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„schöner wird´s nicht“ von david sedaris – ein buchtipp

heiter weiter, so könnte man die grundlagen des buches von sedaris beschreiben. manchmal darf es auch lektüre sein, die nicht den anspruch zu größeren gedanken anzuregen hat. sie beschreibt nur die absurditäten des alltags, die kleinen neurosen, die wir alle mit uns rumtragen. und sie ist zum brüllen komisch, zumindest für viele menschen, die auch über sich selber lachen können. und die dem an sich ernsthaften leben noch eine witzige seite abgewinnen können.

david sedaris beschreibt, wie auch schon in seinen vorherigen büchern, situationen aus seinem leben. mal sind es längere, mal kürzere geschichten. dabei sind die situationen gar nicht so komisch, es sind die gedanken, die sich der autor dabei macht. und auf den punkt gebracht: „schöner wird´s nicht„. auch wenn die beschreibungen meist recht amüsant sind, schimmert in beinahe jeder geschichte, auch ein ernsthafter gedanke durch. das kennt man von sedaris, es ist kein schenkel-klopf-lachen, das er hervorrufen möchte, es ist ein ach-je-leicht-ist-das-leben-trotzdem-nicht-lachen.

und doch. wenn er zum beispiel beschreibt, wie er eine emotionale bindung zu einer spinne im ferienhaus aufbaut, sie füttert und sie später mit nach paris nimmt, dann liest sich das so skurril, dass man schwer an sich halten kann. oder der bericht darüber, das rauchen mit hilfe eines besuchs in japan und dem damit verbundenen kulturclash zu beenden, das gibt einem einblicke in eine fremde welt. ein buch, das dazu animiert, selber seinen alltag genauer zu beobachten und einen blick auf die eigenen schrägen gedanken zu werfen. man muss es nur notieren und eine angemessene sprache dafür finden. das ist ja ganz leicht 😛 das buch ist im karl blessing verlag in münchen 2008 erschienen. ISBN 978-3-89667-385-5 .

schnickschnack (79)

im gegensatz zu grauen briefen scheint das schwule leben ein buntes zu sein. so machen es uns zumindest die medien vor. da wechselt sich schrillheit mit geilheit ab, und es gibt keinen ausweg aus diesem schillernden umfeld. da ist es an der zeit, einen genauen blick in die welt des schwulen zu werfen, die tücken auszuloten und erlebnisse der außergewöhnlichen art zu reflektieren.

wenn dies dann auch noch mit witz und wortspiel geschieht, dann kann daraus ein lesenswerter blog entstehen. denn mal ganz profan formuliert: wir schwulen sind auch nur menschen und verhalten uns nicht selten allzumenschlich. da gibt es nicht nur die schrille, bunte seite, da öffnen sich falltüren, scheitern annäherungen und ergeben sich verhaltensweisen von einem selber, über die man im anschluss nur noch lachen kann. nun, der blog „schwulbuch“ unternimmt eine reise in die kleinen abgründe des alltags. es lohnt sich einen blick hineinzuwerfen, sollte man sich fragen, warum es bei den schwulen eigentlich immer so schön bunt ist. vielleicht wird man dann eines besseren belehrt und stellt fest, auch hier wird nur mit wasser gekocht, wenn auch ganz schön schwuppig. zu finden ist der blog unter http://schwulbuch.blog.de .

schreibidee (140)

ob im fernsehen oder in büchern, weiterhin gern genossen werden märchen. märchen zeichnen sich vor allen dingen durch einen moment der realitätsferne aus, der nicht selten in ein happyend mündet. es tauchen fantasiefiguren auf, tiere, die sprechen können und menschliche züge tragen, kleine wunder geschehen und eine gewisse tragik oder grausamkeit erhöhen die spannung. um der zeit rechnung zu tragen, dient dieses mal die schreibanregung dem verfassen „moderner märchen„.

beim modernen märchen benötigt man ebenso wie beim klassischen, antagonisten. diese werden als erstes in der schreibgruppe festgelegt. da die welt des märchens eine einfache ist, sollte ein din a4 blatt in in vier gleichgroße flächen unterteilt werden. den vier flächen werden eigenschaften zugeschrieben: „gut“, „böse“, „ehrlich“, „hinterlistig“. man kann sich natürlich auch andere gegensätzliche eigenschaften überlegen. die teilnehmerInnen tragen nun für jede eigenschaft eine figur oder eine person ein. dazu wird eine kurze beschreibung in die flächen notiert. es können auch mehrere blätter ausgefüllt werden, um später das interessanteste auszuwöhlen.

nun wird der plot der geschichte festgelegt. um welche grundproblematik soll es gehen? meist handeln märchen von liebe, moral, gut und böse. um die grundstruktur des märchens festzulegen, wird auf einer halben seite ein kurzer abriss gegeben. wenn der notiert ist, fehlen noch die kleinen wunder, zaubereien oder außergewöhnlichkeiten. dazu werden mehrere vorschläge stichwortartig notiert. es sollten mindestens zehn möglichkeiten sein, die in ein märchen passen. so kann die tram zum beispiel ihre gleise verlassen, der mixer kann zaubertränke bereiten oder die musikanlage sendet botschaften. hier gibt es keine beschränkungen.

alle drei vorbereitenden arbeiten werden nun zusammengefasst. das märchen sollte in der heutigen zeit spielen, darf aber die einfache struktur klassischer märchen beibehalten: „es war einmal…“. anschließend findet sich die schreibgruppe zu einer märchenstunde zusammen. sollten die geschichten jugendfrei sein (was man auch bei klassischen märchen ein wenig in frage stellen kann), können dazu auch kinder eingeladen werden. die dürfen dann abstimmen, welches märchen ihnen am besten gefallen hat.

biografisches schreiben und anpassung

menschen geraten im laufe ihres lebens häufiger an den punkt, dass sie für sich die entscheidung treffen müssen, ob sie sich den vorgaben von außen anpassen oder dagegen aufbegehren und die konsequenzen ihres widerstandes tragen. dies kann im kleinen geschehen, wie zum beispiel bei den auseinandersetzungen mit dem elternhaus, oder es kann im großen geschehen, wie zum beispiel beim gesellschaftlichen umgang mit der atomenergie, um nur zwei kleine beispiele zu nennen.

gerade diese momente machen einem sehr bewusst, wie weit man den fortgang des eigenen lebens beeinflussen kann. leider folgt der erkenntnis oft genug die aussage „da kann man ja eh nichts machen“. dies kann man kaum zum vorwurf machen, denn jeder muss für sich selber entscheiden, wieweit man die drohenden sanktionen bei der einnahme einer widerständigen haltung in kauf nimmt. auch wenn sich immer wieder gezeigt hat, dass es effekte hat, wenn sich viele entscheiden, nicht mehr mitzumachen.

bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte spielen diese momente eine große rolle, da sie die kristallisationspunkte der selbstbestimmung sind. es sind die lebensabschnitte, in denen sich wenden der eigenen biografie ergeben können, die viele zukünftige handlungen bestimmen. der mensch findet sich plötzlich an einem punkt wieder, an dem er beinahe gezwungen ist, seine situation zu reflektieren. Weiterlesen

nabelschau (18)

macht euch nackig! u-bahn-fahrten sind aufschlussreich ob der gesellschaftlichen entwicklungen. abgesehen von der tatsache, dass nicht selten obdachlosenzeitungen verkauft werden, die rückschlüsse darauf zulässt, dass es um das soziale wohl nicht so besonders steht, geben vor allen dingen die angebrachten werbetäfelchen einen einblick in die befindlichkeit der nation. waren es noch vor monaten vor allen dingen holzregale und toastbrote für die geworben wurde, sind es inzwischen vor allen dingen „enthaarung, wachsen, epillieren“, die angeboten werden.

das lässt fragen aufkommen. der mensch, vom affen abstammend, hat ungewollt, ob des tragens von kleidung, sein haarkleid stückweise verloren. die behaarung beschränkt sich auf das haupt, die intimzonen (klingt so nach parkzonen) und ein wenig die gliedmaßen. beim mann ist die hormonell hervorgerufene keratinproduktion meist ausgeprägter als bei der frau. und doch ergeben sich beim mann natürliche widersprüche, die dazu führen, dass der körper wohl stattlich behaart ist, das haupt aber des pelzes verlustig geht. wiederum die frau im alter dem manne, den bartwuchs betreffen teilweise folgt, meist aber das haupthaar nicht so sehr verliert.

jedenfalls spaltet sich die haltung gegenüber der eigenen behaarung in zwei komponenten. die eine besteht darin, es unangenehm zu finden, wenn im waschbecken barstoppeln und in den abflüssen haupthaare hängen bleiben, gleichzeitig versuchen aber viele männer, ihr haupthaar zu bewahren, ja es sogar aufzuforsten oder anhand von attrappen vollständig erscheinen zu lassen. das torsogebundene haar wird heutzutage als lästige komponente und schmutzsammler empfunden. woran dies liegt, wird noch zu erklären sein.

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nabelschau (17)

invasion der urmütter. kennen sie das? sie steigen in ein nahverkehrsmittel und gleich im anschluss steigt eine mutter mit ihrem einzelkind ein. gerade ist die schule aus oder das kind wurde in der kita abgeholt. beide sind auf dem weg nach hause. das kind ist ein wenig erschöpft, aber mutti sorgt sich um das wohlergehen des kleinen mit aller kraft, die ihr zur verfügung steht.

das beginnt mit „hast du hunger?“, „möchtest du was von dem brötchen?“, „willst du auch noch was zu trinken?“ und „siehst du da draußen das große auto?“. auffällig in den situationen ist, dass das kind eigentlich recht genügsam keinen wunsch äußert, noch nicht einmal ungeduldig scheint, sich einfach umschaut. nicht so die mama, sie ballert ihr liebstes stück mit fragen, angeboten und besorgtheiten zu. und dies in einer lautstärke, die alle mitfahrerInnen erfahren lässt, wie toll mama ist.

wer glaubt, dass, nachdem das kind signalisiert hat, alle bedürfnisse wie hunger, durst und unterhaltung sind gestillt, ruhe einkehrt, sieht sich getäuscht. jetzt geht die befragung los. was war in der kita los, waren alle freundInnen brav, was hat man gemacht, was hat man gelernt…? pädagogInnen nennen das lernerfolgskontrolle, mütter würden sofort von anteil am leben des kindes sprechen. denn sie vermuten, dass sich bestimmt situationen ereignet haben, gegen die man sich beim nächsten elternabend wehren muss. „war kevin böse?“.

oder kennen sie die situation, dass sie bei diesem schauerwetter an einer schule vorbei müssen, die gerade den unterricht beendet? Weiterlesen

nabelschau (16)

der aufdringliche nachbar. der alltag ist voller kleiner begebenheiten, die von großer schlagfertigkeit und seltsamen verhaltensweisen zeugen. und manches mal könnte man vor lachen auf dem boden liegen.

neulich beim discounter bei dem versuch einen einkaufswagen aus der kette zu lösen, wurde überschwenglich eine frau, bepackt mit einkaufstaschen, von ihrem nachbarn begrüsst, wie dem lauten gespräch zu entnehmen war. er wollte smalltalk führen, sie wollte schnell weg. doch es fiel ihr schwer die flucht zu ergreifen und so redete er sie fest, während diverse kunden versuchten, an ihnen vorbei an einen einkaufswagen zu kommen.

endlich im geschäft, diverses aus den regalen genommen, kam es zu einem zweiten gespräch des vormaligen nachbarn. er traf eine weitere nachbarin, mutter mit kleinem sohn, nicht älter als sechs jahre. auch hier wieder der versuch des mannes, einen smalltalk zu beginnen. wie das erwachsene so tun, erkundigte er sich erst nach dem werten befinden. dann kam die überflüssige frage, da allein die anwesenheit im discounter schon die antwort gab: „so, sind sie einkaufen mit ihrem sohn?“.

als keine ausführliche reaktion zustande kam, der nächste versuch, mehr ins gespräch zu kommen. „hat er denn schon eine freundin?“ auch eine frage, die erwachsenen gern über die lippen kommen. die mutter, sichtich genervt: „den interessieren keine mädchen. der steht nur auf jungs.“. eine pause entstand und mit unsicherer stimme meinte der mann nur noch „aha!“ und damit war das gespräch beendet. diese episode verdiente das label „antworten die entwaffnen können!“ und meinereiner schob schnell seinen einkaufswagen weiter kurz vor dem platzen vor innerlichem lachkrampf. ein wenig in den discounter gehen und der tag bekommt schon ein freundliches gesicht.

schreibidee (118)

 die welt erscheint mit ihren vielfältigen angeboten recht unübersichtlich. deshalb gewinnen ratgeber eine größere bedeutung. inzwischen gibt es lebenshilfen für beinahe jeden bereich des alltags. warum diese entwicklung nicht einmal als schreibanregung aufgreifen und selbst „ratgeber-texte“ schreiben?

als einstieg sind original-ratgeber eine gute inspiration. vor dem treffen kann man dazu auffordern, zuhause nachzuschauen, ob man nicht irgendwo einen ratgeber stehen hat. es kann sich dabei um lebenshilfebücher, kochanleitungen oder erziehungsratgeber handeln. auch die leiterInnen der schreibgruppen sollten zwei varianten vorstellen: die eine gibt ratschläge wie man in diversen lebenszusammenhängen zum perfekten menschen wird. die andere variante bietet eher alltägliche tipps, wie zum beispiel ein schöner garten gestaltet werden kann oder das wohnambiente an aussagekraft gewinnt. die (kurzen) gefundenen texte werden gegenseitig vorgestellt.

anschließend werden die teilnehmerInnen dazu aufgefordert, sich einen absurden lebenshilfe-text zu überlegen. das könnte eine anleitung sein, wie man zum perfekten verkehrsrowdy wird oder wie man es schafft, möglichst viele sexualpartnerInnen zu gewinnen, ohne einen hauch emotionen zu investieren. die texte sollen im stil eines ratgebers formuliert werden und nicht länger als zwei seiten sein. es kann aber auch ein absurdes thema vorgegeben werden, um darüber zu schreiben. die texte werden gegenseitig vorgestellt.

nun ist es an der zeit, den alltag praktisch zu bewältigen. auch bei dieser schreibanregung kann es freie wahl geben oder ein aspekt wird herausgegriffen. so könnte zum beispiel für einen kochratgeber formuliert werden: wenn sie fisch kochen wollen, vergewissern sie sich, dass das wasser kocht und der fisch tot ist, bevor sie ihn dem wasser hinzugeben.“ wenn diese ratschläge vorgestellt sind, besteht die möglichkeit einen ratgeber zu entwerfen und die schreibgruppenteilnehmerInnen aufzufordern jeweils ein kurzes kapitel zu bestimmten aspekten zu formulieren. am schluss wird alles zusammengefasst und ein kleines ratgeberbüchlein entsteht.

kreatives schreiben und ruhe

vor jahrzehnten begab ich mich einmal ans nordkap mit dem fahrrad. ich bewegte mich durch regionen, in denen sich kaum ein mensch aufhielt, zeltete an orten, an denen tag und nacht weder ein auto noch andere technische geräte vorbeikamen. einzige geräuschkulisse bildete die natur, was nicht bedeutete, dass es ruhig war. allein die durch das schmelzwasser angewachsenen flüsse tosten in die täler. kaum am nordkap angekommen stellte ich fest, dass es sich um einen touristischen versammlungspunkt handelte, der hauptsächlich von schweizern, österreichern und deutschen mit lärmenden kindern bevölkert wurde.

wenn man sich heute umschaut, finden sich in deutschland eigentlich keine orte mehr, an denen man unbehelligt von sozialgeräuschen, wie autos, kleinflugzeugen, handyklingeln oder reisegruppen sein kann. selbst der besuch von berggipfeln oder inseln wird umgeben sein von menschlichen äußerungen. motorboote, andere wanderer, helikopter, alles ist irgendwann möglich. so wurde zum beispiel festgestellt, dass die singvögel immer lauter singen, da der umweltlärm sonst nicht zu übertreffen ist. vor dieser geräuschkulisse entstehen normalerweise texte.

spannend erscheint es mir, ob andere texte entstehen, wenn die eigentliche geräuschkulisse wirklich nur die natur wäre. also der versuch mit einer schreibgruppe orte zu finden, die allein tschilpen und das kratzen der stifte über das papier aussenden. wie würde dies bei den teilnehmerInnen ankommen, was wäre es für eine kommunikation. erstaunlich ist zum beispiel der effekt, dass viele menschen in der „reinen“ natur sehr viel verhaltener sprechen. dass sie in diesem moment entweder sehr ruhig werden oder eine unruhe sie erfasst, da der dauerhafte schallreiz abhanden gekommen ist. wie wirkt sich dies auf schreibreize aus? verfällt man automatisch in eine meditativere stimmung oder erscheint dieser schritt aus dem alltag bedrohlich? texte der ruhe scheinen anders zu sein als die üblichen kreativen werke. der versuch wäre es wert.

komplimente und lächeln

meine kollegin sandra hat mir den link zu diesem film auf „youtube“ geschickt. ein kurzfilm von etwa 16 minuten, der zeigt, was wir eigentlich alle wissen und empfinden aber so wenig leben.

dass komplimente und ein lächeln das zusammenleben der menschen verändern können. das bedeutet nicht, dass alles schön ist, wenn nur genug positiv gedacht wird. es heißt nur, dass sich im alltag eigentlich alle bemühen, doch dabei manchmal die kleinen freundlichkeiten der kommunikation vergessen.

nicht ohne augenzwinkern greift der film dieses thema auf. zu finden ist er unter: http://de.youtube.com/watch?v=Cbk980jV7Ao . und dann die nächsten tage nur noch komplimente verteilen, damit auch bei ihnen die menschen schlange stehen 😀

schreibpädagogik und zeitrahmen

 

so wie es ein traum sein kann, einmal eine woche zur verfügung zu haben, um bücher zu lesen, so kann es auch der immerwährende wunsch sein, genug zeit zum schreiben zu haben. das ist natürlich eine frage der persönlichen zeitmanagements und der eigenen prioritätensetzung. es ist aber ebenso eine frage des angebots. zumindest dann, wenn man nicht ausschließlich für sich allein schreiben möchte, sondern die teilnahme an schreibgruppen bevorzugt.

hier sind die angebote sehr verschieden. Weiterlesen

schreibidee (53)

dieses mal soll die schreibidee sich um alltagsgeschichten drehen. sie begegnen einem jeden tag, doch man beachtet sie kaum. um dies zu ändern besteht die möglichkeit, die teilnehmerInnen der schreibgruppe aufzufordern, doch einmal eine woche lang jeden tag zwei begebenheiten zu notieren, die einem auffallen oder die man erlebt. ein beispiel:

gestern wunderte ich mich, dass gegen abend bei mir vor dem haus der autoverkehr plötzlich so zunahm, was sonst nicht der fall ist. als ich dann etwas später zur u-bahn ging fiel mir auf, dass die räume der schule in der nähe hell erleuchtet waren. drumherum waren alle straßen zugeparkt, sogar in zweiter reihe, was bedeutete, dass größere autos nicht mehr durchkamen. es war elternabend. gewundert hat es mich nicht. wenn mittags eltern ihre kinder mit dem auto von der schule abholen, dann parken sie generell so, dass fußgänger nicht mehr die straße überqueren können. soviel zum vorbild für die lieben kleinen. mein auto kommt vor allen anderen kindern und menschen, die zu fuß unterwegs sind. und auch vor allen anderen größeren fahrzeugen.

dies ist eine nebensächliche begebenheit, aus der aber eine geschichte werden könnte. der kampf der hockey-moms um ihre kiddies und ihren vorteil. die notierten begebenheiten sollten nicht länger als zehn zeilen sein. sie werden beim nächsten treffen der schreibgruppe vorgestellt und zusammengetragen. nun können sich die teilnehmerInnen die begebenheit aussuchen, die ihnen am meisten zusagt und daraus in einer stunde eine geschichte machen.

zum schluss kann noch allen empfohlen werden, dies regelmäßig zu machen. alltagsgeschichten in kurzen knappen schilderungen zu sammeln. daraus ergibt sich im laufe der zeit ein reichhaltiger pool, aus dem man auf der suche nach geschichten jederzeit schöpfen kann.

kreatives schreiben und nahverkehr

wer nicht zum eigenen auto greift, um sich fortzubewegen, zur arbeit zu fahren oder besorgungen zu erledigen, der hat den vorteil, viele menschen ganz aus der nähe zu beobachten. diese beobachtungen bieten geschichten und charaktere ohne ende. es geht dabei nicht darum, andere zu be- oder verurteilen. es geht darum den alltag zu erfassen, um ihn schriftlich bei geschichten wiedergeben zu können.

und es geht natürlich um schreibanregungen. wie sieht das leben hinter den kulissen aus. wenn mensch sich in die öffentlichkeit begibt, möchte er oft, dass andere menschen einen bestimmten eindruck von ihm erhalten. doch diese form der selbstdarstellung verrutscht gern und es offenbart sich eventuell der ganze schmerz, der sich momentan durch das eigene leben zieht. so etwas trägt man eigentlich nicht nach außen (obwohl bisher unklar ist, weshalb eigentlich nicht), und versucht ein zuversichtliches bild aufrechtzuerhalten.

und dann passiert eine kleinigkeit, meist an orten, an denen menschen eng aufeinander sitzen und nicht ausweichen können, und das fass läuft über. deshalb ist der nahverkehr ein ganz gutes spiegelbild unserer gesellschaft. er zeigt zwar auch nur ausschnitte, aber andere, als sie sonst sichtbar sind. zug-, u-bahn- oder busfahrten bieten viele einblicke. ob es der coole typ ist, der einen schlechtgelaunten eindruck macht und sich dann die ganze fahrt lang in stellenanzeigen vertieft oder die gepflegte frau, die sich als erstes ins zug-bistro stürzt und beinahe ihren ausstieg verpasst, da sie schon nach halber strecke betrunken ist.

ob es die mutter ist, die eigentlich nicht zeigen darf, wie sehr sie ihre kinder zwischendurch nerven, und der irgendwann der kragen platzt oder der einsame herr, der einzig seine sozialen kontakte über seinen hund aufbauen kann, den er mit sich führt. bilder über bilder lassen sich einfangen und später in geschichten aufnehmen. man muss sie nur notieren.