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kreatives schreiben und suche

warum nicht zwischendurch literarisches versteckspielen? der krimi macht das eigentlich schon immer: strafverfolger und leserInnen begeben sich gemeinsam auf die suche nach dem täter. und es funktioniert immer wieder. die autorInnen sind die einzigen, die alle informationen haben. sie geben häppchen in ereignisse geschnürt preis, bis beinahe alles entblättert ist und man ahnt, wer es war. gute krimis haben dann noch eine unvorhersehbare wendung eingebaut, die alle bisher verdächtigen ignoriert und eine ganz unerwartete entdeckung oder begründung der tat präsentiert. die suche macht den krimi spannend.

warum also im kreativen schreiben nicht auch einmal irrgärten aufbauen, die leserInnen in sackgassen schicken, um sie dann wieder auf einen anderen pfad zu lenken. es muss kein krimi sein. auch geschichten können in die irre führen, können vertrautheit mit den protagonisten herstellen, die sich im laufe der zeit als kotzbrocken entlarven und den blick auf die welt umkehren. oder wenn die tragik des bösen mitgefühl erweckt, dann werden leserInnen auf der suche nach klaren strukturen verstört aber eventuell auch ganz gespannt auf den fortgang der geschichte sein. in jeder erzählung oder geschichte sucht der mensch, wenn er sie sich zu gemüte führt, ein abbild, eine erklärung für das leben.

in der literatur suchen wir einen weiteren mosaikstein der antwort auf die frage, was denn der sinn des lebens sei. wir wollen in ein szenario eintauchen und uns von den autorInnen führen lassen. sie werden uns ein bild eröffnen, aus dem wir unsere schlüsse ziehen dürfen, wie wir lustig sind. kaum ein buch schafft es für die einzelnen leserInnen die suche endgültig abzuschließen. die entdeckung eines mosaiksteinchens eröffnet oft gleichzeitig neue nebenfragen und -schauplätze auf der suche nach dem sinn des lebens. und somit animiert das steinchen zu weiteren büchern, die wieder mosaiksteine und fragen liefern.

angenehme literatur erleichtert einem die suche nicht, sie begleitet einen nur. sie lässt die leserInnen aufseufzen, wenn vergleiche mit dem eigenen leben angestellt werden können. kreatives schreiben hat dazu das potential. da das kreative schreiben seine geschichten aus intuitiven momenten und assoziationen schöpft, eröffnet es neue perspektiven, sowohl den schreibenden als auch den lesenden. Weiterlesen

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selbstbefragung (31) – schweinerei

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „schweinerei„.

  • haben sie schon einmal richtig die sau rausgelassen? was war da los?
  • würden sie gern noch einmal richtig die sau rauslassen? was sollte da geschehen?
  • warum fällt es so schwer all seinen niederen trieben zu folgen? was glauben sie?
  • wer würde sie verurteilen, wenn sie sich gehen lassen?
  • wie würde das urteil auf sie wirken?
  • können sie sich von fremdurteilen frei machen?
  • wann fällt es ihnen am leichtesten fallen, all ihre schmutzigen träume zu leben? was müsste geschehen, damit es möglich ist?
  • mit welchen menschen in ihrem leben können sie sich alles vorstellen? beschreiben sie diese menschen.
  • können sie anderen menschen gegenüber ein richtiges „schwein“ sein? warum?
  • wo liegen ihre grenzen des auslebens ihrer wünsche und ziehen sie bei anderen die grenze?

selbsterkenntnis und selbstbefragung

manch einer hofft, dass ihm seine umwelt endlich die richtigen fragen stellt, damit er von sich erzählen kann. doch leider erscheint die umwelt nicht selten recht widerständig und interessiert sich für einige aspekte des lebens des anderen nicht. so sitzt er weiter da und hofft. dabei kann viel zeit vergehen, ungenutzte zeit.

schon früher gab es menschen, die wahrscheinlich gern selber gefragt worden wären und darum schlichte fragebögen entwickelten, die sie anderen zusendeten. am bekanntesten wurde der bogen von marcel proust, da in den 80ern das faz-magazin ihn bekannten persönlichkeiten vorlegte. nun gibt es aber auch die möglichkeit, sich selbst einen fragebogen vorzulegen, um mehr über sich selber zu erfahren. dabei machen multiple-choice-fragen wenig sinn, da sie die antworten sehr einschränken. außerdem käme solch eine selbstbefragung den psychotests in diversen frauenzeitschriften sehr nahe.

nein, eine selbstbefragung sollte raum für die antworten geben. denn erst wenn ich meine gedankengänge in ihrer vollen länge notieren kann, kann ein schritt weiter in richtung selbsterkenntnis gegangen werden. das internet hat die fragebögen zum kennenlernen anderer wieder hoffähig gemacht. da werden stöckchen um stöckchen versendet. natürlich kann man sich diese stöckchen auch sich selber vorlegen. doch meist sind die fragen schon so angelegt, dass nur eine kurze antwort möglich ist und weites ausholen nicht geplant ist. so bieten sich eher explizit fragebögen zur selbstbefragung an.

neben einem fragenkatalog braucht man die nötige zeit, um auch alles zu beantworten. man sollte sie sich nehmen. stück für stück kann man dann sich sich selber annähern. natürlich darf daneben der austausch mit anderen menschen nicht fehlen. doch einmal mit selbstbefragungen angefangen, fällt es einem selber immer leichter, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. und erst wenn ich für mich geklärt habe, wie meine haltung gegenüber den essentiellen dingen des lebens ist, welche emotionen in mir schlummern oder offen zu tage treten, erst dann fällt es mir leichter, mich und meine positionen, anderen gegenüber zu vertreten.

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selbstbefragung (30) – verdrängung

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „verdrängung„.

  • was können sie schwer verdrängen?
  • wann haben sie verdrängung in ihrem leben als sehr hilfreich empfunden?
  • glauben sie, dass sie noch etwas verdrängt haben, das ihnen nicht bewusst ist? in welche richtung könnte dies gehen?
  • ist verdrängung in ihren augen eher nützlich oder eher schädlich? begründen sie.
  • welchem menschen in ihrem umfeld würden sie gern mal die augen öffnen? und warum haben sie es bis jetzt nicht getan?
  • was verdrängen in ihren augen zur zeit die gesellschaften auf dieser welt am meisten oder stärksten?
  • wem in ihrer umgebung würden sie gern ihr leben beichten?
  • was gäbe es denn dann zu beichten?
  • würden sie jemals im fernsehen eine lebensbeichte ablegen wollen? warum?
  • wodurch lässt sich bei ihnen verdrängtes zum vorschein bringen? wollen sie dies überhaupt?

„the book of questions“ von pablo neruda – ein buchtipp

hier wurden schon manche bücher zur selbstbefragung vorgestellt. doch eine ehemalige mitstudentin machte einmal darauf aufmerksam, dass pablo neruda auch ein buch angefüllt mit fragen, die fantasievoller antworten bedürfen, verfasst hat. der originaltitel des buches lautet im spanischen „el libro de las preguntas„. Da ich des spanischen nicht unbedingt mächtig bin, habe ich mich auf die suche begeben und festgestellt, dass es dieses buch leider zur zeit nicht im deutschen, aber in englisch gibt. da ich diese sprache eher verstehe habe ich mir „the book of questions“ angeschafft und muss sagen, es lohnt sich einen blick hineinzuwerfen.

das buch beinhaltet 320 fragen, die in ihrer aneinanderreihung 74 gedichte bilden. aber die fragen können auch ohne probleme für sich allein stehen und zum beispiel als schreibanregungen in schreibgruppen oder für einen selber dienen. hier ein paar beispiele der fragen, die ich nicht übersetzen möchte, da ich auch kein professioneller übersetzer bin:

„you don´t believe that dromedaries

keep moonlight in their humps?“


„who wakes up the sun when it falls asleep

on its burning bed?“


„does smoke talk with the clouds?“

zum einen fragt man sich, warum diese fragen niemand vor pablo neruda gestellt hat, zum anderen müssen die fragen teilweise gar nicht beantwortet werden, sie sind schon an sich sehr poetisch. und doch bieten sie viele anregungen, eventuell auch solche fragen selbst zu formulieren. das buch ist bei „copper canyon press“  (http://www.coppercanyonpress.org) in den usa erschienen. ISBN 978-1-55659-160-0

kreatives schreiben und fragen

schreibpädagogInnen und menschen, die gern kreativ schreiben möchten, suchen immer wieder schreibanregungen. im rahmen des biografischen schreibens, habe ich hier schon die „selbstbefragung“ vorgestellt. doch eine der einfachsten formen der schreibanregung wurde hier noch nicht erwähnt: die einfach frage.

kinder sind dafür ein gutes vorbild. ab einem gewissen alter entdecken sie alle ihre vorliebe für das wörtchen „warum“, das gern jeder erklärung eines sachverhalts durch erwachsene nachgeschoben wird. „schimmlige sachen sollte man nicht essen!“ „warum?“ „weil man dann krank werden kann!“ „warum?“ „weil schimmelpilze wenn sie wachsen gift produzieren!“ „warum?“…  dieses beispiel könnte ewig fortgeführt werden. gleichzeitig, wenn man keine kinder vor sich hat, bieten solche fragen einen guten einstieg in einen erklärenden text, in eine kleine geschichte, die versuchen einen sachverhalt mit einer etwas fantasievolleren antwort zu erklären. dieser „quatsch“ sollte kindern nicht unbedingt mitgeteilt werden, da sie erwachsenen während der warum-phase sehr viel glauben und teilweise das angesammelte wissen für bare münze nehmen. kinder sind in ihren fragen ernst zu nehmen.

wiederum, was die antworten auf die fragen angeht, kann man kleine geschichten-erzähl-spiele auch mit kindern veranstalten. sie können ebenso wie erwachsene gründe und antworten erfinden und sind dabei oft sehr einfallsreich. interessanter scheint mir, dass als schreibanregung eigentlich jede beliebige frage verwendet werden kann. zum beispiel „warum ist die erde rund“. wissenschaftlich lässt sich dies natürlich inzwischen sehr dezidiert erklären, doch wieso nicht einmal eine ausgefallenere antwort finden, z.b. dass das ganze universum der kaugummiautomat gottes ist.

ebenso ausgefallen, paradox oder sinnfrei können auch die fragen sein und eine anregung für das fantasieren bieten. so kann man sich fragen, weshalb bei himbeeren und brombeeren die kernchen eigentlich innen sind, bei der erdbeere aber außen. gibt es darauf eine antwort? das können kreativ schreibende sicherlich nur bejahen und gleich eine geschichte dazu niederschreiben. im nächsten post werde ich ein buch vorstellen, das randvoll ist mit wunderbar außergewöhnlichen fragen. ansonsten kann man auch die fragen seiner kinder notieren und kleine antwortgeschichten dazu verfassen.

schreibtechnik (13)

was animiert einen zum schreiben? fragen! manchmal genügen einfache fragen, um eine antwort aufs papier zu bringen. dazu ist es notwendig, fragen zu stellen. die einfachste variante ist, andere menschen zu beauftragen, fragen an einen zu stellen. so ist es zum beispiel möglich, zu sagen: „ich möchte über meine biografie schreiben, kannst du mir mal zehn fragen dazu stellen?“

oder, schreibe auf, was du schon immer von mir wissen wolltest. oder, man spricht jemanden auf der straße an und fordert ihn auf einfach eine frage zu formulieren. man kann auch versuchen fragen über einen mailverteiler oder einen blog einzusammeln.

zum frage beantworten kann man dann eine form von freewriting wählen. man konzentriert sich auf die frage und schreibt zehn minuten die antwort, ohne zu unterbrechen drauf los. oder man fügt die fragen in eine tabelle, und beantwortet jede frage mit einem maximal zwei sätzen. immer nach dem prinzip, dort die tabelle auszufüllen, wo einem am schnellsten etwas einfällt. durch die paar sätze hat man schon angefangen zu schreiben. nun wählt man die frage aus, die einem am interessantesten erscheint.

und man kann sich fragenkataloge vornehmen. so gibt es zum beispiel das buch „anleitung zur autobiografie – in 300 fragen“ von gerhild tieger (ISBN 3-932909-49-6) im autorenhaus-verlag. man kann sich die fragen die bei iqlycos existieren vornehmen. man kann sich einen selbstbefragungskatalog tage vorher zusammenstellen und ein paar tage später beantworten.

man kann fragen nutzen, um über die antworten den start ins schreiben zu schaffen. und entweder aus allen antworten zusammen einen text entwickeln oder sich eine einzelne antwort auswählen, die zu einem text wird.

web 2.4 – lycos iq

gemäß dem motto: „es gibt keine dummen fragen, es gibt nur dumme antworten.“, bietet das web 2.0 eine seite, die viele fragen, die menschen so haben können, sammelt und anderen menschen die möglichkeit gibt diese fragen zu beantworten. 

und es zeigt sich mal wieder, wie so häufig im internet, wir sind alle gar nicht so dumm, man muss uns nur die möglichkeit geben miteinander zu kommunizieren. schon kann beinahe jede frage beantwortet werden. wenn jemand also eine frage loswerden möchte, die er schon immer einmal gelöst bekommen wollte (warum zum beispiel früher bei der bindenwerbung die testflüssigkeit immer blau war?) findet sich bestimmt jemand, der eine antwort darauf weiß. alle fragen und antworten werden auf der seite gesammelt. inzwischen ist eine ansehnliche datenbank entstanden, sortiert nach rubriken und allen anderen möglichkeiten, die manche frage beantwortet.

noch fragen? nein? ach so, die homepage von lycos iq ist zu finden unter: http://iq.lycos.de/