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wissenschaftliches schreiben und klischee

generationen von wissenschaftlerInnen, studentInnen und doktorandInnen tragen das klischee weiter, dass wissenschaftliches schreiben vor allen dingen eines sei: anstrengend! schaut man genau hin, dann löst sich auch dieses klischee auf, wie es andere klischees auch tun, wenn man sie genauer betrachtet. es ist nicht das wissenschaftliche schreiben, das anstrengend ist, es ist der kontext, der es so anstrengend macht. das eigentliche schreiben könnte als leicht im gegensatz zu literarischer arbeit gesehen werden, da viele stilistische und strukturelle vorgaben herrschen, die einem den weg des wissenschaftlichen schreibens vorzeichnen.

anstrengend macht das wissenschaftliche schreiben zum beispiel die aussage, dass wissenschaftliches schreiben anstrengend sei. geht jemand unbedarft daran, einen wissenschaftlichen text zu verfassen, dann melden sich schnell mahnende stimmen – seltener von außen, häufiger von innen. da ist der gedanke an die bewertung – es muss eine gute abschlussnote werden, die zukünftige existenz ist davon abhängig. es muss eine so saubere argumentation sein, damit möglichst kein widerspruch von außen aufkommen kann. es muss der hierarchische weg des wissenschaftslebens eingehalten werden – vorgesetzte sollten zitiert und in die betrachtungen einbezogen werden. es muss der richtige zeilenabstand, die richtige zitierweise, das korrekte forschungssetting mit angemessener auswertung, die zurückstellung von eigenen kommentaren und vorstellungen sein. und heute muss es vor allen dingen das korrekte einhalten der bearbeitungszeit und der geforderten seitenzahl sein.

dies alles sind aspekte, die das wissenschaftliche schreiben in ein korsett zwängen, das mit dem forschenden geist nicht mehr viel zu tun hat. es ist schule geworden, bis in die Weiterlesen

web 2.0 und arbeit

der diskurs über die leistungen, die im web 2.0 erbracht werden, ist sehr interessant. da verlaufen diverse argumentationsstränge in- und gegeneinander. auf der einen seite soll das urheberrecht geschützt werden. das geht so weit, dass die gema musikvideos über youtube sperren lässt, die die musiker selbst auf ihre homepage gestellt haben (siehe „adele“ und ihre ersten vier videos). dann gibt es aber die verheissungen des großen und schnellen geldes durch zugriffszahlen und werbung – und damit einhergehend der verkauf von sozialen netzwerken oder der börsengang (und die überraschung, dass das nicht so leicht klappt wie man dachte). und dann gibt es da die stetig geleistete denkarbeit, die nicht entlohnt wird, obwohl sie das netz in vielen bereichen erst so attraktiv macht.

hier unterscheidet sich das web 2.0 vom sonstigen medienkonsum – es lebt erst von den beiträgen der user und nicht allein von den beiträgen der programmierer oder den angebotenen speicherkapazitäten. so würde facebook klaglos untergehen, wenn es nicht beständig von allen mitgliedern gefüttert werden würde. gleiches gilt für twitter, pinterest, sogar die suchmaschinen hätten nicht so eine gute trefferquote, wenn die user nicht allen beiträgen und webseiten die entsprechenden stichworte geben würden. dadurch entsteht eigentlich ein symbiotisches zusammenspiel zwischen technischer und inhaltlicher arbeit. wenn da nicht, ja wenn da nicht dem kreislauf einseitig geld abgeschöpft werden sollte.

würde man einmal die aufgewendete arbeitszeit für blogs, twitter, fotoplattformen, info-seiten, open-source-produkte und vieles mehr zusammenrechnen, dann entsteht eine größe unentgeltlich geleisteter arbeit, die nie zu entlohnen wäre. gleichzeitig werden die früchte dieser arbeit als vorteil des internets propagiert. fordern jedoch die unentgeltlich arbeitenden ein, dass manche zugänge nicht einfach versperrt werden, dann entbrennt ein streit um urheberrechte. um es auf eine gerechte ebene zu bekommen: entweder werden alle arbeiten entlohnt (und dann gehört auch so etwas wie wikipedia dazu) oder man etabliert eine form von tauschhandel.

man könnte auch ein prinzip etablieren, das über die nutzung des mediums, also die zugangsgebühren finanziert wird. dies muss nicht unbedingt eine teuerung bedeuten. es könnten auch leistungen im web verrechnet werden mit der Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und arbeit

wissenschaftliches schreiben wird mit großer wahrscheinlichkeit wie das schreiben von geschäftstexten eher als arbeit empfunden als biografisches oder kreatives schreiben. dabei unterscheiden sich die eigentlichen schreibprozesse nicht groß voneinander. abgesehen davon widmet man sich in den wissenschaften und in der forschung meist themenbereichen, die einen interessieren, die einem spass machen. also auch in der grundhaltung ist kaum ein unterschied zum biografischen und kreativen schreiben zu entdecken. woran also liegt der große unterschied im subjektiven empfinden, dass das eine als arbeit und das andere als vergnügen betrachtet wird?

ich kann hier nur vermutungen anstellen, die auf äußerungen von schreibenden basieren: es liegt am korsett des wissenschaftlichen schreibens. neben rechtschreibung und grammatik herrschen viel mehr konventionen beim verfassen eines wissenschaftlichen textes. auch dies wäre wahrscheinlich noch nicht allein das problem, denn bei manchen formen der lyrik oder auch der prosa gibt es auch enge grenzen und strenge regeln. was vielen menschen beim wissenschaftlichen schreiben fehlt, ist die möglichkeit eine persönliche haltung einfließen zu lassen.

wenn man sich längere zeit mit einem forschungsgebiet beschäftigt, bildet man sich eine meinung dazu. und man erweitert, differenziert seine haltung stetig beim lesen weiterer wissenschaftlicher texte und ergebnisse. beim forschen führt man einen ständigen inneren diskurs, der teilweise bei kongressen oder colloquien auch zu einem äußeren diskurs wird. doch dieser diskurs ist in schriftlichen wissenschaftlichen arbeiten oft nur am schluss platziert. eine vorstellung von übergeordneter objekivität in veröffentlichungen verhindert eine persönliche positionierung. das, was im mündlichen diskurs stattfinden darf, findet im schriftlichen erst einmal keinen platz.

es ist anstrengend sich zurückzuhalten. wenn man zum beispiel abschlussarbeiten korrektur liest, stellt man fest, dass in kleinen formulierungen die persönliche meinung durchschimmert und man muss die schreibenden darauf aufmerksam machen, dass sie sich kundig machen sollten, ob ihre gutachterInnen persönliche haltungen im text akzeptieren. ich möchte hier kurz die lanze für eine persönliche positionierung auch bei abschlussarbeiten brechen. die vorstellung „echte“ wissenschaft sei erst einmal objektiv, da sie auf logik, mathematik, unbeeinflusste messungen und mehr basieren, ist fragwürdig. auf der wissenschaftstheoretischen ebene gibt es seit jahrzehnten einen diskurs, wie objektiv oder subjektiv unsere forschungen die welt erfassen. auch die als gut erfassbar erscheinenden naturwissenschaften (da man so viel messen kann) kommen da inzwischen an punkte (letztes schönes beispiel – das higgs-teilchen), wo sich die frage stellt, ob die untersuchungsanordnung das ergebnis Weiterlesen

nabelschau (69)

an männern darf man rumschnippeln. gesellschaften ändern sich, kulturen entwickeln sich und neue gedanken kommen auf. dazu gehört bei uns zum beispiel, dass wir stücke für stück einen neuen bezug zum körper hergestellt haben. (manchmal äußert sich dies in einer form des gesundheitsfanatismus, manchmal wird aber auch nur durch juristischen schutz). so sieht unser strafrecht nicht mehr vor, bestrafungen durch die entfernung von körperteilen oder körperliche züchtigungen umzusetzen. wer diese entwicklung nachvollziehen möchte, dem sei foucault ans herz gelegt.

kommt jedoch der glaube ins spiel, verlieren wir teilweise unsere eigenen haltungen aus den augen. die bundesregierung besonders schnell. kaum äußert sich kritik an dem kölner urteil, das die beschneidung von jungen männern als körperverletzung einordnet und untersagt, da erklärt die bundesregierung, dass die religionsfreiheit gewahrt bleiben müsse und nimmt künftige rechtliche entscheidungen schon einmal vorweg. mit welchem recht?

wir sind uns einig, dass das einschnüren von frauenfüssen in der asiatischen welt ebenso eine problematische sache ist, wie die magersucht von modemodels. der bundesrat hat vor ein paar jahren die initiative ergriffen und eine gesetzesänderung auf den weg gebracht, die die beschneidung von frauen als körperverletzung einstuft (http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/012/1701217.pdf). dabei wurden die männer vergessen. nun wird im fernsehen zum beispiel damit argumentiert, dass in afrika sogar die beschneidung von männern aus gesundheitsgründen empfohlen würde, um der übertragung von krankheiten vorzubeugen. doch davon ist man längst abgerückt, nachdem studien abgebrochen werden mussten, in denen man feststellen musste, dass die neuinfektionsrate eher zugenommen denn abgenommen hat.

also geht es um eine auseinandersetzung, die den gesellschaftlichen wandel abbildet: freie religionsausübung vs. körperliche unversehrtheit. wir kommen nicht drumherum, uns damit zu beschäftigen. transidenten menschen, erwachsenen, die ihren körper und ihre genitalien verändern möchten, verpflichten wir zu vorheriger therapie, zu rechtfertigungen und diversen untersuchungen. interidente wurden (und werden zum teil noch) per diagnostik im säuglingsalter einem geschlecht zugeordnet und es werden körperlich eingriffe vorgenommen. doch diese entscheidungen sind, so lang es keine gesundheitlichen gründe gibt, inzwischen sehr umstritten.

es zeigt, wie unbeholfen wir mit der frage umgehen, wie mit unseren körpern umzugehen ist (und es wird zeit, dass endlich den einzelnen menschen die entscheidung überlassen wird – wie es ja auch bei der kosmetischen chirurgie und bei tätowierungen der fall ist). und dann können eben eltern und gläubige nicht mehr für säuglinge und kinder entscheiden. eine gesellschaft darf auch gegenüber religiösen traditionen eine neue haltung einnehmen. nur eines scheint mir zudem wichtig: wir sollten endlich aufhören eine unterscheidung der geschlechter mit in den diskurs zu schleppen! wollen wir beurteilen, ob eine beschneidung beim mann mehr oder weniger schmerzen verursacht als eine beschneidung bei der frau? und wollen wir festlegen, wie der körper eines menschen zu sein hat, bevor dieser mensch selbst entscheiden kann? da müssen wir uns entscheiden.

25 schriftliche gedankenpakete zum umgang mit dem computer

mein computer und ich“ – wie sich in diskussionen und befragungen zeigt, baut der mensch eine außergewöhnliche bindung zu seinem digitalen schreibwerkzeug auf. ja, man könnte sie persönlich nennen. viel seltener wird dies bei bleistiften oder füllern gemacht, niemand sagt, „mein kugelschreiber und ich“. darum schien es mir sinnvoll, ein wenig genauer hinter die mechanismen der digitalen und virtuellen welt zu blicken.

was macht der computer mit uns und was machen wir mit dem computer? wer steckt eigentlich hinter den digitalen weiten des internet und welche ziele werden verfolgt? warum ist das netz so wie es ist und warum kostet der computer so viel zeit wie wir zu seiner bedienung benötigen? und vor allen dingen, was machen wir jetzt mit dem ganzen angebot?

so entstand die rubrik „mein computer und ich – eine umgangslehre“, die hiermit erst einmal beendet werden soll. sicherlich werden sich beständig neue aspekte des digitalen lebens offenbaren. dann wird es auch eine fortsetzung der gedankenpäckchen geben. doch nun seien sie hier erst einmal gebündelt präsentiert – zum begriffe anklicken und nachlesen:

bedeutung

werkzeug

gesellschaft

technische neuerungen

software

open source

takt

schreiben

emotionen

kaufzwang

copy & paste

automatismen

internet

politik

ökologie

lernen und lehren

fehler

soziale gerechtigkeit

lust

geschwindigkeit

denken

aufmerksamkeit

anleitung

netzwerk

entwicklungen und schluss

web 2.0 und coolness

das web 2.0 für sich ist ja schon cool. zumindest bietet es viele online-möglichkeiten, die vor ein paar jahren noch unvorstellbar gewesen wären. der kontakt, der austausch, das soziale netz – alles ist einfacher und schneller geworden. und zum digitalen austausch online gehört es eben auch, dass emotionen schwer zu vermitteln sind. schon vor etlichen jahren entwickelten user die emoticons, die zumindest ansatzweise emotionen abbilden sollten. doch schaut man sich zum beispiel 😉 , 😯 , 😦 oder 😳 an, so sind dies nicht unbedingt sehr aussagekräftige zeichen.

emotionen können im internet entweder bildlich angedeutet oder schriftlich ausformuliert werden. aber es gibt ein problem: mimik und tonfall fehlen erst einmal. es mag sein, dass liebesbriefe auch heute noch funktionieren und sehr emotional sind. aber sie sind erst einmal einseitig und meist schließen sich andere formen der kommunikation an. aber eine diskussion oder ein gespräch (chat) werden immer daran kranken, dass einem für das verständnis der anderen person bezugspunkte fehlen. schon das telefonieren ist eine einschränkung, die sich noch durch das hören des tonfalls reduzieren lässt, aber schriftlich ist die gefahr von missverständnissen eine größere.

gleichzeitig kann man aber die frage stellen, inwieweit das web 2.0 die coolness in unserer gesellschaft verstärkt. nicht ohne grund definiert sich inzwischen eine gruppe selbst als „emos“, etwas, das vor zwei jahrzehnten seltsam erschienen wäre, da sich die menschen ungern emotionale kompetenzen absprechen lassen würden. heute ist man wahrscheinlich stolz darauf, im netz auf eine strategische art und weise zu kommunizieren. emotionalität kommt am ehesten bei protest und abwertung ins spiel, positive emotionen werden ins private gerettet.

einher mit der coolen kommunikation geht das nesting im engsten vertrautenkreis, abseits des webs. hier wird all das an emotionaler kommunikation gelebt, das virtuell nicht gelebt werden kann. da gleichzeitig das arbeitsleben entgrenzt ins privatleben funkt und die kommunikationsbereitschaft rund um die uhr praktiziert wird ist auch rund um die uhr strategisches verhalten angesagt. kulturpessimistisch könnte man formulieren: je cooler und strategischer kommuniziert werden muss Weiterlesen

nabelschau (68)

seltsame diskurse – oder was verloren ging. es scheint, in den letzten jahrzehnten ist so manches im politischen und wissenschaftlichen diskurs verloren gegangen, das erst mühsam reaktiviert werden muss – was für eine zeitverschwendung. ob es diskussionen über die energiewende, über unser wirtschaftssystem, über rechte gewalt, über die arbeitswelt, über die folgen von multitasking, stress und burn-out oder über die folgen von lärm sind, alles war schon einmal da, alles ist schon erforscht, diskutiert und belegt. und komischerweise fangen wir heute wieder bei null an.

nein, komisch ist es eigentlich nicht. es ist die logische folge aus einer politik und wissenschaftspolitik, die etliche diskurse und forschungen lang an den rand drängen, nicht finanzieren, als gesellschaftsschädigend kompromittieren und runterspielen konnte. wie immer, lag es eigentlich nur am geld. die schwerpunkte für forschung und wissenschaft wurden verlagert und herrschaftskonformer gestaltet. faszinierend auch, dass sich vieles nicht überlebt hat, sondern momentan immer drängender in den vordergrund rückt.

nur, wieso wieder von vorn anfangen? kann man nicht einfach mal nachschlagen, welche konsequenzen vor jahrzehnten aus den diskursen heraus vorgeschlagen wurden. ein beispiel: schon vor drei jahrzehnten wurde die dezentralisierung der energieproduktion diskutiert, wurden alternative konzepte entwickelt, wurden die kosten in reale verhältnisse gesetzt, indem die langzeitkosten der jeweiligen energieproduktion berücksichtigt wurden (und somit auch die endlagerung eingerechnet wurde). der schluss war eindeutig: alternative energien rechnen sich.

und heute? wir fangen bei null an. auf der einen seite wird die energiewende propagiert, aber bei der diskussion darüber wird schon wieder auf großprojekte gesetzt, dieses mal sind es größenwahnsinnige windparks in der nordsee. und um den strom ins land zu bekommen bedarf es natürlich sofort weiterer stromleitungen, die dann auch noch überirdisch verlaufen, obwohl deren energieverlust enorm ist. und um erst gar keine weiteren diskussionen aufkommen zu lassen, werden wir momentan gebetsmühlenartig darauf vorbereitet, dass eine energiewende natürlich viel geld kostet, die sich im strompreis niederschlägt.

hier wird abermals der bürger für dumm verkauft (und sprachlich eingeschworen). wenn wir es so haben wollen, dann sollten wir auch dafür zahlen. um ein wenig verschwörungstheoretisches futter zu geben: Weiterlesen

web 2.0 und wohnen

es ist nicht leicht im internet etwas über angenehmes wohnen zu finden. gibt man in den suchmaschinen „wohnen“ oder „wohnung“ ein, landet man entweder in der immobilienwelt oder im zeitschriftenmarkt. man muss die suche schon spezieller gestalten. hier merkt man also, dass das thema wohnen kein diskussionswürdiges gebiet, sondern eine finanzielle fragestellung ist. der markt lohnt sich.

auch beim versuch, blogs zu durchsuchen, ergibt sich erst einmal nichts interessantes. man muss also zum beispiel nach „wohndesign“ suchen und findet in diesem zusammenhang zumindest blogs, die sich den verschiedenen möglichkeiten einer wohnungseinrichtung widmen. doch auch diese blogs beschränken sich meist auf das vorsortieren des marktes von einrichtungsgegenständen. auch bei diesen seiten wird nicht die bedeutung des wohnens thematisiert, noch eine form der kreativität dargestellt. der großteil der seiten orientiert sich erst einmal an firmen und produzenten von wohndesign.

ich finde das faszinierend. da gibt es für viele von uns nichts wichtigeres, als ein dach über dem kopf zu haben, nicht obdachlos zu sein. da gibt es unzählige modetrends und entwicklungen in bezug auf das wohnen. da gibt es konzepte zum sozialen miteinander beim wohnen, doch es gibt nur versteckt die passenden seiten dazu. gut, man kann etliche do-it-yourself-seiten für das gestalten der einrichtung finden (also zum beispiel ganz nett: die seite der ikea-hackers http://www.ikeahackers.net/ ), aber man findet sehr schwer eine seite, die den diskurs ums wohnen führt.

dabei muss dies noch nicht einmal sofort ein politischer sein, obwohl auch dies nicht bedeutungslos ist, aber wir machen uns anscheinend kaum gedanken um eine inzwischen für alle sehr wichtige lebensweise. oder anders formuliert: wir interessieren uns nicht sehr für gedanken über das wohnen. der trend zum nesting, die frage der gentrification, wohnkonzepte oder die Weiterlesen

Kulturstiftung des Bundes – Kulturen des Bruchs – ein veranstaltungstipp

eine spannende veranstaltung der kulturstiftung, die sich der frage widmet, wie weit wir mit unseren biografischen erfahrungen und erkenntnissen unseren eigenen spielraum einengen und wie weit wir wieder mut zu vergessen haben sollten. hier geht es um text, um sprache, um politik, um digitales und um das schreiben.

und nur am rande sei bemerkt: das ganze kostet nichts, es ist keine voranmeldung notwendig und die themen erscheinen ausnehmend spannend. also, nichts wie hin und sich gedanken über die zukunft machen! das ganze findet in berlin, im haus der berliner festspiele statt.

Kulturstiftung des Bundes – Kulturen des Bruchs.

schreibpädagogik und alter

das alter spielt in schreibgruppen erst einmal keine rolle. ganz gleich welchen alters jemand ist, kann man schreiben und vorlesen, kann man auch mitmachen. das ist eigentlich das schöne an schreibgruppen, dass sie altersungebunden und generationsübergreifend tätig sein können. und doch wäre es ein trugschluss zu glauben, dass das alter keine rolle spielt. so wie in anderen sozialen zusammenhängen kann man auch weiterhin (heute etwas versteckter als früher) unterschiede in den generationen ausmachen.

es wird auch in schreibgruppen die ungeduld der jugend gegenüber dem alter geben. und es wird ebenso die belehrende weisheit des alters gegenüber den jungen menschen geben. darum ist die leitung einer schreibgruppe dazu aufgerufen, zwischen den verschiedenen untergruppen in einer schreibgruppe (es kann auch ganz andere zusammenschlüsse geben) zu vermitteln. aber die große chance dabei ist, überhaupt einen austausch zwischen den generationen zu ermöglichen und mag es auf der kreativen ebene sein.

denn altersgruppen können sich auch gegenseitig in erstaunen versetzen. so können jüngere menschen feststellen, dass die älteren neben ihnen in ihrer jugend auch rebellisch, ungegduldig und unerbittlich waren. die älteren der gruppe werden feststellen, dass die anliegen der jüngeren berechtigt und längst nicht so oberflächlich sind, wie sie immer annahmen. letztendlich geht es in gemischten schreibgruppen um nichts anderes, als gegenseitige vorurteile abzubauen. warum diese bei uns immer noch so vertreten sind? weil sowohl jüngere als auch ältere in unserer gesellschaft nicht ernst genommen werden und sich somit auch kaum gehör verschaffen können. beide gruppen werden nicht wahrgenommen und bleiben somit unbekannt.

vielleicht kann eine schreibgruppe von jüngeren und älteren menschen genau diese ungerechtigkeit zum thema machen. auf der einen seite wird erklärt, dass jungen menschen mehr verantwortung und mitsprache ermöglicht werden soll, aber gleichzeitig werden sie verwaltet und verwahrt, wie lange nicht mehr. sie werden eingeengt und bevormundet. auf der anderen seite wird älteren menschen die teilhabe am arbeitsleben und am lebenslangen lernen schmackhaft gemacht, doch wenn es darauf ankommt, dann werden auch sie verwahrt und bevormundet.

warum also nicht texte gegen bevormundung und verwahrung verfassen und zur lesung die generation der 30- bis 60-jährigen einladen? oder es ergibt sich gleich von anfang an, dass auch die gruppe der mittelalten in der Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und zufall

wissenschaftliches schreiben lebt eigentlich davon, den zufall auszuklammern, zu bewältigen und in den griff zu bekommen. darum erscheint hier der zufall eher als störfaktor, denn als bereicherung. das fängt schon im vorfeld bei wissenschaft und forschung an, bevor ein wort niedergeschrieben wird. versuchsanordnungen sollen eines schaffen, zufällige variablen ausschließen. dass dies nicht schwer gelingt wissen alle wissenschaftlerInnen. auch die kritik an der statistik, eine zufallserhebung zu sein, soll möglichst ausgehebelt werden.

aber wie geht man nun damit um, wenn einem mitten im wissenschaftlichen schreiben ein zufälliger geistesblitz die vorannahmen des forschungssettings verhagelt? alles noch einmal neu schreiben? die idee unter den tisch fallen lassen? einen einschub formulieren, der den neuen gedanken anreisst? einen zweiten wissenschaftlichen text verfassen, der sich ganz dem geistesblitz widmet? zu empfehlen ist, dass man als erstes rücksprache mit anderen wissenschaftlerInnen hält. was scheint ihnen vorstellbar? teilen sie die neue erkenntnis oder ist sie zumindest nachvollziehbar?

das ist ein heikles thema, da die wissenschaft heute von einem gehörigen konkurrenzverhältnis lebt. der freie austausch von ideen und entdeckungen ist selten üblich. kommen noch hierarchien im akademischen umfeld dazu, gestaltet sich das vorgehen noch schwerer. man mag zwar für sich entscheiden, den geistesblitz erst einmal für sich zu behalten, das anschließende weiterschreiben wird sich schwer umsetzen lassen, ohne immer wieder den neuen gedanken einzubeziehen. aber auf gut glück das neueste aufzunehmen, wenn man sich beim verfassen einer bewerteten abschlussarbeit befindet, dann kann dies Weiterlesen

mein computer und ich – eine umgangslehre (21)

denken

viel aufhebens wird zur zeit darum gemacht, wie der computer und vor allen dingen das internet unser denken verändern. es wird gemessen, getestet und experimentiert, um zu dem schluss zu kommen, dass unser denken sich verändert. teilweise soll die aufmerksamkeitszeitspanne reduziert werden, es soll sich die visuelle wahrnehmung verändern und vieles mehr. dies könnte man so stehen lassen, wenn da nicht eine gesellschaftliche und kulturelle bewertung mit den ergebnissen verknüpft würde. und plötzlich gibt es gut oder schlecht.

es ist schlechter, tag und nacht vor dem computer zu sitzen, als tag und nacht vor dem fernseher zu sitzen oder tag und nacht bücher zu lesen. warum? man könnte auch anders herum argumentieren. im gegensatz zu fernseher und buch ist der computer die viel aktivere variante. bei büchern und glotze wird nur passiv konsumiert, beim computer wird aktiver einsatz verlangt. gut, man kann darüber streiten wie wertvoll ego-shooter-programme sind, aber dass soziale netzwerke eventuell mehr kompetenzen von den usern einfordern als gerichtsshows oder soaps im tv dürfte außer frage stehen.

es ist davon auszugehen, dass jede technische oder kulturelle neuerung unser denken verändert. die entdeckung des feuermachens gab unserer entwicklung einen schub, ebenso die fähigkeit, werkzeuge herzustellen. säge, axt und bäume befähigen uns, den winter anders verbringen zu können, als in der zeit davor. wir müssen uns nicht mehr ständig damit beschäftigen, welches die beste höhle zum überwintern ist, wir können unsere gedanken für anderes verwenden. und die aufmerksamkeit für die abläufe der natur reduzierte sich enorm mit der einführung des wetterberichts 😉

die lebensqualitäten und natürlich auch das denken, veränderten sich zu zeiten der industriellen revolution. und auch damals schon wurden die diskurse über die veränderung auf eine emotional-persönliche ebene verschoben. es wurde nicht darüber diskutiert, wie sich die neuen werkzeuge für alle sinnvoll und human einsetzen lassen, sondern es wurde darüber diskutiert, wer unter welchen gesichtspunkten für welche werkzeuge geeignet ist. die psychotechnik kam auf.

und seien wir mal ehrlich – es ging nie darum, was kann die technik dem menschen gutes tun, sondern es ging darum, wie lassen sich effizienz, leistung und produktion steigern. menschen wurden immer dann bedrohlich für die gesellschaft, wenn sie versuchten sich ihr zu entziehen. der computer bietet manchen menschen eine möglichkeit sich der gesellschaft und ihren anforderungen zu entziehen. in diesem moment wird die wissenschaft herangezogen, um den diskurs über die veränderung des denkens in ein bedrohliches szenario kippen zu lassen. Weiterlesen

eine stilkunde als zeitungsbeilage – ein lesetipp

wenn menschen der meinung sind, dass unsere sprache und unsere schreibe den bach runtergehen, dann tun sie viel dafür, ihr kulturgut zu retten. der vorteil für den einfachen leser, den schlichten schreiberling besteht darin, dass die versuche zur rettung unserer sprache preiswert und vielfältig daherkommt, damit die menschen leicht erreicht werden.

und so findet sich plötzlich in der wochenzeitung „die zeit“ eine über 40-seitige beilage zum stilvollen schreiben, zu regeln des verständlichen schreibens und über die tätigkeiten der schreibenden. unter dem titel „wie sie besser schreiben“ finden sich 20 lektionen einer deutsch-stilkunde von wolf schneider. na, das ist doch mal was nützliches. also meine empfehlung: wer keine bücher von wolf schneider besitzt, dem sei diese beilage als einstieg ins flüssige, verständliche schreiben empfohlen.

eines sollte man dabei aber überlesen: die vorworte. sie bescheinigung uns nur wieder eine sprachverarmung, offerieren wieder den langweiligen hochwertigen kanon „guter“ sprache, um dann in den lektionen das spielerische und kräftige unserer worte zu feiern und zu propagieren. weg von den plattitüden – hin zum ausdruck. das leben ist ein widerspruch. oder wie wäre es sonst zu erklären, dass als „sprachmeister“ in der beilage nur schriftsteller der letzten jahrhunderte vorgestellt werden, die dem bildungsbürgerlichen kanon entspringen – goethe, schiller, nietzsche, kafka, kleist, heine und mann. wie wenn es heute keine sprachvirtuosen mehr gäbe.

wer sich in die auseinandersetzung um den spracherhalt stürzen möchte, der lese das vorwort von wolf schneider: http://www.zeit.de/2012/20/Sprache .

Interview mit René Pollesch über Liebe und Rücksicht. – Aus dem SZ-Magazin

ein mensch, der viel zu sagen hat. zum beispiel den bemerkenswerten satz „ich glaube, dass literatur vorübergehen wird“. na dann: ein interview mit einem theaterautor, der gesellschaftskritik noch ernst nimmt 😉

Interview mit René Pollesch über Liebe und Rücksicht. – Aus dem Magazin.

die berlin web-week startet heute

sonst ist ja „nüscht“ los in der stadt 😉 eine woche lang kann man sich ausschließlich digitalen fragestellungen widmen, wenn einen die kommunikationstechnische zukunft interessiert. heute startet die „re:publica“, eine konferenz der internet-community und -macherInnen. viele veranstaltungen und diskussionen können per livestream verfolgt werden.

und am ende der woche findet die „next berlin“, eine konferenz der digitalen industrie europas statt. viele informationen zu den aktuellen themen finden sich auf der webseite. dazwischen gibt es diverse sonstige veranstaltungen, die alle auf der zentralen homepage der web-week gebündelt sind. also, abtauchen ins digitale nirvana (vorher kurz luft holen) – und falls man keine zeit dazu hat, kurz mal auf den seiten nachschauen, um dann wieder aufzutauchen und die aktuellen digitalen diskurse ins soziale umfeld tragen. denn eines ist sicher: an der digitalen welt scheiden sich immer noch die geister.

zentrale homepage: http://berlinwebweek.de/

homepage re:publica: http://re-publica.de/12/

homepage next berlin: http://nextberlin.eu/

nabelschau (67)

gentrifizierung ist überall. ein moderne, seltsamer begriff, der etwas beschreibt, das es schon immer gegeben hat. die schwierigkeit besteht darin, dass die doppeldeutig des begriffes inzwischen zu einem politikum wird. übersetzt heisst gentrification eigentlich „aufwertung“. und das kleine wörtchen „wert“ spielt die hauptrolle in diesem zusammenhang. denn es geht um die gerechtigkeit und verteilung in gesellschaften. ein beispiel:

einer der schönsten biergärten in berlin, am rand eines parks gelegen, seit jahrzehnten dort ansässig, ist im sommer treffpunkt von vielen menschen. der vorteil des gartens war es, dass er weit genug von wohnhäusern entfernt war und somit niemanden der rege betrieb bis in die tiefe nacht störte. in den letzten zwei jahren entstanden in der nähe des biergartens edle häuser mit penthouse- und loft-atmosphäre. der kenner konnte ahnen, was dies bedeutete. menschen mit viel geld platzierten sie in die nähe eines großen biergartens, da sie den ausblick von der anhöhe über die stadt schätzen.

vor ein paar tagen dann die erwartbare konsequenz: um 22.00 uhr wurden auf die bierbänke und tische an denen hunderte saßen kleine schildchen gestellt, auf denen stand, dass man sich nach 22.00 uhr bitte ruhig verhalten möge. es ist logisch, dass das nicht funktionieren kann. das ruhebedürfnis von vierzig oder fünfzig menschen wird über das soziale leben von hunderten gestellt, da man neben einen biergarten edelwohnungen stellen musste. über kurz oder lang wird der treffpunkt reglementiert und eingeschränkt werden. die „aufwertung“ führt zu „verdrängung“.

das wäre auch nicht so das problem, wenn es nicht weit entfernt, alternativen gäbe. doch dem ist nicht so. berlin ist ein schönes beispiel dafür, wie sukzessive eine innenstadt, eine mitte zu einem sterilen, langweiligen und muffigen ort wird. der potsdamer platz hat einen vorgeschmack gegeben. denn auf“wert“ung bedeutet geld. nur leider bedeutet geld heute einförmigkeit, langeweile und tristesse auf hohem niveau. ausgedrückt wird sich über wohnlage, design und autos. aber eben nicht mehr über lebenäußerungen, soziales miteinander und kreativität. es entstehen austauschbare zentren der sterilität und bewachungen.

wie schon geschrieben, das hat es schon immer gegeben. aber es offenbart sich inzwischen krasser, die kontraste werden immer größer, die finanzielle schere klafft weiter auseinander. inzwischen kann jeder die gesellschaftliche ungerechtigkeit sehen. und das macht menschen zweifelnd, lässt machtverhältnisse in frage stellen. unzufrieden sind alle, sowohl die an den rand gedrängten der gesellschaft, als auch die housekeeping-verwahrten in den zentren. seltsam, dass dies kaum jemand ändern möchte, sondern alle auf eskalationen warten.

web 2.0 und haltung

das web 2.0 lädt dazu ein, eine haltung einzunehmen: „gefällt mir“-buttons, bewertungssternchen oder ranglisten zu hauf. dies sind abkürzungen einer haltung, denn die eigentliche begründung fehlt bei diesen schnell-bewertungen. umstritten bleibt diese vorgehensweise, da sie zum einen inzwischen professionell genutzt wird und menschen beauftragt positive statements zu produkten abzugeben. amazon schwächt dies dadurch ab, dass rezensionen eingestellt werden können und wiederum leserInnen bewerten können, ob sie die rezensionen hilfreich fanden oder nicht.

und auf der anderen seite hängen von den bewertungen inzwischen das wohl und wehe ganzer industriezweige ab. die schnellbewertungen fördern das konkurrenzdenken und feuern manchmal gerüchteküchen an. darum gibt es auf vielen seiten eine zusätzliche komponente: die kommentarfunktion. es können gründe für bewertungen abgegeben werden. leider werden aber die kommentarfunktionen oft genug für spam oder für spass-bewertungen genutzt. darum werden alle ernsthaften seiten inzwischen moderiert und lassen sich nicht mehr auf die freie zugänglichkeit für kommentare ein.

generell lässt sich aber sagen, befördert das web 2.0 den diskurs. denn wenn menschen sich nicht in gegenseitigen abqualifizierungen erschöpfen, dann können über kommentare oder foren meinungsbildungen stattfinden. die immer noch leichte zugänglichkeit, im gegensatz zu den früher üblichen leserbriefen, erleichtert es leserInnen eine haltung einzunehmen.

befördert wird der prozess zusätzlich dadurch, dass das internet halb-anonymität zulässt. viele sehen das als problem. doch wenn man sich genau umschaut, wird man feststellen, dass im laufe der letzten jahre immer mehr menschen eine gewisse ernsthaftigkeit bei ihren stellungnahmen an den tag legen, da sie keinen sinn darin sehe, mit Weiterlesen

schreibpädagogik und haltung

schreibgruppen bieten die tolle möglichkeit, dass menschen zu bestimmten themen schriftlich eine haltung einnehmen und darüber in den diskurs einsteigen. natürlich sollte man sich als schreibgruppenleitung teilweise vorher die zustimmung der gruppe einholen, ob man nun einmal die zeit für einen intensiven diskurs nutzt. kommt die zustimmung, kann es sehr spannend werden.

das schreiben lässt diskurse schnell sehr intensiv werden, da es ein großer unterschied ist, ob ich etwas sage, oder es gleich niederschreibe. geschrieben und veröffentlicht liegt es schwarz auf weiß vor, kann verbreitet werden und immer wieder aus der schublade gezogen werden. also überlegen sich viele menschen genauer, welche haltung sie einnehmen und wie sie sie formulieren, wenn sie sie aufschreiben. dies fördert manchmal eine intensivere auseinandersetzung.

auf der anderen seite ist eine einmal schriftlich eingenommene haltung schwerer zu revidieren. persönliches umdenken wird mündlich eher verziehen als schriftlich. es genügt meist nicht, geschriebenes mündlich zu revidieren, es muss auch schriftlich noch einmal dagegen angeschrieben werden. der journalismus ist ein gutes beispiel dafür. bis eine gegendarstellung erschienen ist, hat sich manche position schon verfestigt und ist der ruf ruiniert.

auch dies kann in einer schreibgruppe vermittelt werden: schriftlich eine haltung einzunehmen – vor allen dingen, wenn sie veröffentlicht wird, sollte wohl bedacht sein. an diesem punkt wird vor allen dingen das internet oft unterschätzt. es mag schnelllebig sein, aber das digitale gedächtnis ist teils unerbittlich. dies soll aber nicht bedeuten, dass man am besten schriftlich keine haltung mehr einnimmt, da man ja umdenken könnte. denn der positive aspekt einer schriftlichen haltung besteht in der mächtigeren wirkung. nicht ohne grund werden schriftstellerInnen Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und haltung

wissenschaft ist meist hierarchisch organisiert. mal ist die hierarchie flacher, mal sehr steil. titel spielen in den wissenschaftfen eine große rolle, da sie kompetenzstufen signalisieren sollen. dies verhindert so manchen kritischen diskurs und ist eng verknüpft mit den ökonomischen grundlagen der wissenschaften. eine eigene haltung in den wissenschaften einzunehmen ist meist erst nach dem erreichen bestimmter positionen machbar. vorher kann einem im wissenschaftlichen kontext schnell die existenz entzogen werden.

das ist schwarzmalerei? der wissenschaftsbetrieb ist ein durch und durch politischer betrieb. es geht in jedem forschungsbereich darum, auf welchen grundlagen und wissenschaftstheorien die gesamte forschung aufbaut. die 68er-bewegung verbreitete sich nicht ohne grund vor allen dingen an den hochschulen. doch wie kann man nun eine haltung in den wissenschaften finden?

das wissenschaftliche schreiben (oder das schreiben an sich) können dabei eine hilfe sein. zum einen entwickelt man theorien ab einem bestimmten punkt sowieso schriftlich. sie müssen ja veröffentlicht und verbreitet werden. wie weit man bei der veröffentlichung ausschließlich eigene vorstellungen einbringen kann, hängt von der position im wissenschaftlichen gefüge ab. normalerweise entwickelt man auch nicht allein ideen. es wird im team geforscht, also werden meist theorien im team entwickelt. interessant wird es erst in dem moment, in dem die meinungen auseinandergehen. dann zeigt sich, wie ausgereift die diskussionskultur im eigenen forschungsbereich ist.

davon abhängig ist auch, wie stark andere meinungen sanktioniert werden. die ökonomisierung der wissenschaften gibt schon ein ziel vor: verwertbarkeit der ergebnisse. dadurch verliert grundlagenforschung immer mehr boden. das bleibt problematisch und führt auch zu schriftlichen auseinandersetzungen in den fachwelten. man kann seine haltung, wenn man eine veröffentlichungsmöglichkeit erhält, schriftlich mitteilen. doch die zurückhaltung ist meist groß, Weiterlesen

mein computer und ich – eine umgangslehre (16)

lernen und lehren

faszinierend, wie wenig nutzerInnen die hochtechnologie, die sie verwenden, kennen. eigentliche tappen die meisten im dunkeln, was ihren computer angeht. das lässt sich weiterführen: die meisten tappen auch im dunkeln, was ihr auto angeht, denn dieses fährt inzwischen einen computer spazieren. das ist alles erst einmal nicht tragisch. die meisten menschen wissen auch nicht, wie man artgerecht ein schwein großzieht. ich muss also nicht alle abläufe kennen, um von ihren produkten profitieren zu können – das nennt sich arbeitsteilung.

doch bleiben wir einmal beim schwein. auch wenn ich die abläufe nicht kenne, wie ein schwein auf den teller kommt, so diskutiert unsere gesellschaft schon länger über antibiotika im fleisch, über fettreiche und fettarme nahrung, über tierhaltung und vieles mehr. wir diskutieren also darüber, welche auswirkungen die nahrung und ihre produktion auf uns hat. sie können jeden menschen fragen, alle haben eine meinung zu schweinefleisch.

anders sieht es beim computer aus. die produktion der computer kennen die wenigstens, diskurse über seine nutzung führen nur die egoshooter-und internetsucht-fraktionen, vielleicht nur datenschützer. es mag ein verdienst der piraten-partei sein, überhaupt einen weitergehenden diskurs über den nutzen und den schaden einer digitalisierung ins leben gerufen zu haben. wenn sie menschen zu ihrer haltung gegenüber dem computer befragen, begegnet ihnen viel skepsis, sie vernehmen eher glaubensbekenntnisse, denn eine position, die aus diskursen entstanden ist.

und so wird auch eher die anwendung des computers gelehrt – wie gehe ich mit word, excel oder linux um? – denn die anwendung reflektiert. ach doch, beim urheberrecht, da hört der spaß auf, da wird fleissig diskutiert – hier geht es auch ums geld. aber wer reflektiert schon die vorteile und nachteile eines computers? wer lernt in der schule, Weiterlesen