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wund-starr-krampf (08)

herr gottlieb und seine tagesthemen-kommentare

es gibt wahrscheinlich keinen kommentator, keine kommentatorin bei den tagesthemen der ard, der oder die so vorhersehbar sind, wie herr gottlieb vom bayerischen rundfunk. und es gibt wahrscheinlich keinen kommentator und keine kommentatorin, die so oft kommentieren.

generell ist die idee einer kommentar-ecke eine schöne einrichtung, denn die politischen ereignisse in geballter form einer ausführlichen nachrichtensendung bedürfen manchmal einer anmerkung. und wie es auch auf der kommentar-seite einer zeitung der fall ist, gibt es kommentare, die etwas langweilen, da sie keine klare meinung transportieren, oder es gibt kommentare, die konträr zur eigenen meinung liegen und eine reibungsfläche bieten. und natürlich, wie es auch bei kommentaren zu politischen ereignissen notwendig ist, schimmert die politische haltung der kommentierenden durch.

so weit, so gut. aber wie das mit bayern so ist, kennt man sich da. soll heißen, der bayerische rundfunk ist bekannt für seine nähe zur csu und geht gern sonderwege, wenn es sich um das einnehmen einer meinung handelt. so schaffte es der bayerische rundfunk noch in den 80er jahren sich aus dem verbundprogramm der ard auszuklinken, wenn inhalte missfielen. das ist heute nicht mehr so. und ja, auch der bayerische rundfunkt ist kritischer geworden, tritt vielfältiger und differenzierter auf.

nur herr gottlieb scheint damit noch seine schwierigkeiten zu haben. da gibt es themen, die man aus konservativer sicht kritisieren muss. doch leider nimmt die csu eine gegenteilige haltung ein. schönes beispiel dafür ist das vorgehen um den fiskalpakt und die rettungsmaßnahmen, also auch der gang zum bundesverfassungsgericht. als regierungspartei muss die csu für die eu-beschlüsse sein, doch als konservativer mensch möchte man sich der eu nicht zu sehr angliedern. da gerät herr gottlieb in die bredouille. er möchte die finanzielle unterstützung für die schlecht wirtschaftenden länder kritisieren, aber der csu nicht auf die füsse treten.

dies sind die amüsantesten kommentare der tagethemen. jedesmal sitze ich da und denke – „kriegt er die kurve noch?“. schafft es herr gottlieb wieder, die krititker zu kritisieren, um der csu mit seinem kommentar nicht zu nahe zu treten. und irgendwie schafft er es immer wieder. rhetorisch manchmal ein meisterstück, zum beispiel nur den teil der kritikerInnen herauszugreifen und zu belehren, der zwar das gleiche wie die konservative welt sagt, aber aus dem falschen politischen kontext kommt. bei herrn gottlieb wird man es nie erleben, dass die csu wirklich kritisiert wird.

aber neben dem amüsement ist es doch ärgerlich, dass die landespolitisch angebundenen kommentare so oft das angebot der ard besetzen. hier wäre mehr vielfalt wünschenswert. aber irgendwo konnte man einmal lesen, dass die restlichen sendeanstalten gar nicht so scharf darauf sind, zu kommentieren. also ich würde mich gern da hinsetzen und einen kommentar zur bayerischen gschafftelhuberei sprechen. kommentare sollen ja nicht neutral sein, sondern die persönliche meinung wiederspiegeln 😉

wund-starr-krampf (05)

tagesschau in 100 sekunden

wir leben in einer schnelllebigen zeit, wie man so schön sagt. manche sprechen von einer beschleunigung der kommunikation. dabei können wir nicht schneller sprechen als wir sprechen und wir können auch nicht schneller lesen als wir lesen. aber wir können verkürzen, komprimieren und in ein zeitfenster dadurch doppelt so viele informationen unterbringen.

die schwierigkeit bei verkürzungen besteht darin, dass gehalt und information reduziert werden auf ein minimum. nun sendet die ard seit einiger zeit neben ihrem üblichen nachrichtenangebot „die tagesschau in 100 sekunden“. ich rätsle seitdem, wer mit diesen infohäppchen irgendetwas anfangen kann. es scheint, wie wenn die ard sich den nachrichten bei „kabel eins“ oder „pro sieben“ annähert. in 100 sekunden passen maximal fünf meldungen und das wetter. die meldungen müssen jeweils in ein paar sätzen abgehandelt sein und sind einzig ein aktualitätsupdate.

in der literatur und in der werbung mag der spruch lauten: in der kürze liegt die würze. auf den nachrichtensektor lässt sich das einfach nicht übertragen. wie hier vor kurzem schon einmal angemerkt, schaffen wir uns unsere aufmerksamkeitsstörungen selber, indem wir dem zuschauer nicht mehr zutrauen, informationen, die länger als 20 sekunden sind, aufnehmen zu können. eine andere erklärung für die 100 sekunden nachrichten finde ich nicht.

warum muss sich ein öffentlich-rechtlicher sender zum vorreiter der häppchen-kultur machen? und da sind sie schon wieder: die einschaltquoten. außerdem ist es ja nur ein zusätzliches angebot zum üblichen nachrichten-angebot. dann kann man es auch weglassen und dafür lieber den filmabspann vollständig zeigen, ihn nicht verkürzen und beschleunigen. vielleicht kann man auch die täglichen plauderrunden im öffentlich-rechtliche rundfunk verkürzen und durch knackige interviews ersetzen. man wünscht sich klartext und nicht geschwindigkeit. so hatte ich bis jetzt auch den auftrag an die sendeanstalten verstanden.

dokumentation über facebook – ein fernsehtipp

facebook bewegt die gemüter. auf der einen seite schwören manche auf die vorzüge und möglichkeiten des sozialen netzwerks. auf der anderen seite sehen manche eine datenkrake ihr unwesen treiben, der kaum einhalt zu gebieten ist. und facebook macht einfach weiter, millionen menschen nutzen es.

so lässt sich insgesamt schwer ein umfassendes bild der diskussion und der vorgehensweise von facebook zeichnen. ein dokumentarfilm hat es gestern in der ard versucht. dabei lief es nicht auf ausschließliches facebook-bashing hinaus, was meiner ansicht nach ganz hilfreich ist. man bekommt in der doku eine menge informationen über die arbeitsweise von facebook. leider sind die vorgestellten userInnen des netzwerks sehr naiv. ich bin mir sicher, es gibt eine menge kritischere. und ich bin mir sicher, die verführbarkeit der menschen aus werbepsychologischer sicht wird teilweise überschätzt.

aber zur anregung eines sinnvollen diskurses kann die doku bestimmt hilfreich sein. man kann sie noch 7 tage in der mediathek der ard sehen unter: http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=9520608 .

schnickschnack (65)

 

eigentlich gibt es was zu feiern, zumindest von offizieller seite, und zwar 60 jahre bundesrepublik deutschland. das ist eine lange zeit und in dieser langen zeit ist auch eine menge passiert. da war es eine ganz schöne idee, für jedes jahr der bundesrepublik, aber auch der ddr, eine kurze „jahresschau“ an 60 aufeinander folgenden werktagen in der ard zu zeigen. die sendung „60xdeutschland – die jahresschau“ ist ein bunter mix aus politischen entwicklungen des jeweiligen jahres, musik-, sport- und kulturereignissen sowie mancher skurrilitäten. hier wurde in den archiven gekramt und manches bild- und tonmaterial ausgegraben. es gibt auch eine homepage zu dieser sendereihe, die ausschnitte der jeweiligen sendungen zeigt. sie ist zu finden unter: http://www.60xdeutschland.de/ .

eigentlich eine ganz spannende sache, da die kurzen sendungen eigene erlebnisse und erinnerungen wachrufen. eine schöne informationsmöglichkeit zum beispiel zum biografischen schreiben oder der reflexion über die eigene lebensgeschichte. das problem besteht aber darin, dass die sendung immer erst irgendwann nach dem nachtmagazin in der ard gesendet wird. soll heißen, es kann gut und gerne 1.30 uhr werden, bis die geschichte unserer demokratie verbreitet wird. das muss wohl zu beschwerden geführt haben, denn auf der homepage findet sich folgende stellungnahme:

Warum der späte Sendetermin im “Ersten”?

Die Programm-Direktion von “Das Erste” hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Das reguläre Programmschema an Werktagen 60 mal zu durchbrechen, hätte das Publikum aber an anderen Stellen verärgert. Der Sendetermin nach dem Nachtmagazin ist für diese kompakte Reihe am besten geeignet, um sie zusammenhängend und so konzentriert wie möglich zu senden. Auch zu später Stunde interessieren die Filme die Zuschauer, wie sich an den Zuschauerzahlen zeigt.

mich verärgert da ganz anderes. wegen blöder fussballspiele, boxen am samstag oder biathlon-übertragung, verschieben sich teilweise die sendezeiten Weiterlesen

„hilfe – alles wird teurer! – so kann ich sparen“ – eine medienkritik

 

ja, alles wird teurer, auch die gez-gebühren. und die werden von der ard verwendet, um eine sendung zu produzieren, die den menschen zeigt, wie sie geld sparen können, und zwar „hilfe – alles wird teurer! – so kann ich sparen“. denn dann können sie immer ihre gez-gebühren zahlen, auch für den heimcomputer. es ist unglaublich, dass das öffentlich-rechtliche fernsehen pure politik macht und der askese, dem sparen das wort redet.

wir leben in keinem armen land, wir leben in einem land, das ungerecht verteilt. wer nicht mehr die volle leistung bringen kann, der wird gegängelt, die solidarität ist flöten gegangen. folge davon und auch vom leben auf kosten anderer auf der welt sind steigende preise. aber nicht nur, andere verdienen sich eine goldene nase. eine konsequenz daraus könnte eine sendung mit dem titel sein: „hilfe – alles wird teurer! – ich will mehr gehalt!“. aber nein, das erste ist ganz nah am bürger und zeigt ihm auf, dass er nur ein wenig seinen lebensstil ändern muss und dann bleibt alles beim alten. die gebühren und steuern steigen, energiekosten erhöhen sich und die grundversorgung wird weiter privatisiert. landesbanken können sich dann so viel verspekulieren, wie sie lustig sind, es hat keine konsequenzen.

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schnickschnack (17)

die auseinandersetzung um die staatlich geförderten sendeanstalten veranlasst einen, einmal genauer hinzuschauen. und es zeigt sich, dass staatsfernsehen dann am besten ist, wenn es dem auftrag nachkommt, umfassend zu informieren.

in den letzten jahren steigen die einschaltquoten kontinuierlich wenn dokumentationen gesendet werden. auch dabei gibt es natürlich schlechtere und bessere. doch vor etlichen jahren hätte noch niemand geglaubt, dass zur primetime dokumentationen hohe einschaltquoten haben. nun, es wäre zu fordern, dass öffentlich-rechtliche sender sich erst in zweiter linie an einschaltquoten orientieren. das tun sie nicht. aber zumindest bieten sie inzwischen mit ihren mediatheken für einen selber die möglichkeit, sendungen dann zu schauen, wenn man die zeit dazu hat. und eine eigene qualitative auswahl zu treffen.

vorreiter in sachen mediathek ist die bbc, die inzwischen den großteil ihrer archive ins netz gestellt hat. diese sind zwar hier zu finden: http: //www.bbc.co.uk/archive/ doch leider nur in großbritannien zu empfangen. aber, wie zu lesen ist, soll dies im laufe der zeit geändert werden. und doch ist die bbc, was die aktuelle berichterstattung angeht, ein gutes pendant zu cnn und auf den aktuellen seiten sind etliche beiträge als stream zu empfangen: http://www.bbc.co.uk/

das zdf hat seine mediathek unter folgender adresse abgelegt: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/9602?inPopup=true

die ard ihre neue mediathek unter: http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/

und arte wurde hier schon einmal erwähnt, der link ist zu finden, wenn man in der suchfunktion „arte“ eingibt.

je unregelmäßiger arbeitszeiten werden, und das ist bei vielen der fall, umso hilfreicher sind die mediatheken. denn wer auf das nachtprogramm der sender angewiesen ist, fragt sich oft, ob es nicht doch besser wäre einfach ins bett zu gehen.

wer hat hier eigentlich die informationshoheit? – ein kommentar

gestern erschien in der süddeutschen zeitung ein kleiner aber interessanter artikel über äußerungen des bundesverbands der deutschen industrie (bdi) zu den plänen von ard und zdf, ihre mediatheken auszubauen. sz vom 20ten mai, s.17.

bis jetzt habe ich hier zwar so manchen kommentierenden text geschrieben, aber es gibt momente, da kann man seine tastatur nicht mehr halten:

also, der bdi versucht den öffentlich-rechtlichen medienanstalten vorschriften zu machen, was sie wie veröffentlichen sollen. dabei versteigt er sich zu der aussage „die bestehende vielfalt privater angebote erfordert keine zusätzlichen gebührenfinanzierten angebote.“ (zitat in der sz). entschuldigung, aber hat eigentlich mal jemand mich, sowohl als gebührenzahler, denn auch als nutzer gefragt? also die vielfalt privater angebote ist gelinde geschrieben unsäglich, vor allen dingen, was die sender und ihr informationsangebot (besser gesagt „infotainment“) angeht. der bdi bezieht sich zwar erst einmal auf überlegungen, dass keine weitere online-tageszeitung notwendig wäre. doch dann versteigt er sich in die forderung, dass spielfilme nur 24 stunden online zur verfügung stehen sollten, unterhaltungsformate maximal drei tage und bei information und bildung maximal sieben tage.

hier will mich jemand doof machen. was das ergebnis werbefinanzierter nachrichten ist, kann man auf allen privaten sendern sehen. das sind keine nachrichten mehr. auch die sogenannten bildungssendungen oder reportagen erschöpfen sich meist in unerträglicher effekthascherei. schlimm genug, dass die öffentlich-rechtlichen sendeanstalten in manchen programmsparten nachziehen, aber noch schlimmer, das mir diese informationen beschnitten werden sollen. es gibt einen grundgesetzlich verankerten informationsauftrag, der nicht werbefinanziert sein sollte, und der die ganze bevölkerung versorgen soll. und wenn sich die gesellschaft in das internet und web 2.0 verlagert, was der bdi sicherlich nicht schlecht findet, dann sollten auch öffentliche einrichtungen nachziehen. wenn sich diese vorgeschlagenen beschränkungen politiker zu eigen machen, dann fragt man sich, auf welchem informationsniveau sie ihre bevölkerung eigentlich halten wollen. es ist nur zu hoffen, dass man den bdi erst einmal fragt, was er denn für die umfassende bildung der bevölkerung tut und inwieweit er die zur verfügung gestellte arbeitskraft und das auch mit öffentlich-rechtlicher hilfe erlangte wissen angemessen entlohnt.

schön bei der ganzen diskussion ist die tatsache, wie groß die angst vor der konkurrenz, also vor dem verbraucher ist. sollte es doch möglich sein, dass sich qualität durchsetzt?