Schlagwort-Archive: chemie

schreibidee (374)

die naturwissenschaften kommen hier immer zu kurz, abgesehen von den tieren und den pflanzen. dabei gibt es noch so viele andere erkenntnisse und vorstellungen, die sich wunderbar in schreibanregungen einflechten lassen. darum dieses mal der blick auf die chemie und eine schreibanregung zu „molakularen texten“.

nein, es sollen hier keine wissenschaftlichen abhandlungen zur struktur von molekülen und atomen verfasst werden. vielmehr kann man die chemischen sortierungen und strukturen wunderbar für kreative assoziationen verwenden. man nehme zum beispiel für den einstieg das periodensystem der elemente (siehe http://commons.wikimedia.org/wiki/Periodic_table?uselang=de ), man entferne oder verkleinere die elemente, behalte aber die numerierung bei und beschränke sich auf die ersten fünfzig elemente. nun wird in jedes kästchen ein beliebiger begriff notiert. (es können auch begriffe aus vorherigen clustern eingetragen werden).

für die erste schreibanregung werden je nach nummerierung (oder elektronenzahl) worte verwendet, um einen kurzen text zu schreiben. also besteht der erste text zum ersten begriff aus einem wort, der zweite aus zwei, der dritte aus drei. die texte sollen sich auf den eingetragenen begriff beziehen. man kann das spiel noch weiterführen. jetzt werden aus den elementen moleküle gebildet. man nehme zum beispiel h2o, unser wasser. nun wird eine geschichte geschrieben, in der der erste begriff zwei mal auftaucht und der achte begriff einmal. oder wenn man salz nimmt, nacl, dann kann man aus dem 11ten und dem 17ten begriff einen text verfassen. ein wenig umständlich wird das ganze bei kohlenwasserstoff-verbindungen, da der wasserstoff so häufig auftaucht. doch es kann ja jedes element eine moleküls nur einmal verwendet werden.

ebenso kann man die elektronen (also die zahl der worte) dem molekül gemäß kombinieren. noch eine variante kann sein, dass man die symbole für die elemente bestehen lässt und aus ihnen worte bildet, indem man sie an den anfang des wortes setzt. so wird aus gold (au) das auto, aus silber (ag) der agent, aus tellur (te) der tennisball usw.. bei manchen elementen mag dies schwierig sein, bei magnesium (mg), doch hier kann man die regel einführen, dass ein vokal zwischen die buchstaben gesetzt werden darf. auch die so entstandenen worte können wieder zu molekülen (und geschichten) kombiniert werden.

geht man noch einen schritt weiter, dann können aus den eingetragenen worten, neue abkürzungen entstehen, die man zu fantasie-molekülen vereint und daraus geschichten entstehen lässt. oder man erfindet eigene elemente, gibt ihnen namen, schreibt ihnen eigenschaften zu, erschafft eigene moleküle und macht sie zur grundlage von geschichten. wie wäre es zum beispiel mit den „elementen der kreativität“? welche rolle hätten dabei die elektronen? der kreativität sind keine grenzen gesetzt. nach all den kreativen (chemischen) experimenten, werden die texte in der schreibgruppe vorgestellt (einhergehend mit der vorstellung des eigenen periodensystems). in der feedbackrunde wird die halbwertszeit der strahlenden elemente (worte) diskutiert. viel spaß beim experimentieren mit der chemie.

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kreatives schreiben und wasser

im beitrag zum biografischen schreiben und dem wasser habe ich schon einige schreibideen aufgezeigt. beim kreativen schreiben scheint mir „wasser“ unendliche möglichkeiten anzubieten. da wasser so eine enorme bedeutung für uns menschen hat, taucht es auch überall auf. man kann geschichten zu allen aspekten und formen des wassers schreiben.

und doch scheint das wasser immer erst eine form annehmen zu müssen, um es wirklich gefasst zu bekommen. es ist so verwandlungsfähig. im gegensatz zu den elementen wind, erde und feuer scheint die vielfalt beim wasser größer. und um dem ganzen die krone aufzusetzen, ist das schlichte wasser schriftlich ebenso schwer zu fassen wie für die naturwissenschaftler. die gründe für die konsistenz von wasser waren schwer zu entschlüsseln. und warum wasser zum beispiel bei vier grad celsius die grösste dichte hat, warum eis oben schwimmt, warum schneeflocken so auskristallisieren, wie sie kristallisieren, bleibt weiterhin schwer zu erklären.

darum scheint mir das kreative schreiben gefragt, um mit fantasie anstatt mit wasserstoffbrücken, märchen über das wasser zu erfinden. es können nicht nur drei atome sein, die so viel hervorbringen. da muss ein zauber wirken, eben wie frau holle oder eiswesen, da muss es wassergeister und meeresgötter geben. warum schafft es der mond ebbe und flut mit dem wasser zu erschaffen, aber keine kleinen erdhügel oder größere flammen im kamin?

warum kann wasser gestein zerbersten lassen, aber ein stein ins wasser geworfen nur ringe und keine löcher verursachen? warum kann wind wellen verursachen aber wasser keine luft schlucken? warum Weiterlesen

wortklauberei (46)

„analog-käse“

sie schwören noch auf ihr analog-telefon oder ihren röhrenfernseher, sie verweigern sich der digitalisierung der welt, dann dürfte auch „analog-käse“ etwas für sie sein. und doch ist der begriff eher beim telefon missverständlich, denn beim käse, bedeutet er doch: ähnlich; einheitlich; entsprechend; gleichartig; gleichermaßen; komparabel; korrespondierend; parallel; vergleichbar.

beim telefon bezieht sich „analog“ wohl eher auf die übertragungstechnik, beim käse allerdings auf den käse selber, der gar kein käse mehr ist. es sieht aus wie käse, riecht wie käse und schmeckt wie käse. es hat aber mit käse und vor allen dingen seiner produktion nichts mehr gemein. es ist ein laborprodukt, das sich eigentlich wenigstens über den namen unterscheiden sollte. wie wäre es mit „köse“ oder „küse“, wodurch jedem verbraucher der „lebens“mittel klar wird, ich esse keinen käse, sondern ein produkt, das dem käse analog ist.

aber das wäre natürlich zu viel verlangt. eine umbenennung der produkte findet wahrscheinlich erst statt, wenn sie digitalisiert werden. ein wenig erinnert der „analog-käse“ schon an den „replikator“ bei raumschiff enterprise, der alles köstliche digital produzierte. doch bis dies realität wird sollten wir das „analog“ ertragen, so lang wir uns bewusst sind, dass kartoffelchips nicht unbedingt etwas mit kartoffeln zu tun haben müssen, sondern wegen der zellulose auch aus klärschlamm produziert werden können. dass erdbeergeschmack keine erdbeere benötigt, dass fruchstückchen im joghurt zellulosehäufchen sein können, dass schinken ein klebeprodukt sein kann und dass kunstseide weder etwas mit kunst noch mit seide zu tun hat.
übrigens wird schon fleissig daran gearbeitet, analog-menschen zu produzieren. bis jetzt dienen sie nur der schaufensterverschönerung und der sexuellen befriedigung.