Schlagwort-Archive: alter

schreibidee (376)

schreibgruppen sind von der altersstruktur her oft sehr gemischt. das ermöglicht eine spannenden austausch zwischen verschiedenen generationen. dabei geht es nicht nur um die jeweiligen biografien oder erlebnisse, sondern es geht auch um das konzept von alter und altern. darum eine schreibanregung zu „alterungstexten“.

die schreibgruppenteilnehmerInnen werden angeregt, darüber zu schreiben, wie sie sich ihr leben im alter von 70 jahren vorstellen (sollten 70-jährige oder ältere teilnehmerInnen in der gruppe sein, können sie einen realistischen text, wie ihr leben mit 70 jahren ist / war, schreiben). der text sollte maximal zwei seiten umfassen. die texte werden gegenseitig vorgestellt und es findet statt einer feedbackrunde eine kleine diskussion zu den vor- und nachteilen des alterns statt.

anschließend erstellen alle teilnehmerInnen ein cluster zum „altern“. hierbei gibt es keine vorgaben, weshalb sich die assoziationen nicht ausschließlich um persönliche einstellungen zum altern drehen müssen. anschließend wird eine kurze geschichte des alterns geschrieben. die geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen. es findet eine kurze feedbackrunde statt.

als letzte vorarbeit für einen längeren text wird eine ausblick in jahrzehnten notiert. dazu schreiben die schreibgruppenteilnehmerInnen maximal 10 zeilen zu der frage „wie sieht die welt in 10 (20, 30, 40, 50) jahren aus?“. anschließend wird eine längere geschichte geschrieben, in der die jahrzehnte durchschritten werden sollen. wie dies umgesetzt wird, ob biografische gedanken oder eine begebenheit, die sich über 50 jahre erstreckt, verfolg wird, bleibt den schreibgruppenteilnehmerInnen überlassen. man kann auch über fiktive tagebucheinträge eine geschichte entstehen lassen oder anhand der mode die jahrzehnte durchschreiten, man kann jemand einen rückblick anstellen lassen oder den weltuntergang herbeischreiben.

zum abschluss werden die geschichten vorgetragen und es findet eine ausführliche feedbackrunde dazu statt, wie der prozess der alterung dargestellt wurde. und wenn lust besteht, dann kann zum endgültigen abschluss noch kurz eine liste mit fünf punkten erstellt werden, was man, wenn man wieder jung wäre, anders gemacht hätte.

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wissenschaftliches schreiben und alter

lebenslanges lernen wird zur zeit an allen ecken propagiert. das ist eine schöne sache, wenn es nicht in die erwartung eingebunden ist, damit seinen gesellschaftlichen wert zu beziffern. wer möchte kann auch im alter noch lerninteressen folgen und sich weiter mit für einen persönlich spannenden themen auseinandersetzen. doch es sollte der persönliche spaß im vordergrund stehen und nicht irgendeine schon wieder von außen formulierte erwartung.

um dem wissenschaftlichen lernen eine chance zu geben, haben viele hochschulen inzwischen ihre veranstaltungen den seniorInnen geöffnet. teilweise sind studiengebühren zu entrichten, etliche veranstaltungen oder vorträge können auch ohne weitere kosten besucht werden. so bietet die freie universität in berlin zum beispiel die „gasthörercard“ und viele andere möglichkeiten, an den neuen erkenntnissen der hochschule teilzuhaben (siehe: http://www.fu-berlin.de/sites/weiterbildung/gasthoerercard/index.html ).

aber man kann sich auch entscheiden, im alter noch den doktor zu machen, also zu promovieren. es ist heute nicht mehr ganz so einfach, wie früher, da inzwischen auch promotionen durch verordnungen und zeitfenster streng geregelt sind. aber der versuch, sich nach doktorvätern umzuschauen und aus beruflichem wissen vielleicht eine wissenschaftliche arbeit zu machen, ist es wert. mit großer wahrscheinlichkeit lassen sich wege finden.

ältere menschen werden dann meist ebenso wie jüngere menschen feststellen, dass sie sich beim wissenschaftlichen schreiben in identischen schwierigkeiten wiederfinden können. sicherlich kommen „aufschieberitis“ und schreibkrisen seltener vor, wenn das schreiben einer wissenschaftlichen arbeit nicht mehr der existenzsicherung dient, sondern den eigenen interessen folgt. doch wer glaubt, dass hohe ansprüche an sich selbst oder der ehrgeiz eine Weiterlesen

schreibpädagogik und alter

das alter spielt in schreibgruppen erst einmal keine rolle. ganz gleich welchen alters jemand ist, kann man schreiben und vorlesen, kann man auch mitmachen. das ist eigentlich das schöne an schreibgruppen, dass sie altersungebunden und generationsübergreifend tätig sein können. und doch wäre es ein trugschluss zu glauben, dass das alter keine rolle spielt. so wie in anderen sozialen zusammenhängen kann man auch weiterhin (heute etwas versteckter als früher) unterschiede in den generationen ausmachen.

es wird auch in schreibgruppen die ungeduld der jugend gegenüber dem alter geben. und es wird ebenso die belehrende weisheit des alters gegenüber den jungen menschen geben. darum ist die leitung einer schreibgruppe dazu aufgerufen, zwischen den verschiedenen untergruppen in einer schreibgruppe (es kann auch ganz andere zusammenschlüsse geben) zu vermitteln. aber die große chance dabei ist, überhaupt einen austausch zwischen den generationen zu ermöglichen und mag es auf der kreativen ebene sein.

denn altersgruppen können sich auch gegenseitig in erstaunen versetzen. so können jüngere menschen feststellen, dass die älteren neben ihnen in ihrer jugend auch rebellisch, ungegduldig und unerbittlich waren. die älteren der gruppe werden feststellen, dass die anliegen der jüngeren berechtigt und längst nicht so oberflächlich sind, wie sie immer annahmen. letztendlich geht es in gemischten schreibgruppen um nichts anderes, als gegenseitige vorurteile abzubauen. warum diese bei uns immer noch so vertreten sind? weil sowohl jüngere als auch ältere in unserer gesellschaft nicht ernst genommen werden und sich somit auch kaum gehör verschaffen können. beide gruppen werden nicht wahrgenommen und bleiben somit unbekannt.

vielleicht kann eine schreibgruppe von jüngeren und älteren menschen genau diese ungerechtigkeit zum thema machen. auf der einen seite wird erklärt, dass jungen menschen mehr verantwortung und mitsprache ermöglicht werden soll, aber gleichzeitig werden sie verwaltet und verwahrt, wie lange nicht mehr. sie werden eingeengt und bevormundet. auf der anderen seite wird älteren menschen die teilhabe am arbeitsleben und am lebenslangen lernen schmackhaft gemacht, doch wenn es darauf ankommt, dann werden auch sie verwahrt und bevormundet.

warum also nicht texte gegen bevormundung und verwahrung verfassen und zur lesung die generation der 30- bis 60-jährigen einladen? oder es ergibt sich gleich von anfang an, dass auch die gruppe der mittelalten in der Weiterlesen

kreatives schreiben und alter (2)

kreativität ist kein zeichen von jugend, auch wenn viele menschen bei sich selber davon ausgehen. es gibt eine beunruhigend beruhigende grundhaltung bei manchen älteren menschen: das leben sei gelaufen, die dinge sind erlebt und gedacht, es gibt keine anlässe mehr für unruhe und veränderung. dabei bietet uns das leben mehr möglichkeiten: neben dem gesellschaftliche hofierten „lebenslangen lernen“ kann man auch „lebenslang spass haben“ oder „lebenslang politisch sein“. also steht einer lebenslangen kreativität nichts im wege.

bei künstlerInnen wird im nachhinein gern despektierlich vom „alterswerk“ gesprochen, wie wenn ihre kreativität etwas mit dem alter zu tun hätte. einzig die gedanken werden davon vielleicht bestimmt. seltsamerweise würde man bei anderen berufsgruppen nicht von ihrem alterwerk sprechen, sie machen einfach ihren job weiter, so lange sie spass daran haben. also sollte man sich auch beim schreiben nicht von gesellschaftlichen vorstellungen bremsen lassen. so wie ältere menschen noch sexuell aktiv sein können, so können sie geistig aktiv sein. und wie beim sex geht vielleicht manches beim schreiben nicht mehr so schnell, doch dies sagt nichts über die qualität aus.

unsere aufbewahrungsstätten für ältere menschen gehen auch heute noch oft davon aus, dass die interessen ihrer bewohnerInnen sich darauf beschränken, volkslieder zu singen, bastelkurse zu besuchen und stuhlgymnastik zu machen. dabei müsste den persönlichen bedürfnissen nur genug raum gegeben werden und man könnte Weiterlesen

liste (118) – alter

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um das „alter“.

die größten vorteile des alters aus meiner sicht:

die unangenehmsten nachteile des alters aus meiner sicht:

ältere menschen, die große vorbilder für mich waren:

die narrenfreiheit der senilität würde ich gern für folgendes nutzen:

die wichtigsten aspekte meines jetzigen alters:

web 2.0 und alter

die zeiten sind vorbei, in denen nur die junge generation ahnung von den neuesten digitalen techniken hatte. laut regelmäßiger befragungen (siehe http://www.initiatived21.de/portfolio/nonliner-atlas ) holt die 50+-Generation bei der nutzung des netzes fleissig auf. es ist damit zu rechnen, dass dies in den nächsten jahren noch so weitergeht. zu vermuten ist, dass die nutzung des netzes im alter mehr oder weniger freiwillig geschieht.

zum einen bietet das internet auch älteren menschen eine menge abwechslung. doch das soziale umfeld agiert oft eher über andere kommunikationswege. gleichzeitig gibt es aber auch für ältere menschen das problem, dass die gesellschafltiche teilhabe immer enger an das internet gekoppelt ist, sie also in manchen zusammenhängen beinahe gezwungen sind, sich ins netz zu begeben. das fängt bei den zug- und nahverkehrsinformationen an, geht über die steuererklärung, die auch von rentnerInnen noch abgegeben werden müssen, und reicht bis zur suche nach neuen kontakten und beziehungen, wenn man keine lust auf muffige rentner-treffpunkte hat.

außerdem bietet die digitale welt nicht nur jüngeren menschen viele zusätzliche kreative möglichkeiten an. geht es dabei um fotografie, die erstellung einer datenbank von eigenen sammlungen, das verfassen der eigenen biografie oder auch nur die zusammenstellung der lieblingsmusik, ältere generationen haben keine sehr unterschiedlichen bedürfnisse als jüngere generationen, auch wenn dies gern immer so vermittelt wird.

und so gibt es natürlich auch im web 2.0 vermehrt auftritte von älteren menschen. einzig manche technischen details können mehr schwierigkeiten bereiten und verlangen auch eine barrierefreiheit für ältere menschen. zum beispiel verschlechtern sich die sehfähigkeiten bei vielen älteren, sehr klein geschriebenes kann da zum problem werden. oder die hohe empfindlichkeiten von tastaturen und mäusen kann Weiterlesen

schreibberatung und alter

man erinnere sich an die auseinandersetzung um die rechtschreibreform. ein bürokratischer akt, der angeblich zu einer vereinfachung der schrift und des schreibens führen sollte. viele entscheidungen sind ebenso undurchsichtig wie von früher existierendes und gewordenes. wir verfügen über ein ausuferndes regelwerk und komplizierte schreibformen, die in ihrer aussage inzwischen bedeutungslos sind. an dieser reform ließen sich teilweise generationskonflikte um die zukünftige sprache festmachen. denn allüberall wird vor der verrohung und vereinfachung unserer kommunikation gewarnt.

das schreiben wurde und wird sehr unterschiedlich gelernt. früher die vermeidung des „du“, der direkten ansprache der leserInnen, heute slang und wortspiele in frecher annäherung. und doch bleibt es altersunabhängig, wann das schreiben nicht mehr so vollziehbar ist, wie gewünscht. schreibberatung konzentriert sich nicht auf eine form des ausdrucks, propagiert nicht „die richtige“ schreibe, denn die einengung des schreibprozesses kann sehr unterschiedliche formen annehmen.

auch die flappsige moderne sprache schützt nicht vor dem eigenen erwartungsdruck, vor einer schreibblockade oder dem fehlenden ausdruck. ebenso kann eine gestochen scharfe, grammatikalisch korrekte schreibweise nicht verhindern, dass die ideen für formulierungen und metaphern ausgehen. schreibberatung kommt alters- und zeitlos daher. sie hat nichts anderes im sinn, als dem schreiben und ideenentwickeln genug raum zu verschaffen, im zeitmanagement und im kopf.

und auch wenn manche vertreterInnen der meinung sind, das lamentieren über schreibblockaden und schreibkrisen sei eine modeerscheinung – sie als schriftstellerInnen könnten gar nicht schriftstellerInnen sein, wenn sie jemals schreibblockaden erleben würden, so stellt sich doch in jeder generation oder in jedem alter die frage, wie viele menschen über nichts anderes schreiben, als ihre schreibblockaden. auch eine form der verarbeitung. aber es stellt sich gleichzeitig noch eine andere frage: muss ich mich in eine emotionale situation begeben, in der ich mich nicht wohl fühle?

das „alter“ hat oft gelernt, dass der spaß ein flüchtiger, windiger geselle ist, der der hohen kunst des schreibens im weg steht. so kann auch dem alter in der schreibberatung vermittelt werden, dass nicht immer schmerz und qual ein garant für „hochwertiges“ sind. aber vorsicht mit verallgemeinerungen. die einzige verallgemeinerung, die sich in bezug auf die schreibberatung treffen lässt: jeder mensch kann an einen punkt kommen, an dem es gerade einmal nicht weiter geht. das ist nicht schlimm, eigentlich auch nicht tragisch, obwohl es so empfunden wird. es endet nur gern in der frage, soll man abwarten oder soll man etwas unternehmen und sich unterstützung suchen.

schreibberatung bietet diese unterstützung altersunabhängig. nicht mehr und nicht weniger.

biografisches schreiben und alter

als jugendlicher schreibt man nicht unbedingt eine autobiografie (obwohl es auch beinahe jugendliche (er)lebensberichte gibt). die meisten menschen kommen erst nach dem ausscheiden aus dem beruflichen leben auf die Idee, ihr eigenes leben aufzuschreiben. oder bekannte und verwandte bitten sie darum, doch einmal die spannende lebensgeschichte zu notieren. immer wieder entbrennt danach bei biografien der streit, ob das beschriebene denn wirklich so gewesen sei oder ob nicht manche darstellungen geschönt und auslassungen gemacht wurden.

doch die form des umgangs mit der eigenen lebensgeschichte ist auch in jungen jahren kein anderer. ganz gleich welches alter man hat, biografisches schreiben geschieht immer beeinflusst von der aktuellen lebenssituation. in jüngeren jahren blendet man eventuell andere dinge aus, als in älteren jahren. dafür blickt man im alter mit mehr erkenntnissen und erfahrungen auf das eigene leben zurück und kann es vielleicht in einen größeren zusammenhang stellen. eine objektive (auto)biografie gibt es nicht. selbst bei der aneinanderreihung von puren daten ist schon die auswahl der daten eine subjektive.

also kann man nur empfehlen, sich erst gar nicht außergewöhnlich zu bemühen, bei den beschreibungen immer objektiv zu sein. vielmehr sollte man zeit und energie auf ein paar (schreib)techniken verwenden, die einem das erinnern erleichtern und die „verschüttetes“ wieder zu tage befördern. denn meist erinnert man sich im laufe der zeit an mehr, als man vorher annahm. einmal angefangen mit der erinnerungsarbeit fallen einem stück für stück weitere details ein. und sollte dies nicht der fall sein, tut es einer biografie keinen abbruch, wenn man schreibt, dass man sich an manche details nicht mehr erinnern könne.

spannender scheint mir beim biografischen schreiben der blick darauf, was das alter mit einem macht. hat man das gefühl, dass sich in bezug auf die eigenen einstellungen und vorstellungen etwas verändert hat? hat man im laufe der jahre eine neues lebenskonzept für sich entwickelt? wie geht man mit dem prozess des alterns um? was sind die vorteile des alters, wo liegen Weiterlesen

selbstbefragung (171) – alter

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das „alter“.

  • wie alt möchten sie werden? warum?
  • wie sieht ihr ideales leben im alter aus?
  • wovor haben sie angst, wenn sie ans älter-werden denken?
  • worauf freuen sie sich, wenn sie ans älter-werden denken?
  • haben sie schon einmal einen menschen gepflegt? warum?
  • wie möchten sie sterben?
  • was möchten sie alles machen, wenn sie in rente sind?
  • welcher alte mensch ist für sie ein vorbild?
  • haben sie eine patientenverfügung erstellt? warum?
  • ab wann ist man in ihren augen alt? warum?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

wortklauberei (78)

„lasst benni nicht im heim sterben“

ein blick zum zeitungskiosk und die fetten lettern „lasst benni nicht im heim sterben“ brettern einem vom berliner kurier herab entgegen. ja, kurz schießt einem durch den kopf, dass es eine logische folge des pflegenotstands ist, dass beinahe alle menschen früher oder später im heim oder im krankenhaus sterben. dass die wenigsten zuhause, in ihren eigenen vier wänden versorgt werden können, denn es fehlt meist das geld einen rund-um-die-uhr-pflegedienst zu bezahlen.

das sagt schon viel über die gesellschaft aus, dass sie die menschen, die ihr leben lang gearbeitet, ihren sozialen beitrag geleistet und sich um andere gesorgt haben, kinder groß gezogen haben, dass diese menschen oft in fremder umgebung mit einem minutiös festgelegten pflegeplan versorgt werden. keine zeit darf bei ihnen „verschwendet“ werden, da sonst das pflegebudget gesprengt wird. wir haben zwar eine pflegeversicherung, aber die deckt nicht mehr als eine kärgliche grundversorgung ab. und nicht jeder mensch möchte von seinen angehörigen gepflegt werden, die oft von der situation überfordert sind und im gegensatz zur großfamilie keine ablösung haben.

dies geht einem durch den kopf, wenn man über benni nachdenkt. doch dann fällt der blick auf das bild daneben und man sieht einen dieser handtaschen-fifis mit etwas schiefem blick abgebildet. dann fällt einem auch der untertitel auf. er weist darauf hin, dass der älteste hund berlins in einem tierheim lebt. und hier liegt auch der hund begraben: das sagt noch mehr über unsere gesellschaft aus. eigentlich könnte man jeden tag im kurier titeln „lasst paule nicht im heim sterben“, „lasst bine nicht im heim sterben“ und daneben einen menschen abbilden.

schreibidee (176)

die psychologie streitet noch darüber, wie wichtig die einflüsse der kindheit für unser späteres leben sind. angefangen bei den ersten wochen im leben eines menschen, die anscheinend prägend sein sollen, bis zu späteren kindheitserfahrungen, die unsere zukunft bestimmen könnten. dazu im widerstreit steht die vorstellung, auch im alter noch dazu lernen zu können, ja sich verändern zu können. doch in den schreibideen wurde bis jetzt kein blick auf die frühen jahre im leben geworfen. sind die erinnerungen daran ein schwieriges feld, da vieles eventuell auf erzählungen beruht, die man gar nicht mehr selber erinnert. doch dies soll hier keine rolle spielen, beim erstellen von „kindheitsgeschichten„.

als einstieg in die schreibidee kann eine kleine zeitreise hilfreich sein. bei einer biografischen schreibgruppe lassen sich dafür kleingruppen der teilnehmerInnen bilden oder wenn alle ein ähnliches alter haben, auch in einer größeren gruppe, erinnerungen sammeln. orientierung bietet ein kleiner fragebogen, den die schreibgruppenleiterInnen erstellt haben. darin können fragen auftauchen, wie folgende: an welchen werbeslogan, an welches produkt ihrer kinderzeit erinnern sie sich? welche kindersendung hat ihnen am besten gefallen? oder für ältere, welches kinderbuch war ihr lieblingsbuch? welche spiele haben sie mit ihren freunden gespielt? wer waren ihre besten freunde? welche mode war in ihrer kinderzeit in? wissen sie noch, welches auto ihre eltern fuhren? wie war die wohnung ihrer eltern eingerichtet? …

die gruppen tauschen sich darüber aus. es können im folgenden auch von allen schreibgruppenteilnehmerInnen noch jeweils fragen formuliert werden. die erinnerungen sollte sich auf das alter bis vierzehn jahre beschränken. dann setzen sich alle teilnehmerInnen hin und schreiben jeweils eine seite lang ihr schönstes und ihr schlimmstes kindheitserlebnis auf. wichtig erscheint in diesem zusammenhang, dass die grenze beim schlimmsten erlebnis die teilnehmerInnen selbst setzen, sie aber im vorfeld darauf aufmerksam gemacht werden. die kindheitserlebnisse werden nicht in der gruppe vorgestellt. im anschluss werden von allen teilnehmerInnen noch fünf metaphern für ihre kindheit gefunden. wie ließe diese zeit umschreiben, darstellen?

um dann zum abschluss eine persönliche kindheitsgeschichte zu schreiben. es sollte sich darauf konzentriert werden, eindrückliche ereignisse in der geschichte wiederzugeben. dies natürlich aus heutiger sicht und der freiheit der autorInnen unterworfen. es geht in dieser schreibidee nicht darum, zeugnis abzulegen, sondern eine geschichte zu schreiben, die der kindheit gerecht wird. die geschichten werden in der schreibgruppe vorgestellt und es wird feedback gegeben.

ab wann habe ich eine lebensgeschichte?

der gedanke, erst im hohen alter lohne es sich, seine lebensgeschichte aufzuschreiben, ist weit verbreitet. viele menschen gehen davon aus, dass sie in jüngeren jahren noch nicht viel zu erzählen. sie leben in der erwartung, dass noch viel passieren wird. und erst wenn viel passiert ist, haben sie auch anderen etwas mitzuteilen. dabei kann es vorkommen, dass sie jahre später der meinung sind, es sei immer noch nicht viel in ihrem leben geschehen. und so finden sie sich dann in hohem alter in der situation wieder, dass sie der meinung sind, es sei nichts aus ihrer vergangenheit mitteilenswert.

in diesem gedanken steckt zum einen die vorstellung, es benötige dramatische entwicklungen, um etwas erzählen zu können. zum anderen wird davon ausgegangen, dass biografisches schreiben sich vor allen dingen an den leserInnen orientiere. letzteres habe ich hier schon thematisiert. ich möchte mich der frage zuwenden, ab wann ich davon ausgehen kann, eine „lebensgeschichte“ erlebt zu haben. auch hier ist die erste antwort kurz und knapp: ab dem moment, ab dem ich schriftlich beschreiben kann. fragen sie einmal ein kind, was es denn bis jetzt so erlebt hat und sie werden viele geschichten erzählt bekommen.

nur erwachsene fangen an, vieles erlebte als bedeutungslos zu bezeichnen. meist sind die wertungen über erlebtes gar nicht ihre eigenen, sondern annahmen, die sie aufgrund der urteile anderer machen. orientiere ich mich zum beispiel an einem extremsportler, erscheint mein leben in bezug auf körperliche anstrengungen und extremerfahrungen sicherlich nüchtern und langweilig. ich vergleiche in diesem moment aber birnen mit äpfeln. im vordergrund für das biografische schreiben sollte zu beginn die einfache frage stehen: was hat mich am meisten bewegt? es gibt keinen menschen, den nichts bewegt hat.

bewegen können einen „kleine“ ereignisse, wie ein kinoabend, an dem man einen film gesehen hat, der einen in den grundfesten der eigenen vorstellungen erschüttert hat. bewegen kann einen natürlich auch, eine traumatische situation erlebt zu haben, wie den tod eines geliebten menschen. kinder machen einem aber vor, dass ganz alltägliche begebenheit ebenso wichtig und bewegend erlebt werden können. natürlich entwickelt man in manchen zusammenhängen im laufe seines lebens eine routine. Weiterlesen

selbsterkenntnis und biografisches schreiben

des öfteren war hier schon die rede von der möglichkeit, seine vergangenheit mit dem biografischen schreiben in erster linie für sich selber aufzuschlüsseln. darum möchte ich dieses mal einen blick auf die frage werfen, ab wann es sich lohnt, sein leben zu analysieren und sich dem biografischen schreiben zu zu wenden. einige menschen sind der meinung, sie hätten nicht genug erlebt, um einen blick in die vergangenheit zu werfen. die erfahrungen zeigen etwas anderes. ganz gleich wer es ist, jeder mensch hat einschneidende oder begeisternde erfahrungen gemacht, die wertung der bedeutung des geschehenen liegt eigentlich nur bei einem selber. darum lautet die einfache antwort: es lohnt sich, wenn man möchte, immer einen blick in die vergangenheit zu werfen. es gibt keine altersbegrenzung für das biografische schreiben. selbsterkenntnis hat nichts mit der dauer der lebenserfahrung zu tun.

ein hinweis auf die altersunabhängigkeit könnte sein, dass schon mit jungen jahren angefangen wird, tagebuch zu schreiben. es kommt das gefühl auf, dinge festhalten zu möchten, die sich im alltag ereignet haben, die einen beschäftigen. oft geht dies einher mit den umwälzungen der pubertät. hier fängt mensch an, sich selbst zu reflektieren und sich in das soziale gefüge einzuordnen. vieles verunsichert, stellt in frage und wird neu zugeordnet. angefangen beim eigenen körpergefühl bis zur haltung den eltern gegenüber. der junge mensch fängt an, seine eigenen bedürfnisse zu formulieren, die schnell im widerspruch zu den gesellschaftlichen regeln und konventionen stehen können. schon in diesem moment scheint eine reflexion schriftlicher art möglich, denn was ist tagebuch schreiben anderes. techniken des biografischen schreibens müssen nicht in jahrzehntschritten angewandt werden. auch junge menschen finden schon worte für ihre bis dahin erlebten lebenskrisen und -höhepunkte.

und wer einmal seine alten tagebücher durchstöbert, Weiterlesen

biografisches schreiben und altern des lebenspartners

in letzter zeit ging es häufiger durch die presse, dass walter jens einhergehend mit demenz altert. damit öffentlich auseinandergesetzt haben sich sein sohn und seine frau. beide auseinandersetzungen sind auch ein zeichen dafür, wie schwer es einem fällt, zu beobachten, wie ein einem nahestehender mensch altert und sich verändert. man kann diesen prozess ab einem bestimmten punkt nicht mehr beeinflussen und es wird nicht selten ohnmacht gefühlt. es fällt schwer zu akzeptieren, was da vor sich geht.

beim schreiben der eigenen lebensgeschichte kann man sowohl seinen eigenen alterungsprozess beobachten, vor allen dingen aber auch, da das betrachten der eigenen entwicklung einem gar nicht so schnell und verändernd vorkommt, den alterungsprozess von lebenspartnerInnen. von „außen“ fällt einem oft viel stärker auf, wie sehr sich ein mensch verändert. man bekommt vor augen geführt, wie es wahrscheinlich einem selber geht oder gehen wird. die zeit wird für manches, das man unbedingt noch machen wollte, knapp.

wie geht man damit um. kann man den natürlichen entwicklungen ihren lauf lassen oder bäumt man sich dagegen auf? will man nicht wahrhaben, dass die partnerInnen einem lebensende entgegenstreben oder begleitet man sich gegenseitig in dieser entwicklung? früher starben die menschen früher, viele krankheitsbilder traten überhaupt nicht auf. heute werden menschen bei uns sehr alt, doch dies geht oft genug damit einher, dass einer von beiden zu einem pflegefall werden kann oder aufgrund von krankheiten unterstützung benötigt. wie geht man damit um? oder wie erlebt man es, unterstützung vom partner zu benötigen, wie erlebt man diese unterstützung?

das biografische schreiben bietet die chance, in dem moment, in dem man und der partner altert, dies ausführlicher zu reflektieren. vielleicht auch nur, um einen ruhigeren, akzeptierenden umgang damit zu finden.

web 2.41 – lebensfreude50.de

befragungen und statistiken zeigen, dass die älteren generationen in deutschland inzwischen aufholen was dauer und häufigkeit der nutzung des internets bedeutet. viele haben nie in der schule informatik als unterrichtsfach gehabt, mussten in ihrem beruf wenig mit dem computer arbeiten und hielten im privatleben kontakte über das telefon oder briefe.

inzwischen müssen auch die 50plus-generationen an ihren arbeitstellen den computer als standardwerkzeug verwenden, haben sich als erstes das handy als kommunikationsmittel angeeignet und sind längst auf dem vormarsch das internet zu erobern. denn selbst in der rente lassen sich inzwischen reisen leichter über das web buchen und planen. die berührungsängste mit moderner technologie werden abgelegt.

so wie heute viele junge menschen meinen, ältere hätten keine ahnung vom internet, so wurde auch lang geglaubt, dass das interesse an beziehungen, freundschaften und sex ab einem gewissen alter keine rolle mehr spielt. man war mit einem menschen verheiratet, wenn der nicht mehr existierte, dann endete die zweisamkeit für immer. ein großer trugschluss, man kann sich auch mit neunzig noch hals über kopf verlieben. und inzwischen gibt es auch flyer zu einem internetangebot für die 50plus-generation. unter http://www.lebensfreude50.de findet sich „internet für junggebliebene„. oder wie der anbieter formuliert: „verabreden ohne junges gemüse„. hier liegt die zukunft des internets, da die bevölkerungsstatistik zeigt, der markt wächst. die digitale kontakt- und partnerbörse bietet alles was solche angebote bieten sollten.

biografisches schreiben und generationskonflikte

seit menschengedenken sind die zeitabschnitte für die eine gesellschaft vorausplant beschränkt. nicht wissend, was als nächste passieren wird im sozialen kontext, lässt sich vieles auch gar nicht so bestimmen und regulieren. früher wurde eigentlich nur im jahrestakt gedacht, da allein die ernte und produktion für ein jahr gesichert werden musste. seitdem die selbstversorgung verschwunden ist, ist der mensch daran, den folgen der natur vorzubeugen und weiterzudenken.

doch in den letzten zwei jahrzehnten verkürzen sich wieder die planungsphasen. seitdem die mediale präsentation von politik noch stärker in den vordergrund rückt. das strukturieren in abschnitten von legislaturperioden liegt im trend. die oft beschworene und angemahnte nachhaltigkeit wird nur in seltenen fälle verfolgt. das bekommen dann die nachfolgenden generationen zu spüren.

neben dieser entwicklung gibt es immer wieder die schwierigkeit, dass sich lebensmoden und -muster überholen und somit nicht weitergeführt werden. die so genannten traditionen verändern sich, gesellschaftliche moral- und ethikvorstellungen wandeln sich und der technische fortschritt verändert die lebens- und arbeitswelt. vor allen dingen ältere generationen können diesen veränderungen nicht mehr folgen oder wollen es nicht. dies bildet die grundlage für generationskonflikte, so lang die ältere generation die machtstrukturen besetzt.

beim betrachten der eigenen lebensgeschichte sollte ein blick auf die eigene haltung, Weiterlesen

schreibpädagogik und altersunterschied

bei offenen schreibgruppen oder schreibwerkstätten kann es vorkommen, dass sich menschen sehr verschiedenen alters anmelden. das ist eigentlich einer der schönen nebeneffekte vor allen dingen des kreativen schreibens. das interesse zieht sich durch alle altersgruppen. dadurch wird zumindest schriftlich der austausch zwischen den generationen gefördert.

jedoch für die anleitung von schreibgruppen kann dies auch schwierigkeiten verursachen, die aber nicht überwunden werden können. es fängt schon mit der frage an, ob neben einer schreibgruppe auch moderne kommunikationsmittel zu nutzen sind. es kann in der älteren generation weniger vorausgesetzt werden, dass wissen über die verwendung des internets vorhanden ist. inzwischen nähern sich zwar die nutzerInnendaten an, doch es muss damit gerechnet werden, zeit für grundsätzliches aufzuwenden.

dann sind die lebenserfahrungen natürlich sehr verschieden. dies sind sie zwar auch schon in einer altersgeneration, aber zwischen den generationen bedarf es eventuell zwischenzeitlich einiger erklärungen. dabei kann es um begriffe, lebensorte oder auch die beziehungskonzepte gehen. alles dinge, die beim schreiben von geschichten eine rolle spielen können. hier scheint es wichtig, immer wieder die vorzüge aufzuzeigen, von der jeweils anderen generation etwas lernen zu können oder vermittelt zu bekommen, das einem selber überhaupt nicht bekannt ist.

anleiterInnen sollten aufpassen, dass sie einer generation nicht den vorzug geben, sich selbst darstellen zu können. darauf achtet man sowieso bei der anleitung von gruppen, doch es fällt schwerer, wenn es um die grundsätzlichen lebenserfahrungen geht, wie es im laufe des schreibens eine große rolle spielen kann. bei gruppen zum biografischen schreiben empfiehlt es sich, altersbegrenzungen schon bei der ankündigung der gruppen einzuführen. oder man formuliert eindeutig, dass die gruppe dem austausch der generationen dienen soll.

biografisches schreiben und altern

in unserer gesellschaft ist altern sehr zwiespältig besetzt. zum einen wird die altersweisheit weiterhin geschätzt, wenn auch nicht mehr so hoch, wie früher. auf der anderen seite sorgt die gesellschaft mit ihrem jugendwahn dafür, dass viele erwachsene nicht mehr altern wollen und so lang als irgend möglich, jung zu bleiben.


eine biografie oder lebensgeschichte wird verfasst, wenn meist schon ein paar jahre des eigenen lebens vergangen sind. interessant für die leserInnen kann es sein, wenn menschen aus eigener erfahrung berichten, wie sie mit dem prozess des alterns, der eigentlich ein ganz alltäglicher ist, umgegangen sind und weiterhin umgehen. niemand wird zum beispiel leugnen, dass die erfahrung, dass bestimmte körperliche fähigkeiten nachlassen, für jeden menschen einen umbruch bedeuten. doch welchen umgang hat man damit gefunden?


außerdem stellt sich für manchen oft die frage, ob sie noch einmal gern jung wären. da kann es hilfreich sein, sich zu erinnern, wie anstrengend es sein kann, jugendlicher zu sein. das gefühl von erwachsenen nicht ernst genommen zu werden, die eigene sexualität entdecken und die erschreckenden körperlichen veränderungen. dinge, die im nachhinein gern idealisiert werden.


so kann man in einer biografie neben den erlebten ereignissen eine blick auf die eigene entwicklung werfen, die sich mit dem thema des alterns beschäftigt. natürlich geht dies einher mit anderen entwicklungen zum beispiel in der ausbildung oder im beruf. aber auch der gesonderte blick, die beobachtung des eigenen körpers und der eigenen verhaltensweisen geben einen zusätzlichen aufschluss zur lebensgeschichte. das altern ist immer verbunden mit neuen erkenntnissen und erfahrungen, die wiederum auf die haltung zum eigenen altern wirken, als auch die körperlichen veränderungen rückwirkungen auf die eigenen verhaltensweisen haben. und wie erlebe ich meine umwelt, wenn ich älter werden? wie geht sie mit mir um? es gibt die aussage, dass alte menschen wieder wie kinder werden, obwohl sie ein ganzes leben erfahrungen mit sich herumtragen. vielleicht kann das biografische schreiben eine hilfe sein, sich gegen diese degradierung zu behaupten und darauf zu bestehen als erwachsener behandelt zu werden.

biografisches schreiben und unterstützung

 

manche menschen kommen erst in sehr fortgeschrittenem alter auf die idee, ihre biografie zu verfassen. oder angehörige hätten gern die lebensgeschichte ihrer verwandten festgehalten. doch das selber schreiben bereitet schwierigkeiten, ist vielleicht gar nicht möglich. also tut unterstützung not.

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schreibpädagogik und gruppenzusammensetzung

 

nehmen wir einmal an, man möchte eine schreibgruppe anbieten, so stellt sich immer wieder die frage, wie werden die teilnehmerInnen wohl miteinander auskommen. das lässt sich schwer vorhersagen. und es stellt sich die frage, ob man die zusammensetzung der schreibgruppe im vorfeld lenken kann.

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