Schlagwort-Archive: distanz

wissenschaftliches schreiben und coolness

wissenschaftliches schreiben ist eigentlich pure coolness. keine andere schreibform zeigt weniger emotionen im text, vielleicht noch gebrauchsanweisungen, doch selbst juristen schreiben lebhafter. aus dem wissenschaftlichen schreiben wurden emotionen verband, um eine wie auch immer geartete objektivität zu bewahren. es ist der glaube, dass eine gefühllose und subjektlose sprache die reinheit der wissenschaften bewahrt.

betrachtet man jedoch die forschungsfelder und studien, ergebnisse oder erkenntnisse genau, ist eigentlich das gegenteil der fall. in alle untersuchungen fließen auch die auffassungen der forschenden mit ein. das beginnt bei einem menschenbild, das grundlage ist für die vorstellungen, was neue erkenntnisse für uns seien. es geht weiter über das forschungssetting und die frage, welche aussagen sich aufgrund von statistischen erhebungen treffen lassen und geht bis zur frage, wie viel persönliche meinung in einen wissenschaftlichen text einfließen darf.

gerade die naturwissenschaften vermitteln, dass es möglich wäre in einem menschenungebundenen neutralen raum forschen zu können. was für ein trugschluss. und so werden alle forschenden zu einer angemessenen coolness angehalten, die ihnen gerade einmal im schlusskapitel die möglichkeit eröffnet, persönlich position zu beziehen. man kann dies auch anders und nicht weniger wissenschaftlich handhaben. wissenschaft hat einen gemeinsamen kleinsten nenner: meinungen und thesen müssen belegt oder widerlegt also begründet werden. das hat zur folge, dass die behauptung auch von anderen durch experimente, befragungen oder studien belegt und widerlegt werden kann, die begründung also wiederholt werden kann.

doch momentan haben wir eine gegenteilige entwicklung: da keine zusammenhänge mehr erfasst werden, keine emotionen mehr im spiel sind, sondern beinahe alles nur noch auf mathematikbasierte statistiken runtergebrochen wird, fehlt in vielen zusammenhängen die eigentlich begründung. coolness ist exakt der richtige ausdruck dafür. denn coole kommunikation lässt möglichst alles menschliche außen vor und führt zu handlungen, die keiner menschlichen logik mehr folgen. doch durch dauercoolness verlieren wird den kontakt Weiterlesen

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biografisches schreiben und coolness

cool sein kann zur lebensaufgabe werden. meist wird die haltung der coolness mit männern verbunden. man nehme zum beispiel einen echten kerl, versiert in kampftechniken und kriegsführung, mit spiegelverglaster sonnenbrille, der in der kommunikation nur zu einzelnen, kurzen und knappen antwortsätzen fähig ist. in seinem öffentlichen auftreten möchte der coole mann keine näheren kontakte aufbauen und schon gar nicht emotionen äußern.

so das klassische bild der coolness. seitdem ich den begriff „coolness“ hier im blog bespreche, landete prompt die suche „ist weinen cool?“ hier auf der seite. anscheinend hat sich in der vorstellung, was coolness sein könnte und was nicht, einiges verändert. coolness ist auch schon länger nicht mehr auf das männliche geschlecht beschränkt. beim biografischen schreiben kann man für sich vielleicht erst einmal festhalten, was man selber unter „cool sein“ versteht. denn nur wenn man seine eigene erklärung gefunden hat, kann man auch schauen, ob man nun im laufe seines lebens öfter cool war oder nicht.

und dann kann man den blick auf die eigene lebensgeschichte noch zusätzlich verändern: war man in situationen cool, in denen es im nachhinein betrachtet viel sinnvoller gewesen wäre, wenn man emotionen gezeigt hätte, sich gehen lassen hätte oder geflohen wäre? wie oft stand man sich mit coolness selbst im weg und wie oft erreichte man durch coolness positives im laufe seines lebens? wie oft war coolness bei einem selber eher ein ausdruck von unsicherheit, angst oder scham? wo hat man überhaupt gelernt, cool zu sein? oder war man vielleicht nie in seinem leben cool und findet dies auch weiterhin nicht erstrebenswert?

der blick kann noch stärker geweitet werden: kennt man coole menschen? und welche coole menschen Weiterlesen

selbstbefragung (168) – verlust

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um den „verlust“.

  • was haben sie in letzter zeit verloren?
  • was tun sie, um mit einem verlust klar zu kommen? beschreiben sie.
  • wie haben sie ihre unschuld verloren?
  • welche menschen, die sie in ihrem leben verloren haben (durch tod oder distanz), vermissen sie?
  • ihr grösster finanzieller verlust?
  • welche verluste konnten sie verhindern? wie?
  • was vermissen sie an unserer heutigen gesellschaft am meisten? beschreiben sie.
  • was war für sie kein großer verlust?
  • wen möchten sie in zukunft auf keinen fall verlieren?
  • welche modische erscheinung (ding, kleidung, kultur …) aus früheren zeiten, vermissen sie?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

wissenschaftliches schreiben und nähe

nun, man kann darüber nachdenken, wie zwischen wissenschaftlerInnen nähe entsteht oder wie wissenschaftlerInnen während des schreibens einer abschlussarbeit andere wissenschaftlerInnen zum beispiel in bibliotheken oder auf vorträgen kennenlernen. doch dies hat nicht viel mit dem wissenschaftlichen schreiben zu tun, sondern mit den zwischenmenschlichen interaktionen, die in allen sozialen zusammenhängen auftauchen können. mit scheint es wichtiger, einmal darauf zu schauen, welche bindungen bei wissenschaftlerInnen zu ihren forschungsfragen und in der folge zu ihren texten entstehen können.

sicherlich bauen sich in bezug auf hausarbeiten und referate nicht die gleichen bindungen auf wie bei größeren abschlussarbeiten. doch es geht immer wieder im zusammenhang mit wissenschaftlichen texten, um bewertungen von außen. beschäftigt sich zum beispiel jemand in seinem referat mit themen, die ihn selber berühren, die er sehr interessant findet und die ihm existentiell scheinen (das kommt teilweise auch auf das fachgebiet an), so wird kritik schnell als kritik an der person, am eigenen charakter verstanden. verstärkt wird dieses gefühl oft noch durch benotungen, die inzwischen bei fast allen studienleistungen vorgenommen werden, da diese prüfungsleistungen sind.

bei abschlussarbeiten wiegt für viele kritik noch schwerer. hier bekommt die note und bewertung teilweise eine noch existentiellere bedeutung. bei freier themenwahl bei master- oder doktorarbeiten wurde mit großer wahrscheinlichkeit ein forschungsthema ausgewählt, das man selber spannend und interessant findet. es besteht über einen längeren zeitraum eine emotionale nähe zum geschriebenen. zählt man noch die ganzen zweifel und anstrengungen hinzu, dann ist für viele die schriftliche arbeit ihr erstes wirklich großes geschriebenes werk. und das wird nun öffentlich gemacht, unterliegt einer bewertung und beurteilung durch andere. hier können gefühle von ohnmacht und hilflosigkeit aufkommen.

doch schon im vorfeld fällt es vielen schwer, ihre abschlussarbeit überhaupt loszulassen. so manche wissenschaftliche schreibende zögern die abgabe ihrer arbeit hinaus, da sie sich von ihr nicht trennen können. dafür gibt es sehr verschiedene gründe. es kann eine rolle spielen, Weiterlesen

schreibpädagogik und nähe

in schreibgruppen kann sowohl „textliche nähe“ als auch nähe zwischen den teilnehmerInnen hergestellt werden. die beiden varianten hängen oft zusammen. wenn texte verfasst werden, die einem „nahe kommen“, dann gehen sie nicht selten ebenso anderen nahe. und durch den austausch über nahe gehende texte entsteht wiederum zwischen den teilnehmerInnen von gruppen nähe. eindeutig prädestiniert für das erzeugen von nähe in schreibgruppen ist das biografische schreiben. hier wird persönliches untereinander offengelegt. aber, wie schon oft beschrieben, kann beim kreativen schreibn ebenso viel persönliches einfließen und vermittelt werden.

doch was ist nun bei der leitung von schreibgruppen in bezug auf „nähe“ zu beachten? in erster linie die eigene rolle. es ist eine beständige gratwanderung, selber an der nähe teilzuhaben und gleichzeitig eine gruppe zu leiten. hierbei ist immer der arbeitskontext zu beachten: befinden sich die teilnehmerInnen in einem abhängigkeitsverhältnis zu einem? hat man eine aufsichts- oder erziehungpflicht? ist die teilnahme freiwillig und / oder ein lockerer verbund?

wenn man die eigene rolle realisiert hat, dann kann man sich überlegen, wie man in diesem rahmen agieren möchte. es ist zum beispiel zu beachten, wie weit nähe zu einzelnen teilnehmerInnen von schreibgruppen entsteht und welche reaktionen dies bei anderen hervorruft. hierbei wäre eine klare trennung von arbeit und freizeit hilfreich. als gruppenleitung trägt man verantwortung für alle und natürlich gibt es immer ein bedürfnis, gleichberechtigt zwischenmenschlich zu agieren. bevorzugungen und ablehnungen sollten vermieden werden.

auf der anderen seite agiert man als leitung auch nur als mensch, als subjekt, das gefühle entwickelt. dies sollte man nicht ignorieren, so sehr auch immer wieder die nötige distanz betont wird. zu viel distanz macht schreibgruppen schnell zu lehrveranstaltungen, die Weiterlesen

schreibberatung und nähe

wie in allen beratungssettings kann zwischen beraterInnen und ratsuchenden eine persönliche nähe entstehen. diese macht teilweise beratung erst möglich, also kombiniert das einfühlungsvermögen der beraterInnen mit dem vertrauensvorschuss durch die klientInnen und löst einen effekt, eine veränderung aus. auf der anderen seite verschwimmen manchmal vor allen dingen für ratsuchende, aber auch für beraterInnen die grenzen zwischen profession und privatem.

bei der schreibberatung kann dies zum beispiel durch die entstandenen oder mitgebrachten texte geschehen. oder es ist die große erleichterung, die sich bei ratsuchenden einstellt, wenn sie bemerken, dass ihre schreibprobleme und schreibkrisen überwunden werden können. in diesen momenten sind die beraterInnen gefragt, die distanz zu wahren. einer der besten schutzmechanismen ist die supervision, die selbstreflexion über beratungen mit hilfe eines anderen menschen. denn die verschränkung von preisgegebenen texten, unterstützung bei problemen und empathie kann manchmal in emotionale verstrickungen führen, die man selber gar nicht sieht.

so schmeichelt den beratenden die dankbarkeit der klientInnen und gleichzeitig entsteht manchmal eine form von bewunderung durch die ratsuchenden dem ratgebenden gegenüber. die klientInnen verlieren aus den augen, dass es sich um eine erlernte profession handelt, mit der sie konfrontiert sind, und nicht um einen menschen, der alle lebenslagen im griff hat. auch schreibberaterInnen können eigene probleme mit dem schreiben haben, können an persönlichen schwierigkeiten knappsen. und doch machen sie eine gute arbeit.

dies klappt immer dann gut, wenn bei beratungen auch eine distanz zur eigenen person eingenommen wird. man konzentriert sich auf die fragestellungen anderer und stellt die eigenen bedürfnisse für diesen zeitraum beiseite. natürlich kommt es so oder so zu zwischenmenschlichen interaktionen. und es wäre gelogen, wenn man nicht manche klientInnen sympathischer findet als andere. auch beraterInnen sind subjekte mit emotionen, die man nie vollständig abschalten kann (dessen sollte man sich auch bewusst sein). aber ich kann mich zu meinen gefühlen Weiterlesen

liste (89) – nähe

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um die „nähe“.

menschen, die mir im laufe meines lebens zu nahe kamen:

menschen, deren nähe mir sehr gefiel:

meine liebsten formen der nähe:

menschen, denen ich noch näher kommen möchte:

menschen, situationen, dinge, zu denen ich gern mehr distanz aufbauen würde:

kreatives schreiben und nähe

wie in der eben geposteten schreibidee aufgezeigt, kann man schreibend unglaublich viel nähe herstellen. doch nun möchte ich noch einen anderen aspekt im zusammenhang mit dem kreativen schreiben beleuchten: wie nah sollen meine kreativen texte an meinem leben sein? was will ich preisgeben und was nicht? denn jedesmal, wenn wir kreativ sind, fließen anteile von uns in das geschaffene und geschriebene ein. kreativität speist sich unter anderem aus unseren erfahrungen.

während des kreativen schreibens kann ein befreiendes gefühl auftreten, da man mit geschichten, gedichten und texten einen ausdruck für die eigene gefühlslage findet und „dinge loswerden“ kann. dieser aspekt ist nicht zu unterschätzen, wenn man später stolz auf das geschaffene blickt und überlegt, es der öffentlichkeit preiszugeben. man ist dem text nahe und der text geht einem nahe. (vorsicht mit deutungen: nicht jeder text spiegelt das seelenleben der autorInnen wieder!)

doch man sollte bedenken, dass man die reaktionen der öffentlichkeit auf das geschriebene nie einschätzen kann. man weiß nicht, wenn man ein buch veröffentlicht oder einen text ins internet stellt, wie er auf andere wirkt. schnell kann es zu kritiken kommen (natürlich auch zu lob, anerkennung und jubel), die einen noch stärker treffen, wenn man eine große nähe zum inhalt des textes hat. es ist sinnvoll, bevor man einen text veröffentlicht, eine gewisse distanz zu ihm aufzubauen, sich vom text zu verabschieden.

das mag jetzt recht kryptisch klingen, doch es benötigt gelassenheit, wenn jemand das selbstgeschriebene, das einen bewegt, zerpflückt. denn auch in kritiken fließen persönliche momente ein. stimmungen einzelner menschen, berührungen und nähe durch die gelesenen texte, lassen sich nicht erahnen. natürlich kann man sich beim schreiben die idealen Weiterlesen

schreibidee (342)

es gibt noch eine perspektive, die bisher hier nicht beleuchtet wurde. das schreiben ermöglicht es einem, jede entfernung, die man für angemessen hält, einzunehmen. dabei kann man distanz zum geschehen, zum zu beschreibenden objekt oder zu den protagonisten wahren. aber es geht auch andersrum: man kann ganz nah rangehen, man kann sogar so nah rangehen, wie es das menschliche auge überhaupt nicht erfassen kann, nämlich mikroskopisch nah (und zum beispiel einen dialog der mitochondrien einer zelle schreiben). darum eine schreibanregung für „ganz-nah-geschichten“.

im ersten schritt suchen sich die schreibgruppenteilnehmerInnen im raum einen gegenstand aus, den sie auf maximal zwei seiten sehr detailliert beschreiben. dabei sollte die bezeichnung, der name des gegenstands nicht verwendet werden. so nehme man zum beispiel einen füller und finde worte für seine struktur, seine farbe, seinen aufbau, vielleicht auch seinen nutzen. die texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen.

im zweiten schritt nähert man sich seinen mitschreibenden an. es finden sich immer zwei teilnehmerInnen der schreibgruppe zusammen und betrachten sich auch aus der nähe. nun schreiben sie jeweils über die andere person eine darstellung, die den nahen blick zulässt. man kann also auf die struktur der finger schauen, auf die fingernägel, auf die frisur, die kleidung und vieles mehr. diese texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen.

im dritten schritt entwickeln die teilnehmerInnen jeweils protagonistInnen, ebenso auf maximal zwei seiten, die sie ebenso, wie vorher ihre gruppenkollegInnen, detailliert beschreiben. es geht weniger um deren charakter oder lebensgeschichte, sondern um details ihres aussehens. die texte werden nicht in der schreibgruppe vorgetragen.

denn als nächstes wird eine längere geschichte mit den protagonistInnen geschrieben, in die personenbeschreibung mit einfließt. in dieser geschichte sollte aber noch mehr nähe von den autorInnen hergestellt werden. nicht nur das aussehen wird erfasst, sondern die gedanken. wie auf einem seziertisch sollen die gedanken raum finden. die geschichte wird nicht in der ich-form geschrieben, also autorIn und protagonistIn sind nicht eine person. aber die perspektive sollte so nah wie möglich eingenommen werden. die texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt. beim feedback wird der blick auf die herstellung der nähe konzentriert. wie detailliert ist die nähe gelungen? was transportiert in dem text die große nähe?

wenn dann noch zeit vorhanden ist, kann ein kurzes gegenstück zu verfassten „ganz-nah-geschichte“ geschrieben werden. die gleiche handlung wird aus großer distanz noch einmal beschrieben, um den kontrast zwischen beiden formen zu erfassen.

biografisches schreiben und nähe

nähe ist etwas sehr schönes und kann etwas sehr gruseliges werden. vor allen dingen emotionale und körperliche übergriffe haben etwas mit nähe zu tun. da wir inzwischen in einer gesellschaft leben, in der viele grenzen (der privatheit, der körperlichkeit, des berufs, der kommunikation …) überschritten werden, wird das erzeugen von nähe oder von distanz eher schwerer als leichter.

auch in unseren zwischenmenschlichen kontakten im laufe unseres lebens geht es immer wieder um nähe und distanz. angefangen bei den wünschen, einzelnen menschen näher kommen zu wollen bis zu der frage, wie nahe dürfen einem andere kommen. hier kann man zum beispiel auf einem großen blatt, sich selber in die mitte zeichnen und dann eintragen, welche menschen, die man kennt, in welcher distanz zu einem selber stehen. dies kann man für den aktuellen zeitpunkt machen, aber auch für vergangene zeiten.

wie sah es zum beispiel in der jugendzeit aus, oder beim berufseinstieg? zusätzlich kann man zum beispiel noch markieren, welche menschen man gern in seiner nähe hatte und welche weniger, welche hätten gern näherkommen dürfen und welche sollten noch weiter weg sein. dabei können erinnerungen an die schönsten nähe-erlebnisse mit einem anderen menschen auftauchen, ebenso wie übergriffige situationen, die man im laufe seines lebens erlebt hat. bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte geht es ja immer wieder um die frage, in welchem sozialen umfeld man sich wie bewegt hat. und vor allen dingen, wie angenehm dies Weiterlesen

selbstbefragung (154) – nähe

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „nähe“.

  • ab wann ist etwas für sie nahe? beschreiben sie?
  • wie nah dürfen ihnen menschen kommen?
  • wer kam ihnen in ihrem leben zu nahe? warum?
  • wem würden sie gern näher kommen?
  • wann in ihrem leben wurde die nähe unerträglich, aber auch schön?
  • welchen lebenskonzepten stehen sie nahe?
  • wer will ihnen zur zeit nahe kommen?
  • wie wichtig ist ihnen nähe überhaupt? beschreiben sie.
  • auf welche art und weise nähern sie sich menschen an?
  • auf welche art und weise distanzieren sie sich von menschen?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

web 2.0 und diskurs

diskussionen nehmen im internet oft einen seltsamen verlauf. besonders auffällig finde ich dies in fachforen und ganz speziell in foren rund um computerfragen. es ist wahnsinn, wie schnell jemandem von anderen erklärt wird, dass er seinen computer einfach überhaupt nicht kapiert. besonders faszinierend finde ich es, dass diese foren explizit dazu angelegt sind, sich gegenseitig zu unterstützen und schwierigkeiten zu klären. doch selten werden sie geklärt, oft halb beantwortet und meist driftet der diskurs dann ab.

anscheinend werden auch viele fachforen nicht wirklich von administratorInnen gepflegt, denn auf der suche nach antworten, findet man zwar schnell eine identische frage zur eigenen, aber man findet eben kein brauchbares ergebnis, dafür diskurse über diskurse ohne viel inhalt. dies wiederum kostet viel zeit. da die foren bei den suchmaschinen jedoch recht weit oben als am anfang angesiedelt sind, kann davon ausgehen, dass noch mehr menschen außer mir dies seiten aufrufen.

was für diskurse in foren im web 2.0 definitiv noch fehlt, das ist der „enttäuschungs-button“. an solch einem button könnten sich die suchmaschinen orientieren und somit unbrauchbare foren im nirvana des netzes verschwinden lassen.

doch auch ohne das absprechen der fachlichkeit, gestalten sich diskurse im netzt immer etwas unklar. man hat das gefühl, dass vieles schnell ins persönliche kippen kann und oft auch kippt. dies hat wahrscheinlich mit der erheblichen distanz zwischen den diskutierenden und vor allen dingen mit dem schreiben zu tun. man kann den tonfall des geschriebenen Weiterlesen

web 2.0 und kuschelig

das internet ist zwei auf einmal: kuschelig und gruselig. da gibt es die sozialen netzwerke in der digitalen welt, die auf der einen seite kontakte intensivieren können, die aber auf der anderen seite gern mal die kommunikation in eine wortwahl verrutschen lassen, die der situation nicht angemessen ist. was bedeutet es „befreundet zu sein, zu „gruscheln“ oder auch nur einen smiley zu erhalten?

da man sich im web 2.0 nur virtuell begegnet, bedeutet es erst einmal gar nichts. erst im laufe der zeit, kann man feststellen, wie ernsthaft bestimmte emotionen und emoticons gemeint sind. und wirkliche gewissheit erlangen alle erst bei face-to-face-kontakten. das macht es teilweise leichter, im netz kuscheliges von sich zu geben, dann aber auch wieder schwerer, es für bare münze zu nehmen.

so balanciert die kommunikation beständig zwischen der freude über nähe und zuneigung und den gedanken im hinterkopf, wie glaubhaft das alles ist. dies führt zu so zwiespältigen reaktionen, dass zwar beinahe alle nutzerInnen über die abläufe bei facebook lästern und schimpfen, es aber gleichzeitig intensiv nutzen. man kann davon ausgehen, dass ein großer teil der nutzerInnen der meinung ist, sie würden ganz anders mit den sozialen netzwerken umgehen, als der rest. sie wären selbstreflektierter und kritischer.

und dann packt sie doch plötzlich die mitteilungslust über dinge, die sie im realen leben nicht der ganzen welt mitteilen würden. denn wir alle sind gezwungen, sobald wir uns im web 2.0 bewegen und aufmerksamkeit möchten, uns darzustellen. ob durch bilder, worte oder links, es bleibt uns gar nichts anderes übrig. und es würde nicht viel sinn machen, sich im web 2.0 zu platzieren und nicht den wunsch zu verspüren, dass Weiterlesen

selbstbefragung (128) – kuschelig

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „kuschelig„.

  • kuscheln sie gern? warum?
  • wie oft kuscheln sie? warum nicht öfter?
  • mit wem kuscheln sie am liebsten?
  • wann wird kuscheln für sie unangenehm?
  • wem würden sie gern zum kuscheln näher kommen?
  • wem möchten sie auf keinen fall zum kuscheln näher kommen?
  • wann erscheint oder erschien ihnen ihr leben kuschelig?
  • welche utensilien (decken, kerzen …) brauchen sie zum kuscheln? warum?
  • wann in ihrem leben hätten sie gern mehr nähe erlebt, doch es kam nicht dazu?
  • wann wurde aus kuscheln sex?

biografisches schreiben und eifersucht

es gibt sie immer noch, die eifersuchtsdramen, die nicht gut enden. dabei haben studentInnenbewegung und sexuelle revolution versucht klar zu machen, dass das konstrukt der monogamen zweierbeziehung ein gesellschaftliches ist und wir mit allem viel lockerer umgehen sollten. doch irgendwo ist da der haken und es funktioniert oft nicht so richtig.

da gibt es diejenigen, die im hinterkopf die mahnung haben, dass eifersucht „besitzdenken“ ist und ein anderer mensch nicht besessen werden kann. also stimmen sie ihren partnerInnen zu, dass man eine offene beziehung lebt. und eine(r) von beiden leidet dabei meist wie ein hund. nur um die partnerInnen zu halten entschließt man sich zur offenheit, die nicht lebbar scheint. und da gibt es die, die von anfang nur nach der oder dem einen suchen, prinz und prinzessin, die für den rest des lebens alle bedürfnisse erfüllen. sie stürzen sich in eine fesselnde monogamie, die ihnen im laufe der zeit die luft abschnürt. aber sie würden immer nach außen vertreten, dass es keine andere zusammenlebensform geben kann. selber gehen sie inzwischen fremd, sind aber auf jede(n) eifersüchtig, die sich ihren partnerInnen nähern.

nein, natürlich gibt es noch ganz viele andere spielarten des zusammenlebens. und doch scheinen allzu große ideale jeweils zu verletzen. es geht immer wieder um vertrauen, um absprachen, um verletztes vertrauen und vor allen dingen um verlustangst. hier bietet das biografische schreiben die möglichkeit, schreibend genauer hinzuschauen. in welchen momenten war man unfair? in welchen momentan waren andere zu einem unfair? aus der distanz haben sich die dramen und inszenierungen meist ein wenig beruhigt und es fällt einem leichter, den eigenen anteil an den schwierigkeiten zu erkennen.

denn in einer eifersüchtigen situation selber, da regieren emotionen, die schwer über rationale argumentationen zu erreichen sind. hier herrscht die angst vor eine situationen oder einen menschen an andere zu verlieren. diese vorstellung ist unerträglich, sie löst den gedanken aus, „ohne“ ist das leben unvorstellbar. was für ein irrtum, Weiterlesen

schreibpädagogik und leitung

schreibgruppen zu leiten ist nicht immer einfach. doch insgesamt kann es den leiterInnen auch viel spaß bereiten, da auch sie bei vielen schreibübungen mitschreiben können. aber sie werden, wie das bei gruppenleitungen so ist, immer die leitungsfunktion behalten und von den gruppenmitgliedern daran erinnert werden.

viele leiterInnen von gruppen unternehmen den versuch sich anheischig zu machen. sie möchten gleiche unter gleichen sein. doch das wird zum scheitern verurteilt sein. denn abseits der organisation wird ihnen von teilnehmerInnen die rolle der leitung immer wieder zugeordnet. sollten fragen oder probleme auftauchen, werden gruppenleiterInnen als erstes gefragt. sollten sie keine lösung anbieten können, wird die unzufriedenheit der teilnehmenden ihnen gegenüber zunehmen.

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