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schreibidee (329)

sowohl eine horrorvorstellung als auch ein wild-romantisches bild: irgendwo zu landen, wo man nicht hin wollte. die heutigen navis wissen das meist zu verhindern (obwohl es exemplare geben soll, die einen konsequent vom weg abbringen). aber da gibt es die geschichten von einem menschen auf einer insel, in der wildnis oder auch nur im falschen stadtteil. sie sind gestrandet. handelt es sich dabei um zwei menschen, dann kann eine romantische wendung zum tragen kommen. eine schreibanregung zu „gestrandeten geschichten“.

als einstieg werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert einmal zu notieren, wo sie auf keinen fall stranden wollen und zum anderen zu notieren, wo sie schon immer einmal stranden wollten. die frage „warum?“ ist auf maximal einer seite zu beantworten. die kurzen begründungen werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen. anschließend sammelt man noch zusätzlich orte, wo man überhaupt stranden kann.

davon wählen sich die schreibenden einen ort aus, er kann für sie negativ oder positiv besetzt sein. es wird eine geschichte geschrieben, wie dort ein einsamer mensch strandet. was passiert dann? wie geht es weiter? wer oder was begegnet diesem menschen? es darf eine längere geschichte werden. die texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackgruppe statt.

nun wird die aufgabenstellung verändert, indem die gruppenleitung einen einzigen (etwas ausgefallenen) ort vorgibt, an dem jemand strandet. auch dazu ist eine maximal vier seiten lange geschichte zu schreiben. und in der fortsetzung wird von der schreibgruppenleitung ein zweiter ort vorgegeben. aber dieses mal sollen dort zwei menschen stranden. es wird nicht vorgegeben, in welchem verhältnis die beiden menschen zueinander stehen. wiederum auf maximal vier seiten werden die ereignisse, die beide erleben, beschrieben. die geschichten werden anschließend vorgetragen und in einer feedback-runde wird zusammengetragen, wie unterschiedlich oder ähnlich die geschriebenen varianten sind.

zum abschluss wird noch ein kurzer text über eine „gestrandete geschichte“ geschrieben. die geschichte wird als flaschenpost gefunden, bleibt auf einer parkbank oder in der u-bahn liegen, sie wird in den falschen briefkasten geworfen … die texte werden vorgelesen.

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schreibidee (135)

die idee der sintflut ist eine sehr hübsche. auch wenn man nicht dem christlichen glauben fröhnt, lässt sich die vorstellung, es könnte viel wasser kommen und man habe die möglichkeit eines schiffes, auf das man packt, was man wichtig findet, ausbauen. vor allen dingen bieten die aktuellen wetterverhältnisse eine gute vorlage für weitere überlegungen. die nächsten objekte in der landschaft sind nicht mehr zu sehen, da der regen so dicht fällt. man befindet sich allein auf dem schiff der insel und schreibt dazu. als schreibanregung also dieses mal „einsame-insel-oder-sintflut-geschichten„.

ganz klar wird die erste frage in der schreibgruppe sein, was man denn mitnehmen würde, sollte die welt überschwemmt werden oder man auf eine einsame insel verschlagen werden. als erstes sind gegenstände zu notieren, dann ist zu fragen, was man gern auf schiff oder insel die ganze zeit machen würde (gehen wir einmal davon aus, das schiff steuert sich von selbst). und zum schluss stellt sich noch die frage, nach der befindlichkeit. wie wird man sich eventuell fühlen, so abgeschlagen von jeglicher kommunikation? auch hierzu sollten stichworte notiert werden.

und dann werden die ganzen stichworte kurz und knapp von den teilnehmerInnen in der schreibgruppe vorgestellt. man kann sich ideen der anderen aneignen, wenn man zum beispiel den kühlschrank vergessen hat (auch hier darf man sich natürlich auf seiner eigenen insel einen stromanschluss vorstellen, nur telefon oder wlan gibt es nicht). anschließend sind die begriffe auszuwählen, die einen am meisten berühren und spaß machen.

aus den begriffen ist eine geschichte zu formulieren, die entweder den aufenthalt beschreibt oder sich weiteren vor- und nachgeschichten widmet. es geht nicht unbedingt um die protokollarische erfassung des tagesablaufs, sondern um die lebensgestaltung und die gedanken, die sich eventuell in der einsamkeit herausbilden. die geschichten werden anschließend vorgelesen.

schreibidee (132)

der alltag aber auch die freizeit sollen für viele ein event sein. events wiederum benötigen geld, konsum und eine menge menschen. das bedeutet aber, dass events meist laut und voll sind. diesen eindruck hinterlässt der alltag manchmal. vielen fällt es schwer, zwischendurch einmal zur ruhe zu kommen, durchzuatmen und sich fallen zu lassen. jeder rückzug aus dem sozialen kontext erscheint bedrohlich, lässt schwere gedanken aufkommen und wird möglichst schnell beendet. diese schreibanregung soll ein gegengewicht schaffen. es werden „geschichten der stille“ geschrieben.

der einstieg ist sehr einfach. man fordert die teilnehmerInnen der schreibgruppe auf, 10 minuten stille zu zelebrieren. dies bedeutet, es wird nicht geredet, es werden keine tätigkeiten ausgeübt, es wird versucht, keine geräusche zu machen. in dieser zeit können die teilnehmerInnen ihre gedanken schweifen lassen, sie notieren sich aber nichts.

erst nach den 10 minuten werden in 10 minuten freewriting die gedanken und eindrücke niedergeschrieben. anschließend können noch ein paar stichpunkte notiert werden. wenn dies geschehen ist, wäre es ideal, wenn man einen film zur hand hätte, der nichts anderes zeigt, als einen einsamen naturort (einen wald, eine küste, eine wiese oder anderes) mit den dazugehörigen geräuschen. das ist zwar meistens nicht still aber ruhig. während des zeigens werden auch keine notizen gemacht. nach dem film werden noch einmal zehn minuten freewriting durchgeführt und stichworte notiert.

erst jetzt ist es an der zeit, eine „geschichte der stille“ zu schreiben. es gibt keine weiteren vorgaben. anschließend werden die geschichten vorgelesen und im feedback sollte berücksichtigt werden, wie gut „stille“ oder „ruhe“ erfasst wurden. anschließen können vielleicht noch ein paar haikus verfasst werden. ideal kann diese schreibanregung natürlich umgesetzt werden, wenn die schreibgruppe schon an einem abgelegenen ort stattfindet. dann können die teilnehmerInnen anstatt einen film anzusehen, in die umgebung ausschwärmen und für sich einen ruhigen ort suchen, an dem sie allein ausharren.

schreibpädagogik und freude am schreiben

beinahe alle teilnehmerInnen von schreibgruppen, so sie denn das erste mal an einer solchen teilnehmen, haben irgendwann ein aha-erlebnis. sie entdecken eine bis dahin nicht gekannt freude am schreiben. das hat oft damit zu tun, dass sie in einer schreibgruppe überhaupt ein umfeld gefunden haben, das ähnliche interessen hat. aber auch damit, dass sie erleben, mit welcher leichtigkeit schreiben stattfinden kann. förderlich für dieses erleben ist auch das gemeinsame schreiben, bei dem sich oft eine sehr kreative atmosphäre einstellt.

schwierig wird es für viele, diese außergewöhnliche erfahrung mit nach hause zu nehmen und dort weiter umzusetzen. denn schlagartig ist das umfeld einer schreibgruppe nicht mehr vorhanden. bei manchen teilnehmerInnen stellen sich in diesen momenten schreibblockaden ein. so bleibt ihnen erst einmal nichts anderes übrig, als immer wieder schreibgruppen aufzusuchen, wenn sie das bedürfnis zu schreiben verspüren. das ist natürlich schade und nicht immer möglich.


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