Schlagwort-Archive: ding

kreatives schreiben und vielfalt

es gibt nichts, worüber man im kreativen schreiben nicht schreiben kann. aus jedem atemzug kann eine geschichte, ein text oder ein elfchen gemacht werden. selbst über uhrzeiten, zentimeter oder beton lässt sich schreiben. alles kann zum leben erweckt werden. das ist ein großer vorteil der menschlichen fantasie: wir sind fähig toten, bedeutungslosen und störenden dingen, ein neues kleid zu geben und aus ihnen plötzlich eine handlung mit emotionen oder eine story mit spannung zu machen.

der weg dort hin mag manchmal ein wenig holprig sein, aber eigentlich bietet auch hierfür das kreative schreiben eine vielfalt an techniken. vor allen dingen die assoziationstechniken verknüpfen jedes detail oder jeden gegenstand mit eigenen gedanken. ich muss nur eine sache auswählen, meine gedanken darauf fokussieren und sie dann frei fließen lassen, schon entstehen geschichten. in diesen momenten kann das kreative schreiben einen meditativen charakter bekommen, sich auf eine sache zu konzentrieren den eigenen gedanken dann den nötigen raum geben.

der vorteil besteht darin, dass der stoff für geschichten eigentlich nicht ausgeht. auch wenn der mensch für bestimmte menschliche dramen, happy-ends und konflikte ein faible hat, so ist der ort des geschehens doch austauschbar und sorgt für die jeweils eigene nuance. was machen zum beispiel zwei betonwände, die auf gedeih und verderb nebeneinanderstehen und sich entweder lieben, aber nicht näher kommen können oder sich nicht verstehen und leider nicht gegenseitig ausweichen können? und wie geht es den wänden, wenn das gebäude, das sie tragen, dann gesprengt wird?

es lässt sich also aus jeder sache eine persönliche geschichte machen. jedes detail einer geschichte kann plötzlich eine hauptrolle bekommen und andere details bleiben unerklärt am rand liegen. diese unerschöpfliche vielfalt stellt für schreibende gleichzeitig die krux dar: Weiterlesen

Werbeanzeigen

„drei dinge meines lebens“ – ein ausstellungstipp

ich war bis jetzt nicht in der ausstellung in berlin-neukölln, aber die idee ist eine schöne, die sich auch im biografischen schreiben wunderbar umsetzen lässt. das „museum neukölln“ ( http://www.museum-neukoelln.de ) hat menschen aufgefordert, drei dinge oder gegenstände, die einem im eigenen leben sehr wichtig waren und sind herauszusuchen und zur verfügung zu stellen. anschließend wurden die menschen befragt, welche bedeutung die dinge für sie haben und warum dies so ist. aus den dingen und interviews ist eine kleine ausstellung entstanden, die bis ende dezember besucht werden kann.

diese ausstellung aber auch die idee können eine anregung sein, so etwas einmal entweder für sich auszuprobieren oder in schreibgruppen anzuwenden. es ist wahrscheinlich nicht ganz leicht nur drei dinge auszuwählen, die einem wirklich, wirklich wichtig sind und das eigene leben wiederspiegeln. spannend wird es dann vor allen dingen bei der begründung. warum hat man dieses wandgemälde gewählt und nicht den kochlöffel, mit dem man beständig die leckersten essen für freunde und partnerInnen gekocht hat? warum stammen die gewählten drei dinge alle aus einer zeit, die schon lange vorbei ist und nichts hat bezug zur gegenwart? diese oder andere fragen können sich aus der suche nach den drei dingen meines des lebens ergeben.

und dann lässt sich darüber schreiben. die dinge können beschrieben werden, in die beschreibung kann die eigene lebensgeschichte einfließen. sie können teil einer langen geschichte werden, in der die ereignisse und bedeutungen der dinge nachvollzogen werden. oder man verwendet die dinge ganz anders in geschichten, lässt den persönlichen bezug weg. man kann alle teilnehmerInnen einer schreibgruppe auffordern, jeweils drei dinge des eigenen lebens mitzubringen und alle dürfen anschließend zehn minuten frei über diese dinge erzählen. vieles lässt sich aus bedeutungsvollen (alltags-)gegenständen machen, das die eigene lebensgeschichte wiedergibt. das museum neukölln bietet eine interessante vorlage dafür.

liste (06) – loslassen

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um „loslassen„.

ich möchte folgende dinge loslassen können (der wertigkeit nach):

ich möchte folgende menschen loslassen können (der wertigkeit nach):

ich möchte folgende situationen ignorieren könen (der wertigkeit nach):

das, den, die werde ich nie loslassen/ignorieren können (der wertigkeit nach):

schreibidee (184)

dinge loszulassen hat viele gründe. im post vorher habe ich schon ein paar aufgezählt. es gibt sicherlich noch etliche mehr. und wenn so ein ding öfter losgelassen wurde, dann kann es regelrecht eine geschichte erzählen. sind die dinge wertvoll, wie zum beispiel eine zarenkrone, dann kann ihr weg oft verfolgt werden (obwohl irgendjemand ein ganzes bernsteinzimmer verlor). sind die dinge von geringem wert, dann hat die stunde des kreativen schreibens geschlagen und es können „geschichten zu ebay“ geschrieben.

ideale voraussetzung für diese schreibidee sind ein internetzugang und ein beamer, der das surfen abbildet. denn man besucht mit der schreibgruppe die homepage von „ebay“. entweder über zufälliges würfeln oder andere auswahlkriterien wühlt man sich durch die angebote. bis sich die gruppe auf einen gegenstand geeinigt hat, den sie interessant findet.

als erstes sollte durch die teilnehmerInnen ein genogramm von diesem gegenstand gezeichnet werden. von wem oder was stammt dieser gegenstand ab, wie sehen seine nachfolger aus, mit was ist er verwandt? diese und ähnliche fragen sollen durch das genogramm beantwortet werden. anschließend wird ein cluster zu dem gegenstand erstellt. abschließend sollte am ende des ersten schrittes eine poetische beschreibung des gegenstands stehen. alle beschreibungen werden in der schreibgruppe vorgetragen. es gibt kein feedback.

im zweiten schritt geht es nun um die lebensgeschichte des gegenstands, des dings. hier können die schreibgruppenteilnehmerInnen der sache leben einhauchen. was hat dieser gegenstand erlebt? wie landete er bei ebay? wer versteigert ihn aus welchen gründen? erst einmal sollte eine geschichte von allen teilnehmerInnen zu ein und demselben gegenstand geschrieben werden. danach können sich alle noch einen eigenen gegenstand aussuchen, zu dem sie einfach eine geschichte schreiben. es muss nicht um die lebensgeschichte oder eine detailgenaue beschreibung gehen. das ding kann einfach nur in einer geschichte auftauchen oder eine zentrale rolle spielen.

beide geschichten werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen. es gibt ein ausführliches feedback von allen teilnehmerInnen. und wenn es sich gerade ergibt, können die schreibgruppenteilnehmerInnen entweder gegenseitig dinge austauschen, die sie loslassen wollen oder man plant gemeinsam einen stand auf einem flohmarkt, der den nächsten anlass für eine schreibidee bietet.

web 2.44 – ebay.com

bewohner der industrienationen besitzen viel, viel zu viel. darum wollen sie zwischendurch eine menge loswerden, ja loslassen. manch einer entrümpelt seine wohnung im namen von feng shui, andere sortieren den nachlass, wieder andere lösen eine sammlung auf, um die nächste anzulegen. es gibt viele gründe, weshalb man dinge loswerden will. und es gibt eine webseite, die dies erleichtert.

eigentlich ist sie längst bekannt. zum einen durch den schrott, den sich manch einer im digitalen kaufrausch ersteigert hat, zum anderen durch die kleinen skandale, die bestimmte auktionsware nach sich zog. einer der höhepunkte war wahrscheinlich, als menschen sich selbst versteigern lassen wollten. obwohl natürlich besitz, besitz ist. und die frage berechtigt bleibt, wie weit mensch sich eigentlich selbst besitzt. er darf sich zwar auf dem arbeitsmarkt anbieten, aber nicht auf einer auktionsseite. doch das ist eine andere diskussion.

eigentlich soll „ebay“ hier nur vorgestellt werden, da es ein symbol für das loslassen von dingen ist. früher waren es die sperrmüllsammlungen, die an bestimmten tage im jahr dazu führten, dass menschen loszulassendes auf die straße stellten. der autor dieser zeilen kann ein lied davon singen, welche schätze sich in diesen privathalden fanden. heute ist das alles „retro“. wenn man nur damals platz gehabt hätte, zwischen zu lagern, man wäre dank ebay sicherlich sehr wohlhabend.

ein bisschen durch das digitale auktionshaus surfen und es finden sich bestimmt ein paar schreibideen, nur gleichzeitig zu ersteigern könnte nach hinten losgehen. hier gleich eine kostprobe für eine eine schreibidee. und außerdem kann man sich noch einmal davon überzeugen, was der vorteil des web 2.0 sein könnte, allein anhand der kundenbewertungen. zu finden ist das alles unter: http://www.ebay.de/