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nabelschau (10)

heimwerkerInnen-exzesse. ein gericht in spanien hatte vor ein paar tagen entschieden, dass dauerhafter lärm der folter gleich kommt, da ihm schwer auszuweichen ist, und eine hohe haftstrafe gegen eine kneipenbesitzerin verhängt, die die strasse mit popmusik beschallte. in deutschland sind die regelungen, was lärm angeht, eher schwach und es gibt berechtigungen andere konstant damit zu belästigen. nur bei der nachtruhe versteht dieses land keinen spaß.

dabei liegt das übel an ganz anderen orten. die dichte der baumärkte steigt konstant, denn „selbst ist der mann“, inzwischen auch die frau, beim verschönern des eigenen lebensumfeldes. von der kloschüssel bis zum parkettboden kann alles selbst installiert, verlegt, geschraubt und gehämmert werden. der feine unterschied zu professionellen anbietern des wohnungsverschönerungsgewerbes, bei heimwerkerInnen dauert die veränderung eine ewigkeit.

besonders menschen mit dem hang zum perfektionismus machen sich gern selbst ans werk, weiß man doch nie genau, ob die meisterbetriebe gründlich genug sind, wenn man ihnen nicht über die schulter schaut. so werden das eigenheim oder die ferienbutze mit großer liebe und sorgfalt im laufe der jahre in ein kleines paradies verwandelt. doch bis es so weit ist, nutzen die heimwerkerInnen jeden freien moment, meist momente, an denen andere menschen auch nicht der beschaffung des lebensunterhaltes nachgehen müssen, um zu basteln. dieses basteln setzt inzwischen alle möglichkeiten an brummenden, surrenden und ratternden geräten ein, die ein baumarkt gegen einen kleinen obulus zur verfügung stellt.

daneben soll es natürlich perfekt werden, soll heißen, kaum ist man am einen ende des häuschens oder der wohnung angelangt, kann man am anderen schon wieder anfangen. Weiterlesen