Schlagwort-Archive: diskriminierung

liste (125) – klischee

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um das „klischee“.

klischees, denen ich gern unterliege:

die schlimmsten klischees, die ich kenne:

die schönsten klischees, die ich kenne:

was ich am liebsten gegen klischees mache:

menschen, die mit vorurteilen nur so um sich schleudern:

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biografisches schreiben und klischee

eines der schwierigsten unterfangen ist es, sich selber einmal nach vorurteilen abzuklopfen. sie sind vermittelt, sie sind gelernt und sie haben eine funktion: menschen schneller bei der ersten kurzen begegnung einordnen zu können. als wir noch nicht kommunizieren konnten war dies überlebenswichtig: freund oder (fress)feind. doch heutzutage können wir uns in den meisten momenten kundig machen und das freund-feind-schema ist sowieso stark beeinflusst von moden, gesellschaften und politik. also verwenden wir klischees eigentlich nur, um uns die welt ein wenig einfacher zu machen.

der mensch ist so komplex und jeder mensch ist ein individuum mit ganz subjektiven ansichten und verhaltensweisen. um die welt übersichtlicher zu gestalten, sind die „…“ so und so. manchmal kann es sich bei einer solchen form der verallgemeinerung, tatsächlich um den kleinsten gemeinsamen nenner einer gruppe handeln. doch es braucht eigentlich nur einen menschen dieser gruppe, der aus dem schema herausfällt und unsere verallgemeinerung ist auch schon hinfällig. aber den schritt machen wir beim klischee nicht mehr. wir beharren auf unseren aussagen, um die anstrengung der begegnung mit fremden menschen, zu reduzieren. das klischee ist also ein ausdruck von bequemlichkeit.

wann waren wir in unserem leben also zu bequem, um uns mit den menschen, die uns begegnen, auseinanderzusetzen? wen haben wir damit verletzt? wann wurden wir mit klischees zu unserer eigenen person konfrontiert und wie haben wir darauf reagiert? was machten wir, als ein klischee uns gegenüber auch noch zutraf? haben wir uns in unserem leben die zeit genommen, andere menschen kennenzulernen? es gibt viele fragen für das biografische schreiben, die ein wenig unsere eigenen vorurteile oder die konfrontation mit vorurteilen gegenüber uns selber beleuchten können.

da wir aber gerade bei vorurteilen und klischees recht widerständig sind, sie aufzuheben und zu relativieren, könnten man, wenn man über seine eigene lebensgeschichte schreibt, andere menschen, die einem nahestehen, befragen, was sie glauben, welche klischees man Weiterlesen

nabelschau (54)

wie politik am rolli scheitert. der rollstuhl ist eine möglichkeit für menschen, die aus körperlichen gründen schwierigkeiten mit der fusslichen fortbewegung haben, die rollende fortbewegung zu nutzen. mit manchen rollstühlen kann man beinahe ebenso überall hinkommen wie ohne rollstuhl – nur nicht in den bundestag. da wird die körperliche verfassung zum hinderungsgrund, an der politik des landes teilzuhaben.

ja, es ist ein langer weg, gebäude rollstuhlgerecht zu gestalten, und manchmal mag es auch kaum möglich sein (aus finanziellen gründen im privaten bereich). aber es hat sich in den letzten jahren einiges getan. doch die veränderungen des öffentlichen lebens gehen immer noch schleppend voran. nun sollte wohl darüber und über andere themen mit rollstuhlfahrerInnen im bundestag diskutiert werden. man rechnete mit wenigen anmeldungen zur diskussion (sind ja rollstuhlfahrer ;-)). doch da der rolli menschen mobil macht, wünschten 100 menschen, an der diskussion teilzunehmen, allesamt fahrend.

das geht nicht, war die reaktion des bundestages. es sind die verwaltungsvorschriften feuerpolizeilicher und anderer art, die es unmöglich machen, das treffen stattfinden zu lassen. wir schaffen es zwar, dem papst die ganze stadt zu räumen, damit er ungestört messen abhalten kann, aber wir schaffen es nicht, 100 rollifahrer in den bundestag zu lassen. faszinierend, wie hilflos parteien am politischen interesse etwas breiterer weggefährten scheitern.

durch die absage an die rollifahrer stellt sich mir eine ganz andere frage. wird eigentlich bei den menschen, die sonst zu gast auf tribünen oder zu diskussionen im plenarsaal sind, der body-mass-index und die gehfähigkeit erfasst? mag doch mancher dicke mensch, ungelenker und hilfloser aus feuerpolizeilicher sicht sein, als viele rollifahrer. und es stünde unserer regierung gut an, ratzfatz baumaßnahmen zu unternehmen, um die auflagen für rollifahrer zu erfüllen. das dürfte man sich schon einmal etwas kosten lassen. oder wo fängt diskriminierung an?

wortklauberei (55)

„verschwulung des bezirks“

wäre diese beschreibung aus dem munde eines rechten, eines sehr rechten politikers gekommen, wäre die empörung in liberalen und linken kreisen der stadt berlin groß gewesen. es wäre von homophobie, von diskriminierung und beleidigung von minderheiten gesprochen worden. ja, man wäre sich einig gewesen, dass es gute gründe dafür gibt, dass bestimmte kieze der stadt ein rückzugsgebiet für minderheiten darstellen.

doch der ausdruck stammt aus der queeren, transgender und „linken“ welt selber. es wird der kampf gefochten gegen gentrifizierung und diskriminisierung innerhalb von szenen. selbst wenn man diese anliegen und kritiken teilt, wenn man sich selbst eher der linken theorie anhängig fühlt, selbst dann bleibt ein starkes kopfschütteln ob der wortwahl. was soll das? provozieren? es provoziert insoweit, dass es einer sexuellen orientierung unterstellt, dass sie ganze bezirke verändern könnte. oder anders formuliert: das könnte doch das paradies auf erden sein, ein ganzer bezirk schwul. kein erklären mehr, kein verteidigen, keine pöbeleien, keine übergriffe. gut, es wäre gleichzeitig ein gettho, aber es wäre ein ausdruck der ansonsten erlebten anstrengungen, für jeden homosexuellen eine kuschelige parallelwelt. doch davon ist man weit entfernt.

und sprachlich intendiert diese beschreibung noch ganz anderes. es klingt, wie wenn ein bezirk infiziert worden wäre mit einem lästigen übel. so,wie manche menschen über die islamisierung der gesellschaft, die verrohung der sitten oder die vermenschlichung der tiere diskutieren. hier wird unterstellt, es gäbe eine kraft von außen, es gäbe akteure, die einen bezirk schwul machen wollten. und hier wird der begriff schwul wieder in seiner negativen konnotation verwendet. wie wenn man nicht lang genug um die bedeutung der beschimpfung in ihr gegenteil zu verkehren gekämpft hätte. hier wird definitiv wieder eine minderheit vorgeführt, die immer gern vorgeführt wird.

das entlarvende daran ist, dass dieser ausdruck von einrichtungen geprägt wurde, die antidiskriminierend arbeiten. und die wortmacht wird in einem diskurs verwendet, der sowieso fern der realen handlungsgründe von einzelnen subjekten stattfindet, auf einer unrealistischen metaebene. das skurrile daran ist, dass dieser diskurs eigentlich genau das abbildet, was der konkurrenzhafte kapitalismus schon immer produzierte, konkurrenz zwischen den „besseren“ und „schlechteren“ minderheiten und diskriminierten. hier versteigen sich menschen in unmenschliche kritik. man denke bei der wortwahl einfach darüber nach.

nabelschau (30)

ich bin schlecht integriert. und niemand hat etwas dafür getan, mich besser zu integrieren. es lässt sich aufzählen: überfüllter kindergarten, überfüllte schule, nachrüstung, zu langer zivildienst, zu wenige studienplätze, zu volle seminare, zu viele steuern, festhalten an den akws, korruption, bürokratisierung des sozialbereichs … all dies und noch viel mehr, machen es einem schwer, sich dieser gesellschaft vollständig anzuschließen.

schon recht früh kann da der gedanke aufkommen, ich gehöre nicht so richtig dazu, da mir das nicht gefällt. ich bin anders als die anderen. und man konnte es spüren an solchen reaktionen wie, „geh doch nach drüben!“. oder der versuch einen mit aller staatsmacht von der straße zu tragen. ja, es gibt sie, die veröffentlichte mehrheit, die mir widersprach und alles hübsch fand, wie es so ist. erst beim genauen nachzählen stellt sich heraus, dass es sich um gar keine gesellschaftliche mehrheit handelt. denn ganz viele andere sind auch schlecht integriert. sie gehen nicht wählen.

die menschen äußern sich nicht mehr in dieser demokratie bei den vorgesehenen abstimmungen. sie entziehen sich den vorgaben. sie organisieren ihr leben um die hürden herum und sind damit genug beschäftigt. und so haben die, die gesellschaftliche vertreter spielen, regeln gemacht und machen sie immer noch, ab wann ein mensch in „unsere“ gesellschaft gut integriert ist. anscheinend wenn sie einen dicken wagen fahren, dabei radfahrer missachten, da sie gerade ihr kind von der privatschule abholen, in der es die sprache erlernt. und wenn die kleinen die sprache dann richtig können, dann dürfen sie sich zur kaste der integrierten vertreter zählen.

man könnte es auch anders sehen. integriert in ein soziales netz ist jemand, wenn er ein auskommen mit anderen findet. wenn in dieser gemeinschaft gegenseitige unterstützung funktioniert, ganz gleich in welcher sprache. wenn auf die schwachen rücksicht genommen wird, wenn solidarität eine wichtige gemeinsamkeit ist. wenn niemand ausgeschlossen und diskriminiert wird. ja eben, wenn das soziale netz funktioniert. das tut es bei uns schon lange nicht mehr. die menschen werfen sich gegenseitig beständig „egoismus“ vor. dabei lernen sie doch gerade wieder, jeder muss hier seines glückes schmied sein, also für sich allein sorgen und kämpfen. doch diese haltung fällt nicht vom himmel: sie wird gefördert und gefordert. da bin ich einfach schlecht integriert.

herr kauder und das kindeswohl – ein kommentar

hier schon öfter thematisiert, die alltägliche diskriminierung von homosexuellen hat mal wieder unterstützung aus höchsten kreisen bekommen. auch wenn dies eventuell nur wahlkampfgeplänkel ist, ist es eine unverschämtheit, was schwulen und lesbischen paaren vom franktionsvorsitzenden der cdu unterstellt wird. so äußerte er, als eine studie belegte, dass kinder die bei homosexuellen paaren aufwachsen keine nachteile haben (allein die forschungsfrage ist eigentlich eine frechheit), „es geht bei dem vorschlag allein um die selbstverwirklichung von lesben und schwulen und nicht um das wohl des kindes“ (sz von heute s.1). bei dem vorschlag handelt es sich um die idee, das gleiche adoptionsrecht für homosexuelle paare anzuwenden, wie für heterosexuelle paare.

laut herrn kauder gebe es auch andere wissenschaftliche erkenntnisse. die möge er bitte einmal benennen, dann kann man sich weiter darüber auseinandersetzen. unsereinem wären diese nicht bekannt. eher das gegenteil: schon vor über zwanzig jahren wurde eine ähnliche studie in den usa durchgeführt und kam zum gleichen ergebnis, also in einer zeit, als homosexualität noch viel umstrittener war. aber darum geht es überhaupt nicht, es geht um die unterstellung, dass der adoptierende homosexuelle per se ein egozentrischer ist, im gegensatz zum adoptierenden heterosexuellen, der nichts anderes als das kindeswohl im blick habe und wahrscheinlich aufgrund seiner sexuellen orientierung prädestiniert ist, kinder aufzuziehen.

nun könnte man den spieß natürlich umdrehen und einmal fragen, wie es passieren kann, wenn der heterosexuelle mensch so um das kindeswohl bemüht ist, dass es zu komasaufenden jugendlichen, zu amokläufen und zu vernachlässigten kindern kommt? wie geht es an, dass in schulen gemobbt wird? könnte es sein, dass diese kinder und jugendlichen dem schlechten einfluss von homosexuellen ausgesetzt sind? ja, die logische konsequenz wäre eine homosexuelle bewegung, die nichts anderes zum ziel hat, als die gesellschaft zu zersetzen. was ein glück, dass sich inzwischen etliche schwule und lesben in der cdu tummeln, lange wird es mit der partei also nicht mehr gutgehen :mrgreen:

schnickschnack (74)

wochenende, die erste. das kommende wochenende bietet in berlin den beginn der alljährlichen pride-week mit dem lesbischschwulen strassenfest. eigentlich einmal als antidiskriminierungsprojekt gestartet, hat sich die veranstaltung über die jahre zu einem typischen berliner strassenfest entwickelt.

aber ein paar abweichungen sind dennoch weiterhin bemerkbar. so stellen sich zwischen diversen getränke- und essensständen die meisten einrichtungen des lesbisch-schwulen lebens berlins mit infoständen vor. und es versammeln sich an zwei tagen, also am 20ten und 21ten juni neben dem nollendorfplatz hunderttausende schwule und lesben ebenso wie menschen, die keine berührungsängste mit homosexuellen menschen haben.

das war eigentlich einmal das ziel des strassenfestes, die community mit den anwohnern in kontakt zu bringen. in vielen zusammenhängen hat dies erstaunlich gut funktioniert. also ein grund diese veranstaltung weiter durchzuführen. einmal im jahr in irgendeiner weise sich selbst zu feiern und zu zeigen. mehr infos finden sich hier: http://www.regenbogenfonds.de/index_d.php .

was zwei sich küssende männer heute noch auslösen können – irgendwie eine nabelschau

eigentlich freut es einen kleinen blogger, wenn er mit dem magazin der süddeutschen zeitung verlinkt wird. wäre der anlass nicht so traurig. das sz-magazin brachte vor zwei wochen in seiner geschichte das erste mal ein titelbild mit zwei sich küssenden älteren männern. im heft gab es ein interview mit den beiden seit 40 jahren zusammenlebenden schwulen. anscheinend waren die reaktionen von teilen der leserschaft so intolerant, dass das magazin manche dieser äußerungen auf seiner homepage zitiert und im gleichen atemzug positive reaktionen veröffentlicht, darunter auch diesen blog.

auch wenn es nur ein paar zitierte intolerante reaktionen sind, sie zeigen, wie es auch heute noch vielen homosexuellen und vor allen dingen schwulen geht. mal wieder diese aussage, es sei „eklig“ zwei männer zu sehen, die sich küssen. psychologisch betrachtet hat „ekel“ viel mit angst zu tun, nur wovor? davor, dass sich zwei menschen lieben? sehen wir lieber bilder, wie sich zwei menschen gegenseitig umbringen, übrigens auch oft männer? erst einmal ist doch ein mensch ein mensch und nur ein mensch. und der eine ist nicht mehr oder weniger wert als der andere. ein leser bemerkt sogar noch (stolz?), dass dies seit 37 jahren sein erster leserbrief sei. was lösen nur zwei sich küssende männer für tiefgreifende reaktionen aus?

die andere, auch oft gehörte reaktion zum beispiel bei schulaufklärungsveranstaltungen, lautet: muss man das denn auch noch zeigen? es würden ja schon so viele homosexuelle gezeigt. ja, man muss es so lange zeigen bis es nichts besonderes mehr ist. denn homosexualität kommt in den besten familien vor, ist eine lebensäußerung von menschen und muss sich nicht verstecken (obwohl viele lesbische und schwulen paare dies auf der straße immer noch tun). darum ist es dem sz-magazin auch hoch anzurechnen, dass es dieses titelbild druckte. denn die reaktionen sind ähnlich, wie in den 80ern, als der film „die konsequenz“ ausgestrahlt wurde, oder als in den 90ern in der „lindenstraße“ der erste kuss zwischen zwei männern gezeigt wurde. man kann ganze bücher mit den empörten reaktionen füllen.

jetzt fehlt nur noch ein „homosexuellen“-heft, nachdem das magazin schon regelmäßig „männer“- und „frauen“-hefte veröffentlicht. doch eigentlich sind wir ja männer, also mal ein schwules männer-heft. die macher können sich sicher sein, ihre telefone werden nicht mehr stillstehen. und es werden sich hauptsächlich empörte männer melden.
zu finden sind die reaktionen zum sz-magazin hier: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/29546 und das post in diesem blog ist hier: https://schreibschrift.wordpress.com/2009/05/23/biografisches-schreiben-und-diskriminierung-2/  .

schnickschnack (72)

die homophobie ist ein großes thema, zumindest in berlin. dabei geht es um die täglichen diskriminierungen und weiterhin häufigen angriffe auf homosexuelle (meist männlich) sowohl verbal als auch teilweise körperlich gewaltätig. es gibt etliche versuche, aufzuklären, zu integrieren und zu unterstützen, wenn man gewalt erlebt hat. doch nur recht langsam formiert sich eine haltung der homosexuellen, dass sie einmal die faxen dicke haben und frei ihre meinung sagen, dass sie es sich nicht mehr gefallen lassen wollen, von allen seiten angegriffen zu werden, nur weil sie sind, wie sie sind.

als ansonsten recht friedliebende menschen, geschieht dies nicht körperlich (niemand geht heteros klatschen, was ja auch bedeuten würde, dass gleiches mit gleichem beantwortet würde). aber verbal kann man mal formulieren, was man von der ständigen diskriminierung hält. ein sehr schönes beispiel kann man aus frankreich bei youtube finden. der text ist schlicht, die musik nett, und doch kann man ein wenig humor bei diesem ernsten thema nicht verleugnen. es dürfte davon mehr beispiele geben. zu finden ist das musikfilmchen zum internationalen tag gegen homophobie unter: http://www.youtube.com/watch?v=UV26OMSb_VQ&feature=related .

biografisches schreiben und diskriminierung (2)

eine wunderbare, da sich beständig verbessernde lebenssituation schildert ein interview im magazin der süddeutschen zeitung vom letzten freitag. dabei handelt es sich um ein gepräch mit einem schwulen paar, das über 40 jahre ein paar ist und nun vor zehn jahren heiraten durfte. auch wenn es seltsam ist, dass schwule paare viel häufiger in den medien auftauchen seitdem sie sich verpartnern dürfen und man dahinter schon wieder diskriminierung vermuten könnte (vielleicht aber auch eine verbesserung des gesellschaftlichen klimas).

doch das interview widerspricht eindeutig dieser vermutung. denn zur freude der leserInnen sind die beiden kritische beobachter einer gesellschaftlichen entwicklung. sie schildern was sie alles ertragen mussten, bis sie ihre ihr liebe überhaupt so leben konnten, wie sie wollten. sie beschreiben, wie schwer es fiel, sich öffentlich zu küssen und das wort „schwul“ auszusprechen. das ist sicherlich die erschütterndste erfahrung nach jahrzehntelanger diskriminierung. die schwierigkeit, sich an die verbesserte lebenssituation zu gewöhnen. viele schwule, die die beobachtungen und verurteilungen durch den § 175 noch erlebt haben oder die beobachtung durch die stasi im osten, brauchen eine menge zeit, um im alter die freiheiten zu nutzen, die ihnen zustehen.

und es gibt ein happyend, auch wenn man dabei den kontakt zur eigenen familie verloren hat. das schmerzt aber wird durch das gemeinsame glück der beziehung gemildert. zu lesen ist das interview unter: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/29355

biografisches schreiben und diskriminierung (1)

gesellschaften, auch so genannte „demokratische“ (hoch lebe das grundgesetz) sind oft alles andere als tolerant. das bedeutet, dass es aufgabe von grundgesetzen und verfassungsgerichten ist, minderheiten zur seite zu springen und sie zu schützen, gerade wenn es darum geht, dass erst einmal alle menschen gleichberechtigt behandelt werden. man muss zugestehen, dass deutschland in diesem zusammenhang, auch als folge der 68er, manche verbesserung erfahren hat.

doch etliche bewohner dieses landes haben im laufe ihrer biografie oder lebensgeschichte, erfahren, was es bedeutet zu einer minderheit zu gehören. sie sind im laufe ihres lebens oft genug diskriminiert worden, soll heißen, sie wurden beschimpft, verleumdet, ungerecht behandelt und vieles mehr bis zu tätlichen übergriffen. die betrifft und betraf so genannte „gastarbeiter“, migrantInnen, frauen (die gar keine minderheit darstellen), behinderte, schwule, lesben, alte menschen (die bald auch keine minderheit mehr darstellen) und teilweise kinder und jugendliche.

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suchmaschinen und das wort „schwul“ – ein nachtrag zur alltäglichen diskriminierung

 

je mehr man recherchiert, desto skurriler wird die situation um das wort „schwul„. es steht bei manchen suchmaschinen wirklich auf dem index.

so wird, wie beim letzten beitrag schon erwähnt, bei „excite„, ein produkt der IAC Corp., bei der suche nach „schwul“, eine seite aufgerufen, die darauf aufmerksam macht, dass es sich um jugendgefährdende seiten handeln könne, und man muss anklicken, dass man erwachsen ist. der betreiber der seite kommt aus den usa. gibt man also den begriff „gay“ ein, ergibt sich dieses problem nicht. bei lesbisch übrigens auch nicht.

eine stufe schärfer wird es dann bei „lycos“ und „hotbot„. beide suchmaschinen gehören zur Lycos Europe GmbH, die wiederum zur Bertelsmann AG in gütersloh gehört. gibt man bei beiden suchmaschinen den begriff „schwul“ ein bekommt man folgende information: „ihre suche nach „schwul“ ergab leider keine treffer„. doch nicht genug damit, über dieser aussage prangt folgende werbung: „Lycos Services – Boys und Männer: Knackige Bilder und Fotos kostenlos bei Lycos! – Süße Boys, ganze Kerle und jede Menge Haut im Großformat: Da macht das Hinschauen Spaß!„.

also ein anderer versuch. als verantwortlicher für den jugendbereich in einem schwulen beratungszentrum suchte ich nach „schwule jugendgruppe“. es gab bis auf eine keine gefundene jugendgruppe für schwule. keine ahnung wie sie es dort reingeschafft hat zwischen „Insight – Jugendgruppe der ChristusKirche Dortmund, Baptisten“ und „Münchener Mineralienfreunde e.V. – Jugendgruppe„. also andersrum, ich suchte nach „lesbische jugendgruppe“. und plötzlich tauchen sie alle auf, zumindest die jugendgruppen, die sich als „schwullesbisch“ bezeichnen. auch der begriff „schwullesbisch“ verursacht keine probleme. was ist das? übrigens besteht bei der suche nach schwulen jugendgruppen wiederum keine hemmung, oberhalb und unterhalb der nicht-funde werbung für schwule kontaktbörsen und modelabels zu platzieren.

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suchmaschinen und das wort „schwul“ – ein kommentar zur alltäglichen diskriminierung

suchmaschinen sollen daten suchen. deshalb heißen sie suchmaschinen. was suchmaschinen eigentlich nicht sollen, ist moralische bewertungen vornehmen. doch das tun sie. und der benutzer dieser suchmaschinen fragt sich, wo manches internetangebot hin ist.

also begab ich mich heute für meine masterarbeit in viele suchmaschinen um die platzierung dieses blogs aber auch meiner schreibgruppen für schwule ein wenig zu testen. zu diesem zwecke habe ich einfach die begriffe „schreiben“ und „schwul“ eingegeben. google fand dann direkt an zweiter stelle den beitrag in diesem blog zu dem biografischen schreiben für schwule. hier war also noch alles in ordnung.

doch bei „hotbot“ und „lycos“ suchten die maschinen erst einmal nur den begriff „schreiben“. ich schaute auf meine eingabe im suchfenster und stellte fest, es waren beide begriffe eingetragen. also ging ich zur spezialistensuche und gab an, es sollten beide begriffe im text enthalten sein. schwupp kam ich an zweiter stelle mit meinen schreibgruppen. naiv wie ich bin, dachte ich, die suchmaschinen funktionieren einfach anders, die suchen erst nur einen begriff und gab „schreiben“ und „biografie“ ein. wollte ich doch die probe machen. sofort wurden mir die artikel mit beiden begriffen angezeigt.

das wort „schwul“ steht bei beiden auf dem index. dafür gibt mir eine der suchmaschinen (lycos) noch den hilfreichen hinweis, ich solle doch unter „sex“ suchen. das wollte ich aber gar nicht.

eine stufe schärfer wird es bei der suchmaschine „excite„. wenn ich dort „schreiben“ und „schwul“ eingebe, dann werde ich nach mehrmaligem IP-Adressen-Wechsel in der symbolleiste gefragt, ob ich die seiten für erwachsene (also die adult-content-seite) sehen möchte oder nicht. will ich sie sehen, landet der hinweis auf meine schreibgruppen auf platz eins. jetzt ist die eine schreibgruppe aber vor allen dingen für schwule jugendliche. was soll das???

natürlich bin ich doch nicht so dumm, arbeite ja in einer beratungsstelle für schwule, die sich auch für die emanzipation einsetzt, ich weiß sehr genau, was das soll.

hier werden willentlich informationen vorenthalten, nur weil es in den verklemmten köpfen mancher erwachsener immer noch die vorstellung gibt, dass allein die mentale berührung mit dem wort schwul etwas verwerfliches sein muss. so haben sie eben mal schnell in vorauseilendem gehorsam und in moralischer übergriffigkeit den begriff auf den index gesetzt. in diesem moment sind sie keinen deut besser als die rufer von „schwuler sau“. und sie haben, was noch viel schlimmer ist, keine ahnung von emanzipation. ja, schwul war ein schimpfwort, und es wurde ins gegenteil verwandelt. man bezeichnete sich als homosexueller selbst als schwul, und war stolz darauf. wie sagte der regierende bürgermeister der stadt in der ich lebe? „ich bin schwul und das ist auch gut so!“ man wird ihn in den suchmaschinen nicht finden, wenn man „schwul“ und „bürgermeister“ eingibt, man wird nur lauter bürgermeister finden. 😡

am allerschlimmsten ist die tatsache, dass selbst bei den betreibern von suchmaschinen die meinung vorherrscht, dass wer mit schwul in berührung kommt, anscheinend selber schwul wird, denn sonst müsste man jugendliche nicht davor schützen. und so ist schwul was ansteckendes und schlechtes.

soviel zur freien information im freien internet. 😯

p.s.: gibt man übrigens „schreiben“ und „hetero“ ein, suchen die suchmaschinen wie erwartet. 🙄