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biografisches schreiben und spielzeug

barbie ist 50 jahre alt, märklin geht pleite und legoland gibt es auch in berlin. viele produkte dienen dem spiel. besonders gern spielen kinder, oder anders formuliert, besonders gern lässt man kinder spielen. neben den selbstgeschaffenen spielen wird diese form der fröhlichkeit von spielzeug unterstützt.

bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte kann auch ein abstecher ins spielzeugland aufschlussreich sein. welches spielzeug besaß man? manchmal genügt ja schon ein matchbox-auto, um ein riesiges straßenrennen zu simulieren. oder die frage, welches spielzeug man gern gehabt hätte, aber nie bekam? fanden die eltern den kosmos-experimentierkasten zu gefährlich?

diese fragen können einem als einstieg in die betrachtung der eigenen kindheit dienen. denn wenn man sich an seine spiele und spielsachen erinnert, ist die wahrscheinlichkeit recht groß, dass man sich auch an die anderen kinder erinnert, die mit einem gespielt haben. und so langsam kann man sich vom spielzeug entfernen, um sich an die selbst erfundenen spiele zu erinnern. hat man zum beispiel mit den playmobil-figuren einen krieg nachgestellt und wurde dann von beruf soldat oder baute man auch lego einen palast nach dem anderen und ist heute architektin? diese zusammenhänge sind natürlich sehr offensichtlich und treten selten so direkt zu tage. aber seltsamerweise schätzen alle kinder das spielen, doch kaum jemand rettet dies in sein erwachsenes leben.

vielleicht lohnt ein blick auf den dachboden oder in den keller, um alte spielsachen wieder hervorzuholen und noch einmal zu schauen, was einem einst freude bereitete. die zukünftigen generationen werden es da einfacher haben, sie dürfen auch als erwachsene an ihren computer weiterspielen. doch wie würde es wirken, wenn besuch vorbeikommt, und die puppenstube das halbe wohnzimmer einnimmt. im computer ganze welten zu simulieren würde aber niemand seltsam finden. das spiel bekommt eine längere bedeutung für viele erwachsenen als es früher je der fall war. wann hörte man auf zu spielen. oder war man jemand, der sich eine modelleisenbahn zulegte, um auch später noch spielen zu dürfen. viele menschen wechseln statt des spielens zu handarbeiten, heimwerken oder wohnungsdeko. deko kommt der puppenstube ja schon sehr nahe. spielen hat jedoch die eigene entwicklung und biografie sicherlich beeinflusst. welches spiel hatte wohl den größten einfluss? das sind aspekte und fragen, die auch beim biografischen schreiben aufgegriffen werden können. und dann einen flipperautomaten kaufen, der als größeres spielzeug im hobbykeller platziert werden kann. hat heute noch jemand einen hobbykeller?

nabelschau (08)

barbie ist fünfzig geworden. da sind sie wieder, die erinnerungen an die kindheit. jubiläen werfen einen gern zurück in zeiten, die einem heute so fern erscheinen. doch damals war barbie nicht aus dem spiel mit der besten freundin wegzudenken.

erst einmal musste das haus gebaut werden. dazu nahmen wir decken, stühle und andere raummöblierungen. anschließend war der esbit-kocher, der puppenstuben-herd anzuwerfen. er schaffte es, das vorher in die kleine teekanne eingefüllte zuckerwasser zu erhitzen. nun wurden die mini-tassen und -unterteller mit löffelchen platziert. und alles zusammen bildete den ort, an dem barbie und ken ihren tee einnahmen. wir spielten „familie“.

eigentlich spielten wir nur „paar“, denn kinder gab es in dieser idylle nie. die freundin spielte mit barbie und ich mit ken. ob es da nicht vorboten einer späteren affinität gab, wer weiß. zumindest durften wir beide auch am nachmittagstee teilnehmen. wir störten uns nicht an den proportionen der puppen, die nicht unseren entsprachen. das war aufgabe der erwachsenen, für die barbie schon immer ein schlechtes vorbild war. doch das spiel stand im vordergrund und wir zelebrierten es mit ausdauer. so ergab es sich, dass bis spät in den abend gespielt werden durfte. und um die wohnung von barbie nicht abbauen zu müssen, war übernachten bei der besten freundin auch erlaubt. so konnte auch der morgenkaffee mit barbie und ken gemeinsam eingenommen werden. das leben der erwachsenen wurde von uns nachgespielt und es erschien uns noch so angenehm. wie groß war im gegensatz dazu die ernüchterung jahre später, als barbieland verschwunden war.

im rückblick lässt sich barbie und ken eigentlich nur eines vorwerfen, die politisierung junger menschen vorangetrieben zu haben, da der verlogene schein des idealen früher erkannt wurde. da ist es nur eine logische folge, das es nun auch eine „merkel-barbie“ gibt, auch wenn die proportionen nicht stimmen. wie wäre es mit einem „obama-ken“?