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schreibidee (338)

die reaktionen auf filme und geschichten sind von mensch zu mensch verschieden. doch es gibt immer wieder stories, die viele menschen zu tränen rühren, in den seltensten fällen handelt es sich da um geschichten von rosamunde pilcher. es gibt also handlungen in den geschichten, die bei vielen menschen ähnliche reaktionen hervorrufen, ganz gleich, welche lebensgeschichte diese haben. dabei geht es meist um tod, sehnsucht, liebe und kinder oder tiere. dies soll eine schreibanregung zu „tränendrüsen-stories“ sein.

als einstieg möge man sich an die eigenen emotionalen höhepunkte beim sehen, hören oder lesen erinnern. durch einen kleinen fragekatalog werden die teilnehmerInnen an ihr persönliches emo-erlebnis herangeführt. dieses ereignis und vor allen dingen die gründe für die tränen sollen in einem kurzen text von maximal zwei seiten dargestellt werden. anschließend werden die texte in der schreibgruppe vorgetragen.

nun sammelt die schreibgruppe gründe und mechanismen für die tränen, zum beispiel die langsame identifikation mit den protagonisten einer geschichte, das zusteuern auf ein happy-end und dann die anschließende zerstörung des idylls. oder man beschreibt vergebliche bemühungen, einer lage herr zu werden, das ewige scheitern, obwohl alles getan wird, eine schwierige lage zu bewältigen. es kann auch eine geschichte sein, in der die ohnmacht der beteiligten auf die leserInnen oder seherInnen überspringt. im vorfeld steht die frage: was benötigt eine geschichte, damit menschen sich emotional angesprochen fühlen?

da die anregung der tränendrüsen einen gewissen vorlauf in der geschichte benötigt, werden keine weiteren vorarbeiten in der schreibgruppe gemacht (wer möchte kann noch ein cluster erstellen), sondern es steht genug zeit zur verfügung, eine längere geschichte zu verfassen. diese geschichten werden dann in der schreibgruppe vorgetragen. vorher werden alle teilnehmerInnen aufgefordert, ihre emotionalen reaktionen auf die geschichte zu notieren. von welchem ereignis in der geschichte fühlen sie sich am stärksten berührt? welche wortwahl lässt sie emotional mitschwingen? anschließend findet eine ausführliche feedbackrunde statt. es sollten auf alle fälle taschentücher während der leserunde vorhanden sein.

schreibidee (263)

tschüss, servus und baba. manchmal ist es zeit, abschied zu nehmen. sich von alten gewohnheiten, von guten freunden oder auch von wohnorten, gegenständen oder jobs zu trennen. das fällt nicht immer leicht, ist manchmal nicht selbstgewählt, doch es verändert unser leben. und geschichten leben von trennungen und abschieden. darum ist diese schreibidee eine anregung für „abschiedsgeschichten„.

als einstieg werden in der schreibgruppe ideen gesammelt, von was man sich verabschieden kann. diese ideen werden am flipchart notiert. die teilnehmerInnen wählen sich einen abschied aus. nun schreiben sie ein 10-schritte-programm, wie der abschied zu vollziehen ist. da kann es darum gehen, sich von einem haustier zu verabschieden, da es gestorben ist, oder sich von seinem eigenen image zu verabschieden oder auch nur von einer reisebegleitung. und doch ist jeder abschied anders, darum erst einmal der blick auf die handlungsabfolge. die jeweiligen 10 schritte werden kurz vorgestellt.

nun wird zu dem gewählten abschied (es kann auch ein neues beispiel gewählt werden) von den schreibgruppenteilnehmerInnen ein abschiedsbrief geschrieben. was wollte man dem gegenstand, der person oder der lebenssituation noch einmal sagen? der brief sollte nicht länger als zwei seiten werden. die briefe werden anschließend ohne feedback in der schreibgruppe vorgetragen.

als letzte vorbereitung für eine längere abschiedsgeschichte, werden abermals am flipchart abschiedsszenen stichwortartig gesammelt. dies können filmszenen, zitate aus romanen oder auch selbst erlebte situationen sein.

anschließend wählen sich die schreibgruppenteilnehmerInnen aus diesem ganzen vorbereitungsbeispielen und -texten ideen aus, die in eine längere abschiedsgeschichte fließen. dabei soll darauf geachtet werden, dass die leserInnen von den freiwilligen oder unfreiwilligen abschieden möglichst tief berührt werden. die texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen und in der feedbackrunde wird eine abschiedsskala erstellt, auf der alle teilnehmerInnen jeweils ihre rührung bewerten können.

und dieses mal werden vor dem schluss des schreibgruppentreffens von allen teilnehmerInnen „abschieds-vierzeiler“ verfasst, die wiederum beim verabschieden vorgetragen werden.

schreibidee (129)

die welt ist nicht schön. das ist nichts neues, lässt sich jeden beim blick in die zeitung oder beim konsum der fernsehnachrichten feststellen. wichtig erscheint in diesem zusammenhang nur, ein wenig distanz bewahren zu können. denn ist dies nicht mehr der fall, besteht die gefahr zu verzweifeln. doch dieses mal sollen bei der schreibidee alle bedenken fahren gelassen werden, um sich den „leidens- und elendsgeschichten“ zu widmen. teile der großen literatur setzen sich nämlich ausschließlich mit lebensbedingungen auseinander, die als menschenunwürdig bezeichnet werden können.

also wäre der einstieg in die schreibanregung so zu wählen, dass man sich den jeweiligen gegebenheiten annähert. und um emotionen und leidenschaft in die geschichten zu bekommen, ist es hilfreich themen zu wählen, die einen selber am meisten berühren. dazu kann am anfang gefragt werden, welches leid und elend die teilnehmerInnen am meisten beschäftigen oder am traurigsten machen. es ist eine halbe seite zu schreiben, auf der die umstände genauer beschrieben werden. anschließend werden sich die leid- und elendssituationen gegenseitig vorgestellt.

vielleicht finden die teilnehmerInnen in der schreibgruppe bei der beschreibungen der anderen noch mehr emotionale reaktionen als bei den eigenen ideen. diese dürfen übernommen werden, wenn in der folge ein protagonist, eine protagonistin für diese situation entwickelt werden soll. dazu wird eine fiktive lebensgeschichte von maximal zwei seiten verfasst, die den vorlauf bis zur eigentlichen situation widerspiegeln soll. diese beschreibung wird erst einmal nicht vorgetragen in der gruppe.

sondern direkt im anschluss ist eine geschichte mit protagonistInnen und situation zu verfassen, die ausschließlich ausweglos ist. es wird dieses mal in die vollen der emotionalen ausnahmezustände gegangen um ein bild der unveränderbarkeit zu zeichnen. es mag in diesen geschichten kleine lichtblicke der veränderung geben, doch zum schluss sollten sie wieder verschwunden sein. diese geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und im feedback bewertet wie gut die aussichtslosigkeit wiedergegeben wurde, um das nächste mal wieder fröhlichere geschichten schreiben zu können 😦