Schlagwort-Archive: dreck

leben neben der berliner feuerwehr (08)

frühling, sonniger sonntag, die private waschstrasse ist eröffnet. schön, wenn endlich sonnenstrahlen die letzten zwei wochenenden aufhübschen. nicht schön, wenn jeden sonnigen sonntagnachmittag in folge ein privat-pkw nach dem anderen rangiert, gewaschen und getrocknet wird. da sehnt man den frostigen winter wieder herbei, während dem einfach einmal ruhe im hinterhof herrschte. denn nun stehen wieder reifenwechsel an, besucher kommen auf die feuerwache, um ihre pkws und wohnmobile einer vollreinigung zu unterziehen.

alternativ könnte die nachbarschaft finanziell an der waschstrasse beteiligt werden, sozusagen als entschädigung für die verminderte lebensqualität neben einer berliner feuerwache und für ein lärmendes wochenende durch landesbeamte. da würde ich dann sogar hier die telefonnummer der feuerwachen angeben, damit man sich für eine rundum-wäsche des eigenen fahrzeugs anmeldet (es werden auch unterboden und radkasten gereignet sowie der innenraum mit viel engagement ausgesaugt). mit den einnahmen ließen sich schallisolierende fenster einbauen und die folgekosten für die umweltschäden begleichen.

schreibidee (197)

diese schreibidee ist für kinder und jugendliche unter 16 jahren nicht geeignet. so oder so ähnlich könnte die vorgabe für die schreibidee lauten, wenn man unter „schmutz“ bestimmte zwischenmenschliche kontaktformen in schriftlicher ausführung versteht. aber der begriff ist ein größerer, der als grundlage für die schreibidee dient. denn es sollen einfach „schmutzige texte“ geschrieben werden.

die schreibidee könnte zum beispiel mit einer kleinen exkursion beginnen. die teilnehmerInnen werden mit digitalkameras bewaffnet (so eine kamera findet sich ja inzwischen in vielen handys) auf die straße geschickt, auf der suche nach schmutz. der wird dokumentiert und anschließend im schreibgruppenraum schnell ausgedruckt oder in eine diashow eingefügt. die teilnehmerInnen wählen sich jeweils eines der bilder aus und schreiben ein einseitiges porträt des schmutzes.

anschließend führen alle eine 30-wort-assoziation zum thema schmutz durch. schwerpunkt dieser assoziation sollen adjektive sein, die den schmutz umschreiben. diese adjektive werden am flipchart gesammelt und zwei oder drei davon suchen sich die schreibenden aus. nun wird ein längerer „schmutziger text“ unter verwendung der ausgewählten adjektive verfasst. dieser text wird in der schreibgruppe vorgelesen und im feedback wird diskutiert, wie der text noch schmutziger gemacht werden kann.

im anschluss werden in der schreibgruppe gemeinsam neue wörter für schmutz und dreck erfunden. dies geschieht in anlehnung an das von georgette dee zu gehör gebrachte wort „liebäh“ oder so. und zum abschluss darf dann von allen schreibgruppenteilnehmerInnen noch einmal so richtig im schmutz gewühlt werden. es ist ein text zu verfassen, der möglichst bei den leserInnen und zuhörerInnen ekel auslöst. sprache kann in diesem zusammenhang bilder zeichnen, die kein kameramann, kein maler in dieser direktheit abbilden kann. es geht bei diesen texten weniger um gewalt, denn um ein bild, das für das menschliche auge unangenehm ist. die texte werden in der abschlussrunde vorgestellt.