Schlagwort-Archive: beratungsstelle

schreibberatung und scham

mit der schreibberatung ist es, wie mit anderen beratungen auch: man sucht sie ungern auf. jedenfalls bei uns ist das so. die menschen gehen ungern in beratungsstellen, wenn sie allein nicht weiterkommen. und wenn sie dann in beratungen gehen, dann ist schon eine ganze menge passiert. gründe dafür gibt es viele. vor allen dingen spielt der blick auf seine umgebung eine große rolle. es ist bei uns immer noch recht üblich, nach außen zu signalisieren, dass man alles im griff hat, mit allem klar kommt und die schwierigkeiten, die sich auftun, selber stemmt.

dies geschieht sicherlich auch in der tradition der kriegskinder-generation, die sich schwer damit tut, sich selbst zu zu wenden und „schwächen“ zu zeigen. und so zeigt sich in vielen beratungen, dass die ratsuchenden oft davon ausgehen, alle anderen kämen mit ihren problemen locker klar, nur sie nicht. es ist schwer zu vermitteln, dass jeder mensch in eine situation geraten kann, in der er die lösung der schwierigkeiten nicht mehr allein hinbekommt. das ist in einem sozialen gefüge eigentlich normal, dass man sich in einzelnen bereichen gegenseitig unterstützung gibt. doch seitdem vermehrt die selbstverantwortung für das eigene leben bei bildung, gesundheit und arbeit propagiert wird, wächst der druck auf die einzelnen.

somit wird das aufsuchen einer schreibberatung mit großer wahrscheinlichkeit bei etlichen schambesetzt sein. sie sind der meinung, dass es ja nicht das große problem für studierende oder forschende sein dürfe, alles in klare worte zu fassen. sie sehen um sich herum, wie viel die anderen schreiben. doch was sie nicht sehen, ist, mit welcher qual andere ihre texte verfassen. das soll nicht heißen, dass alle menschen große schwierigkeiten damit haben, texte zu verfassen. Weiterlesen

vorratsdatenspeicherung verändert verhalten in der kommunikation

am 27ten und 28ten mai 2008 führte das meinungsforschungsinstitut „forsa“ eine befragung in auftrag von „vorratsdatenspeicherung.de“ durch. dabei zeigte sich, dass einem teil der bürger die konsequenzen der zwischenspeicherung von persönlichen verbindungsdaten sehr wohl bewusst sind.

so äußerten 52 prozent der befragten, dass sie von einer kontaktaufnahme zu sensiblen einrichtungen wie ehe- oder drogenberatungsstellen per telefon,handy oder mail lieber absehen. war das internet eigentlich mal eine gute möglichkeit anonym an informationen zu gelangen, die mit scham und tabus besetzt sind, ist damit zu rechnen, dass der trend sich umkehrt. denn wer möchte schon in seinen daten stehen haben, dass er sich an eine hiv-beratungsstelle gewandt hat. die vermutung, dass man nur grundinformationen abfragt liegt erst einmal nahe. wenn man sich dann aber an eine stelle wendet, die informationen für hiv-positive menschen gibt, können schon ganz andere schlüsse gezogen werden.

der generalverdacht, der durch die vorratsdatenspeicherung über die bürger europas ausgeschüttet wird, liefert eben nicht nur daten zu terroristischen entwicklungen, wenn sich die terroristen an bestimmte kommunikationsformen halten, sondern vor allen dingen daten zu persönlichen problemstellungen. auch wenn die inhalte nicht abgespeichert werden, lassen sich doch rückschlüsse auf privates ziehen. oder wie ist es zu verstehen, wenn jemand die seite einer selbsthilfegruppe für männer mit prostatakrebs aufsucht.

eine kurzdarstellung der forsa-befragung als pdf-datei ist zu finden unter: http://www.vorratsdatenspeicherung.de/images/forsa_2008-06-03.pdf . und die seite des arbeitskreises der gegner der vorratsdatenspeicherung ist zu finden unter: http://www.vorratsdatenspeicherung.de/ .