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biografisches schreiben und privat

beim biografischen schreiben spielt die frage nach der privatsphäre die grösste rolle. ab wann gibt man beim veröffentlichen geschriebener texte zu viel preis? wie viel möchte man überhaupt preisgeben? und woran sollte man seine entscheidungen fest machen.

nicht nur in den digitalen sozialen netzwerken, auch sonst in der schreibenden und kommunizierenden welt hat man manchmal das gefühl, menschen gehen zu weit in der offenlegung des privatesten. ich kann das meist daran festmachen, wenn das „fremdschämen“ einsetzt. da kommt das gefühl auf, hier tut sich jemand keinen gefallen. hier kotzt mir jemand medial sein leben vor die füsse und erzählt mir dinge, die ich gar nicht wissen will.

das biografische schreiben ist da eine gratwanderung. generell schreibe ich ja meine lebensgeschichte, um mehr, eventuell viel von mir zu berichten. ich schreibe meine biografie auf, und dies natürlich möglichst schonungslos, möchte nichts vor mir selber verheimlichen. das ist teilweise auch sinn und zweck des biografischen schreibens. nur erst einmal macht man dies in erster linie für sich selber. so wird man mit großer wahrscheinlichkeit nicht auf die idee kommen, seine tagebücher, wenn man welche schreibt, eins zu eins zu veröffentlichen.

da gibt es die weinerlichen abschnitte, die sich ständig wiederholenden wünsche, flüche und sorgen. da liest man schmachtendes, das man aus der heutigen sicht nicht mehr aufrecht erhalten will, da hat sich manches überlebt. man hat trauer, bösartigkeiten und vieles mehr notiert. man schaltet also einen filter vor, wenn man einen teil bekannt machen oder auch nur guten freunden geben möchte. nur in der therapie entwickelt sich keine scham, wenn andere das original lesen.

das privateste scheint gar nicht für andere menschen geeignet zu sein. es tut gut, manches für sich zu behalten, etwas, teils auch sehr verletzliches, vor den kommentaren und einwendungen der anderen zu schützen. selbst partnerInnen erfahren selten die intimsten gedanken. es gibt da oft etwas Weiterlesen

nabelschau (37)

verschwörungstheorien als ausrede für plagiate. ja, es liegt mir auf den lippen: wäre unser verteidigungsminister zu mir in die schreibberatung gekommen, wäre das nicht passiert 😀 doch das ist zu spät. eigentlich ist es zu spät für alles. denn, der schritte sind zu viele getan.

ja, es gibt viele menschen, die faken. es herrscht inzwischen oft die „copy-und-paste-haltung“ beim erarbeiten neuer dinge. dagegen spricht nichts, wenn man sich nur die ganzen neuinterpretationen alter musikstücke anschaut, wenn man sich die weiterverwertung von geschriebenem in blogs betrachtet und wenn man sich die filmcollagen mancher satiresendungen betrachtet. hier wird das plagiat zum zitat, zu einem kreativen zitat. aber es wird meist darauf hingewiesen wer urheber der ideen war.

aber, und da liegt der knackpunkt für einen juristen, alle akademikerInnen kennen die eidesformeln oder versicherungen, dass sie ihre abschlussarbeiten selbstständig verfasst haben. es gibt aber auch menschen, die den ghostwriter für abschlussarbeiten geben, gegen geld versteht sich. und doch, es gibt regeln des zitierens, copyright und diverse andere grundlagen des urheberrechts. im gegensatz zu naiven kopiererInnen weiß ein jurist, was er in dem moment, in dem er dagegen verstösst, macht.

oder der jurist muss sich den vorwurf gefallen lassen, er sei unglaublich naiv. doch wer glaubt bei dieser doktorarbeit an naivität? niemand. aber ein teil glaubt, die situation dadurch retten zu können, dass er tief in die kiste der verschwörungstheorie greift. ja, es ist sicherlich auch wahr, dass das fehlverhalten politisch genutzt wird. aber, jemand, der sich selber gern als wahrhaftig, moralisch integer und korrekter mensch darstellt, sollte zumindest erkennen, wann es an der zeit ist, fehler einzugestehen. oh nein, es benötigt keine entschuldigung, es benötigt klarheit.

doch die mediale maschinerie wird genutzt, um es wie ein kavaliersdelikt erscheinen zu lassen, was inzwischen in vielfältiger weise widerlegt wurde. es deutet darauf hin, zumindest laut „spiegel„, dass dies noch nicht alles war. dies hin oder her, von menschen, die ihre abschlüsse verloren haben, da sie copy-and-paste verwendeten, und von menschen, die einfach geforscht, zusammengefasst und veröffentlicht haben, kann die aktuelle situation nicht mehr verstanden werden.

da wirkt der politische angriff gegen die opposition wie ein machtspielchen abseits aller begebenheiten. und es sagt etwas über die haltung, die in manchen kreisen dieser gesellschaft eingenommen wird. im schwäbischen sagt man „es gibd soddige ond soddige. und ieh bin oiner von de soddige.“

selbstbefragung (57) – betrug

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „betrug„.

  • wann haben sie sich das letzte mal betrogen gefühlt? von wem?
  • sind wir nicht alle ein bisschen korrupt? begründen sie.
  • wo fängt für sie betrug an? beschreiben sie.
  • haben sie ihren partner / ihre partnerin schon einmal betrogen? warum?
  • lernen die kleinen von den großen beim betrug? oder rutscht man vielleicht in eine situation hinein, aus der man nicht mehr rauskommt? was glauben sie?
  • die kleinen hängt man, die großen lässt man laufen – stimmt das bei den betrügereien für sie so?
  • warum fällt ehrlichkeit so schwer? oder ist das für sie nicht so?
  • kennen sie situationen, in denen sie ehrlich waren und dadurch nachteile hatten? beschreiben sie.
  • wenn sie wählen könnten, wen würden sie gern betrügen?
  • wenn sie wählen könnten, wem wären sie gern endlich ehrlich gegenüber?

selbstbefragung (41) – lüge

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „lüge„.

  • welches war ihre letzte lüge? war sie berechtigt oder überflüssig? beschreiben sie.
  • was glauben sie, wer sie in letzter zeit am meisten belogen hat? warum lassen sie sich das gefallen?
  • wann lügen sie in einer beziehung?
  • möchten sie immer die wahrheit wissen? begründen sie.
  • welche ihrer lügen hatte die kürzesten beine?
  • welche lüge haben sie vollständig in ihr leben integriert? keine? sind sie heilig gesprochen?
  • welche lüge werden sie nie akzeptieren? warum?
  • welcher mensch ist bis heute am ehrlichsten zu ihnen gewesen? sind sie ihm dankbar dafür?
  • welche lüge hat sie am meisten verletzt? beschreiben sie.
  • wie ehrlich sind sie sich selbst gegenüber?

selbsterkenntnis und ehrlichkeit

der mensch ist ganz gut, wenn es um das ausblenden und verdrängen eigener schwächen geht. dies ist eine form des selbstschutzes, da beständige selbstkritik sehr zermürbend sein kann und es einem beinahe unmöglich macht, selbstbewusst zu sein. man kann immer noch einen schritt besser sein, etwas noch perfekter hinbekommen, sich noch genauer kennen. gerade in der heutigen gesellschaft, in der eher kritik geäußert, denn lob ausgesprochen wird, mäkeln die menschen gern viel an sich selbst herum.

ich würde aber klar zwischen mäkeln und ehrlich sich selbst gegenüber sein unterscheiden. doch wie kann man sich selbst mit seinen ganzen schwächen erkennen und annehmen? ab wann sollte man wirklich etwas an der eigenen person, am eigenen verhalten ändern? wahrscheinlich muss man bei adam und eva anfangen und erkennen, dass jeder mensch an sich einen hohen wert hat. dass es über dem wert des mensch seins eigentlich keinen höheren gibt. diesen wert kann einem niemand nehmen, so sehr auch versucht werden sollte, abzuqualifizieren. das klingt ganz hübsch, doch die realität sieht oft anders aus. menschen lassen sich einschüchtern, verunsichern und versuchen sich den anforderungen von außen anzupassen. wir bemühen uns alle. dabei verlieren wir uns oft genug selber aus den augen und vergessen wie wertvoll wir erst einmal uns und dann anderen sein sollten.

um den eigenen wert zu erkennen, sollte ich mich erst einmal schonungslos anschauen. schonungslos meint in dieser hinsicht beide richtungen, nämlich in positiver wie negativer richtung. dazu kann es hilfreich sein, einmal die eigenen positiven und negativen eigenschaften zu notieren. nun wäre zu jeder eigenschaft zu schauen, woher die bewertungen kommen. sind es eigene oder sind sie von außen an einen herangetragen worden. bei den von anderen nahegelegten positiven und negativen eigenschaften wäre dann zu schauen, wieweit man sie wirklich teilt. haben die anderen recht mit ihren urteilen. wichtig in diesem zusammenhang ist die frage, wer die urteile ausgesprochen hat. es ist erstaunlich, wie gern menschen vor allen dingen negativen wertungen über sie selber von menschen übernehmen, die ihnen überhaupt nicht nahestehen. hier wäre eine gewichtung vorzunehmen. was sagen mir gute freunde über mich und was sagen andere über mich? guten freunden ist sicherlich ein vorzug zu geben, da sie einen besser kennen und häufig auch die positiven seiten wahrnehmen.

hat man länger keine rückmeldung von freunden bekommen, kann man sie ja einmal einholen. Weiterlesen

selbstbefragung (30) – verdrängung

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „verdrängung„.

  • was können sie schwer verdrängen?
  • wann haben sie verdrängung in ihrem leben als sehr hilfreich empfunden?
  • glauben sie, dass sie noch etwas verdrängt haben, das ihnen nicht bewusst ist? in welche richtung könnte dies gehen?
  • ist verdrängung in ihren augen eher nützlich oder eher schädlich? begründen sie.
  • welchem menschen in ihrem umfeld würden sie gern mal die augen öffnen? und warum haben sie es bis jetzt nicht getan?
  • was verdrängen in ihren augen zur zeit die gesellschaften auf dieser welt am meisten oder stärksten?
  • wem in ihrer umgebung würden sie gern ihr leben beichten?
  • was gäbe es denn dann zu beichten?
  • würden sie jemals im fernsehen eine lebensbeichte ablegen wollen? warum?
  • wodurch lässt sich bei ihnen verdrängtes zum vorschein bringen? wollen sie dies überhaupt?

biografisches schreiben und lebenslügen

jeder mensch hat seine geheimnisse, die niemand anderes kennt. daran ist nichts verwerfliches oder problematisches, nein sie sind teil der eigenen identität. schwieriger wird es aber mit so genannten „lebenslügen“. sie bedeuten, dass nach außen, anderen menschen gegenüber etwas vorgegaukelt wird, eventuell sogar sich selber gegenüber, was nicht der eigenen einstellung und manchen eigenen handlungen entspricht. lebenslügen sind oft gekoppelt an die doppelmoral.

beim biografischen, also der aufschlüsselung der eigenen lebensgeschichte, lässt es sich kaum vermeiden, mit seinen eigenen lebenslügen konfrontiert zu  werden. hier besteht zumindest die selten gelegenheit, sie sich vor augen zu führen und zu notieren. das bedeutet nicht, dass sie in die eigene biografie, die veröffentlicht oder anderen zugänglich gemacht werden soll, einfließen müssen. doch die chance, einmal genauer hinzuschauen, wo man anderen oder sich selbst unrecht getan hat, sollte nicht ungenutzt an einem vorüberziehen.

wenn man so etwas wie hier oben schreibt, muss man aufpassen, dass dies nicht nach einem generalverdacht klingt. menschen neigen nicht selten dazu, wenn sie einmal mit der suche nach „wahrheiten“ anfangen, gleich das kind mit dem bade auszuschütten. nicht jeder mensch trägt dinge mit sich herum, die unbedingt offen gelegt werden sollten. nicht überall versteckt sich eine lebenslüge. hier ist auch etwas toleranz sich selbst gegenüber gefordert. es gab im leben eines menschen viele gute gründe für das jeweilige verhalten. oder man rutschte in eine haltung, die man schwer vor sich aufrecht erhalten konnte, man vertrat sie aber weiter.

das biografische schreiben bietet in diesem moment die möglichkeit von ausführlichen analysen der gründe und aufschlüsselungen der haltungen. dies kann einem selber zugute kommen, indem man anderen eine begründung offerieren oder sich bei ihnen entschuldigen kann. dieser aspekt des biografischen schreibens ist eigentlich ein angenehmer, da er befreiende Wirkung haben kann. denn eines ist allen lebenslügen gemein, sie sind sehr anstrengend.

web 2.0 und ehrlichkeit

 

menschen agieren im web 2.0 ihrer meinung nach ehrlicher. dabei schreiben sie nur schonungsloser. es gibt aber ehrlichkeit, die verletzen kann. das zu realisieren ist notwendig, um auch im netz eine gewisse zurückhaltung zu pflegen.

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