Schlagwort-Archive: befriedigung

schreibpädagogik und sucht

„ohne meine schreibgruppe kann ich nicht mehr leben!“, so oder so ähnlich erträumen sich schreibgruppenleiterInnen die mentalen konsequenzen bei ihren teilnehmerInnen. es sollen abhängigkeiten hergestellt werden. dafür werden alle register gezogen. schon im vorfeld wird der raum aufgehübscht (gruppenleitungen bringen gern mal blumensträusse mit), eventuell stehen die üblichen softdrinks zur verfügung, die sitzgelegenheiten werden in kommunikationsfördernde anordnungen rangiert und ein herzlich willkommen prangt irgendwo an der wand, auf einem flipchart oder im beamerbild.

mit charm, kreativen anreizen und harmonischer sozialer interaktion wird ein soziales kleinod geschaffen, das mensch sonst kaum in dieser hektischen, konkurrenten welt findet. also tritt nicht selten der effekt des rundum-wohlfühlens ein, der es schwer macht auf den nächsten schreibgruppentermin zu warten. ab diesem moment sind die teilnehmerInnen „angefixt“. wenn dann noch das erfolgserlebnis, eigene texte aus dem inneren schöpfen zu können ohne sich dafür schämen zu müssen, eintritt, dann ist dies schon die halbe miete zu einer ausgewachsenen schreibgruppen-sucht.

das faszinierende: die nebenwirkungen werden gern in kauf genommen, ja sogar häufig begrüsst. plötzlich eintretendes selbstbewusstsein in bezug auf die selbstgeschriebene texte, verteidung des schreibens gegenüber der umwelt und die konsequente annäherungen an eigene gedanken und gefühle werden von schreibgruppenteilnehmerInnen gern ertragen. der hunger nach nachschub an feedback, komplimenten und selbst kritik ist nach einer gewissen zeit der teilnahme kaum mehr zu stillen. und die schreibgruppenleitungen legen nach. sie bieten bei jedem treffen noch eine schreibanregung und noch eine. sie schreiben gern mal mit und machen den eindruck, als hätte das beständige schreiben keinen schaden bei ihnen hinterlassen.

skeptische teilnehmerInnen suchen noch für eine gewisse zeit nach dem haken an der schreibgruppen-sucht, doch sie finden keinen und erliegen letztendlich auch dem flair. dabei kommen die konsequenzen schleichend daher, aber sie werden längst nicht mehr wahrgenommen: Weiterlesen

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lesen und sucht

kennen sie das? kinder, die anfangen zu lesen. die plötzlich feststellen, dass sie nicht mehr auf mutti und vati warten müssen, damit ihnen eine geschichte erzählt oder das bilderbuch gemeinsam angeschaut wird. diese kinder sind teilweise kaum zu bremsen. und noch ein wenig älter gibt es dann immer wieder die diskussion darum, ob man jetzt endlich das licht aus mache und schlafe, man müsse ja in die schule. manche von uns haben dann wahrscheinlich mit der taschenlampe unter der bettdecke weitergelesen.

anscheinend kann lesen so fesseln und binden, dass man das buch nicht mehr aus der hand legen möchte. und kaum ist man mit dem einen buch durch, möchte man auch schon das nächste lesen. lesen kann auch zur sucht werden. nur erstaunlicherweise ist diese sucht keine besonders schädliche. früher munkelte man zwar noch darüber, dass schlechte beleuchtung die augen kaputt machen würde, doch heute weiß man, dass es eigentlich nur die augen ermüdet.

besonders skurril an dieser häufiger vorkommenden entwicklung: die schule kann einem die sucht austreiben. das fängt schon bei der „licht-aus“-diskussion an, die ja nur deshalb stattfindet, weil am nächsten tag schule ist und man ausgeschlafen sein sollte. doch die lesesucht bedeutet eigentlich, dass man wissen ansammeln möchte, informationen aufnehmen möchte ohne ende. wer sollte da etwas dagegen haben. und dann sind die literatur-unterrichtsstunden nicht selten gute beispiele dafür, wie man den genuss von texten im keim ersticken kann.

viele junge erwachsene nehmen nach der schule kaum mehr bücher in die hand. vorteil: die sucht ist verschwunden. nachteil: man nimmt nur noch das wissen auf, das man aufnehmen muss. hier wäre schon früh abzuwägen, was schlimmer ist: ob ein kind lesesüchtig wird oder ob es gesittet die schullaufbahn absolviert. die signale sind eindeutig von seiten des kindes: es möchte lesen. meine meinung: dann lassen sie es doch.

die sorge mancher eltern ist, dass ihr kind als bücherwurm den kontakt zu seiner umwelt verliert. ähnlich reagieren eltern auf ihr kind, das sich ständig im internet bewegt. wie wenn die umwelt abseits der eltern nicht oft genug dafür sorgen wird, dass sich die sucht in zaum hält Weiterlesen

kreatives schreiben und sucht

in einer zeit, in der individualismus und selbstverantwortung gaaaanz toll sind, in so einer zeit stellen abhängigkeiten von stoffen, dingen oder menschen einen makel dar. auf der anderen seite entstehen anscheinend genau in diesen zeiten verstärkt abhängigkeiten, also wieder einer der vielen widersprüche im sozialen leben, denen wir ausgesetzt sind.

widersprüche wiederum sind ein gefundenes fressen für das kreative schreiben. man kann sie in geschichten und texten so wunderbar aufeinander prallen lassen. darum bietet „sucht“ abseits der persönlichen, niemandem zu wünschenden schwierigkeiten ein weites feld an möglichkeiten der kreativen beschreibung. so kann man neue süchte erfinden, sich überlegen wovon mensch noch abhängig werden kann. ob dies nun nahrungsmittel, handlungen oder menschen sind. da überschneiden sich fetisch, gier und sucht.

das kreative schreiben kann in worte fassen, welche versuche unternommen werden, zur befriedigung der persönlichen bedürfnisse zu kommen, von denen man nicht lassen kann. es kann die kollision zwischen einem kontrollierten, geregelten leben und der abhängigkeit, dem verlust der selbstkontrolle in bezug auf die sucht abgebildet werden. es kann die meist große hilflosigkeit der umwelt in einer lupe betrachtet werden oder es kann das arrangement mit der nicht endenden sucht seziert werden.

sucht ist eines der ereignisse in unserem leben, das sich zu großen teilen unserer kontrolle entzieht. darum verursacht es im alltag und im leben bruchstellen, stellt uns auf die probe. oder um es anders zu formulieren: Weiterlesen

schreibidee (260)

sucht ist nur deswegen problematisch, da es sehr unangenehm wird, wenn der nachschub zur befriedigung der bedürfnisse ausbleibt. dann geht es los, dann gibt es kein halten mehr. darum heisst die sucht ja auch sucht. um dieses unangenehme gefühl des mangels zu umgehen tun süchtige viel, sind zu allem bereit. diese schreibanregung widmet sich dem phänomen „voll auf turkey sein„.

zu beginn werden am flipchart ideen gesammelt, was menschen alles anstellen, um ihre sucht zu befriedigen. dabei können die schreibgruppenteilnehmerInnen eigene erfahrungen einfließen lassen (natürlich ist nichts offen zu legen) oder auch ihre fantasie spielen lassen. anschließend erstellen alle ein „gefühls“cluster. in die mitte des blattes wird der begriff „sucht“ geschrieben und drumherum werden die gefühlsregungen, die damit verbunden sind, die einem einfallen gruppiert.

dann sind alle teilnehmerInnen aufgefordert, aus den flipchart-notizen und dem cluster eine geschichte zum thema „voll auf turkey sein“ (ein begriff, der beschreiben soll, dass der nachschub an „drogen“ fehlt und das craving voll in gange ist) zu schreiben. dabei kann es sich um die verschiedensten süchte handeln, also kaufsucht, sexsucht oder spielsucht können es ebenso sein, wie drogen- oder tablettensucht. die geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und beim feedback geht es darum, eine rückmeldung zu geben, wie gut die gefühlszustände in den texten erfasst wurden.

zum abschluss wird das feld der nicht anerkannten süchte betreten. also zum beispiel die sucht, haustiere, autos oder bücher zu kaufen und zu besitzen, oder die sucht für schöne schuhe, die sucht nach anerkennung, die sucht nach gemähtem rasen… 😉 alle teilnehmerInnen überlegen sich zwei bis heute kaum definierte süchte, die sie auf jeweils eine seite beschreiben, wie dies in fachbüchern der fall ist. vorher kann man texte aus psychologischer sicht zur beschreibung von süchten vorstellen. die „neuen“ süchte werden abschließend in der schreibgruppe vorgetragen.

biografisches schreiben und sucht

sucht wird in unserer gesellschaft sehr seltsam diskutiert. es gibt kaum eine störung und krankheit, die viele so hilflos macht. damit meine ich nicht die davon betroffenen, denn sie sind süchtig, also in gewisser weise hilflos. sondern ich meine das nähere umfeld. sucht führt oft zum fremdschämen. dies hat damit zu tun, dass in vielen köpfen weiterhin die vorstellung herrscht, dass die süchtigen sich nur ordentlich anstrengen müssten, um ihrem verlangen herr zu werden. die abhängigkeit wird als schwäche verbucht, als persönliches verschulden.

beim biografischen schreiben hat man die chance, einmal zu schauen, auf welche dinge man selber in seinem leben nicht verzichten konnte. was brauchte man auf gedeih und verderb und hat sich damit eventuell auch in schwierigkeiten gebracht? dabei kann man unterscheiden, welche süchte anerkannt sind und welche verurteilt werden. anerkannt ist zum beispiel der workaholic, der sein leben von der arbeit abhängig macht, auch die magersucht findet bis zu einem gewissen punkt anerkennung. andere süchte werden sofort verurteilt (weiterhin betrifft dies hauptsächlich die „harten“ drogen).

schauen sie doch mal in ihrer lebensgeschichte nach, was sie alles angestellt haben, um eine form der befriedigung zu finden, auf die sich nicht verzichten konnten. und war dann, nachdem das bedürfnis befriedigt war, ruhe oder folgte der nächste heftige wunsch? warum fiel es so schwer, den erfolg, die befriedigung zu genießen? was glauben sie, woher die einstellung kommt, dass es immer noch besser, noch toller, noch stärker, noch schneller oder noch befriedigender geht? woher kommt der empfundene mangel in ihrem leben?

ein anderer blickwinkel im biografischen schreiben kann es sein, sich zu fragen, wo im persönlichen umfeld süchte zu tage traten. wie hat man das erlebt? setzte fremdschämen ein oder eventuell sogar co-abhängigkeit? ab wann hat man oder hätte man grenzen ziehen sollen? meist ist der kontakt zu süchtigen jedeweder art ein schwieriger und zwiegespaltener. man erlebt die bedürftigkeit eines menschen, der einem nahe steht und möchte unterstützung geben. gleichzeitig weiß man meist sehr genau, dass man den bedürfnissen der anderen widersprechen sollte, da sie unangemessen geworden sind. Weiterlesen

selbstbefragung (98) – sucht

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „sucht„.

  • von was können sie nicht lassen, obwohl sie davon lassen sollten? beschreiben sie.
  • haben sie erfahrungen mit drogen (kaffee, alkohol, zigaretten und noch viel mehr)? welche?
  • was gibt ihnen noch einen kick (eingedenk der tatsache, dass alles süchtig machen kann, angefangen beim teetassen sammeln bis zum schnellen autofahren)?
  • wann brauchen sie ihre kicks am meisten? in welchen situationen?
  • welche süchte haben sie im laufe ihres lebens schon abgelegt?
  • mal ganz ehrlich: wann trinken sie zu viel alkohol? warum?
  • was passiert, wenn ihre „sucht“ nicht befriedigt wird? was stellen sie an, um doch noch befriedigung zu finden?
  • sprechen sie menschen, die ihnen nahe stehen, direkt auf deren süchte an?
  • was glauben sie, warum bei uns immer noch nicht richtig anerkannt wird, dass süchte eine störung oder krankheit sind?
  • sucht und flucht liegen nah beieinander. vor was würden sie am liebsten flüchten? beschreiben sie.

schreibidee (252)

neben der liebe gibt es noch ein phänomen, das schwer einzuordnen ist. der mensch ist fähig zu objekten und situationen eine enge beziehung aufzubauen. die lustbefriedigung ist ohne diese objekte oder situationen nicht vorstellbar. man braucht diese emotionale „brückentechnologie“, um lust und leidenschaft positiv erleben zu können. dies wird in der schreibanregung aufgegriffen, um „fetisch-geschichten“ zu schreiben.

alles kann zum fetisch gemacht werden. darum werden zum einstieg die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, sich einen ausgefallenen gegenstand oder ein alltägliches ereignis auszuwählen. so können zum beispiel eine zitronenpresse oder die hektik am fahrkartenautomat gewählt werden. nun sollen eine zweiseitige liebeserklärung oder ode an die gegenstände und ereignisse verfasst werden. diese werden anschließend vorgetragen.

in der folge wird eine geschichte geschrieben, in der das fetischobjekt eine zentrale rolle spielt. so kann es zum beispiel zu einer liebesgeschichte kommen, an deren rand bei jeder lustvollen begegnung der protagonistInnen die zitronenpresse dabei sein muss. vielleicht werden während der körperlichen begegnung zitronen ausgepresst oder auch nur über das objekt der begierde gestreichelt. auch hier sind der fantasie keine grenzen gesetzt. anschließend werden die geschichten vorgetragen und es gibt eine feedbackrunde.

da fetische erst einmal unproblematisch sind, aber doch für schwierigkeiten sorgen können, wenn sie zu außergewöhnlich sind, soll im anschluss noch eine kurze geschichte geschrieben werden, in der der fetisch zum stolperstein der beziehung wird. so finden sich zum beispiel seltsame rollenspielwünsche oder bekleidungswünsche wieder, die es den partnerInnen schwer machen, nähe gemeinsam zu erleben. diese geschichten werden zum abschluss vorgetragen.

web 2.0 und gier

nicht ohne grund wird inzwischen von internet“sucht“ geschrieben und geredet. es gibt userInnen, die das surfen im web nicht mehr beenden können. sie legen ein ähnliches verhalten wie ein süchtiger an den tag. ohne den täglichen, vielleicht sogar stündlichen blick ins mailkonto und ins netz werden sie unruhig. wenn sie sich dann in die virtuelle welt begeben, dann gibt es kein stoppen. stunden später fühlen sie sich angespannt und erschöpft. und wenn sie ihren besuch im netz beenden haben sie eher ein gefühl von leere und befriedigung stellt sich nicht ein.

die schwierigkeiten mit dem surfen verstärkten sich sicherlich noch durch das web 2.0, da die bedienung eine viel einfachere wurde und gleichzeitig angebot und auswahl nochmals enorm angewachsen sind. das internet ist inzwischen so unübersichtlich, dass selbst suchmaschinen schwer eine ordnung schaffen können. in gierigen momenten verfestigt sich beim surfen der gedanke, dass man nur weiter schauen muss, um die perfekte seite, die absolut richtige information oder das ultimative angebot findet. das internet wird auch exakt so beworben: wenn man sich nur darauf einlässt, dann findet man alle antworten, die man benötigt im netz.

das ist ein trugschluss, denn es würde bedeuten, dass das internet auf jedes subjektive bedürfnis eine antwort hat und dieses befriedigen kann. wir bewegen uns aber in einer virtuellen welt. und virtuell bedeutet auch, dass uns etwas vorgegaukelt wird, das nicht ausschließlich real ist. „second life“ war ein gutes beispiel dafür, wie man in fantasiewelten abtauchen kann. Weiterlesen

schreibidee (249)

wir lernen, dass es momente gibt, in denen wir nicht bekommen, was wir gern hätten. das leben ist eine ständige zurückhaltung der eigenen bedürfnisse, um das soziale gefüge nicht implodieren zu lassen. wenn man sich überlegt, wie viele menschen auf engem raum leben, dann zeigt sich, dass rücksichtnahme und zurückhaltung grundvoraussetzung für den sozialen frieden sind. dieser frieden wurde und wird immer wieder gestört, wenn die gier mit einem davongaloppiert. schreiben wir doch mal „gierige texte„.

alle teilnehmerInnen erstellen für sich ein liste mit zehn bedürfnissen, die sie gern möglichst schnell befriedigt haben möchten. diese listen werden nicht veröffentlicht, sondern bleiben bei den schreibenden. anschließend wird das persönliche bedürfnis ausgewählt, das sich am vordringlichsten anfühlt. nun werden zwei kurze texte verfasst: erst ein text von einer seite länge, in dem das bedürfnis befriedigt wird. dann einen text, genauso lang, in dem die befriedigung des bedürfnisses nicht gelingt. beide texte werden ohne feedback anschließend vorgelesen.

im nächsten schritt wird ein blick weg von der eigenen person auf die gesellschaft geworfen. unsere gesellschaft basiert auf dem prinzip der nahegelegten bedürfnisse. auf dem flipchart sammelt die schreibgruppe bedürfnisse, die uns durch werbung, politik oder anderen menschen nahegelegt werden. anschließend wählen alle teilnehmerInnen jeweils für sich ein bedürfnis aus, das sie momentan vorrangig finden. es wird eine lange geschichte über die gierige verwirklichung dieses bedürfnisses geschrieben. anschließend werden die texte in der schreibgruppe vorgetragen und es gibt eine feedbackrunde.

zum abschluss wird ein kurzer text geschrieben, der das bild eines zusammenlebens ohne gier beschreibt. vorgabe ist es, dass dieses bild eines sucht- und gierfreien zusammenlebens in eine handlung oder einen dialog gepackt wird. die texte werden dann vorgetragen.

selbstbefragung (91) – gier

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „gier„.

  • auf was sind sie im moment gierig? warum?
  • wie fühlt es sich für sie an, wenn eine gier gestillt wurde?
  • glauben sie, dass andere menschen viel gieriger sind als sie? begründen sie.
  • hat sie ihre gier schon einmal in schwierigkeiten gebracht? warum?
  • wo liegt für sie der unterschied zwischen gier und sucht?
  • wie zähmen sie ihre gier, wenn sie ihnen unangebracht scheint?
  • welche menschen in ihrem umfeld scheinen ihnen am gierigsten?
  • in welchen situationen fanden sie ihre eigene gier oder die anderer abstoßend? beschreiben sie.
  • wann kann für sie gier sehr lustvoll sein?
  • was halten sie von askese?

digitale kommunikation – eine zwiespältige angelegenheit

die möglichkeiten miteinander zu kommunizieren haben durch die digitalisierung der umwelt zugenommen. abseits der alten formen der snailmail, des telefonierens und des faxens sind inzwischen noch der chat, die sms, das twittern und letztendlich auch das bloggen, sowie das voipen und die online-konferenz hinzugekommen.

auffällig bei den neueren kommunikationsarten ist die erwartung, sich kurz zu fassen. würden im chat längere ausführungen getippt, säße der andere vor seinem computer und würde däumchen drehen oder sogar den chat verlassen, da er mit keiner antwort mehr rechnet. twitter und sms beschränken die länge der nachricht schon von der verwendeten zeichenzahl her. wenn man dann doch viel mitzuteilen hat, wird eher zur mail oder eben doch wieder zum telefonieren, nur über das internet, also dem voipen gegriffen. oder es wird eine sms nach der anderen versendet. nicht ohne grund bieten inzwischen fernsehsender 5000 sms für ca. 15 euro an. das bedeutet, man versendet pro tag ungefähr 160 sms. letztendlich wachsen einem dann die finger am handy fest.

erst einmal ließe sich die kommunikation auf den nenner „in der kürze liegt die würze“ bringen, doch langfristig betrachtet, werden dabei gedankengänge in häppchen zerhackt und es wird schwer werden eine überlegung am stück zu übermitteln. Weiterlesen

selbstbefragung (23) – arbeit

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „arbeit„.

  • was verstehen sie unter „arbeit“? begründen sie.
  • brauchen sie zum leben regelmäßige arbeit?
  • können sie arbeit und freizeit klar trennen? warum nicht?
  • wie weit haben sie das gefühl, dass sie sich bei ihrer arbeit selbst verwirklichen können? beschreiben sie.
  • wofür arbeiten sie? für geld, gegen die langeweile, zur steigerung ihres selbstwertgefühls, für andere oder aus anderen gründen?
  • würden sie gern weniger arbeiten?
  • wer stellt die regeln für ihre arbeit auf? sind sie zufrieden damit?
  • von was fühlen sie sich bei ihrer arbeit abhängig? begründen sie.
  • wie läuft es denn so mit den kollegInnen und den netzwerken?
  • lernen sie gern beständig dazu?

schreibidee (125)

lust ist ein begriff, der schon ausgesprochen lust auf mehr macht. wahrscheinlich liegt es am klang des wortes, dass so viele assoziationen und gedanken hervorgerufen werden und doch so selten danach gelebt wird. lust ist etwas subjektives und bedeutet für jeden menschen etwas anderes. um ein gefühl für die eigene lust zu bekommen, dient die schreibanregung dieses mal der animation zu „lust-geschichten„.

da lust so vielfältig verwendbar ist, angefangen bei der leselust, bis zu lüsternen begebenheiten, dient als einstieg ins schreiben über die lust ein cluster, das alle teilnehmerInnen der schreibgruppe zum thema „lust“ erstellen. anschließend werden gedanken zu einzelnen lustvollen momenten in halbseitige geschichtchen gefasst. diese werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen.
nun ist es an den teilnehmerInnen, für sich die momentan vorrangige lust auszuwählen (kann sich dieses bedürfnis doch recht schnell ändern).

anschließend ist nach einem kurzen freewriting zur jeweils gewählten lust-variante, eine längere geschichte zu schreiben. die geschichten werden auch wieder in der schreibgruppe vorgetragen. es ist davon auszugehen, dass eine große bandbreite an lustvollen begebenheiten vorgestellt. nach diesem umfassenden überblick sollten alle teilnehmerInnen einen text verfassen, was für sie „lebenslust“ bedeutet. lebenslust ist eine viel umfassendere vorstellung von lustvollem leben, als die vorherige konzentration auf eine lust.
die jeweiligen lebenslust-konzepte werden sich gegenseitig vorgestellt. und zum abschluss ein text verfasst, was notwendig wäre, um diese lebenslust auch zu leben, wenn dies nicht schon geschieht. wenn teilnehmerInnen ihrem konzept folgen, können sie noch einmal in einem text beschreiben, worin der vorteil für sie darin liegt. diese texte werden nicht mehr vorgetragen, da sie zum abschluss ausschließlich der selbstreflexion dienen.

kreatives schreiben und lust

viel zu selten wird hier dargestellt, wie viel spass und lust das entdecken der eigenen kreativität bereiten kann. das mag nun sehr euphorisch und edel klingen, aber vielen menschen wird erst, wenn sie sich einmal einer kreativen tätigkeit hingegeben haben, bewusst, wie wenig sie in ihrem alltag eigene ideen und fantasien einbringen können.

so bekommt das kreative schreiben einen beinahe körperlichen moment, da nach dem schöpfen aus dem eigenen ideenpool und der eigenen fantasie, eine form von erschöpfung eintritt, die zu spüren ist. doch die erschöpfung unterscheidet sich gravierend von dem gefühl nach getaner lohnarbeit müde und gestresst zu sein. der lustfaktor spielt bei kreativen prozessen eine wichtige rolle, was bedeutet, dass man sich nicht nur erschöpft sondern in gewisser weise auch befriedigt fühlt. womit das zu tun hat ist schwer zu ergründen. vielleicht mit dem gefühl, relativ nah bei sich selbst, also den eigenen bedürfnissen zu sein. oder auch nur mit dem gefühl, etwas ganz allein oder zusammen mit anderen geschaffen zu haben, das nicht vorgegeben und vorgeschrieben war.

und es spielt bestimmt auch die eigene überraschung, was sich aus kleinen aufgaben und schreibanregungen alles ergeben kann, eine rolle. denn vor einem kreativen schreibprozess lässt sich nie sagen, was eigentlich entstehen wird. die ideen und gedanken entstehen erst während des schreibens. dabei handelt es sich um eine vorgehensweise, die im alltag nicht gern gesehen ist. nämlich zu sagen, schauen wir doch einmal, was im laufe der zeit aus den vorgaben entsteht. heute wird alles strukturiert, geplant und gezeitet. das macht in vielen zusammenhängen sinn, da sonst die komplexe welt nicht ineinanderspielen könnte. und doch ist ein regelmäßiger ausbruch aus der sicher und starren welt, ein angenehmer versuch die anderen seiten der eigenen existenz zu erkunden.

das mag jetzt sehr edel klingen. doch erinnern sie sich einfach einmal an ihre entdeckungstouren und diversen spiele als kind. so ähnlich fühlt sich für viele der prozess des kreativen schreibens an. lust darauf bekommen?