Schlagwort-Archive: bundestag

schnickschnack (110)

es gibt eine rangliste der dialekte. dabei wird die beliebtheit der regionalen sprachen abgefragt. schwäbisch rangiert in diesem zusammenhang nicht gerade weit oben. doch seltsamerweise erhält das schwäbische im zusammenhang mit humor und satire schnell beliebtheit und fordert zu schenkelklopfern auf. sind es die verniedlichungsformen wie „gäbele“ und „messerle“ oder sind es die grobschlächtigen beschimpfungen und abwertungen, die den dialekt attraktiv machen?

das kann man wunderbar in einer reihe des swr überprüfen. „die welt auf schwäbisch“ für globale völkerverständigung. ausschnitte aus bundestagsdebatten werden „schwäbisiert“. denn eigentlich trifft sich der „sv 49“ im „adler“ in leimerstetten und diskutiert vereinsangelegenheiten. so geht es bei der ersten folge um die frage, ob beim „sommerfescht“ weiterhin spezi ausgeschenkt werden soll oder nur noch sprudel. zu finden ist diese feine diskussion auf youtube unter http://www.youtube.com/watch?v=AzwrkEBbGPk .

inzwischen gibt es noch viele weitere folgen, die man aber leider nirgends gebündelt findet. so muss man bei youtube einfach die suchfunktion „die welt auf schwäbisch“ eingeben und schon eröffnet sich ein bunter strauss an feinster dialektsynchronisation. wer das deutsche vereinswesen schon einmal ausführlich genossen hat und dazu satire benötigt, hier findet er sie. anschauen!

nabelschau (54)

wie politik am rolli scheitert. der rollstuhl ist eine möglichkeit für menschen, die aus körperlichen gründen schwierigkeiten mit der fusslichen fortbewegung haben, die rollende fortbewegung zu nutzen. mit manchen rollstühlen kann man beinahe ebenso überall hinkommen wie ohne rollstuhl – nur nicht in den bundestag. da wird die körperliche verfassung zum hinderungsgrund, an der politik des landes teilzuhaben.

ja, es ist ein langer weg, gebäude rollstuhlgerecht zu gestalten, und manchmal mag es auch kaum möglich sein (aus finanziellen gründen im privaten bereich). aber es hat sich in den letzten jahren einiges getan. doch die veränderungen des öffentlichen lebens gehen immer noch schleppend voran. nun sollte wohl darüber und über andere themen mit rollstuhlfahrerInnen im bundestag diskutiert werden. man rechnete mit wenigen anmeldungen zur diskussion (sind ja rollstuhlfahrer ;-)). doch da der rolli menschen mobil macht, wünschten 100 menschen, an der diskussion teilzunehmen, allesamt fahrend.

das geht nicht, war die reaktion des bundestages. es sind die verwaltungsvorschriften feuerpolizeilicher und anderer art, die es unmöglich machen, das treffen stattfinden zu lassen. wir schaffen es zwar, dem papst die ganze stadt zu räumen, damit er ungestört messen abhalten kann, aber wir schaffen es nicht, 100 rollifahrer in den bundestag zu lassen. faszinierend, wie hilflos parteien am politischen interesse etwas breiterer weggefährten scheitern.

durch die absage an die rollifahrer stellt sich mir eine ganz andere frage. wird eigentlich bei den menschen, die sonst zu gast auf tribünen oder zu diskussionen im plenarsaal sind, der body-mass-index und die gehfähigkeit erfasst? mag doch mancher dicke mensch, ungelenker und hilfloser aus feuerpolizeilicher sicht sein, als viele rollifahrer. und es stünde unserer regierung gut an, ratzfatz baumaßnahmen zu unternehmen, um die auflagen für rollifahrer zu erfüllen. das dürfte man sich schon einmal etwas kosten lassen. oder wo fängt diskriminierung an?

nabelschau (49)

wer entscheidet da was? ja, es gibt eine demokratische legitimation auf vier oder manchmal mehr jahre für staatsregierung nach wahlen. die regierungen dürfen dann im auftrag der bevölkerungen handeln. die legitimation ist bis zur nächsten wahl zeitlich befristet und gewichtige entscheidungen (wie verfassungsänderungen) müssen bei uns mit großen mehrheiten (meist auch mit stimmen der opposition, beschlossen werden. das macht sinn, um vor machtmissbrauch zu schützen.

ebenso wählen wir, wie alle anderen eu-mitglieder auch, ein europäisches parlament, das wiederum zeitlich befristet, entscheidungen auf eu-ebene fällen kann, die auch auswirkungen auf die einzelnen staaten haben können. doch von anfang an, gab es eine parallelwelt, die immer neben dem europäischen parlament agierte, die treffen der staatsführungen und fachminister. das bleibt ein äußerst fragwürdiges konstrukt, da wir bei der bundestagswahl eigentlich zu bundesangelegenheiten entscheiden und bei der eu-wahl zu eu-angelegenheiten.

nun wurde in den letzten monaten immer häufiger auf höchster ebene entschieden, wer wie viel geld für klamme länder zur verfügung stellt. dagegen spricht erst einmal nichts, so lang man nachvollziehen kann, dass die konzepte sinn machen, aber es bleibt das „gschmäckle“, dass das eu-parlament umgangen wird. es gibt eigentlich vom eu-parlament benannte eu-kommissare, die die „regierung“ der eu bilden. doch frau merkel und herr sarkozy haben nun die idee, ein ministerium auf eu-ebene einzurichten, dass an allen demokratischen entscheidungswegen vorbeiführt.

man kann auch so schon das gefühl haben, dass alle vier bis fünf jahre wählen nicht unbedingt demokratische mitsprache ist. deutschland hat nie über die eu-mitgliedschaft abgestimmt im gegensatz zu anderen ländern. es geht mir nicht darum, nationalismen zu verteidigen, eher das gegenteil ist der fall. aber ich möchte, auch als bürger der eu, mitbestimmen können. und möchte einfluss nehmen können, auf die zusammensetzung des eu-parlaments, dass dann gern einen wirtschaftsminister benennen kann. ich möchte jedoch nicht, dass die, die einen großteil der verschuldungen verursacht haben, dass die bestimmen, wer ihr minister wird.

hier wird es ungefähr so, wie wenn ein konzern oder ein verein, seine externen kontrollgremien selbst benennt, und dies am besten auch nur durch die führungsriege der für eine gewisse zeit, beschlussrechte übertragen wurden. nein, das irritiert schon gewaltig. es hieß einmal, dass politikverdrossenheit auch daher rühre, dass zu wenig transparenz herrsche. ja, es sollte mehr transparenz geschaffen werden. und dazu würde mitbestimmung der bevölkerung in solch einem fall gehören und ebenso die offenlegung der tatsächlichen wirtschaftlichen situationen der einzelnen länder. denn bürger kann das schon verstehen, bekommt aber überhaupt nicht mehr die informationen.

interessant, wer da eigentlich was entscheidet. da scheint abnehmendes demokratieverständnis zu herrschen und eine andere politikverdrossenheit.