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schreibidee (249)

wir lernen, dass es momente gibt, in denen wir nicht bekommen, was wir gern hätten. das leben ist eine ständige zurückhaltung der eigenen bedürfnisse, um das soziale gefüge nicht implodieren zu lassen. wenn man sich überlegt, wie viele menschen auf engem raum leben, dann zeigt sich, dass rücksichtnahme und zurückhaltung grundvoraussetzung für den sozialen frieden sind. dieser frieden wurde und wird immer wieder gestört, wenn die gier mit einem davongaloppiert. schreiben wir doch mal „gierige texte„.

alle teilnehmerInnen erstellen für sich ein liste mit zehn bedürfnissen, die sie gern möglichst schnell befriedigt haben möchten. diese listen werden nicht veröffentlicht, sondern bleiben bei den schreibenden. anschließend wird das persönliche bedürfnis ausgewählt, das sich am vordringlichsten anfühlt. nun werden zwei kurze texte verfasst: erst ein text von einer seite länge, in dem das bedürfnis befriedigt wird. dann einen text, genauso lang, in dem die befriedigung des bedürfnisses nicht gelingt. beide texte werden ohne feedback anschließend vorgelesen.

im nächsten schritt wird ein blick weg von der eigenen person auf die gesellschaft geworfen. unsere gesellschaft basiert auf dem prinzip der nahegelegten bedürfnisse. auf dem flipchart sammelt die schreibgruppe bedürfnisse, die uns durch werbung, politik oder anderen menschen nahegelegt werden. anschließend wählen alle teilnehmerInnen jeweils für sich ein bedürfnis aus, das sie momentan vorrangig finden. es wird eine lange geschichte über die gierige verwirklichung dieses bedürfnisses geschrieben. anschließend werden die texte in der schreibgruppe vorgetragen und es gibt eine feedbackrunde.

zum abschluss wird ein kurzer text geschrieben, der das bild eines zusammenlebens ohne gier beschreibt. vorgabe ist es, dass dieses bild eines sucht- und gierfreien zusammenlebens in eine handlung oder einen dialog gepackt wird. die texte werden dann vorgetragen.

selbstbefragung (91) – gier

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „gier„.

  • auf was sind sie im moment gierig? warum?
  • wie fühlt es sich für sie an, wenn eine gier gestillt wurde?
  • glauben sie, dass andere menschen viel gieriger sind als sie? begründen sie.
  • hat sie ihre gier schon einmal in schwierigkeiten gebracht? warum?
  • wo liegt für sie der unterschied zwischen gier und sucht?
  • wie zähmen sie ihre gier, wenn sie ihnen unangebracht scheint?
  • welche menschen in ihrem umfeld scheinen ihnen am gierigsten?
  • in welchen situationen fanden sie ihre eigene gier oder die anderer abstoßend? beschreiben sie.
  • wann kann für sie gier sehr lustvoll sein?
  • was halten sie von askese?

„ich will so werden wie ich bin“ von kitz & tusch – ein buchtipp

das leben scheint anstrengend zu sein. es erscheint immer mehr menschen als stressiges unterfangen, aus dem sie sich nicht mehr zurückziehen können. man erfährt sich in einem hamsterrad gefangen. ist unsere welt so anders geworden oder ist es nur luxus darüber zu jammern, wie anstrengend alles ist?

volker kitz und manuel tusch zeichnen in der ersten hälfte ihres buches „ich will so werden wie ich bin – für selberleber“ ein genaues bild der anmutungen von „außen“, die inzwischen auf alle menschen in unserer gesellschaft einwirken. dabei widmen sich sich vor allen dingen den indirekten zwängen, die oft in widerspruch zu den eigenen bedürfnissen stehen. ganz oben in der liste steht ein leistungszwang, der nicht mehr nur das berufsleben, sondern auch die freizeit und die „selbstverwirklichung“ betrifft.

oft verliert man durch diese mechanismen (eben indirekte zwänge und formen der fremdbestimmung) den kontakt zu sich selbst und seinen subjektiven bedürfnissen. man handelt also gegen die eigenen interessen. das setzt unter druck. getoppt wird das ganze noch durch die inzwischen unendlich scheinenden möglichkeiten, die uns angeboten werden. wir sind gezwungen ständig entscheidungen zu treffen, was wir denn machen wollen, und diese sollten natürlich auch die „richtigen“ entscheidungen sein.

kitz und tusch laden in ihrem buch dazu ein, sich wieder sich selber und seinen bedürfnissen zu zu wenden. das ist eine logische folge der analyse gesellschaftlicher verhältnisse im ersten teil des buchs. die autoren des buches betonen, dass diese veränderung der eigenen lebenssituation nur funktioniert, wenn man dies auch möchte. und sie bieten im zweiten teil des buches techniken an, wie man eine veränderung herbeiführen kann. dabei schlagen sie vor allen dingen techniken aus der systemischen therapie vor, die erst einmal das vorherrschende system verstören, um ein neues aufbauen zu können.

sie führen in einer verständlichen und motivierenden sprache an übungen heran, die helfen, die eigenen bedürfnisse benennen zu können und bieten möglichkeiten an, sich der erfüllung dieser bedürnisse zu widmen. man kann darüber streiten, wie weit dies eine etwas einseitige herangehensweise ist, die vor allen dingen wieder den einzelnen fordert, aber die nötigen gesellschaftlichen veränderungen ignoriert. aber als erster schritt und vor allen dingen kurzfristiger schritt, seine eigene lebenssituation zu verbessern, lohnt es sich, das buch zu lesen.

persönlich finde ich, sollten aber zwei strategien gleichzeitig verfolgt werden: die kurzfristige, mich gegen die zwänge von außen ein stück weit zu verwehren und eigene wege zu gehen. dann aber auch die langfristige, sich für eine veränderung der gesellschaftlichen verhältnisse einzusetzen, die dazu führen, dass wir immer wieder im hamsterrad landen. auf alle fälle ist das buch eine vortreffliche anregung, über das eigene lebenskonzept nachzudenken. es ist im campus verlag 2011 in frankfurt am main erschienen. ISBN 978-3-593-39218-9

schreibidee (223)

gelesenes animiert mich inzwischen schnell dazu, schreibideen parallel zu entwickeln. das kann bedenklich stimmen, dass man ständig an schreibideen denkt, es ist aber auch ein steter quell an kreativem output. und so halte ich ein buch über die zwänge, denen wir in unserer heutigen gesellschaft ausgesetzt sind, in händen. warum nicht einmal darüber schreiben, was einen beständig unter druck setzt, obwohl es noch nicht einmal eigenen regeln und vorstellungen entspricht? darum wird in dieser schreibanregung das verfassen von „zwangstexten“ vorgeschlagen.

der einstieg ist schnell gefunden. alle schreibgruppenteilnehmerInnen verfassen 10 sätze mit dem anfang „du sollst …“. sie werden aufgefordert dabei an die erwartungen, die von außen an sie herangetragen werden, zu denken. die jeweiligen zehn sätze werden kurz in der schreibgruppe vorgetragen. anschließend greifen sie eine forderung oder erwartung heraus und beschreiben auf maximal zwei seiten die folgen dieser verinnerlichten regel. wie sehen die auswirkungen auf ihre leben aus? welche handlungen, die ihnen widerstreben, vollführen sie? dieser text wird nicht vorgetragen.

als nächstes geht es darum, weshalb man sich so selten gegen diese anforderungen wehrt. es gibt gute gründe, den zwängen zu folgen. meist ist es angst vor sanktionen, die folgen könnten, die antizipiert werden, wenn man sich anders verhält und den eigenen bedürfnissen folgt. darum werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, einen text von maximal einer seite zu verfassen, in dem sie überlegungen anstellen, was schlimmstenfalls passieren kann, wenn sie den zwängen nicht mehr folgen. welche sanktionen, welche unangenehmen reaktionen werden sie auslösen? auch dieser text wird nicht in der gruppe vorgetragen.

sind die zwänge einmal erkannt, kann man sich einem positiveren vorgehen zuwenden. zum abschluss wird eine längerer text verfasst, der darstellt, wie das eigene leben aussehen wird, wenn man all die erwartungen und anforderungen hinter sich lässt. dies kann eine geschichte, ein bericht, eine situationsbeschreibung, ein tagesablauf oder vieles andere sein. die teilnehmerInnen der schreibgruppe werden eingeladen, ein leben zu schildern, das (ohne anderen zu schaden) ausschließlich den eigenen bedürfnissen folgt. anschließend werden die entstandenen texte vorgetragen und ein feedback gegeben.

biografisches schreiben und motivation

was kann einen dazu animieren, die eigene biografie aufzuschreiben?

  • man erinnert sich an viele dinge und möchte sie schriftlich abbilden.
  • man erinnert sich an viele dinge und möchte sie nicht vergessen.
  • man erinnert sich an viele dinge und möchte sie anderen menschen zur verfügung stellen.
  • man hat das gefühl, anderen etwas mitteilen zu können, das von interesse ist.
  • man möchte etwas von sich in der welt hinterlassen.
  • man möchte sich nahestehenden menschen erklären und vorstellen.
  • man schreibt gern und nutzt die eigene geschichte dazu, um seinen interessen nachzugehen.
  • man hält zeitzeugenberichte für jüngere generationen für wichtig.
  • man möchte sich seiner selbst vergewissern.
  • man sucht nach erklärungen für sein heutiges verhalten und vermutet ursachen in der vergangenheit.

all diese erklärungen und noch ein paar mehr können dazu anregen, sich hinzusetzen, den stift zu hand zu nehmen und die eigene lebensgeschichte aufzuschreiben. subjektive bedürfnisse stellen die motivation für das biografische schreiben dar. es fällt schwer, seine lebensgeschichte zu notieren, wenn man dazu aufgefordert wird aber kein großes interesse daran hat. Weiterlesen

biografisches schreiben und vorsätze

jeder kann an einen punkt geraten, an dem er sich eigestehen muss, dass es so nicht weitergehen kann. das kommt meist nicht nur einmal im leben vor, sondern wiederholt sich in regelmäßigen abständen. gründe gibt es viele dafür: man möchte vertrauen, glauben, nicht immer der miesmacher sein, gut zu allen sein … . also begibt man sich in situationen, macht etwas, das sich später als ein fehler herausstellt. man findet sich nach einem fiasko im chaos wieder.

dies ist die zeit der guten vorsätze. man möchte von grundauf vieles ändern. dies ist die fähigkeit, die den menschen vom tier unterscheidet: situationen reflektieren zu können und sein handeln daraufhin ändern zu können. auch die änderungen im verhalten bleiben oft genug ergebnisoffen, da man nicht abschätzen kann, wie sich etwas entwickelt. aber änderungen erscheinen sinnvoller, als den status quo beizubehalten.

beim biographischen schreiben sind gerade die umbrüche, die selbstbestimmten veränderungen die interessanten. wie hat ein mensch es geschafft aus einer verfahrenen situation wieder rauszukommen? wie konnte jemand seine sucht los werden? wie konnte jemand die tretmühlen so leicht verlassen?

schauen sie doch einmal bei sich selbst, welche gewichtigen vorsätze sie sich in ihrem leben vorgenommen haben und was aus den folgenden handlungen wurde. würden sie sich als konsequenten menschen bezeichnen? haben sie sich damit gutes getan oder eigentlich nur tiefer in den sumpf begeben? auf welchen reflexionen basierten ihre vorsätze? und vor allen dingen, wie selbstbestimmt waren ihre entscheidungen wirklich?

denn bei genauerer betrachtung kann man oft feststellen, dass nicht reflexionen grundlage der vorsätze und entscheidungen waren, sondern die angst. menschen unterschätzen regelmäßig ihre angst vor der welt da draußen. Weiterlesen

biografisches schreiben und faszination

dinge oder menschen können einen faszinieren. dies merkt man daran, dass sie einen, wenn man ihnen einmal begegnet ist oder von ihnen gehört hat, gedanklich nur noch schwer loslassen. eigentlich kann faszination eine form ausgeprägter neugierde sein oder es ist die form einer idealisierung eines gegenstandes oder einer person, da sie den eindruck hinterlassen, sie würden bedürfnisse erfüllen, die man schon lang ersehnt.

das muss nicht immer ein trugschluss sein, es ist oft auch intuitiv stimmig und es stellt sich im laufe der zeit heraus, dass an den eigenen vermutungen etwas dran ist. beim betrachten der eigenen lebensgeschichte sollte man also auch einmal den blick auf die dinge werfen, die einen sehr fasziniert haben. was wollte man immer haben, wenn lernte man kennen und war sofort begeistert? wie entwickelte sich die neugierde. wurden die eigenen bedürfnisse erfüllt oder war es eine enttäuschung? und wie ist man mit der enttäuschung klar gekommen?

denn im laufe des lebens können eine menge enttäuschungen im zusammenhang mit den eigenen idealisierungen zum misstrauen gegenüber der eigenen faszination führen. die schwierigkeit besteht wahrscheinlich darin, sich eine gewisse naivität zu bewahren, die es einem ermöglicht immer wieder unbedarft an bestimmte entwicklungen heranzugehen. doch naivität hat bei uns einen schlechten ruf, da sie im widerspruch steht zu der vorstellung, was es bedeutet „erwachsen“ zu sein.

beim schreiben der eigenen biografie kann es interessant sein, zu schauen, wie weit intuitives handeln und naive faszination das eigene leben beeinflusst haben und einem vielleicht die entdeckung ganz besonderer dinge und menschen ermöglichte. unter „besonders“ ist zu verstehen, dass es ausschließlich für einen selber besonders war, verallgemeinern lassen sich diese erfahrungen nicht. also, was fasziniert sie?

kreatives schreiben und unausweichlichkeit

je mehr literatur zu den schreibanlässen und zum schreibverhalten von schriftstellerInnen auftaucht, um so häufiger lässt sich feststellen, dass es im leben der menschen einen moment gibt, in dem sie gar nicht mehr anders können. das kreative schreiben kann in diesem zusammenhang für manche ein einstieg sein.

wichtig scheint, dass sich solch ein bedürfnis nicht planen lässt. eher das gegenteil ist der fall. manche menschen träumen davon einmal ein großer schriftsteller, eine große schriftstellerin werden zu wollen. doch sie stellen fest, dass sie nach vielen anstrengungen und bemühungen, büchern und schreibgruppen, den nächsten schritt zur bekanntheit nicht schaffen. und dann gibt es die anderen, die schon immer mal ganz gern geschrieben haben, aber selten ambitionen hatten, anderen ihre texte zu unterbreiten. sie haben für sich geschrieben, da es wieder und wieder ein inneres bedürfnis war.

irgendwann platzt der knoten. irgendwann sitzen sie an einem text, an gedichten oder an romanen und können nicht anders. viele freie minuten werden dann schreibend verbracht. sie empfinden das schreiben in diesem moment nicht als arbeit, sondern als befriedigung. es zieht sie mit, es gibt ihnen das, was sie schon lang für sich gesucht haben, aber nicht benennen konnten.

und das kreative schreiben kann solch ein auslöser sein, der den knoten platzen lässt. Weiterlesen

kreatives schreiben und gelegenheiten

wie bei vielen anderen dingen, die einem eigentlich sehr viel spaß machen, findet der mensch gern hinderungsgründe, weshalb er sie gerade jetzt nicht machen kann. die am häufigsten gesuchte ausrede ist die zeitknappheit. man hat leider keine zeit gefunden, seinem hobby oder seinen interessen nachzugehen. da ist die tägliche arbeit, da sind die kinder oder da sind die erledigungen, die im alltag gemacht werden müssen. faszinierend daran ist, dass sich für tätigkeiten, die wenig spaß machen, die auch nicht notwendig sind, beständig zeit zur verfügung steht.

oftmals entsteht der eindruck, dass mensch angst davor hat, genau das zu tun, das ihm viel lust bereiten würde. könnte er doch feststellen, dass er bis jetzt die eigenen interessen zu sehr ignoriert hat und sich endlich einmal etwas ändern muss.

das kreative schreiben betreffend kann sich diese aufschiebende haltung entweder darin zeigen, dass man sich nie für eine schreibgruppe anmeldet, obwohl man große lust dazu hätte, oder dass man auch für sich nie die zeit findet, zu schreiben. beinahe alle menschen, die regelmäßig schreiben oder kreativ schreiben, haben irgendwann die erfahrung gemacht, dass sie einfach einmal damit anfangen mussten, dann aber schwerlich wieder aufhören konnten (abgesehen von den schreibblockaden).

wahrscheinlich ist es die überwindung, die notwendig ist, sich dem zu widmen, das einem spaß macht. so zum beispiel zu entscheiden, nach dem aufstehen gleich „morgenseiten“ zu schreiben, regelmäßig tagebuch zu führen, sich endlich für eine gruppe anzumelden, die nur einmal die woche an einem abend stattfindet oder auch nur in einer viertel stunde pause ein kleines schreibspiel für sich zu machen. denn schaut man genau hin, stellt man fest, dass es immer wieder pausen gibt, die zeit für ein zehnminütiges freewriting bieten. und ist der erste schritt einmal gemacht finden sich weitere möglichkeiten und gelegenheiten.

warum dies tun? weil meist festzustellen ist, was man sich bis jetzt versagt hat und es ein angenehmes gefühl ist, etwas eigenes geschaffen zu haben. warum nicht heute damit beginnen?

biografisches schreiben und lebenssinn

bisher wurde hier bei den überlegungen zum biografischen schreiben meist aufgezeigt, wie viel in der eigenen lebensgeschichte zu entdecken ist, was mensch für sich ergründen kann, um es an andere weiterzugeben. dabei wurde ausgeklammert, dass menschen bei einem resümee ihrer eigenen biografie an einem punkt angelangen können, der ihnen zeigt, dass sie vieles gelebt haben, was für sie im nachhinein und im ganzen betrachtet keinen sinn machte.

dazu zählen zum beispiel die momente, in denen man gegen seine eigenen interessen und bedürfnisse verstoßen muss. solche situationen kennt jeder mensch, da man sich nicht jeden moment und jede handlung frei wählen kann. doch es gibt menschen, die in der rückschau feststellen, vollständig fremdbestimmt gelebt zu haben. welche konsequenzen kann eine solche erkenntnis bei der biografiearbeit nach sich ziehen?

ich denke, man sollte sich vor allen dingen davor schützen, alles in bausch und bogen zu verteufeln. selbst bei einer sehr negativen bilanz in bezug auf den lebenssinn, wäre es hilfreich mehr ins detail zu gehen, um für sich festzustellen, ob nicht doch einzelne situationen sehr wichtig für einen waren.

außerdem gibt es keine altersgrenze dafür das ruder des eigenen lebenskonzeptes herumzureissen. einer der häufigsten gründe, weshalb menschen das ruder nicht früher herumreissen, hat damit zu tun, das vorweg angenommen wird, die situation werde nur anstrengender und noch unbefriedigender. schaut man sich die lebensgeschichten verschiedener menschen an, kann man feststellen, dass sich meist die im laufe der zeit wohler fühlen, die recht nahe an ihren subjektiven bedürfnissen leben.

und im vorfeld lässt sich vielleicht präventiv feststellen: man kann wahrscheinlich nicht zu früh damit anfangen sich entweder mit seiner biografie auseinanderzusetzen oder tagebuch zu schreiben, um im laufe der zeit ein gespür dafür zu bekommen, wie die eigenen bedürfnisse eigentlich aussehen. nur dann kann auch die konsequenz gezogen werden, wenn man bemerkt, dass man nicht mehr dem lebenssinn folgt, der einem wichtig ist.

schreibpädagogik und planung

 

hat man die möglichkeit, eine schreibgruppe für längere zeit zu leiten, dann ist es hilfreich, nicht alles im detail bis zum letzten termin durchzuplanen. sowohl für die leitung als auch für die teilnehmerInnen kann es interessant sein, mindestens einen termin für eine aktuelle themenwahl offen zu lassen.

hier wäre es im vorfeld sinnvoll, zwei termine früher zettel in die schreibgruppe zu geben, auf die alle teilnehmerInnen jeweils drei thematische vorschläge für ein schreibgruppentreffen notieren sollten. die zettel werden eingesammelt und alle vorschläge notiert. dann wird abgestimmt, pro person gibt es drei stimmen, welches thema zum übernächsten termin der schreibgruppe grundlage für schreibanregungen sein soll.

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schreibpädagogik und lust am schreiben

in den letzten beiträgen zur schreibpädagogik in diesem blog ging es immer wieder um mögliche konflikte und schwierigkeiten in schreibgruppen. es ist an der zeit, mal die andere seite zu zeigen. denn schreibgruppen bergen tolle chancen in sich.

einer der wichtigsten gründe für die teilnehmerInnen, eine schreibgruppe aufzusuchen, besteht sicherlich darin, andere menschen zu treffen, die auch große lust am schreiben haben. ist das schreiben eigener texte doch eine sehr interessante form, sich selbst auszudrücken. und einmal „blut geleckt“, lässt es sich schwer wieder aufgeben. es mögen zwar schreibblockaden dazwischen kommen, aber der drang schreiben zu wollen verschwindet bei vielen nie mehr vollständig.

gleichzeitig werden menschen, die gern schreiben, von ihrer umwelt nicht selten kritisch beäugt. das war hier schon einmal thema, als es darum ging, wieweit das ständige schreiben eine beziehung belasten kann. das kreative schreiben wird nicht selten in die schublade „kunst und kultur“ gesteckt. und das ist eine höchst verdächtige schublade in den augen vieler. auf der einen seite liest man zwar gern bücher, aber selber schreiben, da muss jemand nicht ausgelastet sein. es wird gern abwertend über das schreiben gesprochen, vielleicht auch, weil man es gern selber können möchte. ein hauch von neid kann mit im spiel sein.

der vorteil des kreativen schreibens besteht jedoch darin, dass alle, die lust haben, für sich einen weg und die entsprechenden techniken finden können, um ins schreiben reinzukommen. von außen betrachtet werden die möglichkeiten unterschätzt, welche fähigkeiten in diesem zusammenhang alle menschen besitzen. viele glauben nicht an ihre eigenen ideen. das kreative schreiben kann helfen, diese freizulegen und auf papier oder in den computer zu bringen. allein es fehlt die traute. hier kann nur empfohlen werden, einfach mal eine schreibgruppe aufzusuchen. es steht einem ja frei, wenn man merkt, dass es doch nicht so funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat, alles wieder sein zu lassen. doch der erste schritt wird gern selbst eingeschränkt, in dem glauben, die anderen, die in den schreibgruppen anwesend sind, seien sehr viel versierter. es braucht seine zeit, bis menschen erkennen, dass die ideen beim schreiben so verschieden sind, dass man gar nicht groß in konkurrenz zueinander treten muss. außerdem ist es ein sehr angenehmes gefühl, den eigenen bedürfnissen und der eigenen lust am schreiben zu folgen. und selbst wenn daraus nicht das erträumte schriftstellerInnen-leben wird, so kann es doch zu texten führen, die guten freundInnen gefallen oder dem eigenen urteil standhalten. allein dafür lohnt sich ein versuch.