Schlagwort-Archive: drogen

schreibberatung und sucht

es ist in beratungen nicht immer leicht festzustellen, ob die ratsuchenden vor dem termin substanzen zu sich genommen, um emotionen, bewusstsein oder stimmungen zu verändern. hier geht es nicht um die bewertung, ob dies ein persönliches problem darstellt oder nicht. es geht nur darum, ob man in diesen „zuständen“ der ratsuchenden eine sinnvolle beratung durchführen kann.

das schreiben hängt eng mit mentalen funktionen zusammen. doch auch unter beeinträchtigungen der mentalen fähigkeiten durch substanzen wurden große literarische werke verfasst und entwickelt. doch beraterInnen sind nicht unbedingt fähig abschätzen zu können, wie weit die restliche lebensgestaltung der klientInnen eine dauerlevel von mentalen veränderungen unterliegt. so kann zum beispiel unter psychopharmaka sehr wohl gelernt, gearbeitet oder gestaltet werden.

wichtigster aspekt einer schreibberatung oder auch einer beratung generell ist es meiner ansicht nach, es anzusprechen, wenn man den eindruck hat, jemand konsumierte vor der beratung leistungsverändernde substanzen. die schwierigkeit bei sucht besteht ja darin, dass die umwelt oft eine große hemmschwelle hat, dies zu thematisieren. Weiterlesen

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schreibidee (260)

sucht ist nur deswegen problematisch, da es sehr unangenehm wird, wenn der nachschub zur befriedigung der bedürfnisse ausbleibt. dann geht es los, dann gibt es kein halten mehr. darum heisst die sucht ja auch sucht. um dieses unangenehme gefühl des mangels zu umgehen tun süchtige viel, sind zu allem bereit. diese schreibanregung widmet sich dem phänomen „voll auf turkey sein„.

zu beginn werden am flipchart ideen gesammelt, was menschen alles anstellen, um ihre sucht zu befriedigen. dabei können die schreibgruppenteilnehmerInnen eigene erfahrungen einfließen lassen (natürlich ist nichts offen zu legen) oder auch ihre fantasie spielen lassen. anschließend erstellen alle ein „gefühls“cluster. in die mitte des blattes wird der begriff „sucht“ geschrieben und drumherum werden die gefühlsregungen, die damit verbunden sind, die einem einfallen gruppiert.

dann sind alle teilnehmerInnen aufgefordert, aus den flipchart-notizen und dem cluster eine geschichte zum thema „voll auf turkey sein“ (ein begriff, der beschreiben soll, dass der nachschub an „drogen“ fehlt und das craving voll in gange ist) zu schreiben. dabei kann es sich um die verschiedensten süchte handeln, also kaufsucht, sexsucht oder spielsucht können es ebenso sein, wie drogen- oder tablettensucht. die geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und beim feedback geht es darum, eine rückmeldung zu geben, wie gut die gefühlszustände in den texten erfasst wurden.

zum abschluss wird das feld der nicht anerkannten süchte betreten. also zum beispiel die sucht, haustiere, autos oder bücher zu kaufen und zu besitzen, oder die sucht für schöne schuhe, die sucht nach anerkennung, die sucht nach gemähtem rasen… 😉 alle teilnehmerInnen überlegen sich zwei bis heute kaum definierte süchte, die sie auf jeweils eine seite beschreiben, wie dies in fachbüchern der fall ist. vorher kann man texte aus psychologischer sicht zur beschreibung von süchten vorstellen. die „neuen“ süchte werden abschließend in der schreibgruppe vorgetragen.

selbstbefragung (98) – sucht

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „sucht„.

  • von was können sie nicht lassen, obwohl sie davon lassen sollten? beschreiben sie.
  • haben sie erfahrungen mit drogen (kaffee, alkohol, zigaretten und noch viel mehr)? welche?
  • was gibt ihnen noch einen kick (eingedenk der tatsache, dass alles süchtig machen kann, angefangen beim teetassen sammeln bis zum schnellen autofahren)?
  • wann brauchen sie ihre kicks am meisten? in welchen situationen?
  • welche süchte haben sie im laufe ihres lebens schon abgelegt?
  • mal ganz ehrlich: wann trinken sie zu viel alkohol? warum?
  • was passiert, wenn ihre „sucht“ nicht befriedigt wird? was stellen sie an, um doch noch befriedigung zu finden?
  • sprechen sie menschen, die ihnen nahe stehen, direkt auf deren süchte an?
  • was glauben sie, warum bei uns immer noch nicht richtig anerkannt wird, dass süchte eine störung oder krankheit sind?
  • sucht und flucht liegen nah beieinander. vor was würden sie am liebsten flüchten? beschreiben sie.

schnickschnack (61)

drogensucht und drogenkonsum sind untrennbar miteinander verbunden. in deutschland ist dies weiterhin ein heikles thema, da, wie hier schon einmal erwähnt, die drogenerkrankung nicht wie eine krankheit betrachtet wird, sondern oft als mangel an selbstdisziplin. zudem ist der konsum mancher drogen gesellschaftlich anerkannt (siehe alkohol) aber anderer drogen strafbar.

doch in den letzten jahren gab es zumindest eine leichte veränderung in die richtung einen etwas unverkrampfteren umgang mit der thematisierung von drogenerkrankungen und den einhergehenden abhängigkeiten zu finden. so darf überhaupt über die freigabe bestimmter drogen, auch in der schmerztherapie, diskutiert werden. viele freie träger in der stadt berlin arbeiten auf der basis „akzeptierender drogenarbeit„, soll heißen, die drogenkonsumentInnen werden nicht zusätzlich kriminalisiert, sondern es werden ihnen hilfsangebote gemacht.

ein recht ungewöhnliche haltung wird eingenommen, wenn man davon ausgeht, dass der mensch als subjekt, sehr wohl darüber selbst bestimmen darf, was er seinem körper zuführt und was nicht, also auch seinen drogenkonsum selbstbestimmt gestaltet. informationen über die fachlichen begründungen und das konzept der arbeit mit drogenerkrankungen findet sich unter http://www.prosd.org . eine spannende und diskussionfördernde seite.

wortklauberei (15)

„rauschtrinken“

wenn bürokratInnen sich dem alltag zuwenden, dann wird die sprache verändert. im zusammenhang mit dem letzten bericht der drogenbeauftragten der bundesrepublik deutschland kam der begriff des „exzessiven rauschtrinkens“ auf. im alltag würde jeder mensch dazu „saufen“ sagen, doch dies ist manchen anscheinend zu vulgär, obwohl die deutsche sprache damit genau das meinte, was hier umschrieben wird. skurril an dem begriff rauschtrinken ist die vorwegnahme des ergebnisses. so, wie man dann auch von „dickessen“, „intravenöses rauschspritzen“ oder „unfallfahren“ für rasen auf der autobahn  sprechen könnte.

oder anders betrachtet, einen rausch kann man nicht trinken. man kann ihn sich höchstens ertrinken oder durch getränke hervorrufen. das wäre sonst, wie einen orgasmus sexen oder eine sattheit essen. generell stellt sich die frage, weshalb sprachlich eine seltsame distanz zu den ereignissen hergestellt wird. mit großer wahrscheinlichkeit, damit es leichter verurteilt werden kann.

abseits der sprache ergibt sich dann jedoch eine weitere schwierigkeit. die betonung, dass das rauschtrinken bei jugendlichen zunimmt und dies zu verhindern sei, steht im widerspruch zu dem regelmäßigen rauschtrinken erwachsener, zum beispiel in den zelten des oktoberfestes. hier überträgt aber das fernsehen den start der festlichkeiten live. es ist schwer zu verstehen, weshalb erwachsene den rausch leben dürfen, jugendliche aber nicht. gesundheitsschädlich ist beides. doch die betrachtungsweise zeigt, wie unbeholfen bei uns immer noch der umgang mit drogen behandelt wird. vollständig abschaffen wird man sie nicht können, wie die prohibition zeigte, also wäre es sinnvoll einen genußvollen umgang abseits des komasaufens zu propagieren. doch dann steht das wort „rauschtrinken“ im weg.

schreibidee (33)

eine schnapszahl bei den schreibideen, lädt dazu ein, sich diversen drogen zu widmen. das fängt bei a wie alkohol an und endet bei z wie zigaretten. natürlich gibt es dazwischen auch etliche verbotene wirkstoffe, die das dasein beeinflussen und beeinträchtigen können. viele menschen haben erfahrungen mit dem einen oder anderen suchtstoff gesammelt. es ist ein weites feld der erfahrungen, das beim kreativen schreiben die grundlage mancher geschichte sein kann.

um das thema in einer schreibgruppe zu nutzen, wäre es hilfreich in der vorbereitung kurze informationen oder kleine broschüren zu den diversen drogen zusammenzustellen. dann wird auf zettel jeweils eine droge geschrieben. jede teilnehmerin, jeder teilnehmer sollte einen zettel ziehen. ihnen wird zu „ihrer droge“ ein wenig infomaterial ausgehändigt, wenn ihnen die wirkweise unbekannt sein sollte.

die broschüren und informationen sollen der inspiration für einen text sein, der sich um das thema drogen, sucht oder erfahrungen unter drogen dreht. dabei geht es nicht darum gesundheitspräventive texte zu verfassen, sondern eher um die frage, was drogen alles auslösen und beeinflussen können, egal ob positiv oder negativ.