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„praxisbuch networking“ von andreas lutz – ein buchtipp

seit der entstehung des so genannten web 2.0 tritt eine soziale kompetenz im arbeitsleben immer stärker in den vordergrund: das „netzwerken“, wie es neudeutsch genannt wird. vor allen dingen selbstständige, aber auch angestellte sind gefordert, sich ein netzwerk aufzubauen, das in erster linie über das internet kommuniziert und sich gegenseitig hilfestellung bei der erledigung von aufgaben gibt.

doch so schlicht sollte man dies nicht formulieren. das networking erfüllt noch mehr aufgaben: zum einen sich überhaupt in ein soziales netz einzubinden, nicht allein auf der welt sein ding durchziehen zu müssen. es bietet also auch einen halt. zum anderen aber auch die verschränkung von privatem und beruflichem. etwas, das in der heutigen arbeitswelt unumgänglich scheint. es geht nicht darum, andere zum eigenen vorteil auszunutzen, es geht darum im laufe der zeit gegenseitige unterstützung und hilfsbereitschaft zu signalisieren.

andreas lutz zeigt in seinem „praxisbuch networking – einfach gute beziehungen aufbauen – von adressmanagement bis xing.com„, dass es nicht nur um die digitalen kontakte, sondern vor allen dingen auch die persönlichen, realen geht. dass networking erst einmal nur darauf basiert, seine eigenen kompetenzen, informationen und möglichkeiten anderen anzubieten, ohne den eigenen vorteil im auge zu haben. ein netzwerk wächst, es hat etwas dynamisches, das gepflegt werden muss, aber gleichzeitig auch sozial einbindet.

es gibt heutzutage viele möglichkeiten, sein eigenes netzwerk aufzubauen. im buch wird eine auswahl der möglichkeiten geschildert. es werden ganz praktische tipps gegeben, wie man am angenehmsten auf andere menschen zugeht, was man kommunizieren kann und wie man ein netzwerk pflegt. auch wenn man sich fragen kann, ob das bisherige soziale netz, in dem man gelebt hat, auch ohne einen begriff dafür zu haben, die gleichen konsequenzen hatte, so scheinen manche tipps für das berufsleben hilfreich und heutzutage notwendig. ein blick in die weite welt des networking lohnt sich.

das buch ist 2009 im linde verlag in wien erschienen. ISBN 978-3-7093-0200-2. und noch mehr infos finden sich unter http://www.jeder-ist-unternehmer.de .

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„ich will so werden wie ich bin“ von kitz & tusch – ein buchtipp

das leben scheint anstrengend zu sein. es erscheint immer mehr menschen als stressiges unterfangen, aus dem sie sich nicht mehr zurückziehen können. man erfährt sich in einem hamsterrad gefangen. ist unsere welt so anders geworden oder ist es nur luxus darüber zu jammern, wie anstrengend alles ist?

volker kitz und manuel tusch zeichnen in der ersten hälfte ihres buches „ich will so werden wie ich bin – für selberleber“ ein genaues bild der anmutungen von „außen“, die inzwischen auf alle menschen in unserer gesellschaft einwirken. dabei widmen sich sich vor allen dingen den indirekten zwängen, die oft in widerspruch zu den eigenen bedürfnissen stehen. ganz oben in der liste steht ein leistungszwang, der nicht mehr nur das berufsleben, sondern auch die freizeit und die „selbstverwirklichung“ betrifft.

oft verliert man durch diese mechanismen (eben indirekte zwänge und formen der fremdbestimmung) den kontakt zu sich selbst und seinen subjektiven bedürfnissen. man handelt also gegen die eigenen interessen. das setzt unter druck. getoppt wird das ganze noch durch die inzwischen unendlich scheinenden möglichkeiten, die uns angeboten werden. wir sind gezwungen ständig entscheidungen zu treffen, was wir denn machen wollen, und diese sollten natürlich auch die „richtigen“ entscheidungen sein.

kitz und tusch laden in ihrem buch dazu ein, sich wieder sich selber und seinen bedürfnissen zu zu wenden. das ist eine logische folge der analyse gesellschaftlicher verhältnisse im ersten teil des buchs. die autoren des buches betonen, dass diese veränderung der eigenen lebenssituation nur funktioniert, wenn man dies auch möchte. und sie bieten im zweiten teil des buches techniken an, wie man eine veränderung herbeiführen kann. dabei schlagen sie vor allen dingen techniken aus der systemischen therapie vor, die erst einmal das vorherrschende system verstören, um ein neues aufbauen zu können.

sie führen in einer verständlichen und motivierenden sprache an übungen heran, die helfen, die eigenen bedürfnisse benennen zu können und bieten möglichkeiten an, sich der erfüllung dieser bedürnisse zu widmen. man kann darüber streiten, wie weit dies eine etwas einseitige herangehensweise ist, die vor allen dingen wieder den einzelnen fordert, aber die nötigen gesellschaftlichen veränderungen ignoriert. aber als erster schritt und vor allen dingen kurzfristiger schritt, seine eigene lebenssituation zu verbessern, lohnt es sich, das buch zu lesen.

persönlich finde ich, sollten aber zwei strategien gleichzeitig verfolgt werden: die kurzfristige, mich gegen die zwänge von außen ein stück weit zu verwehren und eigene wege zu gehen. dann aber auch die langfristige, sich für eine veränderung der gesellschaftlichen verhältnisse einzusetzen, die dazu führen, dass wir immer wieder im hamsterrad landen. auf alle fälle ist das buch eine vortreffliche anregung, über das eigene lebenskonzept nachzudenken. es ist im campus verlag 2011 in frankfurt am main erschienen. ISBN 978-3-593-39218-9

„don´t make me think!“ von steve krug – ein buchtipp

homepage, blogs und andere webauftritte werden gemacht, damit möglichst viele menschen einen blick darauf werfen. man geht nicht an die öffentlichkeit, um nicht wahrgenommen zu werden. alle macherInnen von webauftritten freuen sich, wenn sie verlinkt, kommentier, zitiert oder besucht werden. nicht ohne grund werden im hintergrund ständig statistiken geführt, werden weltweit rankings von homepages erhoben und wird die verweildauer festgestellt.

menschen lassen sich im internet auf verschieden arten anlocken. doch im vordergrund steht neben dem inhalt die usability (anwenderfreundlichkeit), die die besucher (user) bindet und weiterlesen lässt. wir menschen sind schon beim layout von zeitungen kritisch, aber laut untersuchungen bei homepages noch viel kritischer und ungeduldiger. baut sich eine seite langsam auf, finde ich nicht die sachen, die mich interessieren, bleibe ich meist auch nicht lang und komme wahrscheinlich nie wieder. das möchte kaum jemand.

schon vor etlichen jahren ist ein buch erschienen, das hilfe gibt bei der gestaltung einer website, um die anwenderfreundlichkeit zu erhöhen. steve krug hat das buch „don´t make me think! – web usability – das intuitive web“ veröffentlicht. und das buch hat, im gegensatz zu den schnellen technischen entwicklungen, nichts an aktualität verloren. wir bewegen uns genaus sprunghaft, unklar und überfliegend durch das große virtuelle netz, wie damals. steve krug greift all die vielen bedürfnisse der user auf und versucht eine grafische und strukturelle umsetzung zur befriedigung der bedürfnisse vorzuschlagen.

da aber auch er nicht sicher weiß, was, welcher besucher auf welcher homepage haben und erleben möchte, bietet er eine vorgehensweise zum testen der usability an, die jeder mensch durchführen kann. es war auch nach beinahe drei jahren intensiver weberfahrung noch einmal spannend, die aspekte der nutzerfreundlichkeit so geballt beschrieben zu bekommen. da schaut man seine eigenen seiten ganz anders an. da fragt man sich noch stärker, was möchten meine leserInnen eigentlich hier finden? und man ändert manches ein wenig.

der autor unterwirft auch das buch der nutzerfreundlichkeit. er formuliert kurz, knapp und sehr verständlich, wie man eine homepage umgestalten kann, damit sie noch angenehmer beim besuch wirkt. blog-software kommt vielen positiven kriterien schon sehr nahe. doch auch hier kann der blick noch intensiver werden. für menschen, die ihren webauftritt für die nutzer interessant machen möchten, kann ich dieses buch nur empfehlen. testen sie ihre vorstellungen einer guten seite bei anderen, sie werden erstaunt sein. die deutschsprachige zweite auflage des buches ist bei redline in heidelberg 2006 erschienen. ISBN 978-3-8266-1595-5

„die schreibfitnessmappe“ von ulrike scheuermann – eine buchankündigung

im märz 2011, erscheint das übungsbuch zu fragen des beruflichen schreibens. ulrike scheuermann hatte vor ungefähr zwei jahren ihr schreibförderndes buch „wer reden kann macht eindruck, wer schreiben kann macht karriere“ veröffentlicht. (die rezension findet sich hier: https://schreibschrift.wordpress.com/2009/05/08/wer-reden-kann-macht-eindruck-wer-schreiben-kann-macht-karriere-ein-buchtipp/ ).

im vorangegangenen buch finden sich schon reichlich tipps und anregungen, wie mit dem schreiben im beruflichen kontext umgegangen werden kann. was mache ich, wenn mir für den bericht gerade nichts einfällt? wie finde ich die angemessene sprache in meinen geschäftlichen mails? wie erzeuge ich in meinem berufsleben einen schreibfluss? diese und viele weitere fragen werden in dem buch behandelt.

doch nun erscheint ein buch, prallvoll mit übungen, anregungen zum praktischen training und beispielen über die umsetzung. das buch „die schreibfitnessmappe: 60 checklisten, beispiele und übungen für alle, die beruflich schreiben.“ lässt erwarten, dass nach dessen lektüre so etwas wie „schreiblust“ (auch im berufsalltag) entstanden ist. dass man sich nicht beständig mit beruflichen texten quält.

weitere informationen und einen ersten einblick erhält man auf der homepage von ulrike scheuermann unter http://www.ulrike-scheuermann.de/pdfs/Flyer_DieSchreibfitnessmappe_Scheuermann_2011.pdf . das buch erscheint im linde verlag in wien. ISBN 978-3-7093-0332-0 . mitte märz wird das buch in berlin präsentiert und vorgestellt. näheres dazu demnächst hier.

„die 50 werkzeuge für gutes schreiben“ von roy peter clark – ein buchtipp

das buch kommt als schlichter ratgeber daher. fünfzig kleine kapitel, in denen jeweils ein aspekt des interessanten, flüssigen und stilistisch angenehmen schreibens behandelt wird. roy peter clark hat in seinem buch „die 50 werkzeuge für gutes schreiben – handbuch für autoren, journalisten & texter“ viele beispiele aus literatur und journalismus zusammengetragen, an denen er seine vorgeschlagenen schreibtechniken oder -werkzeuge aufzeigt.

ja, eigentlich sind es keine werkzeuge, es sind kleine regeln (zum beispiel zum satzbau), es sind anordnungen (zum beispiel in der wörterfolge) oder es sind zeichensetzungen (wobei er mehr freiheiten gibt als die deutsche rechtschreibung). dabei geht es um den rhythmus eines textes. es geht um die lesbarkeit und darum, welche botschaft die wichtigste, die herausragendste ist. hauptziel der 50 werkzeuge ist es, den leserInnen unterhaltsames zu bieten. die menschen beim lesen der eigenen texte zu fesseln, damit sie den wunsch verspüren, weiterzulesen.

die vorschläge für gutes schreiben von roy peter clark sind leicht umzusetzen. und wie er es formuliert: sein buch hält für jede woche des jahres ein neues werkzeug bereit, zwei wochen habe man frei. man kann sich vielleicht auch täglich eines aneignen. sehr angenehm sind die im anschluss eines jeden „werkzeug“-kapitels vorgeschlagenen vier bis fünf übungen, die einem das eben gelesene noch einmal verdeutlichen sollen.

angenehm ist auch, dass der autor seine werkzeuge als möglichkeiten anbietet und nicht formuliert, dass man nicht anders schreiben dürfe. dadurch bleibt das spielerische beim schreiben erhalten. der schwerpunkt liegt dabei auf dem ausdruck des mitzuteilenden, nicht unbedingt auf der kreativität. dies sicherlich auch, da der autor aus der angloamerikanischen journalistenszene kommt. hilfreich sind seine tipps allemal, doch wenn man anders möchte, kann man sie auch jederzeit verwerfen. das buch ist im autorenhaus verlag in berlin 2009 erschienen. ISBN 978-3-86671-031-3

„verirren“ von kathrin passig und aleks scholz – ein buchtipp

wir orten, wir können geortet werden, wir planen autos, die selber ihren weg finden, wir kontaktieren beständig den nächsten sendemasten, wir nutzen gps und umts, wir erstellen routen bei google-maps und schauen uns die reiseziele vorher schon einmal digital an. wir wähnen uns auf der sicheren seite, unseren weg zu finden und das ziel schnellstmöglich zu erreichen.

kathrin passig und aleks scholz machen uns mit ihrem buch „verirren – eine anleitung für anfänger und fortgeschrittene“ einen gehörigen strich durch die rechnung. wir irren uns, wenn wir meinen, uns nicht mehr verirren zu können. wir täuschen uns, wenn wir meinen, alles unter kontrolle zu haben. und das ist schön. die beiden autoren versuchen den vorteil des verirrens herauszuarbeiten. so wie früher das flanieren ein ausdruck des müssiggangs war, so könnte heute das verirren diese rolle einnehmen.

warum nicht einmal alle sicherheiten sausen und sich treiben lassen? die welt wird bunter, man wird aufmerksamer und man entdeckt links und rechts des weges vieles, was man sonst übersehen hätte. ob in metropolen oder landschaften, wir können uns, wenn wir wollen überall verirren. es handelt sich beim absichtlichen verirren um die mutigere aber auch realistischere variante. denn selbst mit allen schutzmechanismen vor dem verirren, geschieht es uns doch. und dann sind wir hilflos, da wir nicht damit gerechnet haben.

viele gehen davon aus, dass man sich heute nicht mehr verirren muss, dass man nur jedes hilfsmittel zu nutzen braucht, um auf der sicheren seite zu sein. sie sind nicht darauf vorbereitet, wenn sie sich einmal verirren. das lässt sie in panik geraten und hat teilweise verheerende auswirkungen. dieses belegen kathrin passig und aleks scholz mit vielen beispielen. und sie geben tipps, wie verirren bewältigt werden kann, wie man eventuell doch noch sein ziel findet, bevor man auf der strecke bleibt.

ein teilweise amüsantes aber auch hilfreiches buch in einer unüberschaulichen welt mit einer großen sicherheitsindustrie, die die angst vor dem verirren nutzt. wer auf entdeckung gehen möchte, findet das buch, wenn ich mich nicht irre bei rowohlt berlin verlag, erschienen 2010. ISBN 978-3-87134-640-8

„das lesikon der visuellen kommunikation“ von juli gudehus – ein buchtipp

nein, es handelt sich um keinen tippfehler, es sollte nicht „lexikon“ heißen, „lesikon“ ist eine schöpfung der autorin. lesikon deutet schon darauf hin, dass viel zu lesen ist, doch erst beim aufschlagen fällt auf, dass nicht ein bild zum thema visuelle kommunikation auftaucht. wenn man nicht anfängt zu lesen, dann mag der erste eindruck abschreckend sein. abgesehen von den 3000 seiten sind die stichworte noch nicht einmal wirklich alphabetisch sortiert.

aber wenn man beginnt, zu lesen, dann begeistert man sich in kürzester zeit für dieses buch, selbst als laie in bezug auf die visuelle kommunikation. das ganze buch ist ein großer spieltempel, ein assoziationskatalog riesigen ausmaßes. am besten verstrickt man sich in das buch gleich neben seinem internetfähigen computer. denn nicht nur die vielen querverweise, der labyrinthische aufbau machen einen unbändigen spaß, zu den meisten begriffserklärungen wird auch noch eine internetseite erwähnt. mal als fundort der beschreibung, mal als verweis auf mehr. dabei kann man seltsame entdeckungen machen. irgendwie scheint das buch wie surfen im lexikon oder cloud-computing in gedruckter form mit digitaler ergänzung.

die autorin juli gudehus hat neun jahre lang zusammengetragen, was auch nur im entferntesten mit visueller kommunikation zu tun hat. und da das ganze leben mit visueller kommunikation zu tun hat, findet sich auch zu beinahe allem etwas. von der ersten minute an kann man sich der sogwirkung „des lexikons der visuellen kommunikation“ nicht entziehen. da es keine übliche lexikalische struktur gibt, sondern das buch im untertitel als collage bezeichnet wird, sollte man es auch so handhaben. in jeder ecke eine kleine anregung. man kann ihr folgen, man kann einfach weiterlesen, man kann querverweise aufsuche oder eben das internet.

also alles in allem ein wälzer der anregungen, sowohl fachlicher als auch kreativer. ja, wenn der aufwand nicht so groß wäre, wünschte man sich noch mehr lesikone, zum beispiel über das schreiben, das hören und schmecken. doch schreibanregungen findet man auch in diesem buch und noch viele anregungen für die eigene werbung. nur für die quellenangaben würde man sich eine kleine leselupe wünschen. das buch ist 2010 im verlag hermann schmidt in mainz erschienen. ISBN 978-3-87439-799-5

p.s.: aufmerksam geworden bin ich auf das buch durch die sendung „druckfrisch“ in der ard. manchmal klappt das doch mit dem bildungsauftrag 😉

„nachtstücke – ein lesebuch“ – ein buchtipp

dies ist kein neues buch, es ist kein aktuelles buch, aber es ist ein buch, das all die gedanken über nacht und dunkelheit versammelt, die der mensch schreibend zu papier bringen kann. die herausgeber hans ulrich hirschfelder und gert nieke haben sich daran gemacht, texte über die lichtlose zeit zwischen sonnenuntergang und -aufgang zusammenzustellen.

heraus gekommen ist das buch „nachtstücke – ein lesebuch„, das eine mixtur aus kurzgeschichte, kurz-kurz-geschichten und gedichten ist. vom dunklen, das angst macht, bis zu geschichten der nachtschwärmer und der liebenden, findet sich alles in dem buch. es ist eine wunderbare anregung über die nacht, über das leben in der nacht zu schreiben, eben auch über die dunklen seiten des lebens.

interessant wäre es auch noch gewesen, zu erfahren, ob die texte in der nacht oder am tag entstanden sind. versammelt in dem buch sind jedenfalls größere (arno schmidt, ingeborg bachmann, peter glaser…) und kleinere namen. auch das macht das buch so angenehm. es geht nicht um die nacht in der weltliteratur, in der deutschen literatur. es geht um den schriftlichen ausdruck über die nacht, und der findet sich in vielen verschiedenen texten. unterbrochen wird die textsammlung durch illustrationen von quint buchholz, die die nacht sichtbar einfangen. ein buch, das einen in nächtliche stimmungen bringen kann.

das buch ist schon 1988 bei suhrkamp in frankfurt am main als taschenbuch erschienen, vielleicht lässt es sich noch antiquarisch erstehen. ISBN 3-518-37987-9

„fuck it!“ von john c. parkin – ein buchtipp

kurz, griffig und direkt ist der titel des buches ein eyecatcher. das f***-wort ohne hemmungen verwendet spricht zum einen die sex-sells-haltung als auch die scheissegal-haltung an. das buch konzentriert sich auf zweitere. doch das würde dem buch nicht gerecht werden. john c. parkin möchte mit seinem buch sehr viel mehr. der vollständige titel lautet: „fuck it! – loslassen entspannen glücklich sein“ und reiht sich in die ratgeber ein, die das leben ein wenig leichter machen wollen.

alles in allem glückt das dem buch. denn es greift den gedanken auf, dass wir uns zwar alle nach bestem wissen und gewissen ohne ende bemühen, doch damit allen lebensbereichen zu viel bedeutung geben. alles was wir heute tun ist bedeutungsvoll und nicht selten weit weg von dem, das wir tun wollen. um sich von all den lebenskompromissen, die man so eingeht, zu verabschieden, empfiehlt parkin ein lautes „fuck it!“ von sich zu geben. oder wie es über einem kapitel geschrieben steht: „wir sagen fuckt it, wenn wir aufhören, dinge zu tun, die wir nicht tun wollen“.

in der folge fordert der autor dazu auf zum beispiel zur „richtigen ernährung“, zu beziehungen, zu krankheiten und schmerz, zu geld, zum wetter, zu selbstkontrolle und disziplin, zur angst oder auch dazu, eine friedliche person zu sein, „fuck it!“ zu sagen. es werden erst all die erwartungen und regeln demontiert, die einen von den wirklich wichtigen dingen abhalten, um dann das loslassen mit diversen entspannungstechniken zu erleichtern. denn der mensch neigt schnell zu schlechtem gewissen, wenn er den vorgegebenen rahmen verlässt. das hindert ihn aber am glücklich sein, so weit sich dies überhaupt verallgemeinern lässt. also tief durchatmen, fuck it sagen, loslassen, annehmen und eben glücklich sein.

das klingt hübsch, eher spielerisch und leichter geschrieben als getan, doch man kann sich den gedanken des autors nicht ganz entziehen. wer kennt nicht die frage: „wozu mache ich das eigentlich alles“? es bleibt eine berechtigte frage, auch wenn sie tagtäglich von vielen menschen gestellt wird. eine alternative kann da sicherlich größere gelassenheit sein. doch es geht eben nicht um die „scheissegal“-haltung, wie oben vermutet. es geht um eine konzentration auf den genuß und auf das, was sich gut anfühlt. na dann, einfach lesen und sich nur nicht zu viele gedanken danach machen. einfach sein 😮 .

das buch ist im ariston verlag, der zu random house gehört, 2010 erschienen. ISBN 978-3-424-20030-0 , homepage: http://www.thefuckitway.com/

„die kunst, frei zu sein“ von tom hodgkinson – ein buchtipp

was für ein hoher anspruch im titel des buches. „frei sein“, eine wendung, die jeder mensch woanders verorten würde. doch es gibt gemeinsamkeiten, die wir in den industrieländern wahrscheinlich teilen, die uns daran hindern, sich frei zu fühlen. ein beispiel ist in den letzten posts angesprochen worden, die zeitknappheit unter der viele leiden. hodgkinson hatte sich in seinem buch „anleitung zum müßiggang“, das hier auch schon vorgestellt wurde, diesem thema gewidmet.

das neue buch von tom hodgkinson, „die kunst, frei zu sein – handbuch für ein schönes leben„, ist die konsequente fortsetzung des vorherigen buches. wenn ich einmal anfange festzustellen, dass mir ständig zeit gestohlen wird, stellt sich unweigerlich die frage, was raubt mir eigentlich diese lebensgrundlage. geht man nun schritt für schritt weiter, bekommt man einen blick für die inzwischen gesellschaftlich verordneten korsetts, denen schwer zu entgehen ist. hodgkinson stellt sich ihnen in seinem buch und versucht sich in einem alternativen leben. das ist nichts neues, „downshifting“, „entschleunigung“ und dergleichen mehr sind schon länger angesagt.

doch hodgkinson geht noch weiter. er schaut genau hin, welche lebenskonzepte ihn beständig einschränken, eigentlich dem zu folgen, was ihm spaß macht und für ihn lebensqualität ausmacht. er findet viele dinge. angefangen bei staatlichen verordnungen, banken und krediten, arbeitsverhältnissen, nahrungsmitteln bis zu schuldbewusstsein und erziehungskonzepten. er versucht sich dagegen zu wehren und wirft bei den schilderungen alternativer möglichkeiten immer einen blick zurück, meist ins mittelalter. denn dort haben seiner ansicht nach und der nach der meinung etlicher historiker, viel entspanntere lebensvorstellungen geherrscht. erst mit dem aufkommen puritanistischer, religiös unterfütterter vorstellungen, legte sich der mensch immer mehr korsetts an.

letztendlich landet der autor bei einem anarchischen lebensprinzip, das möglichst viel freiheit verwirklichen soll, das zwar manche einschränkung fordert dafür aber emotionalen reichtum bietet. teilweise klingt das leichter geschrieben als getan, aber der logik des buches kann man sich schwer entziehen. das buch bedient die vorstellung, dass es ja so nicht für immer weitergehen kann. es bietet anregungen, sich der fremdbestimmung stück für stück zu entziehen, kooperativere und solidarischere lebenskonzepte wieder zu verwirklichen und vor allen dingen wieder mehr spaß zu haben. das buch liest sich flüssig und angenehm und regt auf alle fälle zum weiterdenken an, wenn nicht zum umkrempeln des eigenen lebens. und man kann sich nach der lektüre sicher sein, man ist nicht allein mit dem wunsch nach mehr selbstverfügung über die lebensbedingungen. lesenswert.

das buch ist bei heyne 2009 als taschenbuch in münchen und als hardcover bei rogner & bernhard 2007 in berlin erschienen. ISBN 978-3-453-63004-8 (taschenbuch)

„wie der bauch dem kopf…“ von bas kast – ein buchtipp

wir denken. wir denken die ganze zeit. wir treffen ständig entscheidungen. gerade habe ich die entscheidung getroffen, diesen kleinen text und buchtipp zu schreiben. ich habe entschieden das buch vorstellen zu wollen, habe es vorher gelesen und finde es erwähnenswert. es handelt sich also um eine durchdachte entscheidung. doch noch spannender sind die vielen intuitiven, also unüberlegten und ungeplanten entscheidungen. worauf basieren sie? wie entstehen sie überhaupt? wieso sind sie oft „richtig“? wie viel haben sie mit kreativität zu tun?

diesen fragen wendet sich bas kast in seinem buch „wie der bauch dem kopf hilft – die kraft der intuition“ zu. er greift dabei auf viele studien, untersuchungen, psychologische und neurologische experimente zurück. er versucht, eine erklärung für die trefferquote der intuitiven entscheidungen zu finden. und es gibt sie zuhauf in unserem leben. es scheint so, wie wenn wir viel mehr als bisher vermutet von den eindrücken, die auf unsere sinne einwirken, aufnehmen und abspeichern. sie tummeln sich auf unserer menschlichen festplatte und werden manchmal sehr schnell aktiviert und abgerufen, ohne dass wir darüber nachgedacht haben.

kreativität und kreative menschen schöpfen bei ihren ideen und ausdrücken verstärkt aus dem intuitiven fundus. wenn kreativität dazu dient, bekanntes und erfahrenes, neu zu kombinieren, dann kann dabei natürlich auch auf nicht-bewusst erfahrenes zurückgegriffen werden. das sind dann die erstaunlichen gedanken, mit denen man selber nicht gerechnet hätte. das sind die handlungen und empfindungen, die man sich gar nicht erklären kann, die einem nicht so bewusst sind, die einem aber auch weiterhelfen, ja sogar gutes hervorrufen.

das buch liest sich leicht und angenehm. obwohl auf viele wissenschaftliche erkenntnisse zurückgegriffen wird, ist es sehr verständlich. und es eröffnet den zugang zu einer weiteren dimension des menschlichen handelns. ja, es beschäftigt sich mit den grundlagen der menschlichen kreativität. einzig der starke glaube an die neurowissenschaften ist manchmal ein wenig störend. hier wünscht man sich eine noch etwas kritischere betrachtungsweise. denn die gründe für die ganzen forschungen sind auch nicht uninteressant, ja sie sollen den menschen durchschaubarer machen. schön, dass dies nicht so einfach klappt.

das buch ist in frankfurt 2009 im fischer taschenbuch verlag erschienen und hat die ISBN 978-3-596-17451-5.

„emergenz digitaler öffentlichkeiten“ von stefan münker – ein buchtipp

was ist denn das web 2.0 außer einer interaktiven oberfläche im internet? es ist vielleicht ein medium. aber eigentlich nicht nur eines, sondern es sind viele medien. eine medienplattform, die beinahe alle möglichkeiten bedient. wie unterscheidet sich dieses medium von anderen medien wie radio und fernsehen? was für auswirkungen hat das auf unser soziales miteinander, welche folgen ergeben sich zum beispiel für den journalismus? wie verläuft unsere kommunikation?

diesen und vielen anderen fragen widmet sich das buch von stefan münker, „emergenz digitaler öffentlichkeiten. die sozialen medien im web 2.0.„. der medienwissenschaftler gibt einen historischen überblick hin zum web 2.0. er eröffnet die folgen für unsere gesellschaftlichen kommunikationsstrukturen und befindet sich mit seinem buch auf der höhe der zeit. das buch hat nicht den anspruch, ein letztendliches urteil über die entwicklung zu formulieren. es formuliert einzig, dass man sich dieser entwicklung nicht entziehen kann.

so wie jedes medium, ist die medienplattform web 2.0 in ihren auswüchsen zu kritisieren. doch um kritik üben zu können, muss man sich erst einmal ein bild vom stand er dinge machen. dafür eignet sich das buch wunderbar. es zeigt auf, wie das private öffentlich wird. was es leider nicht aufzeigt, und dies gehört meiner ansicht nach heute zu dieser thematik einfach dazu, ist die frage nach dem datenschutz. denn auch hier unterscheidet sich das internet von allen anderen medien, der rückschluss auf die einzelne person ist sehr einfach geworden. münker beleuchtet zwar die verschiebung der machtverhältnisse, wirft aber kaum einen blick auf den schutz des einzelnen. es geht nicht nur um die umgehung der zensur und die beeinflussung von wahlen durch medien, es geht um die kleinteilige kontrolle des einzelnen.

und doch, das buch fasst beinahe alle entwicklungen verständlich zusammen, so sperrig auch der titel daherkommen mag. wer also einen aktuellen überblick bekommen möchte, dem sei das buch an herz gelegt. es ist im suhrkamp verlag in frankfurt am main in der reihe edition unseld 2009 erschienen. ISBN 978-3-518-26026-5

„schöner wird´s nicht“ von david sedaris – ein buchtipp

heiter weiter, so könnte man die grundlagen des buches von sedaris beschreiben. manchmal darf es auch lektüre sein, die nicht den anspruch zu größeren gedanken anzuregen hat. sie beschreibt nur die absurditäten des alltags, die kleinen neurosen, die wir alle mit uns rumtragen. und sie ist zum brüllen komisch, zumindest für viele menschen, die auch über sich selber lachen können. und die dem an sich ernsthaften leben noch eine witzige seite abgewinnen können.

david sedaris beschreibt, wie auch schon in seinen vorherigen büchern, situationen aus seinem leben. mal sind es längere, mal kürzere geschichten. dabei sind die situationen gar nicht so komisch, es sind die gedanken, die sich der autor dabei macht. und auf den punkt gebracht: „schöner wird´s nicht„. auch wenn die beschreibungen meist recht amüsant sind, schimmert in beinahe jeder geschichte, auch ein ernsthafter gedanke durch. das kennt man von sedaris, es ist kein schenkel-klopf-lachen, das er hervorrufen möchte, es ist ein ach-je-leicht-ist-das-leben-trotzdem-nicht-lachen.

und doch. wenn er zum beispiel beschreibt, wie er eine emotionale bindung zu einer spinne im ferienhaus aufbaut, sie füttert und sie später mit nach paris nimmt, dann liest sich das so skurril, dass man schwer an sich halten kann. oder der bericht darüber, das rauchen mit hilfe eines besuchs in japan und dem damit verbundenen kulturclash zu beenden, das gibt einem einblicke in eine fremde welt. ein buch, das dazu animiert, selber seinen alltag genauer zu beobachten und einen blick auf die eigenen schrägen gedanken zu werfen. man muss es nur notieren und eine angemessene sprache dafür finden. das ist ja ganz leicht 😛 das buch ist im karl blessing verlag in münchen 2008 erschienen. ISBN 978-3-89667-385-5 .

„suchmaschinen“ von david gugerli – ein buchtipp

google-bashing ist ja gerade sehr angesagt. faszinierend, dass dies vor allen dingen aus ecken kommt, die gleichzeitig gegen die geschäftemacherei im internet wettern. spannend auch, dass google vor allen dingen durch die user das wurde, was es heute ist. gäbe es bessere suchmaschinen, würden sie sofort zuhauf genutzt. es gab etliche versuche, aber sie funktionieren nicht mit der gleichen trefferquote. um die trefferquote zu erreichen nutzt google das verhalten der suchenden, nur so kann es sich den suchen annähern. jede ernsthafte suchmaschine wird nicht anders funktionieren können.

denn es gibt eine geschichte der suchmaschinen und vor allen des vorgehens bei der suche. die suche war und ist immer abhängig gewesen von den zur verfügung stehenden daten. diese geschichte und entwicklung macht der autor david gugerli in seinem buch „suchmaschinen. die welt als datenbank.“ an vier klassischen beispielen fest. er zieht dazu bekannte beispiele heran, die auf den ersten blick nicht gleich als suchmaschine zu erkennen sind. den anfang macht die fernsehsendung „was bin ich?“, dann „aktenzeichen xy“, anschließend die rasterfahndung des bka und zum schluss die entwicklung der sql-datenbanken.

man muss nicht mathematiker oder statistiker sein, um das buch zu verstehen. aber man bekommt bei der lektüre einen einblick in die verschiedenen suchbewegungen und die bedeutung von datenbanken. da wird nach dem „normalen“, der devianz, dem muster und der form gesucht. und es wurde gefunden. im vergleich zu heute handelte es sich um wenige daten, die zu verarbeiten waren. dies sieht heute ganz anders aus. und die algorithmen von google leisten dabei erstaunliches. es handelt sich um die konsequente fortführung der suchbewegungen, die in den beispielen des buches schon angelegt sind. dass mit dem finden der gesuchten information auch macht einhergeht, verwundert nach der lektüre überhaupt nicht mehr. bleibt nur die frage, wer die macht in händen halten soll?
das buch ist 2009 im suhrkamp verlag, frankfurt am main, in der edition unseld erschienen. ISBN 978-3-518-26019-7

„am beispiel des hummers“ von david foster wallace – ein buchtipp

es ist ein kleines büchlein, es ist schnell gelesen, doch es hallt nach. der titel erschließt sich zum schluss vollständig und gibt eine wunderbare anregung für eine kreative schreibaufgabe. denn „am beispiel des hummers“ macht david foster wallace die ganze verrohtheit und verlogenheit der welt fest.

eigentlich begibt er sich als autor für ein feinschmeckermagazin auf den weg zum lobster festival in maine, eine fress- und freizeitveranstaltung rund um den hummer. doch während er anfängt, das amüsement der menschen bei dieser großveranstaltung zu beschreiben, rutschen erst in die fussnoten und später in den ganzen text gesellschaftskritische töne. dabei geht es um die sinnhaftigkeit und aufgesetztheit solcher großevents und es geht vor allen dingen um die tierquälerei, die sich mit großer wahrscheinlichkeit hinter der zubereitungsweise von hummer verbirgt.

und plötzlich verstrickt sich der leser in die wortgewaltige anklage an den menschen, der andere kreaturen quält, um seine genusssucht zu befriedigen. ein grandioses stück der entblössung gedankenlosen tuns. und dies alles an dem kleinen beispiel des hummers. hier kommen einem ideen für schreibübungen, wie am beispiel andere einzelner wesen oder gegenstände die gesamte gesellschaft aufgerollt werden kann. werde sicherlich noch einmal darauf zurückkommen. doch erst einmal sei nicht nur allen tierschützern dieses buch ans herz gelegt. diese buch ist im arche literatur verlag in zürich und hamburg 2009 erschienen. ISBN 978-3-7160-2611-3

„ruhm“ von daniel kehlmann – ein buchtipp

kurzgeschichten haben den großen vorteil, dass sie sich schneller lesen lassen als romane und eine unterbrechung des lesens nach einer geschichte, keinen einfluss auf das gesamtverständnis des buches hat. dem ist nicht ganz so in dem buch „ruhm“ von daniel kehlmann, denn es handelt sich um einen „roman in neun geschichten„.

jede geschichte kann ohne schwierigkeiten für sich allein stehen. doch bei genauem lesen fällt auf, dass die geschichten miteinander verknüpft sind. teilweise nur am rande, teilweise durch perspektivwechsel und teilweise durch zeitliche verschiebungen. dabei drehen sich viele geschichten um die schwierigkeiten der menschen, miteinander zu kommunizieren. das buch handelt von missverständnissen, von sprachbarrieren oder von schwierigkeiten auf einer lesetour.

meist beginnen die geschichten mit einer recht profanen angelegenheit, wie es die kurzgeschichte mag, um dann einem höhepunkt zuzusteuern, der an witz und absurdität selten zu wünschen übrig lässt. wenn man sich dann das gesamtnetzwerk der verwobenheit der protagonisten am schluss betrachtet, dann fragt man sich schon, wie eigentlich so viel geredet werden kann, ohne dass es den gewünschten effekt hat. wieviel doch wiederum vom zufall oder von persönlichen stimmungen abhängig ist, ob kommuniziertes zum erfolg führt. und eines lässt sich auch festhalten, die modernen kommunikationsmittel und -formen kommen nicht unbedingt gut dabei weg.

also ein kurzweiliges buch mit gesellschaftlichem tiefgang und humor. es wurde vom rowohlt-verlag in reinbek bei hamburg 2009 veröffentlicht. ISBN 978-3-498-03543-3

„kein schöner land“ von patrick findeis – ein buchtipp

die provinz, im besonderen die schwäbische provinz, hat einen besonderen charme. inzwischen touristisch erschlossen, scheint es, als würde nur gutes essen genossen, geputzt und gewienert und nebenher die landschaft bäuerlich bestellt. dies ist schon lang nicht mehr der fall.

viele mittelständischen betriebe, überalterung der dörfer und abwanderung der jugend, kratzen an der heilen welt der provinziellen idylle. und auch in der vergangenheit gab es die idylle nie. nur der versuch, von den abgründen beim engen zusammenleben, nicht nach außen dringen zu lassen, klappte ganz gut. wer aber in solchen regionen aufgewachsen ist, kann ein lied von tragödien, süchten und langeweile singen.

dieses lied singt der relativ junge autor patrick findeis in seinem buch „kein schöner land“ grandios. er steigt in die tiefen der abgründe und holt sie stück für stück hervor. dabei malt er im laufe des buches ein sittenbild, wie es vielen in provinziellen regionen aufgewachsenen bekannt sein dürfte. dabei scheint es nicht mehr wichtig, ob es sich um die schwäbische provinz oder eine andere in deutschland handelt.

die kleinen und großen privaten tragödien könnten sich auch in einer großstadt zutragen, doch die anderen würden sie nicht so mitbekommen und es böten sich mehr ausweichmöglichkeiten an. auf dem land punker, hippie oder langhaariger zu sein, musste direkter inszeniert werden, um zu überleben. und manch einer, der den absprung nicht schaffte, blieb auf der strecke. wie so etwas geschehen könnte, beschreibt das buch eindringlich. lesenswert. das buch ist bei dva in münchen erschienen. ISBN 978-3-421-04417-4

p.s.: der autor absolvierte sein studium im literaturinstitut in leipzig.

35 buchtipps aus diesem blog

im laufe der zeit habe ich hier manche bücher vorgestellt. diese vorstellungen erheben weder anspruch auf irgendeine vollständigkeit noch sind sie irgendein standard. sie purzelten hier einzig in der reihenfolge des lesens herein. doch hier ein gebündelter überblick, mit den links zu den jeweiligen posts (einfach auf den titel des buchs klicken).

erst lesen, dann schreiben“ herausgegeben von olaf kutzmutz und stephan porombka
mein klassiker – autoren erzählen vom lesen“ herausgegeben von sascha michel, mirjam neusius und lea katharina ostmann
verteidigung des privaten“ von wolfgang sofsky
extrem laut und unglaublich nah“ von jonathan safran foer
stilfibel“ von ludwig reiners
das ende der schublade: die macht der neuen digitalen unordnung“ von david weinberger
66 schreibnächte“ von katrin girgensohn und ramona jakob
die logik der sorge. verlust der aufklärung durch technik und medien“ von bernard stiegler
wege zum ruhm“ von robert gernhardt
stilübungen“ von raymond queneau
das erste buch. schriftsteller über ihr literarisches debüt“ herausgegeben von renatus deckert
reimlexikon“ von willy steputat
absichten und einsichten. texte zum selbstverständnis zeitgenössischer autoren“ herausgegeben von markus krause und stephan speicher
maschinenwinter. wissen, technik, sozialismus. eine streitschrift“ von dietmar dath
schreiben lernen – schreiben lehren“ herausgegeben von josef haslinger und hans-ulrich treichel
der sprung in den papierkorb“ von thomas hürlimann
geflügelte worte“ von georg büchmann
krankheit als metapher – aids und seine metaphern“ von susan sontag
abstrakt negiert ist halb kapiert“ herausgegeben zum 60. geburtstag von morus markard
wie romane entstehen“ von hanns-josef ortheil und klaus siblewski
auf meinen spuren. das entdecken der eigenen lebensgeschichte“ von herbert gudjons, marianne pieper und birgit wagener
schwarzes quadrat“ von max frisch
wer bin ich?“ von rolf dobelli
warum denken traurig macht“ von george steiner
fragebogen“ von max frisch
dinge geregelt kriegen – ohne einen funken selbstdisziplin“ von sascha lobo und karhrin passig
the book of questions“ von pablo neruda
vom leben, vom tod und vom übirgen auch dies und das – frankfurter poetikvorlesungen“ von urs widmer
vergessenheit“ von david foster wallace
unglücklich glücklich“ von eric g. wilson
erinnern, wiederholen, durcharbeiten“ von lutz von werder
wer reden kann, macht eindruck. wer schreiben kann, macht karriere“ von ulrike scheuermann
kopf schlägt kapital“ von günter faltin
die sandwirtschaft“ von uwe tellkamp
raum zum schreiben – creative writing in 200 genialen lektionen“ von bonni goldberg

„raum zum schreiben“ von bonni goldberg – ein buchtipp

der vollständige titel des buchs gibt einen hinweis darauf, was leserInnen erwartet. „raum zum schreiben – creative writing in 200 genialen lektionen„. auch wenn die bezeichnung „genial“ eine sehr weitgehende ist, macht das buch lust auf schreiben. denn es bietet seite für seite eine schreibanregung.

jede anregung wird mit einem kurzen text eingeleitet. dabei werden wirklich die verschiedensten aspekte des schreiben beleuchtet. angefangen bei themen wie „zeit“, „altäre“, oder „autos“ bis zu „körperflüssigkeiten“ bietet das buch viele verschiedene unsortierte anregungen.

wem also die eigenen schreibideen ausgehen sollten und wer hier keine ansprechende im blog findet, dem kann das buch von bonni goldberg sicherlich weiterhelfen. es liest sich locker und vermittelt die begeisterung der autorin für das schreiben. nach den vorbereitenden betrachtungen zum jeweils gewählten schreibthema folgt in kurzen knappen sätzen die eigentliche schreibanregung oder -aufgabe. danach noch ein zitat, passend zum thema und die schreibanregung unterstreichend.

meine empfehlung, einfach durchblättern und sich die anregung rauspicken, die gerade am interessantesten erscheint. dann losschreiben und erst wieder aufhören, wenn sich alles gut anfühlt. das buch ist im autorenhaus verlag, 2004 in berlin erschienen. ISBN 3-932909-45-3

„die sandwirtschaft“ von uwe tellkamp – ein buchtipp

eigentlich gibt es nur ein universitäres institut in deutschland, das den versuch unternimmt, studierende zu schriftstellerInnen auszubilden. dabei handelt es sich um das deutsche literaturinstitut der universität leipzig (ich habe den studiengang hier schon einmal vorgestellt). und wie schon manche andere germanistik- oder schreibpädagogische studiengänge, lädt man sich gern einmal bekanntere schriftstellerInnen ein, um den studierenden etwas über das schreiben zu vermitteln.

die poetikvorlesungen in leipzig wurden vor einiger zeit von uwe tellkamp gehalten, der heute in aller munde wegen seine buches „der turm“ ist. nun wurden die vorlesungen, überlegungen und betrachtungen in dem band „die sandwirtschaft – anmerkungen zu schrift und zeit“ vereint und veröffentlicht. dabei handelt es sich um ein lose sammlung von verschiedenen betrachtungen.

ein teil widmet sich der geschichte und entwicklung der lyrik. uwe tellkamp geht der frage nach, ob lyrik eine aussterbende literaturgattung ist und ob man heute noch etwas schreiben kann, das nicht schon längst geschrieben ist. tellkamp gibt einblick in seine motivation zu schreiben (und regte mich dadurch an, hier über die unausweichlichkeit des schreibens nachzudenken). er betrachtet das werk diverser „klassiker“ der literatur und schreibt über „unbekanntere“ schriftstellerInnen.

eine durch und durch subjektive betrachtung, was dem buch aber keinen abbruch tut, da es einblicke in die gedankenwelt eines recht erfolgreichen schriftstellers gibt. man muss nicht tellkamps vorliebe für die großen epen und lyriker teilen, um ein gefühl dafür zu bekommen, was literatur alles ist und abbildet. das buch ist in der edition suhrkamp, frankfurt am main, 2009 als sonderdruck erschienen. ISBN 978-3-518-06999-8