder was wir sagen. meist stehen wir vor entscheidungen, wie „ja!“ oder „nein!“, wie „links“ oder „rechts“. auch beim schreiben von texten tauchen solche momente auf. darum eine schreibanregung zu „überraschenden wendungen“.

hier wurden schon öfter vorschläge gemacht, geschichten zu schreiben, in denen eine handlung, den gesamten verlauf einer story verändert. doch dieses mal soll einen schritt weiter gegangen werden. und dieses mal werden in der schreibgruppe nur zwei längere geschichten geschrieben. zu beginn kann man eine inhaltliche oder stilistische schreibanregung für eine geschichte geben oder den teilnehmerInnen wird freigestellt, worüber sie schreiben. einzige vorgabe: es muss eine handlung geben, es muss etwas geschehen in der geschichte.

anschließend werden die geschichten nicht vorgetragen, sonder alle lesen ihre eigene geschichte noch einmal durch. dabei markieren sie fünf stellen, an denen etwas geschieht. also zum beispiel jemand eine tür schließt, einen brief liest, auf jemanden zugeht und so weiter. dann überlegen sie sich für jedes markierte ereignis, wie das absurdeste alternative ereignis aussieht. dies wird notiert (es können auch mehrere vorschläge sein). so rennt jemand weg anstatt auf jemanden zu zu gehen, wie es die vorliegende variante beschreibt. oder jemand tanzt tango mit sich allein und tanzt auf die andere person zu. oder jemand holt ein sandwich aus der tasche und isst es genüsslich oder …

als nächste wird die eigene geschichte an einen nachbarn in der schreibgruppe weitergegeben. die nachbarInnen markieren ebenso fünf ereignisse oder geschehnisse und notieren auf einem blatt für die jeweiligen stellen absurde alternative vorkommnisse oder handlungen. geschichte und notizen werden an die ursprünglichen autorInnen zurückgegeben.

jetzt wird die geschichte ein zweites mal geschrieben. an insgesamt fünf stellen (man hat die fünf eigenen und die fünf von kollegInnen notierten alternativen zur auswahl) nimmt die geschichte den absurden verlauf. und doch sollte die geschichte nicht vollständig verlassen werden, also keine ganz neue entstehen. es sollen nur einzelne momente durch das unerwartete, wendungen erfahren. es wird sich zeigen, dass stories durch absurde momente nicht selten lebhafter und anregender werden. die neuen geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und du veränderten stellen werden aufgezeigt. anschließend findet eine feedbackrunde statt.

„das leben ist kein streichelzoo“ von david sedaris – ein buchtipp

für kurz zwischendurch, kleine geschichten, großer spaß. david sedaris, eigentlich bekannt für schräge, schrille geschichten aus seinem eigenen leben, hat sich die tierwelt vorgeknöpft. in seinem buch „das leben ist kein streichelzoo – fiese fabeln“ gibt es, wie gewohnt, keine tabus und viel humor. denn auch die tierwelt ist alles andere als eine einfache welt.

ob eine arrogante rättin im versuchslabor, eine krähe, die selbstsüchtig ein schaf zum meditieren bringt oder ein kaninchen, das jedes maß der dinge verloren hat, in diesem buch ist alles möglich, sogar die frage, ob die blutegel im anus eines nilpferd singen oder summen. die meist kurzen fabeln haben eigentlich nur eine botschaft: in der tierwelt geht es allzu menschlich zu. nur am rand wird der mensch als thema gestreift, doch dann tut er sich meist dadurch hervor, dass er nichts versteht von den sorgen und nöten der tiere.

besonders schön wird das buch durch die direkten und drastischen illustrationen von ian falconer. dieses buch ist alles andere als ein kinderbuch, aber es ist ein märchenbuch, das den alten grausamen märchen in nichts nachsteht. der große unterschied: sedaris lässt immer noch eine absurde, witzige komponente einfließen. und natürlich der unübertroffene schreibstil von sedaris, wie man ihn aus seinen lebensgeschichten kennt. so erfährt man, dass neben einem in der tierwelt, der bär steppt.

übrigens ist das buch auch eine schöne anregung für das kreative schreiben, sich auch mal den fabeln und tiergeschichten zu zu wenden. das buch ist 2011 beim karl blessing verlag in münchen erschienen. ISBN 978-3-89667-444-9

schreibidee (326)

in den letzten tagen habe ich einen interessanten gedanken gelesen: woher wissen wir eigentlich, wie die vergangenheit wirklich war, wenn wir noch nicht einmal wissen, was alles damals (in grauer vorzeit) geschrieben und gedacht wurde, da vieles verschwunden ist und nie wieder aufgetaucht ist? viele unserer vorstellungen basieren auf fragmenten. diese fragmente werden schnell für bare münze genommen (obwohl vielleicht der großteil der damaligen menschen was ganz anderes gedacht hat). darum soll der hang zur gewissheit mit dieser schreibanregung ein wenig verstört werden, es sollen „absurde theorien“ geschrieben werden.

seit jahrhunderten werden über das geschriebene und dann auch gedruckte oder inzwischen digitalisierte wort gewissheiten geschaffen. schreiben wir doch einmal um. als einstieg erhalten die teilnehmerInnen eines der naturgesetze (gern etwas physikalisches oder so) als kopie ausgeteilt. das gesetz soll umgeschrieben werden. dabei gibt es keine beschränkungen. so kann die erdanziehung zum beispiel mit unsichtbaren wesen erklärt werden, die alles in der luft mit einem lasso einfangen und versuchen auf die erde zu ziehen. anschließend werden die theorien in der schreibgruppe ohne feedback kurz vorgestellt.

nun werden in der gruppe die großen fragen der menschheit aufgeworfen, die noch nicht zufriedenstellend beantwortet wurden. entweder machen sich alle notizen zu drei bis fünf stichpunkten oder es werden gleich fragen, zu denen die passenden theorien fehlen am flipchart gewählt. zum beispiel die frage, weshalb sich der pfau mit seinem unhandlichen federkleid, das ihn zur leichten beute macht, in der evolution durchsetzen konnte? es dürfen aber auch fragestellungen gewählt werden, die schon längst beantwortet sind.

im anschluss geht es darum, dass die teilnehmerInnen zu einer jeweils ausgesuchten frage eine theorie entwickeln. dazu kann entweder das freewriting, ein cluster oder eine 30-wort-assoziation genutzt werden. anschließend ist eine kleine wissenschaftliche oder philosophische abhandlung zu schreiben. also es geht darum, zu „schreiben wie …“. es muss eine these aufgeführt werden, es müssen beweise benannt werden, sollten forschungen angeregt werden und schlussfolgerungen dürfen angestellt werden. danach werden die „absurden theorien“ in der schreibgruppe vorgestellt und es gibt eine kurze feedbackrunde.

nun werden die niedergeschriebenen theorien unter den schreibgruppenteilnehmerInnen ausgetauscht. zum abschluss wird eine geschichte geschrieben, wie sich die welt wohl entwickelt, wenn alle menschen der neuen theorie, die man in händen hält, folgen und sie glauben. wie sieht dann unsere zukunft auf? die zukunftsszenarien werden anschließend vorgelesen.

schreibidee (307)

es gibt dinge, die möchte man nicht machen. sie machen angst oder keinen spaß und somit schiebt man sie auf die lange bank. doch im hintergrund nagt das gewissen, das einem sagt, jetzt aber mal ran an den kram. andere fragen dann schon mal nach, wann man endlich in die pötte kommt. hier braucht es eine gute ausrede. es gibt gute und es gibt schlechte ausreden. die besten ausreden kommen von der arzthelferin „linda“ in der fernseh-comedy „becker“. sie kommt jedesmal zu spät zum dienst, aber ihre ausreden sind vom feinsten. darum und damit das leben ein wenig entspannter wird eine schreibanregung zu „ausrede-texten

die schreibgruppenteilnehmerInnen erstellen zu beginn eine liste mit fünf situationen, in denen sie eine ausrede benötig(t)en. in wenige stichworten notieren sie den anlass und die schwierigkeiten, das schlechte gewissen zu dieser situation. anschließend notieren alle jeweils eine ausrede (maximal eine halbe seite) für ihr eigenes verhalten. die fünf punkte und die ausreden werden in der schreibgruppe vorgestellt.

nun werden noch einmal fünf ausreden notiert. ausreden, die bar jeder logik sind. so konnte man zum beispiel das haus nicht verlassen, da eine elchkuh vor der tür stand und den weg versperrte oder ufos einen entführt haben. die schreibgruppenteilnehmerInnen werden aufgefordert, keine absurdität auszulassen.

und nun wird in kleingruppen weitergearbeitet. man stellt sich gegenseitig seine fünf ausreden vor und die anderen in der kleingruppe wählen die beste ausrede aus. zu dieser ausrede gibt es ein ausführliches feedback, wie weit man sie noch ausbauen und ausschmücken könnte. dann setzen sich alle schreibgruppenteilnehmerInnen abermals hin und schreiben an der einen ausgewählten ausrede weiter. sie entwickeln eine geschichte / begründung von minimal einer seite.

man trifft sich abermals in der kleingruppe und es wird zu der ausgeschmückten ausrede noch einmal ein feedback gegeben. anschließend wird ein letztes mal an der ausrede gefeilt. und zum abschluss werden alle ausreden in der gesamten schreibgruppe vorgestellt. wenn interesse besteht könnte gemeinsam aus der schreibgruppe heraus ein ratgeber für die besten ausreden erstellt werden, der als pdf-datei aus dem internet heruntergeladen werden kann. wenn die schreibgruppe dies nicht machen möchte, sollte sie sich zumindest eine gute ausrede einfallen lassen, warum nicht 😉

schreibidee (183)

der herbst ist ein abschied vom grün, von der wärmenden sonne und vom quirligen leben für beinahe ein halbes jahr. menschen werden griesgrämiger, häuslicher und ihre kleidung erdfarben oder dunkel. was könnte in diese jahreszeit besser passen, als texte und geschichten zu verfassen, die mit abschied zu tun haben. ob es nun um den tod, eine trennung, eine lange reise oder das ende eines gemeinsamen wochenendes in einer wochenendbeziehung geht, in all diesen situationen nehmen menschen von einander abschied. darum schlägt die schreibidee dieses mal das verfassen von „abschiedstexten“ vor.

als einstieg werden dieses mal in der schreibgruppe an einem flipchart oder auf einer tafel abschiedsformeln gesammelt. zum beispiel „tschau babe“, „und tschüss“, „ade“ oder „auf wiedersehen“ am ortsausgang 😉 die teilnehmerInnen wählen sich eine verabschiedung aus und schreiben dazu ein freewriting. dann greifen sie den für sie ansprechendsten satz aus dem freewriting auf und schreiben eine geschichte dazu. die geschichten werden in der schreibgruppe ohne feedback vorgetragen.

als nächstes erstellen alle schreibgruppenteilnehmerInnen eine liste von abschieden, die sie in letzter zeit erlebt haben. und sie verfassen eine liste von abschieden, die sie gern vornehmen würden. aus diesen listen greifen sie einen punkt heraus und schreiben einen abschiedsbrief dazu. dies kann also posthum geschehen oder schon vorausschauend formuliert werden. die abschiedsbriefe werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen. beim feedback liegt dieses mal der fokus auf der frage, wie berührend der abschied formuliert wurde.

zum abschluss werden von allen teilnehmerInnen noch einmal alle bisherigen texte und listen betrachtet, um anschließend eine abschiedsgeschichte der absurden art zu schreiben. absurd soll heißen, dass zum beispiel abschiede vom fussabtreter vor der wohnungstür vorgenommen werden, oder abschiede von den schulbüchern nach der schulzeit, von der verblühten blume in der vase und dergleichen mehr. man kann sich ja von allem verabschieden, auch von sich selbst, wenn man für einen tag mal die schnauze voll hat 😀 Die Geschichten werden in der Schreibgruppe vorgelesen und es gibt ein Feedback durch die Gruppe.

50 wortklaubereien aus diesem blog

und wenn wir dann gerade schon bei den ganzen schreibtechniken, schreibweisen und schreibformen sind, dann können wir auch noch schnell einen blick auf die sprach werfen. also persönlich sind die wortklaubereien mein liebstes kind, da der geschriebene humor der schönste ist. meist war es anders gemeint, aber es findet sich beständig missverständliches. nachschlag kommt in den nächsten wochen. hier kann ich mich jedenfalls ein wenig austoben 😳

gepostet am 18.02.2010

vor ungefähr anderhalb jahren hatte ich angefangen, mich worten und wortwendungen zu zu wenden, die an aussage und doppeldeutigkeit kranken. es fanden sich immer wieder dinge, die ernst genommen, die welt auf den kopf stellen können oder leserInnen zweifelnd zurücklassen. was wollten die autorInnen mir damit sagen? wer kommt auf solche abstrusen wortspiele? diese „wortklaubereien“ seien nun hier zusammengefasst, um platz für neue zu schaffen.

wortklauberei (01): „tiefkühlkost“
wortklauberei (02): „seitenflügel“
wortklauberei (03): „ausbildung“
wortklauberei (04): „zeitnah“
wortklauberei (05): „wellness“
wortklauberei (06): „mit dem wort links habe ich keine berührungsängste“
wortklauberei (07): „wintereinbruch“
wortklauberei (08): „verantwortungsloses system“
wortklauberei (09): „dienstleistungsgesellschaft“
wortklauberei (10): „garnier-koffein-augen-roll-on“
wortklauberei (11): „finanzmarktstabilisierungsanstalt“
wortklauberei (12): „die genuss-molkerei“
wortklauberei (13): „schicksalsreportage“
wortklauberei (14): „handy“
wortklauberei (15): „rauschtrinken“
wortklauberei (16): „clashen lassen“
wortklauberei (17): wort des jahres: „finanzkrise“
wortklauberei (18): „kinderleicht-regionen“
wortklauberei (19): „… dass niemals wieder ein vorstandsvorsitzender der deutschen bank ein renditeziel von 25 prozent vorgibt“
wortklauberei (20): „kampfmittelbeseitigung“
wortklauberei (21): unwort des jahres: „notleidende banken“
wortklauberei (22): „always ultra mit secure guard schutzkonturen“
wortklauberei (23): „ein herz für erzeuger“
wortklauberei (24): „eine neue zeit beginnt. wir sind bereit.“
wortklauberei (25): „in dieser unendlichen weite des tabellen-ozeans“
wortklauberei (26): „cesar – zeig deine liebe“
wortklauberei (27): „wir werden das konjunkturtal überwinden“
wortklauberei (28): „up-&-awake-pads“
wortklauberei (29): „athletisches design“
wortklauberei (30): „zwei leben. eine liebe. sheba“
wortklauberei (31): „karriere lounge“
wortklauberei (32): „creativ catering“
wortklauberei (33): „bunte eier aus bodenhaltung“
wortklauberei (34): „das stinkt doch nach pfusch“
wortklauberei (35): „schicken sie ihren gaumen auf weltreise“
wortklauberei (36): „bossnapping“
wortklauberei (37): „bad bank“
wortklauberei (38): „sei welt – sei meister – sei berlin“
wortklauberei (39): „stück für stück ins homoglück“
wortklauberei (40): „gesundheitskasse“
wortklauberei (41): „endlich gibt es tempo auch als toilettenpapier“
wortklauberei (42): „trendwende“
wortklauberei (43): „internationaler tag des kusses“
wortklauberei (44): „frauenpolitik & genderpolitik in der friedrich-ebert-stiftung“
wortklauberei (45): „basisfahrplan“
wortklauberei (46): „analog-käse“
wortklauberei (47): „kundenlebenswert“
wortklauberei (48): „dienstleistungsbereitschaft“
wortklauberei (49): „du bist nicht auf der welt, um zu schweigen“
wortklauberei (50): „sprachbox“

viel spaß damit!

„schöner wird´s nicht“ von david sedaris – ein buchtipp

heiter weiter, so könnte man die grundlagen des buches von sedaris beschreiben. manchmal darf es auch lektüre sein, die nicht den anspruch zu größeren gedanken anzuregen hat. sie beschreibt nur die absurditäten des alltags, die kleinen neurosen, die wir alle mit uns rumtragen. und sie ist zum brüllen komisch, zumindest für viele menschen, die auch über sich selber lachen können. und die dem an sich ernsthaften leben noch eine witzige seite abgewinnen können.

david sedaris beschreibt, wie auch schon in seinen vorherigen büchern, situationen aus seinem leben. mal sind es längere, mal kürzere geschichten. dabei sind die situationen gar nicht so komisch, es sind die gedanken, die sich der autor dabei macht. und auf den punkt gebracht: „schöner wird´s nicht„. auch wenn die beschreibungen meist recht amüsant sind, schimmert in beinahe jeder geschichte, auch ein ernsthafter gedanke durch. das kennt man von sedaris, es ist kein schenkel-klopf-lachen, das er hervorrufen möchte, es ist ein ach-je-leicht-ist-das-leben-trotzdem-nicht-lachen.

und doch. wenn er zum beispiel beschreibt, wie er eine emotionale bindung zu einer spinne im ferienhaus aufbaut, sie füttert und sie später mit nach paris nimmt, dann liest sich das so skurril, dass man schwer an sich halten kann. oder der bericht darüber, das rauchen mit hilfe eines besuchs in japan und dem damit verbundenen kulturclash zu beenden, das gibt einem einblicke in eine fremde welt. ein buch, das dazu animiert, selber seinen alltag genauer zu beobachten und einen blick auf die eigenen schrägen gedanken zu werfen. man muss es nur notieren und eine angemessene sprache dafür finden. das ist ja ganz leicht 😛 das buch ist im karl blessing verlag in münchen 2008 erschienen. ISBN 978-3-89667-385-5 .

schreibaufgabe (30)

sie kommunizieren neben ihren einsamen schreibphasen gern mit menschen, sie beobachten menschen gern bei der kommunikation? dann dürfte diese schreibaufgabe etwas für sie sein. wer häufig kommuniziert, der kennt sie, die „absurden dialoge“, die einen mit dem gefühl, nur aneinander vorbeigeredet zu haben, zurücklassen. spezialist in der darstellung dieser dialoge war loriot. er hat sie auf den punkt gebracht, wenn zum beispiel herr müller-lüdenscheidt das gummientchen in der badewanne versenkt.

dabei begegnen sich also zwei menschen, die aufeinander zugehen möchten, die sich auseinandersetzen möchten, und verstehen sich doch falsch. oft liegt der grund darin, dass sie zu sehr mit sich oder einem gedanken beschäftigt sind, um die aussage des anderen vollständig wahrzunehmen. auflösen lässt sich ein absurder dialog meist nur, wenn einer die herrschaft des gesprächs übernimmt und noch einmal deutlich zusammenfasst, was er sagen wollte. doch in dieser schreibaufgabe soll der dialog nicht aufgelöst werden.

und wie loriot schon aufzeigte, häufig finden absurde dialoge in beziehungen statt. hier kommen dann oft noch die großen gefühle ins spiel, die manchen nebensatz oder flappsige bemerkung schnell zu einem fiasko werden lassen. allein ein satz wie „das ist mir zu langweilig“ kann schnell als großangriff auf das gemeinsame verstanden werden. „ach, du findest es langweilig mit mir…“. und schon reihen sich die missverständnisse aneinander. aber reizen sie die möglichkeiten des absurden dialogs ruhig aus. lassen sie einen laubfrosch einer kettensäge begegnen und beide aus ihrem leben erzählen, ohne sich gegenseitig zu zu hören. um am schluss auseinander zu gehen und festzustellen, „schön, dass wir darüber geredet haben, aber ich habe überhaupt nicht verstanden was er mir sagen wollte.“.

übrigens kann man solche dialoge besonders gut zu zweit schreiben, und sollten sie ein paar sein, noch besser 😛

nabelschau (19)

skurrile suchanfragen. der mensch ist ein suchender. er such den sinn des lebens, seinen platz, er sucht sie oder ihn, er sucht seine ruhe und vor allen dingen sucht der mensch informationen. dafür gibt es suchmaschinen. und suchmaschinen verweisen dann, wenn es entsprechungen auf homepages oder blogs zu den suchbegriffen gibt, auf diese. nur manchmal suchen sich die suchmaschinen zum beispiel in einzelnen artikeln ganz schön was zusammen. wenn der mensch dann auch noch auf das zusammengesuchte klickt, zeigt einem der eigene blog im hintergrund, was gesucht wurde.

so wird nach einem „waschbecken mit schmutzsammler“ gesucht. ich habe aber nie über waschbecken mit schmutzsammler geschrieben. gibt man die suchbegriffe bei google ein finden sich fünf treffer und dieser blog steht an erster stelle, denn in der letzten nabelschau zur körperbe- und -enthaarung tauchten die begriffe „waschbecken“ und „schmutzsammler“ auf, wenn auch in ganz anderen zusammenhängen.

noch absurder wird es bei suchanfrage „heteros abfüllen und benutzen„. abgesehen von der tatsache, dass jemand auf so eine blödsinnige idee kommt und meint, daran gefallen zu finden, habe ich nun wirklich nie, nie, nie dazu geschrieben. aber einzeln kommen alle begriffe der suchanfrage eigentlich im gegenteiligen post vor, nämlich in dem zur diskriminierung homosexueller. jedenfalls wird der suchende mensch erstaunt gewesen sein, als er infos bekam, die er wahrscheinlich nie haben wollte. sie schadeten ihm wahrscheinlich nicht.

und auch im zusammenhang mit dem eigentlichen thema dieses blog, nämlich der schreibpädagogik fand sich eine schöne anfrage: „erkältung beim schreiben„. in diesem moment kann fantasiert werden, wie dies zustande kommt. es wurde draußen in der natur geschrieben und war ein wenig frisch, oder es fragt sich jemand wie man erkältung schreibt, hat dies aber schon richtig gemacht. doch dass man generell während des schreibens eine erkältung bekommen kann, erstaunte mich sehr. es wäre eine untersuchung hilfreich, die schreibende und erkältungsanfälligkeit in relation zueinander setzt.

kreatives schreiben und absurdes

 

oft scheint es leichter, einen absurden text schaffen zu können, als dies in wirklichkeit umsetzbar ist. denn meist entsteht eher klamauk, denn ein absurder text. hier stellt sich die frage, was nötig ist, um absurd zu wirken. letztendlich kann der text nicht vollständig befreit werden von zusammenhängen. ist dies der fall, wirkt alles nur noch wie eine aneinanderreihung von ideen oder beschreibungen. doch der bezug der aussagen im text darf bestehen, sollte aber eher unklar oder widersprüchlich sein. absurd ist es zum beispiel, wenn menschen aneinander vorbei kommunizieren. deshalb bieten sich im kreativen schreiben dialoge zur produktion absurder texte hervorragend an.

aber auch abseits der dialoge ist der spielraum groß, wahrscheinlich ist „spielraum“ auch der begriff, der die entstehung eines absurden textes ganz gut umschreibt. so bilden sich beständig steigernde gedanken und geschichten, die in ferne dimensionen abdriften eine gute grundlage für „absurdes“. ähnlich scheinen auslassungen zu wirken, die die leserInnen in der ungewissheit belassen. oder es können gegenstände und wesen miteinander in kontakt treten, die in der realen welt keinen bezug zueinander haben.

aber auch hier ist zu unterscheiden zwischen science-fiction oder fantasy und absurdem. das absurde hat immer noch einen stärkeren bezug zum realen als die beiden anderen literaturformen. ein irrtum besteht darin, zu glauben absurd müsse lustig oder satirisch daherkommen. es gibt sehr ernsthafte absurde erzählungen, die dem drama ähnlicher scheinen. schwer einzuordnen bleibt absurdes allemal, aber selbst in der lyrik finden sich genug beispiele. bekanntester und sehr produktiver autor war „ringelnatz“.

wirkliche absurditäten werden erst dadurch sichtbar, dass sie entweder plötzlich auftreten oder sich im laufe des geschriebenen einschleichen. Weiterlesen

kreatives schreiben und überraschungseffekte

 

geschichten leben meist davon, dass sie nicht geradlinig verlaufen. schon im titel ist es möglich, die leserInnen neugierig auf das geschriebene zu machen. so hätte ich hier den titel „kreatives schreiben und fusspilz“ wählen können. da sich niemand darunter etwas vorstellen kann, wäre der text sicherlich angelesen worden. deshalb lohnen sich beim kreativen schreiben übungen in den schreibgruppen, die erst einmal absurde situationen entstehen lassen und die vor allen dingen mit brüchen arbeiten.

denn eine geschichte, die nach dem prinzip „und dann…“ funktionieren werden von leserInnen selten interessant empfunden. Weiterlesen