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wortklauberei (46)

„analog-käse“

sie schwören noch auf ihr analog-telefon oder ihren röhrenfernseher, sie verweigern sich der digitalisierung der welt, dann dürfte auch „analog-käse“ etwas für sie sein. und doch ist der begriff eher beim telefon missverständlich, denn beim käse, bedeutet er doch: ähnlich; einheitlich; entsprechend; gleichartig; gleichermaßen; komparabel; korrespondierend; parallel; vergleichbar.

beim telefon bezieht sich „analog“ wohl eher auf die übertragungstechnik, beim käse allerdings auf den käse selber, der gar kein käse mehr ist. es sieht aus wie käse, riecht wie käse und schmeckt wie käse. es hat aber mit käse und vor allen dingen seiner produktion nichts mehr gemein. es ist ein laborprodukt, das sich eigentlich wenigstens über den namen unterscheiden sollte. wie wäre es mit „köse“ oder „küse“, wodurch jedem verbraucher der „lebens“mittel klar wird, ich esse keinen käse, sondern ein produkt, das dem käse analog ist.

aber das wäre natürlich zu viel verlangt. eine umbenennung der produkte findet wahrscheinlich erst statt, wenn sie digitalisiert werden. ein wenig erinnert der „analog-käse“ schon an den „replikator“ bei raumschiff enterprise, der alles köstliche digital produzierte. doch bis dies realität wird sollten wir das „analog“ ertragen, so lang wir uns bewusst sind, dass kartoffelchips nicht unbedingt etwas mit kartoffeln zu tun haben müssen, sondern wegen der zellulose auch aus klärschlamm produziert werden können. dass erdbeergeschmack keine erdbeere benötigt, dass fruchstückchen im joghurt zellulosehäufchen sein können, dass schinken ein klebeprodukt sein kann und dass kunstseide weder etwas mit kunst noch mit seide zu tun hat.
übrigens wird schon fleissig daran gearbeitet, analog-menschen zu produzieren. bis jetzt dienen sie nur der schaufensterverschönerung und der sexuellen befriedigung.