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schreibidee (342)

es gibt noch eine perspektive, die bisher hier nicht beleuchtet wurde. das schreiben ermöglicht es einem, jede entfernung, die man für angemessen hält, einzunehmen. dabei kann man distanz zum geschehen, zum zu beschreibenden objekt oder zu den protagonisten wahren. aber es geht auch andersrum: man kann ganz nah rangehen, man kann sogar so nah rangehen, wie es das menschliche auge überhaupt nicht erfassen kann, nämlich mikroskopisch nah (und zum beispiel einen dialog der mitochondrien einer zelle schreiben). darum eine schreibanregung für „ganz-nah-geschichten“.

im ersten schritt suchen sich die schreibgruppenteilnehmerInnen im raum einen gegenstand aus, den sie auf maximal zwei seiten sehr detailliert beschreiben. dabei sollte die bezeichnung, der name des gegenstands nicht verwendet werden. so nehme man zum beispiel einen füller und finde worte für seine struktur, seine farbe, seinen aufbau, vielleicht auch seinen nutzen. die texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen.

im zweiten schritt nähert man sich seinen mitschreibenden an. es finden sich immer zwei teilnehmerInnen der schreibgruppe zusammen und betrachten sich auch aus der nähe. nun schreiben sie jeweils über die andere person eine darstellung, die den nahen blick zulässt. man kann also auf die struktur der finger schauen, auf die fingernägel, auf die frisur, die kleidung und vieles mehr. diese texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen.

im dritten schritt entwickeln die teilnehmerInnen jeweils protagonistInnen, ebenso auf maximal zwei seiten, die sie ebenso, wie vorher ihre gruppenkollegInnen, detailliert beschreiben. es geht weniger um deren charakter oder lebensgeschichte, sondern um details ihres aussehens. die texte werden nicht in der schreibgruppe vorgetragen.

denn als nächstes wird eine längere geschichte mit den protagonistInnen geschrieben, in die personenbeschreibung mit einfließt. in dieser geschichte sollte aber noch mehr nähe von den autorInnen hergestellt werden. nicht nur das aussehen wird erfasst, sondern die gedanken. wie auf einem seziertisch sollen die gedanken raum finden. die geschichte wird nicht in der ich-form geschrieben, also autorIn und protagonistIn sind nicht eine person. aber die perspektive sollte so nah wie möglich eingenommen werden. die texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt. beim feedback wird der blick auf die herstellung der nähe konzentriert. wie detailliert ist die nähe gelungen? was transportiert in dem text die große nähe?

wenn dann noch zeit vorhanden ist, kann ein kurzes gegenstück zu verfassten „ganz-nah-geschichte“ geschrieben werden. die gleiche handlung wird aus großer distanz noch einmal beschrieben, um den kontrast zwischen beiden formen zu erfassen.

schreibidee (103)

leben zeichnet sich vor allen dingen durch eine komponente aus, die vielfalt. diese reichhaltigkeit spiegelt sich in den arten, in den handlungsmöglichkeiten und in einem beinahen chaos wider. es gibt auf der welt keinen ort, der so aussieht, wie ein anderer. diese vielfalt lässt sich im kreativen schreiben wunderbar nutzen. in dieser schreibidee soll es um eine detailreiche beschreibung der orte gehen. so handelt es sich im endeffekt um „leben-im-detail-texte„.

um einen einstieg in die schreibanregung zu schaffen, sollen von den teilnehmerInnen der schreibgruppe aus dem raum, in dem die gruppe stattfindet, fünf gegenstände notiert werden. anschließend ist ein halbseitiger text zu verfassen, der den raum aus dem blickwinkel der teilnehmerInnen beschreibt. dabei sind die notierten fünf begriffe zu verwenden. diese halbseitige beschreibung wird kurz hintereinander vorgelesen, um einen eindruck davon zu bekommen, wie verschieden ein und derselbe ort beschrieben  werden kann.

anschließend schwärmen die teilnehmerInnen aus. sie wählen sich einen ort im raum, im gebäude, vor der tür oder in der landschaft, den sie beschreiben möchten. sie nehmen sich eine sitzgelegenheit mit. dann haben sie eine festgelegte zeit, um den von ihnen gewählten ort so detailreich und stimmig zu beschreiben wie nur möglich. wenn genug zeit vorhanden ist, dann werden anschließend die ausführlichen texte vorgetragen und die teilnehmerInnen sollten den ort wiederfinden, der beschrieben wurde.

im anschluss können die orte weiter bearbeitet werden, indem eine geschichte verfasst wird, die ein ereignis zwischen zwei personen an diesem ort wiedergibt. diese geschichte wird vorgetragen und es erfolgen feedbacks dazu.