Schlagwort-Archive: auszeit

schreibpädagogik und loslassen

irgendwann endet jede schreibgruppe. manche nach einer klar umrissenen zeitdauer (von einem nachmittag bis zu mehreren monaten), andere enden erst nach jahren, wenn die gruppe sich selber auflöst. da sich im laufe der kurzen oder langen zeit, die teilnehmerInnen der gruppen über ihre texte, ihre feedbacks und ihre gemeinsame kreativität ein ganzes stück näher gekommen sind, fällt der abschied voneinander nicht immer leicht.

meist dienen schreibgruppen nicht nur dem zweck gemeinsam etwas zu verfassen, sondern sie sind für viele auch eine auszeit vom alltag und vom stress. es ist wie in urlaub fahren, sich gedanklich allem drängenden zu entziehen. das bedeutet oft genug, dass sich die menschen auf ganz anderen ebenen als üblich annähern können. sie hören persönliches in den geschichten und texten voneinander. es entstehen schnell bindungen, die ebenso schnell wieder aufgelöst werden.

das phänomen, dass sich die teilnehmerInnen versprechen, nach den gruppen weiter kontakt miteinander zu halten, ist der versuch, nicht sofort die gemachten erfahrungen loslassen zu müssen. meist funktioniert das aufrechterhalten des kontakts nicht. aber im moment des auseinandergehens spielt das keine rolle. und natürlich können einzelne kontakte intensiv aufrecht erhalten werden.

doch man erinnere sich nur einmal, wie intensiv die kontakte nach 10 oder 13 gemeinsamen schuljahren blieben. vereinzelt ja, aber viele ehemalige mitschülerInnen sieht man nur bei klassentreffen, jahre später wieder. und wie sehr hatte man sich geschworen, nicht den kontakt zu verlieren. dies hier notierte soll nicht die gute absicht in frage stellen. aber es ist auch eine realität, dass einen der alltag meist (wie nach dem urlaub) sehr schnell wieder einholt. Weiterlesen

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biografisches schreiben und reisen

urlaubszeit, es geht auf reisen. man verlässt das gewohnte, das sichere und begibt sich in eine region, an einen ort, die bis dahin unbekannt sind. und wenn einer eine reise tut, dann kann er etwas erzählen. so kennt sicherlich jeder mensch ereignisse, die im laufe des lebens haften geblieben sind. denn reisen können vieles bewirken bis zu veränderungen, die das ganz leben verändern.

beim schreiben der eigenen biografie sollte man sich die eigenen reisen ins gedächtnis rufen. welcher trip hat einen verändert, hat die notwendige erholung gegeben um erfrischt neues in angriff zu nehmen? welcher urlaub war ein fiasko, das einen auf sich selbst zurückgeworfen hat? gab es besuche in regionen, die einen so fesselten, dass man immer wieder dorthin auswich, ja einen eventuell auswandern oder umziehen ließ.

abseits davon sollte man einen blick darauf werfen, wie sehr reisen das eigene verhalten in einem ganz anderen licht erscheinen lässt. wieweit erlaubt man sich dinge, die man sonst nie zu machen wagte? kann man einmal die ganzen anforderungen und sozialen zwänge hinter sich lassen. das leben pur erleben, wie man es im alltag kaum möglich ist? und wenn dies alles möglich ist, wie ging man damit um, was ließ sich in den alltag herüberretten?

natürlich kann es auch sein, dass reisen eher bedrohlich und unbequem erscheint, so dass man bemüht ist, die gewohnheiten mit in die andere region zu nehmen. dafür steht zum beispiel, dass sich in vielen urlaubsregionen manches restaurant an den touristen orientiert und ihre essgewohnheiten bedient. es gibt die möglichkeit auf einem kreuzfahrtschiff oder hotel, das gefühl zu haben, die eigene stadt nie verlassen zu haben. es gibt animationen, damit man nicht zur ruhe kommt und sich in schweren gedanken verirrt. das kann als vor- oder nachteil empfunden werden. beim schreiben der eigenen lebensgeschichte können jedenfalls manche reisen eine große rolle spielen. und sollte dies nicht der fall sein, gibt es vielleicht ein ziel, das man schon immer gern besuchen wollte. vielleicht wird einem dies auch nur durch die betrachtung der biografie bewusst und man kann den wunsch noch nachholen. anregend ist der blickwinkel allemal.