Schlagwort-Archive: blättern

wund-starr-krampf (11)

das verschwinden der fussnoten

es ist schade. in der literatur erschienen fussnoten zwar nur in den seltensten fällen (es gibt das schöne gegenbeispiel: david foster wallace, dessen bücher von den fussnoten regiert werden), aber in den wissenschaften und in populärwissenschaftlichen veröffentlichungen spielte die fussnote eine große rolle. meist handelte es sich um anmerkungen, die zusätzliche informationen gaben, auf andere literatur verwiesen oder quellenangaben enthielten. doch leider ist das heute nur noch selten üblich und der trend geht zur abschaffung der fussnoten.

dies bedeutet jedoch nicht, dass die anmerkungen verschwinden. ganz im gegenteil, anmerkungen spielen weiterhin eine große rolle, ja, stützen und unterfüttern viele texte. doch die anmerkungen werden inzwischen an den ende des textes oder buches gesetzt. noch vor dem literaturverzeichnis findet sich eine auflistung der ehemaligen fussnoten, teils durchnummeriert, teils nach kapitel und seitenzahl sortiert. das behindert, bei mir jedenfalls, den lesefluss. da im text ja ein hinweis auf weiteres auftaucht, meist in form einer kleinen zahl, möchte man die dazugehörigen und oft relevanten anmerkungen lesen.

dazu kann man sich ein weiteres lesezeichen an den ende des textes platzieren, das es einem möglich macht, leichter vor und zurück zu blättern. aber man muss blättern. was die „usability“ gebündelter anmerkungen angeht, bringt einen das blättern immer wieder aus dem konzept. man muss seine vorherige lesestelle beim zurückblättern suchen. vor allen dingen wenn jemand mehrere anmerkungen auf eine seite platziert ist man eigentlich laufend am blättern.

ich handhabe es inzwischen so, dass ich versuche, die anmerkungen vorausschauend zu betrachten. handelt es sich nur um quellenangaben, kann ich erst einmal weiterlesen. wird aber in einer anmerkung ein längerer text sichtbar, handelt es sich um weitere relevante informationen. ich versuche also mir die nummer zu merken, um dann nach dem lesen der vorbereitenden textstelle wieder ans ende zu blättern und die passende anmerkung zu lesen. ich habe auch schon versucht, die längeren anmerkungen im vorfeld zu lesen, doch oft erschließt sich der zusammenhang noch nicht, das der eigentliche text das thema noch gar nicht angerissen hat.

abgesehen davon, dass diese form des lesens mehr zeit kostet, nervt sich mich stück für stück. mir hat sich bis heute nicht erschlossen, was an der klassischen fussnote so störend sein soll. hält man weitere informationen für unwichtig, kann man sie ja einfach überlesen. doch meist sind sogar statements der autorInnen in den anmerkungen zu finden, die den text erst rund und vielfältig machen. es wäre in meinen augen ärgerlich, die anmerkungen zu übergehen. darum plädiere ich für die wiedereinführung der guten, alten fussnote, gefüllt mir informationen, links, spannendem und überflüssigem. und ich kann weiterhin bequem im sessel sitzen oder auf dem sofa liegen und mir ohne verkrampfung die texte zu gemüte führen. also: rettet die fussnote und macht das lesen wieder leichter!

nabelschau (64)

die abschaffung des blätterns oder sich einen wolf scrollen. ja, es ist doch ein lästiges unterfangen, ein buch umzublättern oder in einem blog die älteren posts durch klicken aufzurufen. das sagten sich zumindest die betreiberInnen von wordpress.com und haben mal eben das „blättern“ abgeschafft. wenn man nun durch die blogs bei wordpress.com scrollt, dann findet das scrollen einfach kein ende. es geht unendlich weiter.

das mag ja bei kleineren blogs ganz hübsch sein, doch bei einem blog wie diesem aus vier jahren mit über 2000 posts kann dies zur überflutung von leserInnen führen. da gefallen vielen kleine päckchen von maximal 20 posts definitiv besser. doch nicht der entwickler-crew. sie gehen davon aus, dass der mensch anders gestrickt ist, und schreiben, sich auf ihre statistiken berufend, dass beim „unendlichen“ scrollen mehr gelesen würde.

tja, das ist die krux mit den statistiken. es kann gut sein, dass neue besucherInnen sich flott durch einen blog scrollen und somit die statistik in die höhe treiben. doch die statistik erfasst eben nicht, wie zugeballert, überfordert oder erschrocken sich jemand fühlt. die aufhebung aller strukturen mag erst einmal ganz chic wirken, lässt leserInnen aber schnell sich haltlos fühlen. es ist eine frage der usability. beschränkungen auf die aktuellen, neuesten informationen werden meist bevorzugt und nicht das protzen mit allem vorhandenen.

ähnlich wirken die timeline-änderungen bei facebook. auch da kann sich im laufe der zeit ein gefühl, sich im weltall eines lebens verloren zu haben, einstellen. ich als leser bin gefordert, die beschränkung des lesens selbst durchzuführen. ich muss also eine entscheidung mehr treffen, mich selbst stoppen und mir in einer großen strukturlosigkeit selber eine struktur schaffen.

da mögen entwickler technischer neuerungen doch einmal das unverwüstliche buch anschauen: menschen würden bücher wahrscheinlich nicht so sehr schätzen, wenn es nicht die möglichkeit des blätterns gebe. wer möchte schon vor einem einzigen plakat sitzen und dort den text eines ganzen buches lesen. inhaltsverzeichnisse und einzelne seiten geben auch hier struktur und halt. vielleicht sollte man das blättern doch nicht abschaffen.

nach zahlreichen beschwerden bei wordpress.com (die erst einmal geflissentlich ignoriert wurden) kann man mit einem trick das blättern wieder aufrufen. so muss etwas in die fusszeile gesetzt werden. für die leserInnen des schreibschrift-blogs ergibt sich dadurch die zusätzliche information ganz am fuße einer seite nach 20 posts, zu sehen, dass über 5000 spam-kommentare inzwischen eingetrudelt sind. auch wenn dies keine weltbewegende info ist, so ist es ein abbild nerviger effekte des bloggens. und dann kann man fröhlich weiterblättern :mrgreen:

schreibidee (302)

es gibt ein „plakatives“ kabarettprogramm, das ohne gesprochenes auskommt aber keine pantomime ist, das allein mit geschriebenem wunderbar unterhält: „ohne rolf“ (siehe http://www.ohnerolf.ch/ ). ein wunderbarer versuch, dies in schreibgruppen einmal auszuprobieren. darum die anregung zu „raschelnden dialogen„.

zum einstieg werden alle schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, einen kurzen aber knackigen dialog zwischen zwei personen zu verfassen (dies empfiehlt sich bei einer fortgeschrittenen schreibgruppe, sonst wären erst einmal schreibideen zum dialoge schreiben umzusetzen (die sich auch hier im blog finden)).

wenn der dialog geschrieben ist, dann werden alle aussagen auf große zettel geschrieben, eventuell satz für satz oder auch nur einzelne wörter. wörter, die wie in der comicsprache ein gefühl oder eine nonverbale reaktion ausdrücken. anschließend werden zweiergruppen gebildet und es wird zeit gegeben, dass die beiden teilnehmerInnen gemeinsam ihren jeweiligen dialog ein wenig einstudieren können. wie dies gehen kann lohnt gemeinsam ein blick auf die homepage von „ohne rolf“, um ein gespür dafür zu bekommen.

die dialoge werden vor der schreibgruppe ohne zu sprechen vorgeführt. anschließend findet eine feedbackgruppe statt. es macht keinen sinn, ein feedback zur performance zu geben, da alle teilnehmerInnen so etwas wahrscheinlich zum ersten mal machen und die koordination erst einmal schwer fällt. aber es kann feedback zu den dialogen und ihrer wirkweise im geschriebenen vortrag geben.

nun kommt die schwerere variante: alle schreibgruppenteilnehmerInnen notieren sich mögliche antworten, fragen und äußerungen für einen smalltalk oder eine diskussionsrunde ins blaue hinein. das heisst, sie wissen nicht, was die anderen notieren und haben keine ahnung, was auf sie zukommt. die schreibgruppe wird in zwei gruppen aufgeteilt, die sich gegenübersitzen. man kann nun dazu auffordern, dass der reihe nach zettel hochgehalten werden, die einen dialog entstehen lassen (dazu sind übrigens etwas kleiner zettel notwendig). also alle wählen aus ihrem jeweiligen pool notierter beiträge einen passenden aus. oder es wird „durcheinandergeredet“, so dass jede(r) hochhalten kann, was sie gerade passend finden.

am schönsten wäre es, wenn die schreibgruppenleitung oder eine person aus der schreibgruppe, die dialoge gleichzeitig notiert. da die anderen der eigenen gruppe mit großer wahrscheinlichkeit nicht lesen können, was man gerade kommuniziert hat (man sitzt ja nebeneinander der anderen gruppe gegenüber), werden zum abschluss die dialoge und das raschelnde geplapper noch einmal vorgelesen (wenn sie notiert wurden).

eine empfehlung: keine angst vor chaos, ich vermute, dass sich solche spielereien beim zweiten oder dritten versuch einspielen. einzig die protokollantInnen sollten schnell notieren können, damit keine unnötigen pausen entstehen. andere formen der aufzeichnung werden sich nicht finden lassen.