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Kulturstiftung des Bundes – Kulturen des Bruchs – ein veranstaltungstipp

eine spannende veranstaltung der kulturstiftung, die sich der frage widmet, wie weit wir mit unseren biografischen erfahrungen und erkenntnissen unseren eigenen spielraum einengen und wie weit wir wieder mut zu vergessen haben sollten. hier geht es um text, um sprache, um politik, um digitales und um das schreiben.

und nur am rande sei bemerkt: das ganze kostet nichts, es ist keine voranmeldung notwendig und die themen erscheinen ausnehmend spannend. also, nichts wie hin und sich gedanken über die zukunft machen! das ganze findet in berlin, im haus der berliner festspiele statt.

Kulturstiftung des Bundes – Kulturen des Bruchs.

wissenschaftliches schreiben und haltung

wissenschaft ist meist hierarchisch organisiert. mal ist die hierarchie flacher, mal sehr steil. titel spielen in den wissenschaftfen eine große rolle, da sie kompetenzstufen signalisieren sollen. dies verhindert so manchen kritischen diskurs und ist eng verknüpft mit den ökonomischen grundlagen der wissenschaften. eine eigene haltung in den wissenschaften einzunehmen ist meist erst nach dem erreichen bestimmter positionen machbar. vorher kann einem im wissenschaftlichen kontext schnell die existenz entzogen werden.

das ist schwarzmalerei? der wissenschaftsbetrieb ist ein durch und durch politischer betrieb. es geht in jedem forschungsbereich darum, auf welchen grundlagen und wissenschaftstheorien die gesamte forschung aufbaut. die 68er-bewegung verbreitete sich nicht ohne grund vor allen dingen an den hochschulen. doch wie kann man nun eine haltung in den wissenschaften finden?

das wissenschaftliche schreiben (oder das schreiben an sich) können dabei eine hilfe sein. zum einen entwickelt man theorien ab einem bestimmten punkt sowieso schriftlich. sie müssen ja veröffentlicht und verbreitet werden. wie weit man bei der veröffentlichung ausschließlich eigene vorstellungen einbringen kann, hängt von der position im wissenschaftlichen gefüge ab. normalerweise entwickelt man auch nicht allein ideen. es wird im team geforscht, also werden meist theorien im team entwickelt. interessant wird es erst in dem moment, in dem die meinungen auseinandergehen. dann zeigt sich, wie ausgereift die diskussionskultur im eigenen forschungsbereich ist.

davon abhängig ist auch, wie stark andere meinungen sanktioniert werden. die ökonomisierung der wissenschaften gibt schon ein ziel vor: verwertbarkeit der ergebnisse. dadurch verliert grundlagenforschung immer mehr boden. das bleibt problematisch und führt auch zu schriftlichen auseinandersetzungen in den fachwelten. man kann seine haltung, wenn man eine veröffentlichungsmöglichkeit erhält, schriftlich mitteilen. doch die zurückhaltung ist meist groß, Weiterlesen

schreibidee (261)

beim thema sucht gibt es einen effekt, der in den letzten posts schon angerissen und angedeutet wurde, aber noch nicht direkt thematisiert wurde. er tritt meist nur dann zu tage, wenn es zum entzug kommt und betrifft nicht die süchtigen. es geht um die co-abhängigkeit, in die nicht selten nahestehende menschen geraten. diese schreibidee soll zu „co-abhängigen texten“ anregen.

was passiert, wenn jemand co-abhängig ist? letztendlich kann sich die nahestehende person der bedürftigkeit des süchtigen menschen schwer entziehen, zieht sogar einen persönlichen positiven effekt daraus. dahinter steckt keine bösartigkeit, sondern meist handelt es sich um entstandene strukturen, die die sucht stützen. darum soll am anfang von den schreibgruppenteilnehmerInnen ein schon etwas längerer text verfasst werden, in dem ein hauptprotagonist, eine hauptprotagonistin große bedürftigkeit signalisiert. wie dies geschieht bleibt der fantasie überlassen, es muss sich auch nicht um süchtige protagonistInnen handeln, co-abhängigkeit kann auch in anderen zusammenhängen entstehen. die texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen.

danach werden die texte in der schreibgruppe ausgetauscht. nun ist von allen teilnehmerInnen eine nahestehende person zu wählen, deren gedanken notiert werden. was denkt jemand, der co-abhängig ist? welchen vorteil zieht jemand für sich daraus, dass es einem nahestenden menschen nicht gut geht und hilflosigkeit im raum steht? die teilnehmerInnen sollten sich möglichst in die lage der betroffenen versetzen. anschließend werden die texte in der schreibgruppe vorgetragen und beim feedback besteht raum, über die nachvollziehbarkeit der gedanken zu diskutieren. es sollte ausnahmsweise bei diesem thema in schreibgruppen auch raum bestehen, ausführlich zu diskutieren. zum einen handelt es sich um ein phänomen, dass sich als hoch emotionale handlung gut in geschichten einfügen lässt, aber auch eine hohe soziale brisanz für viele menschen besitzt.

zum abschluss kann dann die geschicht weitergeführt oder eine neue verfasst werden. die co-abhängigkeit wird durchbrochen, dadurch dass die süchtigen protagonistInnen ihre sucht in den griff bekommen, sich nicht mehr über hilflosigkeit und bedürftigkeit definieren. was geschieht in der zwischenmenschlichen beziehung dann? diese ereignisse können als geschichte geschildert werden oder vielleicht in einem dialog. sie werden zum ende der schreibgruppe ohne feedback vorgetragen.

nabelschau (22)

qual der wahl. der wahlkampf ist eröffnet und er scheut sich nicht, soweit dies ein wahlkampf kann, sehr inhaltslos daherzukommen. es wird eher auf platitüden gesetzt, obwohl man momentan anderes erwarten sollte. es wäre zu vermuten, dass nach all den finanzdebakeln und verfassungskorrekturen, ein wenig die nerven bloß liegen und mal wieder politisch gestritten wird.

doch anscheinend hat man in diesem land den diskurs um wirkliche gesellschaftliche prozesse und entwicklungen verlernt. man echauffiert sich über dienstwagen, wirbt mit oberweiten und hinterteilen, ja, man verspricht konstantes, bewahrendes. doch was wäre zu bewahren? die einzige veränderung, die angesprochen wird, ist der abbau der arbeitslosigkeit. dabei stellt sich heraus, dass die unterschiede zwischen den parteien vor allen dingen ein zahlenspiel sind.

da bietet die spd vollbeschäftigung in geraumer zeit, die cdu will sich doch nur auf mehrere millionen festlegen und die grünen zählen eine million abbaubarer arbeitslosigkeiten. man könnte das spiel eröffnen: „wer bietet mehr?“ (oder weniger). in die eine richtung ließe sich die steigerung vorstellen, vollbeschäftigung bis zum 75sten Lebensjahr, fehlen uns doch sowieso Arbeitnehmer in den nächsten Jahren und verlängert sich die Beschäftigungsdauer von Jahr zu Jahr.

oder aber die linke wird ihrem namen noch einmal gerecht und verspricht anstatt der schaffung von arbeitsplätzen endlich die weltrevolution. doch auch damit ist nicht zu rechnen. Weiterlesen

web 2.0 und auswirkungen

das internet in seiner heutigen form, aber auch die vergangene entwicklung, regt immer wieder zu diskussionen an. hier schon öfter thematisiert, geht es vor allen dingen um die bedrohlichen aspekte einer informations- und kommunikationsfreiheit, die sowohl berufsgruppen und medien unter druck setzt als auch soziologische, pädagogische und psychologische effekte hat. in der letzten zeit sind zwei veröffentlichungen erschienen, die sich mit den effekten des internet auseinandersetzen.

zum einen geht es um die entwicklung des journalismus und der tageszeitungen in den nächsten jahren. wie verändert das internet die medienlandschaft? dazu äußerte sich letzten freitag das magazin der süddeutschen zeitung, indem es betrachtungen von a bis z anstellte. in der folge kann an verschiedenen orten im web über die veröffentlichten thesen diskutiert werden. zu finden sind alle weiteren informationen unter: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/liste/h/200919  .

zum anderen geht es um den umgang von kindern und jugendlichen mit dem web 2.0 unter sexualpädagogischen aspekten. jeder mensch der aufklärungsveranstaltungen in schulen macht, kann erleben, was kinder und jugendliche schon alles an sexualitäten und pornografie kennen, da sie es im internet gesehen haben. dagegen gehen ihre eltern meist davon aus, dass ihre kinder sich diese informationen noch nicht besorgt haben. hier sind die sexualpädagogik oder das elternhaus gefragt, um einen selbstbewussten umgang mit den neuen medien zu fördern. die bundeszentrale für gesundheitliche auklärung (bzga) hat gerade einen fachreader zu diesem thema veröffentlicht. er ist hier zu finden: http://forum.sexualaufklaerung.de/AktuelleAusgabeForum.php?mid=4 .

beide veröffentlichungen können einen diskurs anregen, der längst schon notwendig ist und neben dem internethype bis heute nur sehr ideologisch geführt wird.

schreibpädagogik und anregende diskurse

schreibgruppen schreiben, aber sie lesen sich auch gegenseitig die entstandenen texte vor und geben sich feedback. aus diesem verbalen austausch können diskurse entstehen, die sehr anregend sind. oder es wird eine kleine diskussion einer schreibanregung vorangestellt, die teilnehmerInnen der schreibgruppe werden aufgefordert, sich zu fragen zu positionieren. auch diese diskussionen können sehr interessant werden, so dass es von den teilnehmerInnen als störend empfunden werden kann, wenn die leitung diese diskurse unterbricht.

die gespräch haben sicherlich auch die funktion, sich in der gruppe näher kennenzulernen, sie haben also eine soziale funktion. doch sie verlieren ihre funktion eine schreibanregung zu sein, wenn sie sich verselbstständigen. so interessant solch ein diskurs sein kann, die schreibgruppenleitung ist ab einem bestimmten moment aufgefordert, ihn zu unterbrechen und zum schreiben aufzufordern. denn sonst wird zwar erst der diskurs geschätzt, doch später werden die teilnehmerInnen feststellen, dass sie in der schreibgruppe wenig zum schreiben gekommen sind.

eine zusätzliche alternative bietet inzwischen das internet. es kann die schreibgruppe dazu angeregt werden, sich doch in einem blog oder in einem chatroom weiter auszutauschen. so kann der anregende diskurs an einen anderen ort verlagert werden. dabei kann sich herausstellen, dass er doch nicht weitergeführt wird, das tut aber dem grundgefühl, nicht vollständig gestoppt zu werden während der schreibgruppe keinen abbruch. denn als leitung einer schreibgruppe hat man nicht nur die rolle, die entscheidungen zu treffen, sondern auch auf die bedürfnisse der teilnehmerInnen einzugehen. die verlagerung des diskurses in das internet bietet dazu eine gute möglichkeit. einzig zu beachten ist dabei, dass alle sicherheitsstandards erfüllt und der diskurs nicht öffentlich wird, sondern an einem ort, der nur mit passwort zu erreichen ist, geführt werden kann.

web 2.0 und politik

schaut man sich blogs und andere internetseiten mit politischen inhalten an, fällt auf, dass eine sehr direkte sprache geschrieben wird, wie sie im alltag selten gesprochen wird. anscheinend trauen sich viele mitbürger schriftlich eindeutigere äußerungen zu treffen, als sie es im täglichen leben machen.

oder, und das wäre die andere erklärungsmöglichkeit, es schreiben nur die blogs und veröffentlichen homepages, die eine recht direkte art haben ihre meinung mitzuteilen. nicht dass ich dies problematisch finde, bin ich eher ein freund der klaren worte, ich bin nur bei der durchsicht verschiedener blogs, auch zu alltäglichen fragestellungen erstaunt, wieviel politik im netz auftaucht. und wieviel unzufriedenheit bei vielen menschen herrscht.

sicher, man schreibt selten über sachen, die einen nicht aufregen und die gut laufen, das kenne ich aus eigener erfahrung. und ich bin auch der meinung, dass die jüngeren generationen nicht so unpolitisch sind, wie sie immer dargestellt werden. doch es scheint mir mehr im netz los zu sein, als viele menschen glauben. ein wenig zeigen dies die us-wahlkämpfe, auch wenn hier das netz eher als zusätzlicher werbe- und symapthieträger verwendet wird. in deutschland lässt sich dies eher bieder an. beim blick auf die homepages der meisten bundestagsabgeordneten menschelt es zwar sehr und frau merkel sendet auch weiter ihren podcast, aber das hat alles etwas schlichtes an sich und das web 2.0 wird in diesem zusammenhang selten für den diskurs mit der basis genutzt. doch die basis führt zum teil einen spannenden und anregenden diskurs, den man sich in die alltägliche politik zurückwünschen würde, anstatt vieler nicht-aussagen mit nicht-positionen und nicht-nicht-ausgewogenheiten. im web wird in vielen zusammenhängen um postionen gestritten, und der streit scheint notwendig, um eine demokratie als solche zu leben. vielleicht sollten sich manche netzschreiberInnen für die nächsten wahlen aufstellen lassen, um der oft herbeigeredeten politikverdrossenheit etwas entgegenzusetzen.

das internationale literaturfestival berlin 2008

da nach der em, der olympiade, die schul- und sommerferien für viele anstehen, sei hier darauf hingewiesen, dass im herbst wieder das internationale literaturfestival in berlin stattfindet. muss man doch alles früh genug in den terminkalender eintragen.

die veranstalter haben eine ausführliche homepage. auf dieser seite kann eingesehen werden, welche veranstaltungen stattfinden werden. es gibt teilweise kleine beschreibungen. je näher die eigentlichen lesungen, diskussionen und vorträge rücken, umso mehr informationen können gefunden werden. es ist wieder ein sehr vielfältiges programm, das vom 24ten september bis 4ten oktober geboten wird. die autoren sind schon einmal bekannt. im laufe der nächsten tage und wochen wird auch das programm ins netz gestellt. solange kann man noch einmal in den letzten jahren nachschauen.

also, zur vorabinformation sind die neuesten daten zu den berliner literaturtagen 2008 zu finden unter: http://www.literaturfestival.com/index.php