Schlagwort-Archive: dynamik

schreibpädagogik und unsicherheit

zwei aspekte bei schreibgruppen sind nicht zu unterschätzen: die unsicherheit der teilnehmerInnen und die unsicherheit der anleitung. trifft dies aufeinander ergibt sich eine durch und durch unsichere schreibgruppe. da unsicherheit nicht automatisch bedeutet, dass weder kreatives noch biografisches in schreibgruppen entsteht, spielt dies eigentlich erst einmal keine rolle. wenn aber durch die unsicherheiten gruppendynamiken entstehen, die das schreiben behindern, dann sollte dies beachtung finden.

zum einen gibt es das phänomen, dass auch in schreibgruppen strukturen, wie man sie aus der schule kennt, auftauchen. dies bedeutet, obwohl die teilnehmerInnen die gruppe freiwillig und zu ihrem vergnügen besuchen, machen sie aus der leitung eine person, die ihnen unangenehme dinge zumutet, denen sie ausweichen, und eine person, an der sie sich abarbeiten. sollte nun die schreibgruppenleitung unsicherheit ausstrahlen, kann ihr dies schnell zum nachteil werden.

gern werden auch schreibgruppenleitungen auf ihre kompetenzen hin getestet. es gibt ebenso die versuche der alpha-teilnehmerInnen die leitung „vom thron zu stossen“. dies geht nicht selten mit der abqualifizierung der leitung, unberechtigter kritik und einer personalisierung des konflikts einher. leider verstärkt unsicherheit die schwierigkeiten oft noch. man kann in diesem moment zwei strategien verfolgen: man legt alle bedenken und unsicherheiten offen. ab diesem moment wird man in vielem unangreifbar und das abarbeiten an der person beinahe unmöglich. bezieht man die teilnehmerInnen dann noch in die nächsten entscheidungsfindungen explizit mit ein, kann das die ganze lage entspannen.

eine andere strategie wäre es, die leitungsfunktion für einen festgelegten zeitraum den gruppenteilnehmerInnen Weiterlesen

„praxisbuch networking“ von andreas lutz – ein buchtipp

seit der entstehung des so genannten web 2.0 tritt eine soziale kompetenz im arbeitsleben immer stärker in den vordergrund: das „netzwerken“, wie es neudeutsch genannt wird. vor allen dingen selbstständige, aber auch angestellte sind gefordert, sich ein netzwerk aufzubauen, das in erster linie über das internet kommuniziert und sich gegenseitig hilfestellung bei der erledigung von aufgaben gibt.

doch so schlicht sollte man dies nicht formulieren. das networking erfüllt noch mehr aufgaben: zum einen sich überhaupt in ein soziales netz einzubinden, nicht allein auf der welt sein ding durchziehen zu müssen. es bietet also auch einen halt. zum anderen aber auch die verschränkung von privatem und beruflichem. etwas, das in der heutigen arbeitswelt unumgänglich scheint. es geht nicht darum, andere zum eigenen vorteil auszunutzen, es geht darum im laufe der zeit gegenseitige unterstützung und hilfsbereitschaft zu signalisieren.

andreas lutz zeigt in seinem „praxisbuch networking – einfach gute beziehungen aufbauen – von adressmanagement bis xing.com„, dass es nicht nur um die digitalen kontakte, sondern vor allen dingen auch die persönlichen, realen geht. dass networking erst einmal nur darauf basiert, seine eigenen kompetenzen, informationen und möglichkeiten anderen anzubieten, ohne den eigenen vorteil im auge zu haben. ein netzwerk wächst, es hat etwas dynamisches, das gepflegt werden muss, aber gleichzeitig auch sozial einbindet.

es gibt heutzutage viele möglichkeiten, sein eigenes netzwerk aufzubauen. im buch wird eine auswahl der möglichkeiten geschildert. es werden ganz praktische tipps gegeben, wie man am angenehmsten auf andere menschen zugeht, was man kommunizieren kann und wie man ein netzwerk pflegt. auch wenn man sich fragen kann, ob das bisherige soziale netz, in dem man gelebt hat, auch ohne einen begriff dafür zu haben, die gleichen konsequenzen hatte, so scheinen manche tipps für das berufsleben hilfreich und heutzutage notwendig. ein blick in die weite welt des networking lohnt sich.

das buch ist 2009 im linde verlag in wien erschienen. ISBN 978-3-7093-0200-2. und noch mehr infos finden sich unter http://www.jeder-ist-unternehmer.de .

schreibpädagogik und stress

bei der schreibpädagogik müssen zwei blickwinkel in bezug auf die anleitung von schreibgruppen eingenommen werden. zum einen der blick auf den stress als anleiterIn einer schreibgruppe. zum anderen der auf den stress innerhalb einer schreibgruppe, den man als anleiterIn feststellt. beide stressformen können in jederzeit auftreten, sie sind kein weltuntergang, aber im vorfeld kann man sich eventuell schon ein paar strategien überlegen.

man gerät bei der anleitung einer schreibgruppe sehr in (negativen) stress. was kann man tun? ursache kann zum beispiel sein, dass die vorgeschlagene schreibanregung nicht funktioniert, dass am ende eines treffens die teilnehmerInnen ein negatives feedback geben oder dass einzelne teilnehmerInnen den ablauf des gruppentreffens negativ beeinflussen.

in allen drei situationen heisst es erst einmal tief durchatmen, nicht sofort handeln, nicht sofort reagieren, sich nicht augenblicklich verteidigen. am wichtigsten wird es sein, weiterhin authentisch zu wirken. dies bedeutet, keinen hehl aus der eigenen situation machen. gruppen haben ein gespür dafür, wenn jemand versucht, schwierige situationen zu überspielen. natürlich leitet man noch die gruppen, man sollte auch nicht unbedingt allen emotionen freien lauf lassen. es geht eher darum, die ereignisse aufzugreifen und für sich selbst zu nutzen.

man kann zum beispiel offenlegen, dass man sich den verlauf der schreibanregung anders vorgestellt hatte und sich im anschluss mit der schreibgruppe auf die suche nach einer besseren variante begeben. man kann sich erst einmal das feedback ohne verteidigungsargumentationen anhören und dann die gruppe noch einmal konkret nach alternativen fragen. danach kann man selber entscheiden, ob man die vorgeschlagenen alternativen annehmen möchte oder nicht. in diesen momenten sollte man seine handlungen begründen. oder man kann die teilnehmerInnen, die negativ in der gruppe agieren, direkt ansprechen und ihnen offenlegen, dass einen das verhalten stört und andere wahrscheinlich auch.

nicht hilfreich scheint es, die schwierigkeiten zu umgehen, zu ignorieren. dies verstärkt den stress eher, als dass es ihn vermindern könnte. die hier genannten drei ansätze sind ein anfang auf der sache nach neuen handlungsmöglichkeiten. das eröffnet einem mehr spielraum und man ist nicht ständig damit beschäftigt zu „vertuschen“ und zu „besänftigen“.

wenn man wiederum feststellt, dass sich schreibgruppenteilnehmerInnen entweder selber oder gegenseitig unter druck setzen, dann sollte man den eigenen eindruck aufgreifen und verbalisieren. man sollte eine meinung der gruppenteilnehmerInnen einholen, ob man mit seiner vermutung richtig liegt. Weiterlesen