Schlagwort-Archive: dadaismus

web 2.74 – UbuWeb – empfehlung, empfehlung!!!

eine perle, eine wirkliche perle im internet. manchmal braucht man eine ganze zeit, bis man seiten im web findet, die vieles von dem, was man empfohlen hat, in den schatten stellt. „ubuweb“ ist so eine homepage, ach was, ein ganzes netzwerk, das formen des möglichen (medialen) ausdrucks bündelt, die man selten im netz sieht.

hier haben menschen vor jahren angefangen, dadaistisches und surrealistisches, erst aus der literatur und sich inzwischen immer weiter ausbreitend, zu sammeln und allen zugänglich zu machen. ihr ziel: avantgarde eine plattform im netz zu bieten. angefangen hat es wohl mit visueller poesie, mit konkreter poesie und mit lautpoesie. inzwischen geht es um viel mehr: filme, musik, „sound“, „conceptual writing“ und vor allen dingen, kostenfreies zur verfügung stellen, ohne werbung und ohne ambitionen, geld zu verdienen. genauer erklärt wird das konzept in den mehrsprachigen „faqs“.

der titel der seite bezieht sich auf das theaterstück „könig ubu“ von alfred jarry, das von surrealisten und dadaisten gefeiert wurde. aber es handelt sich um keine homepage über alfred jarry. man findet dort eher soundcollagen, performances, digitale avantgarde-zeitschriften, eine dokumentation über marshall mcluhan, frühere filme von rosa von praunheim, lesungen als mp3-dateien und vieles mehr.

eine seite zum entdecken und stöbern, die ich allen, die freude am unklaren, schrägen und spielerischen haben, nur empfehlen kann: http://www.ubu.com .

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schreibidee (75)

heute habe ich im buchladen ein wunderbares reclam-heft gefunden, das den anlass für die neue schreibidee gibt. unter der isbn 978-3-15-009890-5 findet man „deutsche unsinnpoesie„. etwas, das vor allen dingen durch joachim ringelnatz sehr bekannt wurde. da nonsens gar nicht so leicht zu produzieren ist, sollte man den einstieg in das thema am besten mit ein paar kleinen beispielen beginnen. Ob von DichterInnen oder von MalerInnen, viele haben sich der „unsinnpoesie“ gewidmet. der dadaismus hat es auf die spitze getrieben, die moderne schuf vermehrt lautgedichte, dem unsinn wurde kreativität gewidmet.

so kann es in einer schreibgruppe hilfreich sein, erst einmal einzelne unsinnige aussagen zu verfassen. wie zum beispiel bei „fahrradöl verfeinerte das aroma des feldsalates“. die aussagen werden gegenseitig vorgestellt. anschließend wählen sich alle teilnehmerInnen ihre lieblingsaussage aus allen getroffenen aussagen aus. daraus wird dann ein gedicht verfasst. wie dies umgesetzt wird, bleibt den schreibenden vollständig überlassen. auch diese gedichte werden gegenseitig vorgetragen.

zum schluss wird noch ein schritt weitergegangen. nun sind alle aufgerufen einen text zu verfassen, der weder sinn noch unsinn enthält. ein text, der erst einmal gar nichts mehr aussagt, obwohl die bedeutung der texte für jeden wieder verschieden sein kann. diese übung bedeutet alles bis jetzt über das kreative schreiben gelernte zu vergessen, den inneren zensor zu ignorieren und sich an unbekanntes wagen. so kann für kurze zeit der dadaismus einzug in die schreibgruppe halten.

kreatives schreiben und nonsens

 

der anspruch im kreativen ausdruck auch viel von sich auszudrücken, besteht natürlich auch oft beim kreativen schreiben. nur zwischendurch kann es einen einmal packen und man hat keine lust tiefen gedanken nachzuhängen. das geschriebene soll nichts audrücken, nichts wiedergeben, ja, noch nicht einmal einen tieferen sinn haben.

der dadaismus ist ein schöner ausdruck für den versuch sinnfreie literatur zu schaffen. obwohl das nicht ganz so stimmt. denn sinnfrei war der ganze versuch nicht. man wollte dem situierten literaturbetrieb etwas bedeutungsfreies entgegensetzen. der dadaismus war eine mischung aus humor, protest und anarchie, im literarischen sinne. und das ist gar nicht so einfach. versuchen sie doch einmal einen wirklich sinnfreien text zu verfassen, also absoluten nonsens. das geht praktisch gar nicht, solang die gebräuchliche sprache verwendet wird.

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