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„fuck it!“ von john c. parkin – ein buchtipp

kurz, griffig und direkt ist der titel des buches ein eyecatcher. das f***-wort ohne hemmungen verwendet spricht zum einen die sex-sells-haltung als auch die scheissegal-haltung an. das buch konzentriert sich auf zweitere. doch das würde dem buch nicht gerecht werden. john c. parkin möchte mit seinem buch sehr viel mehr. der vollständige titel lautet: „fuck it! – loslassen entspannen glücklich sein“ und reiht sich in die ratgeber ein, die das leben ein wenig leichter machen wollen.

alles in allem glückt das dem buch. denn es greift den gedanken auf, dass wir uns zwar alle nach bestem wissen und gewissen ohne ende bemühen, doch damit allen lebensbereichen zu viel bedeutung geben. alles was wir heute tun ist bedeutungsvoll und nicht selten weit weg von dem, das wir tun wollen. um sich von all den lebenskompromissen, die man so eingeht, zu verabschieden, empfiehlt parkin ein lautes „fuck it!“ von sich zu geben. oder wie es über einem kapitel geschrieben steht: „wir sagen fuckt it, wenn wir aufhören, dinge zu tun, die wir nicht tun wollen“.

in der folge fordert der autor dazu auf zum beispiel zur „richtigen ernährung“, zu beziehungen, zu krankheiten und schmerz, zu geld, zum wetter, zu selbstkontrolle und disziplin, zur angst oder auch dazu, eine friedliche person zu sein, „fuck it!“ zu sagen. es werden erst all die erwartungen und regeln demontiert, die einen von den wirklich wichtigen dingen abhalten, um dann das loslassen mit diversen entspannungstechniken zu erleichtern. denn der mensch neigt schnell zu schlechtem gewissen, wenn er den vorgegebenen rahmen verlässt. das hindert ihn aber am glücklich sein, so weit sich dies überhaupt verallgemeinern lässt. also tief durchatmen, fuck it sagen, loslassen, annehmen und eben glücklich sein.

das klingt hübsch, eher spielerisch und leichter geschrieben als getan, doch man kann sich den gedanken des autors nicht ganz entziehen. wer kennt nicht die frage: „wozu mache ich das eigentlich alles“? es bleibt eine berechtigte frage, auch wenn sie tagtäglich von vielen menschen gestellt wird. eine alternative kann da sicherlich größere gelassenheit sein. doch es geht eben nicht um die „scheissegal“-haltung, wie oben vermutet. es geht um eine konzentration auf den genuß und auf das, was sich gut anfühlt. na dann, einfach lesen und sich nur nicht zu viele gedanken danach machen. einfach sein 😮 .

das buch ist im ariston verlag, der zu random house gehört, 2010 erschienen. ISBN 978-3-424-20030-0 , homepage: http://www.thefuckitway.com/

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GROSS- oder kleinschreibung

zu diesem thema entbrannt der einzige „streit“ in diesem blog. darf man es wagen, im deutschen alles klein zu schreiben? ist die provokation nicht zu groß, da alles unlesbar erscheint? immer wieder gab es kommentare zur „entsetzlichen“ kleinschreibung im blog. in ein paar stunden noch ein kommentar von mir dazu. aber ich fand die vehemenz mit der reagiert wurde interessant: es erinnerte an abonnenten von zeitungen, die gekündigt werden, weil ein artikel stört. am inhalt hat sich jedenfalls nichts geändert.

gepostet am 17.12.2008

schon öfter wurde in kommentaren oder persönlichen rückmeldungen bemerkt, dass es nicht förderlich für den blog sei, wenn er vollkommen kleingeschrieben ist. auch mein text-korrektur-programm überschwemmt immer wieder die posts mit roten unterstreichungen und signalisiert damit, dass man sich auf fragwürdigem, wenn nicht sogar verbotenem terrain bewegt.

abgesehen von der bequemlichkeit beim tippen, nämlich einfach die taste zur großschreibung nicht verwenden zu müssen, finde ich die aufmerksamkeit, die dem schriftbild gegeben wird, faszinierend. mein gedanke, alles klein zu schreiben, entsprang der idee, ein schlichtes, ganz schlichtes layout zu wählen, das reduziert auf das wesentliche wird, nämlich den text. am liebsten hätte ich noch eine größere auflösung der buchstaben, doch das lässt sich nicht verändern. öfter wird argumentiert, dass damit die aufmerksamkeit nachlasse, die texte zu lesen, wenn groß- und kleinschreibung nicht mehr existieren. hier könnte argumentiert werden, dass die konstante kleinschreibung zu konzentrierterem lesen anhält, da der sinn der worte beachtet werden muss. beide argumente sind für mich nicht sehr griffig oder anders formuliert, sind für mich pädagogisch, da sie erwarten leserInnen extra motivieren zu müssen. dies sollte sich meiner ansicht nach aber ausschließlich durch den inhalt ergeben. hier gibt es weder bilder, filme noch audiodateien, die ablenken können (auch ein sehr pädagogischer gedanke 😮 ), einzig den text und die links.

wahrscheinlich geht es nur um lesegewohnheiten, denn bei englischsprachigen texten stört es niemanden, dass außer satzanfängen und namen auch beinahe alles klein geschrieben wird. oder die asiatischen schriftzeichen, die von gleicher größe aber vielfältigen bedeutungen sind. bei uns ergeben die kombinationen der buchstaben die bedeutungen des geschriebenen. etliche lyriker verwenden gern die konstante kleinschreibung, was ihren texten keinen abbruch tut. warum also nicht auch hier (was nicht bedeuten soll, dass dieser blog ein lyrischer sei)? das durchbrechen der lesegewohnheiten gefällt mir, auch auf die gefahr hin, ein wenig vor den kopf zu stoßen. übrigens, wie viel einfacher wären die rechtschreibreformen, wenn groß und kleinschreibung einfach abgeschafft wären 😛 . ich mag es schlicht schlicht und hoffe damit nicht zu sehr zu nerven.

ab wann habe ich eine lebensgeschichte?

der gedanke, erst im hohen alter lohne es sich, seine lebensgeschichte aufzuschreiben, ist weit verbreitet. viele menschen gehen davon aus, dass sie in jüngeren jahren noch nicht viel zu erzählen. sie leben in der erwartung, dass noch viel passieren wird. und erst wenn viel passiert ist, haben sie auch anderen etwas mitzuteilen. dabei kann es vorkommen, dass sie jahre später der meinung sind, es sei immer noch nicht viel in ihrem leben geschehen. und so finden sie sich dann in hohem alter in der situation wieder, dass sie der meinung sind, es sei nichts aus ihrer vergangenheit mitteilenswert.

in diesem gedanken steckt zum einen die vorstellung, es benötige dramatische entwicklungen, um etwas erzählen zu können. zum anderen wird davon ausgegangen, dass biografisches schreiben sich vor allen dingen an den leserInnen orientiere. letzteres habe ich hier schon thematisiert. ich möchte mich der frage zuwenden, ab wann ich davon ausgehen kann, eine „lebensgeschichte“ erlebt zu haben. auch hier ist die erste antwort kurz und knapp: ab dem moment, ab dem ich schriftlich beschreiben kann. fragen sie einmal ein kind, was es denn bis jetzt so erlebt hat und sie werden viele geschichten erzählt bekommen.

nur erwachsene fangen an, vieles erlebte als bedeutungslos zu bezeichnen. meist sind die wertungen über erlebtes gar nicht ihre eigenen, sondern annahmen, die sie aufgrund der urteile anderer machen. orientiere ich mich zum beispiel an einem extremsportler, erscheint mein leben in bezug auf körperliche anstrengungen und extremerfahrungen sicherlich nüchtern und langweilig. ich vergleiche in diesem moment aber birnen mit äpfeln. im vordergrund für das biografische schreiben sollte zu beginn die einfache frage stehen: was hat mich am meisten bewegt? es gibt keinen menschen, den nichts bewegt hat.

bewegen können einen „kleine“ ereignisse, wie ein kinoabend, an dem man einen film gesehen hat, der einen in den grundfesten der eigenen vorstellungen erschüttert hat. bewegen kann einen natürlich auch, eine traumatische situation erlebt zu haben, wie den tod eines geliebten menschen. kinder machen einem aber vor, dass ganz alltägliche begebenheit ebenso wichtig und bewegend erlebt werden können. natürlich entwickelt man in manchen zusammenhängen im laufe seines lebens eine routine. Weiterlesen

wortklauberei (24)

 

„eine neue zeit beginnt. wir sind bereit.“

der glaube soll ja berge versetzen. diesen eindruck hinterlässt die heute gefundene anzeige in der zeitung. der leser erfährt zwar nicht genau, wie die „neue“ zeit so aussehen soll, oder warum sie überhaupt neu sein soll, aber die feststellung ist gedruckt. im hintergrund ist eine meeresküste in der morgen- oder abenddämmerung abgebildet. verheissungsvoll also dieser titel.

genauso geht der text weiter: „wir stehen am anfang einer neuen zeit. eine zeit, die erfahrung und entschlossenheit erfordert. gerade im umbruch sind wir unseren kunden und unserem anspruch an leistung verpflichtet. wir haben die stärke, weiter erfolgreich und nachhaltig zu wachsen.

nun, das kann wahrscheinlich jede firma behaupten, die auf dem markt bestand haben möchte. und das behauptet auch jede firma. „nachhaltigkeit“ ist heute ganz wichtig. der umbruch aber ergibt sich aus keiner zeile, aus keinem wort. vor welchem umbruch stehen wir denn? eventuell ist damit die wahl von obama gemeint oder die steigenden arbeitslosenzahlen, also die „krise“, die zu erwartende verstaatlichung von banken und industrien. all dies kann einem in den sinn kommen.

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