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biografisches schreiben und arbeiterInnenbewegung

anlässlich des „tag der arbeit“ morgen, möchte ich den blick einmal auf die verschiedenen berufswege lenken und vor allen dingen auf das engagement in einer gewerkschaftlichen organisation. bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte sind auch momente von bedeutungen, in denen man vom mitspracherecht gebrauch machte.

war man zum beispiel klassensprecher, schulsprecher oder in jugendorganisationen der parteien. menschen mit einer ddr-biografie mussten sich meist in der fdj organisieren, andere waren eher in christlichen jugendorganisationen. anschließend bestand je nach arbeitsplatz und beruf die möglichkeit, sich in einer gewerkschaft oder einem verband zu organisieren. wollte man dies oder hatte man kein interesse daran?

noch viel interessanter scheint mir in diesem zusammenhang, was man im laufe seiner mitarbeit bei der arbeiterInnenbewegung für sich gelernt hat. das kann sehr hilfreich beim weiteren umgang mit autoritäten oder vorgesetzten gewesen sein, es können aber auch enttäuschende erfahrungen sein, wie zum beispiel den arbeitsplatz nicht retten zu können oder sich in langen diskussionen aufgerieben zu haben. welche auswirkungen hatten die erfahrungen auf das weitere engagement und vor allen dingen auf das eigene leben? denn gerade im zusammenhang mit der eigenen gewerkschaftlichen arbeit oder arbeit in anderen mitspracheorganisationen, kann die eigene einstellung zum sozialen miteinander verändern. so formulieren viele ehemalige ddr-bürgerInnen, dass auch die zwangsverbände in gewisser weise ihnen vieles beigebracht haben. im westen organisieren auch heute noch gewerkschaften bildungsangebote und fortbildungen.

der soziale zusammenhalt unter arbeitnehmerInnen hat stark abgenommen, er erscheint nicht mehr sehr attraktiv, nur noch in wirklichen notlagen. das ist eventuell ein fehler, da eine gewisse steigerung des selbstwertgefühls allein durch die erfahrung eines engagements und eventuell eines erfolgs viel verändern kann. das schreiben darüber kann einem noch einmal offenbaren, wie oft man sich in mitbestimmenden positionen wiedergefunden hat. denn einmal angefangen, fällt es vielen schwer, damit wieder aufzuhören. und wie man gerade wieder sieht, gerecht war die arbeitswelt noch nie.

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