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web 2.0 und literaturkritik

das internet bietet eigentlich die ideale bühne für literaturkritik. menschen, die ein buch gelesen haben können über ihr leseerlebnis schnell und direkt berichten. ist nur die frage, ob man anderen sein leseerlebnis mitteilen möchten und wie subjektive stellungnahmen einzuordnen sind. sie können wahrscheinlich nur eine anregung geben. und doch, der markt an rezensionen hat sich natürlich durch das internet und web 2.0 enorm vergrössert.

vorneweg steht zahlenmäßig garantiert das geschäftskonzept von „amazon„, das sowohl vor- als auch nachteile hat. bei amazon kann jeder mensch relativ einfach eine rezension ins netz stellen. dies hat zur folge, dass es sowohl gefälligkeiten gibt, die rezensionen aus der verbundenheit zu autorInnen und verlagen entstehen lassen. aber auch jeder unabhängige schreibende, kann natürlich zusätzliche rezensionen ins netz stellen. dies hat zumindest bei bekannteren büchern einen positiven effekt, meist kann man zwei seiten der medaille nachlesen. schwieriger wird es da schon mit den punktewertungen: da ist es wie mit der notengebung in der schule. was kann eine zahl oder ein punkt schon darstellen vom gehalt eines buches? nichts.

eine orientierung an worten erscheint hilfreicher. und sie scheint in manchen situationen auch notwendig. denn zum einen ist der buchmarkt so unüberschaubar, dass man zumindest anregungen durch rezensionen erfahren kann. zum anderen mag man in einer region leben, die es einem nicht möglich macht in den nächsten großen gut sortierten buchladen zu gehen und einfach zu stöbern, bis man ein interessantes buch gefunden hat. heute kann man auf die homepages des verlags gehen, doch dies beinhaltet immer eine großen packen werbeversprechen. aber oft kann man nun leseproben finden, die einem schon einmal einen hinweis geben.

und es gibt seiten mit diversen literaturkritiken. hier sei nur eine kleine auswahl verlinkt (ohne bewertung, da dies auch nur wieder eine subjektive stellungnahme wäre, die bei der persönlichen literaturkritikwahl kaum weiterhilft): reichhaltig wirkt http://www.literaturkritik.de/ . hier finden sich neben vielen buchkritiken auch monatliche dossiers mit thematischen schwerpunkten, also neben der literaturkritik gibt es auch noch literaturwissenschaftliche betrachtungen. so zum beispiel eine von thomas anz im dezember 2010 veröffentlicht zur frage der literaturkritik im internet (siehe http://www.literaturkritik.de/public/inhalt.php?ausgabe=201012 ). außerdem findet man im web den „perlentaucher„, eine kulturseite mit vielen buchkritiken. zu finden unter http://www.perlentaucher.de/. und man kann eine berliner seite finden, die vormals als druckausgabe erschien und nun nur noch im netz erscheint. zu finden unter http://www.berlinerliteraturkritik.de/. und um den überblick der entwicklungen auf dem buchmarkt verfolgen zu können, kann man ja mal auf die homepage des „börsenblatts des deutschen buchhandels“ gehen: http://www.boersenblatt.net .

hat man sich durch all die webseiten gewühlt, dann lässt sich vielleicht schon eine vorauswahl treffen, was einen interessiert. und sollte man noch mehr anhaltspunkte suchen, kann man den titel des buches in die suchmaschinen füttern und weitere stellungnahmen finden. um die meinungsvielfalt über bücher zu erhöhen, kann man natürlich auch nach dem lesen, eigene literaturkritiken abgeben. orte dafür gibt es unzählige, und sei es der eigene blog 😉

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schreibpädagogik und kritik

auch dies ist ein heikles gebiet, ähnlich wie in der schreibberatung. wie sollte kritik an den geschriebenen texten in schreibgruppen stattfinden, damit die verfasserInnen davon profitieren und nicht das gefühl haben, sie wären eine inquisition ausgesetzt (etwas, das in schreibgruppen wohl schon öfter vorgekommen sein soll).

dazu muss die schreibgruppenleitung, bevor der gesamte schreibprozess startet und vor den ersten feedbackrunden, die formen des feedbacks ansprechen. immer wieder muss darauf hingewiesen werden, dass nicht die autorin oder der autor zur debatte stehen. dies bedeutet, die teilnehmerInnen müssen dem zustimmen, dass nicht gedeutet und nicht personalisiert wird. oder anders formuliert: sätze wie „die autorin wollte damit …“ oder „diese stelle im text spiegelt die persönlichen, psychischen schwierigkeiten des autors wieder …“ haben in den feedbackrunden und bei kritiken nichts verloren.

denn es wird die grenze zur personalisierung überschritten. um dies in schreibgruppen zu vermeiden, gibt es eigentlich zwei einfache grundregeln. erstens äußern die autorInnen vor dem feedback, was sie für ein feedback haben wollen. dazu geben sie den anderen anhaltspunkte. man kann sich wünschen, dass auf den schreibstil eingegangen wird, wie der text auf einen gewirkt hat oder welche assoziationen man hatte, als man den text hörte. (natürlich darf man sich auch jederzeit dafür aussprechen, kein feedback haben zu wollen.)

und zweitens müssen und dürfen sich die autorInnen nicht für ihren text rechtfertigen. dies bedeutet, man schaltet sich als verfasserIn nicht in die feedbackrunde ein, sondern Weiterlesen

web 2.58 – visuelle poesie

das auge liest mit. auf diesen nenner könnte man den blog von anatol knotek aus wien bringen. visuelle poesie hat eine lange tradition. sie ist der versuch, wortspiele nicht mit abfolgen und lauten darzustellen, sondern mit der anordnung des geschriebenen.

früher war visuelle poesie das starre darstellende bild. doch heute bietet das web 2.0 in kombination mit den digitalen animationstechniken eine unglaubliche bandbreite an neuen möglichkeiten, bewegung in die sprache zu bringen. in dem blog „visuelle poesie“ wird dies in wunderbarer weise umgesetzt. es gibt eine menge sehr humorvoller wortspiele in bewegung.

der inzwischen recht einfach zu erstellenden flash-animation sei dank, dass unsere sprache, dass die worte und einzelne buchstaben durch die luft gewirbelt werden können, um zur nachahmung anzuregen. wer sehr schöne bilder genießen möchte, besuche doch einfach mal http://visuelle-poesie.blogspot.com/ .

die lange buchnacht in der oranienstrasse – ein veranstaltungstipp

die o-strasse in berlin ist bekannt. leider ist sie inzwischen so bekannt, dass auch sie, wie viele gebiete kreuzbergs und neuköllns touristisch überrollt wird. und doch, unterscheidet sich die oranienstrasse auch hier von mitte. denn neben der touristischen bespassung bleiben doch eine menge alternative, linke und so36er-mäßige angebote bis jetzt übrig.

dazu gehört auch die etablierung einer langen buchnacht vor über 10 jahren. es wird gelesen, es wird an vielen orten gelesen und es wird stundenlang gelesen. es wird für kinder gelesen, es wird in verschiedenen sprachen gelesen, es wird für erwachsene gelesen, es wird ab 0.00 uhr gelesen, es wird aus einem lexikon gelesen, es gibt offene bühnen, es dreht sich alles um bücher.

die lange buchnacht findet dieses jahr am nächsten samstag, den 14ten mai, in und um die o-strasse herum von vormittags bis tief in die nacht statt. das große programm kann hier ( http://www.lange-buchnacht.de/ ) durchgearbeitet werden, um sich das spannendste auszuwählen. und wer nicht hören will, muss selber lesen.

(skurril mutet im programm an, dass die freiwillige feuerwehr friedrichshain dabei ist, die nicht liest 😉 )

gigantische lesung zum „lesikon der visuellen kommunikation“

hier wurde das „lesikon der visuellen kommunikation“ schon vorgestellt (siehe https://schreibschrift.wordpress.com/2010/12/24/das-lesikon-der-visuellen-kommunikation-von-juli-gudehus-ein-buchtipp/), aber jetzt wird noch eins draufgesetzt. aus dem lesikon wird vorgelesen. und da am buch so viele menschen beteiligt waren, lesen auch viele vor. und wenn viele vorlesen, dauert das seine zeit.

darum findet am 14ten mai, also nächsten samstag, im „museum der dinge“ (siehe http://www.museumderdinge.de/programm/veranstaltungen/index.php) in der oranienstrasse in berlin von 12.00 uhr bis 24.00 uhr die grösste autorenlesung der welt statt. zwölf stunden texte aus einer art lexikon vorgetragen zu bekommen, klingt erst einmal wie eine lesung aus dem telefonbuch. doch die texte aus dem lesikon sind vielfältig, was auch eine abwechslungsreiche lesung erwarten lässt.

wahrscheinlich wird es niemand zwölf stunden lang am stück aushalten, der lesung zu folgen, aber mal vorbeischauen im rahmen der langen buchnacht in der oranienstrasse und sich von den möglichkeiten der visuellen kommunikation überraschen lassen, kann nicht schaden. viel spaß.

web 2.57 – litblogs.net

lesen, einfach lesen im netz. das internet ist ein medium, das die veröffentlichung von literatur allen schreibenden leicht macht. erstaunlicherweise wird es aber von wenigen schreibenden genutzt. wie hier schon einmal erwähnt, liegt dies sicherlich auch an der finanziellen verwertbarkeit des geschaffenen. und doch bietet das internet eine unbegrenzte plattform, entweder reflexionen über den eigenen schreibprozess öffentlich zu machen oder neu geschaffene werke bekannt zu machen.

eine website, die einen teil der aktuellen literarischen veröffentlichungen im netz bündelt ist „litblogs.net„. die seite ermöglicht es, literatInnen beim schaffenprozess über die schulter zu schauen, wenn man möchte. die auswahl ist reichlich, der lesestoff beinahe erschlagend. denn es wird geschrieben, es wird täglich geschrieben. ein wenig mehr übersichtlichkeit würde man sich auf der seite wünschen, doch wahrscheinlich lässt sich dies bei der menge an geschriebenem einfach nicht umsetzen.

jedenfalls ist die seite http://www.litblogs.net eine fundgrube für alle literaturinteressierten. man kann auf der seite stöbern wie in einem reichhaltigen buchladen und sich in die werke vertiefen, die einen am meisten interessieren. einziges manko: man muss es mögen, am bildschirm zu lesen. denn sich ständig die gefundenen literarischen leckerbissen auszudrucken, ist doch ein sehr aufwendiges unterfangen. da bietet es sich eher an, die bücher der hier veröffentlichenden autorInnen zu kaufen. mein tipp: lesen, einfach lesen!

ach ja, und die links zu den ganzen blogs mal durchklicken.

jonathan franzen über das schreiben und den umweltschutz – ein lesetipp

in der aktuellen ausgabe der zeitschrift „cicero“ ist ein längeres interview mit jonathan franzen abgedruckt. auslöser ist die frage nach seinem umweltpolitischen engagement. auslöser sind der boom der grünen in deutschland und die umweltpolitischen essays von franzen in us-amerikanischen zeitschriften.

und es wird interessant. denn die umweltpolitik ist nur ein aspekt eines gesellschaftskritischen autors, der sich mit der frage auseinandersetzt, wie viel der aktuellen schwierigkeiten in der literatur platz finden kann und vor allen dingen in welcher form. anschließend wird der bogen vom gesellschaftlichen engagement zur persönlichen verfassung beim schreiben geschlagen.

auch hier sind die ausführungen recht interessante. hier traut sich jemand zu formulieren, dass das schreiben auch immer eine persönliche verarbeitung von anliegen und schwierigkeiten ist. der interviewer wolfram eilenberger möchte im schreiben noch stärker eine therapeutische funktion sehen als franzen selber. franzen hält sich da ein wenig bedeckt, will aber die chancen der selbstvergewisserung beim schreiben nicht klein reden.

auch wenn sich die interviews mit schriftstellerInnen über ihr schreiben in letzter zeit in den zeitschriften und zeitungen häufen (eine interessante frage, weshalb das schreiben so einen großen stellenwert bekommt), ist auch dieses interview recht aufschlussreich. es zeigt, wie unterschiedlich die beweggründe für das schreiben sein können. und es zeigt gleichzeitig, dass es wirkung zeigt, sowohl beim autor als auch bei den leserInnen. das ist ein aspekt, der heute gern klein geredet wird. wahrscheinlich unterschätzt sich der mensch an diesem punkt selbst ganz gern.

web 2.0 und die unattraktivität für schriftstellerInnen

die tägliche literaturseite der süddeutschen zeitung hat es aufgegriffen: deutsche schriftstellerInnen machen sich im internet rar. im vergleich zu autorInnen von ratgeberbüchern oder von business-werken, den marketing-experten und den psychologInnen, die gern und ausführlich das internet nutzen.

die gleiche erfahrung hat schon eine studentin gemacht, als sie ein referat zum thema „literarische blogs“ halten wollte. sie fand nicht so viel, wie sie erwartet hatte. sie musste die suchmaschinen sehr bemühen, um ein paar autorInnen zu finden, die das netz nutzen, um literatur zu produzieren, zu veröffentlichen und zur diskussion zu stellen.

der autor florian kessler hat sich daran gemacht, zu schauen, wer überhaupt noch literarisch im netz arbeitet. siehe: http://www.sueddeutsche.de/kultur/literatur-im-internet-die-sind-dann-mal-weg-1.1081133 . schriftstellerInnen selber kaum mehr. viele haben sich inzwischen zurückgezogen, andere sind nie aufgetaucht. es gibt nur wenige angebote mit „purer“ literatur. dagegen gibt es eine unmenge von promotion durch die verlage. nun lässt sich natürlich spekulieren, woran das liegen mag.

vielleicht wird man im netz nicht gelesen. aber es gibt auch wenige verschränkungen zwischen gedrucktem und digitalem im literarischen bereich. eigentlich könnte man mit diesen verschiedenen medien spielen. das wird auch von manchen autorInnen gemacht, aber eben nicht von den deutschen. manche blogs sind inzwischen gedruckt, aber es waren auch keine blogs, die einen literarischen anspruch hatten, sondern eher plaudereien und gedankensammlungen, die inzwischen in buchform erschienen sind.

wiederum in den büchern hat das internet, ebenso wie im fernsehen, schon längst einzug gehalten. in gedruckten romanen sind die neuen medien angekommen, ebenso wie im fernsehen. die gegenbewegung fehlt. wahrscheinlich lässt sich bis jetzt kaum geld damit verdienen. aber auch der versuch, zu experimentieren wird kaum unternommen. dabei bietet das netz inzwischen unendliche möglichkeiten für collagen, animationen, text-bild-ton-verschränkungen. doch dies wird eher in der bildenden kunst, denn in der literatur verwendet. schade eigentlich und vielleicht ein zukunftsmarkt.

„so werden sie sachbuchautor“ – ein veranstaltungstipp

schaut man in die buchläden oder ins internet, dann kann man feststellen, dass die sach- und „ratgeber“bücher in dieser unübersichtlichen welt gern gelesen werden, um einen eigenen weg durch das chaos zu finden. und während man sich so umschaut, bekommt man eine buchidee. bekommt eine idee davon, was schon längst geschrieben werden sollte, bis heute aber nie jemand verfasste. da ist nun eine idee da, doch dann weiß man nicht so genau, wie es weitergehen soll.

wie finde ich den richtigen verlag? wer würde denn überhaupt meinen ratgeber oder mein sachbuch verkaufen wollen? und wie komme ich von der idee zum text? zwei, drei seiten habe ich schon aufgeschrieben, aber jetzt fehlen mir die worte. gibt es regeln für eine buchstruktur? wie schaffe ich es, dass die leserInnen meine idee genauso interessant finden, wie ich?

diese und noch viel mehr fragen können in dem workshop „so werden sie sachbuchautor“ von ulrike scheuermann und oliver gorus gestellt und beantwortet werden. der workshop in berlin findet schon nächsten freitag, am 01ten april statt. weitere informationen findet man in einer pdf-datei hier: http://www.ulrike-scheuermann.de/pdfs/Scheuermann_Gorus_Workshops_2011.pdf und bei youtube in einem film hier: http://www.youtube.com/watch?v=YC_lCtXYthc .

vielleicht erscheint dann ein jahr später das eigene sachbuch, zum beispiel zur frage, wie man sich in dieser unübersichtlichen welt zurechtfinden kann, indem man ein innovatives sortiersystem und eine neue strukturierungsmethode für alle möglichkeiten verwendet 😉

„die schreibfitness-mappe“ von ulrike scheuermann wird vorgestellt – ein veranstaltungstipp

zwei bücher sind diesen monat neu erschienen: „die schreibfitness-mappe“ von ulrike scheuermann und „erfolgreich als sachbuchautor“ (aktualisierte neuauflage) von oliver gorus. und beide stellen ihr jeweiliges buch gemeinsam in der „urania“ in berlin vor. unter dem motto „so werden sie sachbuchautor“ geben sie einen einblick in ihre ideen und ratschläge, welche schritte hilfreich und notwendig sind, um zu einer veröffentlichung zu gelangen.

es fängt an bei den fragen, wie man überhaupt sein thema findet, wie man aufbaut, strukturiert, in einen schreibfluss kommt, den richtigen verlag findet und seine veröffentlichung organisiert. in der veranstaltung zeigen literaturagent und schreibcoach, wie es geht. sicherlich hilfreich für alle, die schon die seit langem denken, sie hätten da sachinformationen, die auch für die öffentlichkeit interessant sein könnten. und die denken, sie würden auch gern ein wenig geld mit einem sachbuch verdienen (und wollen nicht noch ihre veröffentlichung selber bezahlen).

die veranstaltung findet am dienstag, den 15ten märz um 19.30 uhr statt. kartenreservierung und veranstaltungsdaten sind hier zu finden: http://www.urania.de/programm/2011/f324/ .

spiesser lesen sarrazin

wundert das jemanden? nicht wirklich, vielleicht das ausmaß. die süddeutsche zeitung hat konsumforscher daten in statistiken über die käuferInnen des buches von thilo sarrazin auswerten lassen. in der wochenendausgabe wurden die ergebnisse von tobias kniebe vorgestellt (siehe http://www.sueddeutsche.de/kultur/thilo-sarrazin-und-seine-leser-wer-hat-angst-vorm-fremden-mann-1.1043753 ).

es stellt sich heraus, dass das buch von sarrazin überdurchschnittlich viel von männern gelesen wurde, die keine risiken eingehen wollen, ihr leben nicht in vollen zügen genießen wollen, bei denen beruflicher erfolg an erster stelle steht, die die frankfurter allgemeine sonntagszeitung lesen und die gern boulevard-, volks-, bauertheater ebenso wie kabarett- und satiresendungen sehen.

nun entdeckt tobias kniebe in diesen „ängstlichen“ männern eine schizophrene haltung, da es für ihn schwer kompatibel scheint, beruflichen erfolg an erste stelle zu setzen und keine risiken einzugehen. tja, das arbeitsleben ist schon lang nicht mehr so wild und gefährlich wie man es gern darstellt. beruflicher erfolg stellt sich bei uns hauptsächlich dann ein, wenn man sich gut anpassen kann. in unüberschaubaren zeiten sind keine experimente gefragt, auch wenn immer wieder anderes propagiert wird.

früher hatte man ein klares wort für diese klientel, die versucht ihre schäfchen ins trockene zu kriegen, die jägerzäune vor dem garten aufstellt und sich beim stammtisch ihre ängste von der seele reden, um dann wieder in ihr muffiges zuhause zurückzukehren und sich vor dem fernseher schunkelnd über andere lustig zu machen: sie hießen spiesser. heute gereicht der spiesser nur noch zu einem werbegag um die alternativen lebensformen als unangemessen zu entlarven.

früher konnten die spiesser einem noch zurufen (zumindest im westen der republik) „geh doch nach drüben!“. heute versammeln sie sich um das buch von sarrazin und sagen „geh doch nach hause!“. der spiesser hatte schon immer angst, dass seine welt aus den fugen geraten könnte, wenn er sich auf neues und unbekanntes einlässt. die ganze welt um ihn herum war eine drohung, die kontrolle zu verlieren. na ja, und vor allen dingen sein geld, seine ruhe.

heute kauft der spiesser gern den aldi-champagner, gibt sich kulinarisch versiert, früher waren es tuttifrutti aus der dose und mixed pickles aus dem glas. viel erschreckender war schon immer, dass die spiesser unser schulsystem vollständig durchlaufen haben und danach einen hang zu demagogischen panikattacken haben. Weiterlesen

der krimiautor elmore leonard über das schreiben

das magazin der süddeutschen zeitung hat im laufe des letzten halben jahres das schreiben immer öfter zum thema gemacht. erst vor kurzem gab es eine ganze ausgabe mit modernen märchen. dann vor längerer zeit etliche schriftstellerInnen über das schreiben. und nun, in der gestrigen ausgabe, der bekannte krimiautor (vor allen dingen auch durch die verfilmung seiner bücher) elmore leonard im interview.

und es zeigt sich wieder: nur ein paar kleine grundregeln, und dann schreiben, schreiben, schreiben… anscheinend kann dies zu sehr erfolgreichen büchern führen. das planende korsett eines plots lässt eventuell die besten ideen einer geschichte verschwinden. zudem scheint mir die aussage interessant, dass autoren sich eher aus ihren geschichten raushalten soll. also der ganze dekokram der ziselierten sprache wird eventuell nicht so gern gelesen, auch wenn er ein genuss sein kann.

also ran ans blatt und an den computer und mal einen krimi schreiben. was leonard aber auch sagt, wie alle schriftstellerInnen: es ist arbeit, bei ihm sogar sieben tage die woche. arbeit, die aber spaß macht. und er verfügt über den luxus einen persönlichen rechercheur zu beschäftigen. auch eine hübsche idee. entweder als tipp für autorInnen oder als berufswahl. das interview ist zu lesen unter: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/35247 .

schriftstellerInnen übers schreiben – ein lesetipp

einer der schönen züge der süddeutschen zeitung ist es, dass sie sowohl im feuilleton als auch im magazin in unregelmäßigen abständen den schreibprozess in artikeln betrachtet. gestern ist das neue magazin erschienen und bietet einen kleinen einblick in das schreibverhalten berühmter schriftstellerInnen.

eingebettet in ein interessantes interview mit haruki murakami (siehe http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/34749 ) finden sich im sz-magazin schreibtipps von margaret atwood, jonathan franzen, joyce carol oates, zadie smith und neil gaiman. siehe: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/34780 .so verschieden die tipps, so verschieden sind auch ihre bücher. und doch geben die schreibtipps vor allen dingen eines wieder, warnungen vor zu hohen ansprüchen und zu perfekten erwartungen, bevor man überhaupt angefangen hat zu schreiben.

es entsteht durch die kurzen und knackigen statements einfach ein bunter strauss an tipps zum schreibprozess, aus dem man sich das wählen kann, was einem selber am meisten zu schaffen macht. gleichzeitig kann man feststellen, dass es einfach kein allerweltsrezept für schriftlichen erfolg gibt, außer vielleicht der hinweis, schreiben sei einfach arbeit. dies wird bei leserInnen selten so gesehen, da kreativität weiter als glücksmoment verkauft wird.

auf dem homepage des magazins äußern sich deutsche autorInnen (roger willemsen, harriet köhler und tanja dückers) über ihren zugang zum schreiben, geben sie tipps. zu finden sind die unter: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/34780/3/1 . und dann ran an die stifte und tastaturen, einfach mal ausprobieren 😀

linke buchtage am nächsten wochenende in berlin

mich hat eine mail erreicht, die ich gern weiterleite. ich wünsche allen interessierten geruhsames lesen, interessante diskussionen und genussvolles lauschen.

Von Freitag, 25. Juni, bis Sonntag, 27. Juni 2010 finden die 8. Linken Buchtage Berlin im Mehringhof statt. An diesem Wochenende bieten AutorInnen und PublizistInnen etwa 40 Lesungen, Vorträge und Podiumsdiskussionen zu aktuellen Themen, politischer Theorie und Kultur an. Ausstellungen sind ebenfalls Bestandteil des reichhaltigen und bewußt vielfältigen Programms, das auch Debatten und Kontroversen zuläßt.

Begleitend zu den Veranstaltungen werden auch dieses Jahr wieder zahlreiche linke und unabhängige Verlage mit Ihrem aktuellen Programm vor Ort sein. Hier bietet sich reichlich Gelegenheit, die Publikationen einer breiten Palette kleiner und unabhängiger Verlage kennen zu lernen und sich vor allem über deren Neuerscheinungen zu informieren.

Der Eintritt an den Linken Buchtagen Berlin ist frei. Das genaue Programm findet man unter http://linkebuchtage.de/cms/_images/buchtage2010_programm.pdf .

zwei interviews zum schreibprozess

oft wird vermittelt, es gäbe beim schreiben von romanen ein paar anhaltspunkte, die, wenn sie eingehalten werden, erfolgsträchtig seien. da ist es immer wieder erfrischend, wenn sich autoren zu wort melden, die das alles ganz anders machen und trotzdem erfolg haben. denn es zeigt sich dann, dass es „das erfolgsrezept“ oder die „geniehafte vorprägung“ nicht gibt.

gerade sind in der zeitschrift „lettre international“ zwei interviews erschienen, die sich vor allen dingen um den schreibprozess und dessen hintergründe drehen. das eine interview führte heinz-norbert jocks mit paul nizon. (ein auszug des interviews kann hier nachgelesen werden:
http://www.lettre.de/aktuell/88-Nizon-Jocks.html ). nizon zeigt auf, dass ihm das schreiben auch immer dazu diente sich eine zweite welt aufzubauen, sich dem alltag zu entziehen. das andere interview führte thomas david mit philip roth. roth wiederum bedient in einem interview nicht die erwartung, man müsse eine klare struktur der geschichte planen und dann die einzelnen bausteine ausfüllen. er hat für sich den weg des sich von der eigenen schreibe überraschen lassens gewählt. und er betont vor allen dingen immer wieder, dass es sich beim schreiben auch um handwerk handelt.

beide interviews erscheinen mir deshalb so erfrischend, da sie die unberechenbarkeit von kreativität und dem schreibprozess aufzeigen. es geht wahrscheinlich immer wieder darum, sich zu trauen, einfach nur zu trauen, zum stift zu greifen und seinen ideen zu folgen (was nicht heisst, dass anschließend ausdauernd überarbeitet werden muss.). und beide interviews zeigen ebenso, dass man als schreibende(r) nicht anders kann, dass es eine form der unausweichlichkeit des schreibens gibt, die auch schmerzhaft erfahren werden kann.
eines zeigt sich aber auch: je unberechenbarer der schreibprozess ist, je weniger alles gesteuert werden, desto weniger lässt sich wahrscheinlich auch der erfolg vorhersehen. so genannter „misserfolg“ muss eventuell nicht an der qualität des geschriebenen liegen.

woche des schreibprozesses

so, genug jubiliert ob der zwei jahre schreibschrift-blog. nun ist es an der zeit, sich anderen, neuen gedanken zu zu wenden. hilfestellung leisteten beim entschluss für das thema dieser woche zwei interviews mit schriftstellern, die ich gelesen habe (dazu im nächsten post mehr). es zeigte sich, wie verschieden die gründe sein können, in einen schreibprozess zum beispiel für ein buch einzusteigen. runtergebrochen auf eine schlichte frage: warum schreibt man überhaupt? es geht nicht darum, das notwendige schreiben während der arbeit, in der schule und im studium zu betrachten. es geht darum, einen blick darauf zu werfen, warum man anfängt, regelmäßig für sich und für andere zu schreiben.

am anfang einer „woche des schreibprozesses“ steht eigentlich die frage: warum sollten mich die beweggründe anderer für ihren schreibprozess interessieren? eine antwort ist sicherlich „neugierde“. es ist interessant, die motivationen anderer kennenzulernen. eine weitere antwort ist aber auch: „lernen von den „alten““. wenn sich jemand dem schreiben zugewandt hat, kann es eine hilfe sein, zu erfahren, wie die person dann ihren eigentlichen schreibprozess gestaltet. sehe ich parallelen zu meinem schreiben? finde ich hinweise, wie man es auch machen kann?
doch der wichtigste aspekt ist bei solchen betrachtungen sicherlich, festzustellen, dass man nicht allein auf der welt mit den kreativen ideen kämpft, die man umsetzen möchte, sondern auch schriftstellerInnen und andere schreibende einen weg der verschriftlichung bahnen müssen.

bei der betrachtung von schreibprozessen fällt dann noch ein weiterer aspekt auf: es gibt sehr verschiedene herangehensweisen an ein schreibprojekt. dabei gibt es nicht die richtige oder falsche schreibweise. es gibt nur die schreibweise, die am besten zu mir passt. wie kann ich diese finden? und wie halte ich diese schreibarbeit durch? wahrscheinlich auch dadurch, dass ich mir die prozesse (und verzweiflungen) anderer anschaue. nun, werfen wir einen blick darauf.

web 2.35 – literaturkritik.tv

das web 2.0 und die aktuelle computertechnik erleichtern die produktion von filmen und deren verbreitung. und wenn die öffentlich-rechtlichen fernsehsender die literaturkritik verstärkt in den hintergrund oder in die nachtschiene rücken, dann bietet das internet inzwischen gute voraussetzungen, um interessierten wieder ein angebot zu machen.

hier im blog wurde über einen kleinen kommentar auf eine homepage hingewiesen, die ich bis dahin nicht kannte, auf die ich aber gern noch einmal hinweisen möchte, nachdem ich sie mir angesehen habe. eine beinahe „ein-frauen-produktion“ von bettina koller bietet den surferInnen im netz die möglichkeit, sich sowohl literaturkritiken in filmischer version anzuschauen als auch interviews mit autorInnen.

das ist eine schöne idee und sie wurde ausgiebig auf der leipziger buchmesse verwirklicht. es ist etwas ganz anderes, die menschen hinter den büchern noch einmal zu sehen, und sie zu wort kommen zu lassen. da die seite anscheinend gerade mal ein dreiviertel jahr existiert, ist noch nicht mit einem riesigen angebot zu rechnen, aber man mit dem angebotenen auf alle fälle etliche zeit verbringen. besonders gut gefällt mir die verschränkung von modernen medien mit dem versuch, das lesen von büchern zu fördern. hier wird das web 2.0 als ergänzung genutzt, die einen auf interessante leseideen bringen kann.

also, falls man gerade nicht weiß, was man lesen soll, einfach mal hier vorbeischauen: http://www.literaturkritik.tv .