Schlagwort-Archive: druck

web 2.90 – epubli.de

bücher veröffentlichen war bis vor ein paar jahren aufwendig, umständlich und für viele nicht unbedingt von erfolg gekrönt. das internet hat nicht nur unsere kommunikationsformen revolutioniert, sondern inzwischen auch den buchdruck (korrekterweise sollte ich schreiben: die digitalisierung). so wie die blogs, twitter und co inzwischen etlichen zeitungen und zeitschriften den rang ablaufen, so tuen es „books on demand“ und „e-books“ den verlagen und dem buchhandel.

das bedeutet nicht, dass es inzwischen bücher für lau gibt (höchstens illegal oder wenn autorInnen sie ins netz stellen), aber die vertriebswege und die veröffentlichungsmöglichkeiten haben sich vervielfältigt. man kann darüber streiten, ob dies nicht insgesamt den buchmarkt zerstört oder ob dadurch die verlegerische vielfalt zunimmt. ich finde die diskussion ist noch nicht entschieden.

man kann der überzeugung sein, dass man ein tolles werk verfasst hat. man hat es an verlage gesendet, hat absage über absage einheimst und zweifelt an den eigenen fähigkeiten. ja, eigentlich hat man etwas geschrieben, das bis heute nie geschrieben wurde. gute freundInnen bescheinigen einem: total spannend, total gut. doch was tun. man konnte auch schon bisher im eigenverlag veröffentlichen, eine aufwendige und teure angelegenheit. und wissenschaftlerInnen kennen das problem, dass ihre veröffentlichungen von ihnen bezahlt werden müssen, da sonst kein verlag mehr bereit wäre, zu drucken.

inzwischen gibt es alternativen – ein beispiel ist „epubli.de“ von der holtzbrinck-verlagsgruppe: eine internetseite, auf der man sein buch als pdf-datei hochladen, die form und ausführung wählen kann (wenn man möchte mit isbn und vertrieb über amazon, den buchhandel und apple) und dann abwartet. wenn andere menschen an dem von einem selbstgeschriebenen werk interesse haben, dann können sie es online bestellen und das buch geht dann erst in druck, oder das e-book ist nach bezahlung herunterladbar.

das schöne an dem angebot ist, man muss keine exemplare vorab drucken lassen (man erhält aber rabatte und kann damit den gesamtpreis senken, wenn man gewisse stückzahlen vorab drucken und lagern lässt). man kann den preis für das buch selber festlegen – beim e-book wird sich an anderen kriterien orientiert. man entscheidet also über die eigene gewinnspanne und kann ebenso schnäppchen anbieten (an denn man nichts weiter verdient). lässt man nichts vordrucken, dann dauert die lieferzeit 8 bis 10 tage, liegen die bücher schon im lager, handelt es sich um die üblichen lieferzeiten.

die bücher werden nicht verschenkt, aber man kann sich leicht an einem kleinen „beispielrechner“ die verteilung der kosten und einnahmen wunderbar aufschlüsseln lassen. man achte dabei aber unbedingt auf die versandkosten, die noch dazu kommen (bei amazon marketplace zum beispiel immer 3,- €). wer sich ein wenig bei layout und gestaltung auskennt, kann also beinahe ohne hilfe sein eigenes buch veröffentlichen, ohne dass so hohe kosten wie bei einem selbstverlag entstehen (isbn und anderes sind aber zu zahlen). die werbung muss man natürlich auch teilweise selbst übernehmen. aber vielleicht kann man feststellen, dass großes interesse an dem eigenen werk besteht und sich die verlage geirrt haben 😉 ein zusätzliche chance für viele schreibende.

http://www.epubli.de

schreibberatung und flucht

ich möchte hier nicht darüber schreiben, weshalb jemand die schreibberatung fluchtartig verlassen könnte, auch wenn mir manche gründe dazu einfallen. nein, es geht mir um die frage, welche rollen die kleinen oder großen fluchten bei schreibkrisen und schreibblockaden spielen. es geht um die momente, in denen einem so viel anderes einfällt, während man sich eigentlich an eine schreibaufgabe setzen sollte und diese abarbeiten müsste.

da werden fenster geputzt, es wird im internet gesurft, ganz dringend muss man lebensmittel kaufen, obwohl der kühlschrank voll ist, freunde werden angerufen, da man sich so lang nicht mehr gemeldet hatte, dann kommen ein paar einladungen, die man alle gern wahrnimmt, man muss auch die alten zeitungen mal aussortieren und noch vieles mehr. wenn man diese aufgaben nicht jetzt erledigen würde, dann würde man binnen kürzester zeit im chaos versinken. so jedenfalls ist gern die argumentation in der schreibberatung.

schlicht formuliert werden halbbewusst falsche prioritäten gesetzt und dadurch der druck zu lösung der schreibaufgabe ständig erhöht. die fluchten fühlen sich aber nicht gut an. im hinterkopf kreisen die gedanken, dass man eigentlich etwas anderes, wichtigeres machen müsste. und gleich fallen einem wieder 10 ausreden ein, warum nicht gerade jetzt. der gute rat von außen, macht es meist nicht besser. da wird aufgezeigt, dass es nun mal dinge im leben gibt, die man nicht so gern macht, aber wenn man sich nur ein bisschen zusammenreisst, dann klappt das schon. da werden horrorszenarien, die man meist schon selber im kopf hat, ausgemalt und druck erhöht sich beständig.

nebenher ist der mensch auch noch so geschickt, dass er sich mit anderen vergleicht und davon ausgeht, die schaffen das alle ganz leicht, nur man selber kriegt es wieder nicht auf die reihe. außerdem, was hat man schon schriftlich mitzuteilen. die eigenen schreibprodukte zeugen doch eher von schlechter qualität, das forschungsprojekt liefert keine brauchbaren ergebnisse, man hat einen fürchterliche schriftsprache und noch vieles mehr. bei solchen gedanken kann man ja nur die flucht ergreifen und hoffen, dass sich alles von selbst regelt.

der teufelskreis besteht darin, dass das prokrastinieren keinen spaß mehr macht. so lang es einem gut damit geht, spricht nichts gegen „aufschieberitis“. aber sobald man nur noch mit schlechtem gewissen und bauchgrimmen die flucht antritt, lohnt ein blick auf die eigenen denkmuster. die erste frage lautet: wie realistisch ist die eigene einschätzung? flüchtende schreiberInnen haben meist Weiterlesen

schreibberatung und weinen

in jeder beratungssituation kann es vorkommen, dass die klientInnen an ihre grenzen gelangen und zu weinen anfangen. es kann manchmal schon genügen, dass ihnen jemand zuhört und sie sich aufgehoben fühlen. auch wenn schreibberatungen seltener als psychologische beratungen mit tiefgreifenden lebenskrisen beschäftigt sind, so kann der emotionale druck bei einzelnen ratsuchenden trotzdem enorm hoch sein.

natürlich kann es also auch in schreibberatungen vorkommen, dass jemand in tränen ausbricht. dagegen spricht erst einmal überhaupt nichts. der kathartische effekt des weinens hat meistens eine entspannende funktion (zumindest für kurze zeit) und macht es möglich noch einmal anders an die fragestellung heranzugehen.

und doch ist es den meisten ratsuchenden recht peinlich, dass sie das weinen vor einer ihnen recht fremden person nicht mehr zurückhalten können. hier sind die beraterInnen gefragt, um den gefühlsausbruch kein großes aufheben zu machen. ideal ist es, wenn man ein taschentuch oder papiertücher zur hand hat, die man den klientInnen geben kann. sollten sich die weinenden entschuldigen, dann kann man ihnen sagen, dass sie sich für die tränen nicht zu entschuldigen brauchen. man sollte den weinenden zeit und raum geben, ihren tränen nachzugeben.

manche beraterInnen verunsichern weinende klientInnen. dies kann mehrere effekte haben: der gefühlsausbruch wird übergangen und es wird nicht darauf reagiert. es wird recht hektisch reagiert, da sich die beraterInnen emotional unter druck gesetzt fühlen und meinen schnell reagieren zu müssen. es ist den beraterInnen unangenehm und peinlich, dass jemand vor ihnen in tränen ausbricht. oder es wird vehement versucht, die positiven aspekte der situation hervorzuheben. all dies wird von ratsuchenden nicht als sehr hilfreich empfunden.

die sinnvollste reaktion besteht darin, die ruhe zu bewahren, nichts schön zu reden und den emotionalen ausbruch Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und qual

wie schon beim thema „schreibberatung und qual“ erwähnt, sind es oft die beruflichen texte, die schwierigkeiten bereiten können und den emotionalen druck erhöhen. beim wissenschaftlichen schreiben kommt noch ein wichtiger aspekt dazu: es geht für viele um die zukunft. angefangen bei prüfungsrelevanten texte, wie hausarbeiten oder referaten, über die abschlussarbeiten eines studiums bis zu den doktorarbeiten den habilitationen oder den veröffentlichungen im drittmittelbereich, neben der wissenschaftlichen herangehensweise spielt die bewertung von außen eine große rolle.

beim wissenschaftlichen schreiben kommt man nicht drumherum, die leserInnen immer mitzudenken. sonst ist es ja hilfreich, erst einmal nur für sich zu schreiben und später auf die reaktionen zu schauen. aber hier muss man die reaktionen der prüferInnen, der forschungsgelder-geberInnen oder der lektorate wissenschaftlicher fachzeitungen antizipieren, da man sonst, sehr drastisch formuliert, keine chance hat.

in diesen momenten ist man damit konfrontiert, dass in den wissenschaften zwar immer so getan wird, wie wenn es klare standards einer wissenschaftlichen arbeit gebe, gleichzeitig in die bewertungen einer arbeit eine menge subjektive haltungen und eigene vorstellungen, was enthalten sein sollte, mit einfließen. von der bewertung der anderen hängt jedoch nicht selten die eigene berufliche zukunft und die finanzielle absicherung in den arbeitsbereichen der wissenschaften ab. darum ist der emotionale druck teilweise so enorm, dass das schreiben des textes zur qual wird.

viele unsicherheiten und probleme lassen sich meist durch das fragen der betreuenden, zuständigen wissenschaftlerInnen klären. manchmal bekommt man auch informationen von anderen menschen, die schon einmal bei der gleichen person eine betreuung erfahren haben. und doch beschäftigt man sich über einen teilweise sehr langen zeitraum (für eine doktorarbeit mehrere jahre) mit ein und demselben thema mit der betreuung von ein und derselben person. das kann (muss aber nicht) die lust am schreiben trüben.

um nicht in qualvolle gefühlszustände zu rutschen, empfiehlt sich auf der einen seite zwar ein kontinuierliches arbeiten am forschungsgegenstand, aber auch klare auszeiten und Weiterlesen

selbstbefragung (83) – stress

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „stress„.

  • was hat sie in der letzten wochen gestresst?
  • was hat sie in ihrem leben am meisten gestresst?
  • warum lassen sie sich stressen? begründen sie.
  • kennen sie das gefühl, nicht mehr zu wissen, wo ihnen der kopf steht? warum?
  • was hilft ihnen gegen stress?
  • wie gut schaffen sie es ihren stress zu reduzieren? warum?
  • gibt es menschen, die sie unterstützen, wenn der stress am größten ist? oder meinen sie, alles allein bewältigen zu müssen?
  • gibt es menschen, die sie immer wieder unter druck setzen? warum weichen sie ihnen nicht aus?
  • was entspannt sie wunderbar? beschreiben sie.
  • und warum entspannen sie gerade nicht, sondern ziehen sich diese selbstbefragung rein? begründen sie.

schreibberatung und vorsätze

„ja, heute setze ich mich hin und schreibe endlich. die frist wird schon knapp. aber ich habe mir einen zeitplan erstellt. wenn ich jeden tag drei stunden an der arbeit schreibe, dann schaffe ich es gut bis zum abgabetermin. ist ja klar, dass jetzt das telefon klingelt. nein, ich geh nicht ran. aber es könnte doch der anruf sein, auf den ich schon so lang warte. na gut, aber nur kurz.

mist, jetzt hat das gespräch wieder so lang gedauert. war aber nett. es muss ja auch noch privates neben der arbeit geben. ich habe hunger. schnell was kochen und essen, dann schreibt es sich viel konzentrierter. ich kann mich beim kochen immer ganz gut entspannen. vielleicht kann ich mir noch ein paar gedanken zur abschlussarbeit machen. irgendwie fehlt der rote faden noch. kann ja mal zettel und stift in die küche legen.

na viel ist da an ideen nicht rüber gekommen. ich bin so satt und so müde. ein kurzes mittagsschläfchen wird mich erfrischen. … oh je, ich würde die schon alle gern mal wieder treffen. aber heute abend? ich muss mich doch an meine arbeit setzen. habe heute noch keine zeile geschrieben. aber wann sehe ich sie alle mal wieder. und wie sieht eigentlich die küche aus? da muss ich erst mal klar schiff machen, dann ist es für die nächste zeit ordentlich und ich kann mich besser auf die arbeit konzentrieren. doch, ich geh da heute abend hin, so schnell ergibt sich die möglichkeit nicht mehr, alle zu sehen.“

solche situationen kennt fast jeder. man hat den ganzen tag was gemacht, nur nicht das geschrieben, das wichtig wäre. dabei hatte man sich so viel vorgenommen und so einen tollen zeitplan gemacht. aber jede mögliche ablenkung scheint willkommen, um nur nicht vor dem leeren blatt oder weißen bildschirm zu sitzen. gründe für das aufschieben kann es viele geben. man hat nicht das gefühl, dass einem was einfällt. es fehlt einem eine klare struktur für den text. der text soll perfekt werden, aber alle versuche waren bis jetzt mittelmäßig. es sind noch so viele andere dinge zu erledigen. …

durch dieses verhalten wird der berg an noch zu schreibendem immer größer und der druck nimmt zu. dies blockiert ein entspanntes schreiben. Weiterlesen

„das lesikon der visuellen kommunikation“ von juli gudehus – ein buchtipp

nein, es handelt sich um keinen tippfehler, es sollte nicht „lexikon“ heißen, „lesikon“ ist eine schöpfung der autorin. lesikon deutet schon darauf hin, dass viel zu lesen ist, doch erst beim aufschlagen fällt auf, dass nicht ein bild zum thema visuelle kommunikation auftaucht. wenn man nicht anfängt zu lesen, dann mag der erste eindruck abschreckend sein. abgesehen von den 3000 seiten sind die stichworte noch nicht einmal wirklich alphabetisch sortiert.

aber wenn man beginnt, zu lesen, dann begeistert man sich in kürzester zeit für dieses buch, selbst als laie in bezug auf die visuelle kommunikation. das ganze buch ist ein großer spieltempel, ein assoziationskatalog riesigen ausmaßes. am besten verstrickt man sich in das buch gleich neben seinem internetfähigen computer. denn nicht nur die vielen querverweise, der labyrinthische aufbau machen einen unbändigen spaß, zu den meisten begriffserklärungen wird auch noch eine internetseite erwähnt. mal als fundort der beschreibung, mal als verweis auf mehr. dabei kann man seltsame entdeckungen machen. irgendwie scheint das buch wie surfen im lexikon oder cloud-computing in gedruckter form mit digitaler ergänzung.

die autorin juli gudehus hat neun jahre lang zusammengetragen, was auch nur im entferntesten mit visueller kommunikation zu tun hat. und da das ganze leben mit visueller kommunikation zu tun hat, findet sich auch zu beinahe allem etwas. von der ersten minute an kann man sich der sogwirkung „des lexikons der visuellen kommunikation“ nicht entziehen. da es keine übliche lexikalische struktur gibt, sondern das buch im untertitel als collage bezeichnet wird, sollte man es auch so handhaben. in jeder ecke eine kleine anregung. man kann ihr folgen, man kann einfach weiterlesen, man kann querverweise aufsuche oder eben das internet.

also alles in allem ein wälzer der anregungen, sowohl fachlicher als auch kreativer. ja, wenn der aufwand nicht so groß wäre, wünschte man sich noch mehr lesikone, zum beispiel über das schreiben, das hören und schmecken. doch schreibanregungen findet man auch in diesem buch und noch viele anregungen für die eigene werbung. nur für die quellenangaben würde man sich eine kleine leselupe wünschen. das buch ist 2010 im verlag hermann schmidt in mainz erschienen. ISBN 978-3-87439-799-5

p.s.: aufmerksam geworden bin ich auf das buch durch die sendung „druckfrisch“ in der ard. manchmal klappt das doch mit dem bildungsauftrag 😉

schnickschnack (82)

der sinkende stern der katholischen kirche ist schwer aufzuhalten, zumindest in den westlichen nationen. da ist es sinnvoll, sich gedanken darüber zu machen, wie man kirche modernisieren und aufhübschen könnte, damit sie wieder attraktiver wird und der laden läuft. ein versuch besteht darin, das zölibat abschaffen zu wollen oder frauen zu priesterinnen zu ernennen.

doch seien wir mal ehrlich, das attraktive an der katholischen kirche ist der ganze tand, sind die zeremonien. kaum eine glaubensrichtung bietet so viel symbolisches, das immer wieder mit inbrunst zelebriert wird. unter pr-gesichtspunkten spricht der erfolg für die kirche, sie konnte sich lang halten. gut, ob der rückkehr zur messe in latein so hilfreich war das muss sich noch rausstellen, böte sich doch der chatsprech für eine attraktive zeremonie online an.

besonders ausdrucksstark wirkten über jahrhunderte die heiligen der kirche, die schutz, mahnung und halt für verschiedene lebensaspekte boten. doch inzwischen haben sich die gesellschaften und die lebenskonzepte verändert, so dass selbst die heiligen ein wenig altbacken wirken. aber es gibt abhilfe. grafikerInnen haben sich des themas angenommen und einfach neue heilige für diverse lebensbereiche entworfen. da erfreuen dann schon die namensgebungen für die himmelswesen, noch mehr aber die künstlerische umsetzung, die bilder.

im internet kann man sich in ruhe all die glaubensstützer_innen betrachten, bei „grobgrafik„, einem konzept, das an sich schon eine gehörige portion humor bietet. und da noch nicht alle aufgaben der heiligen umschrieben sind, kann man sich selber die stellenbeschreibungen kreieren, und als vorschlag sicher den grafikerInnen zusenden. viel spaß bei der betrachtung, mal sehen ob die kirche ein wenig entstaubt wird. zu finden sind die bilder und namen unter http://www.grobgrafik.de/sanktnimmerlein/ .