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kreatives schreiben und klischee

klischees sind meist stereotype, die nicht mit ganz so geballter wucht daherkommen, wie die klassischen vorurteile. die grenzen sind jedoch verschwimmend und uneindeutig. so gehört es zum beispiel zu den klischees, wie sich bestimmte berufsgruppen verhalten oder wie sie auftreten. es gibt klischees über die geschlechter und ihr verhalten oder über regionale bevölkerungsgruppen (die bayern, die ostfriesen, …). klischees enthalten immer bewertungen und einordnungen.

schaut man sich literatur an, dann lebt sie entweder vom aufbrechen der klischees, indem sich protagonistInnen eben nicht so verhalten, wie es das klischee vermuten lässt oder indem das klischee überzeichnet wird und daraus eine humoreske oder satire entsteht. das kreative schreiben kann diese stilmittel aufgreifen und in texte einfliessen lassen.

man kann sich einmal vornehmen, die klischees auszureizen. als lebendes beispiel macht dies zum beispiel die politische tunte. die tunte ist die reaktion schwuler männer auf das klischee, keine richtigen männer zu sein, sondern eher weiblich (in negativer bezeichnung „weibisch“). also sagten sich manche männer, „wenn schon, denn schon“ – und überzeichneten die weibliche rolle, die ihnen angehaftet wurde. dies geschieht immer mit einem augenzwinkern, wohl wissend, dass sie auch nur die klischees gegenüber frauen aufgreifen und eben ausreizen. ähnlich kann man nun beim kreativen schreiben verfahren. so kann man einmal einen echten kerl (einen macker) als protagonisten zeichnen, wie er nie im realen leben auftaucht.

oder man greift sich eine berufsgruppe (wie den „verrrückten professor“, die „dominante raumpflegerin“, den „lonesome cowboy“, die „zynische millionärin“ oder die „faulen beamtInnen“) und zeichnet sie überspitzt. dabei ist die gratwanderung zwischen witzigen texten und, ich formuliere es mal drastisch, „schwachsinnigen“ texten, schwierig. fühlt man sich unsicher in diesem bereich, dann sollte man seinen text an anderen menschen ausprobieren: funktioniert er, dann lachen die menschen herzlich über die scherze. funktioniert der text nicht, dann erntet man höchstens schenkelklopfer der untersten schublade. man kann mit den klischees spielen und sie gleichzeitig durch die überzeichnung demontieren. viele sitcoms basieren zum beispiel darauf, ebenso wie die imitationen von personen. politische satire lebt zum teil auch davon.

doch die überzeichnung darf eben nicht zu stark überzeichnen, da sie sonst ins fach der clownerie rutscht. überzeichnet sie zu wenig, dann werden die witze nicht verstanden. gerade bei den klischees zeigt sich, wie schwer geschriebener humor umsetzbar ist.

man kann aber auch auf einer anderen ebene gegen klischees anschreiben. wie oben erwähnt, kann man das exakte gegenteil darstellen (eventuell auch überzeichnet, aber das ist oft nicht notwendig). so genügen manchmal schon ein paar kleinigkeiten und eigenschaften, die klischees verschwinden lassen: die skateboard-fahrende nonne, der schwule metzger, frauen in „männerberufen“, männer in „frauenberufen“, großzügige schwaben oder bayern ohne folklore … . es handelt sich dabei letztendlich um aufklärung im besten sinne. nämlich zu zeigen, dass es in allen lebensbereichen menschen gibt, die nicht Weiterlesen

biografisches schreiben und klischee

eines der schwierigsten unterfangen ist es, sich selber einmal nach vorurteilen abzuklopfen. sie sind vermittelt, sie sind gelernt und sie haben eine funktion: menschen schneller bei der ersten kurzen begegnung einordnen zu können. als wir noch nicht kommunizieren konnten war dies überlebenswichtig: freund oder (fress)feind. doch heutzutage können wir uns in den meisten momenten kundig machen und das freund-feind-schema ist sowieso stark beeinflusst von moden, gesellschaften und politik. also verwenden wir klischees eigentlich nur, um uns die welt ein wenig einfacher zu machen.

der mensch ist so komplex und jeder mensch ist ein individuum mit ganz subjektiven ansichten und verhaltensweisen. um die welt übersichtlicher zu gestalten, sind die „…“ so und so. manchmal kann es sich bei einer solchen form der verallgemeinerung, tatsächlich um den kleinsten gemeinsamen nenner einer gruppe handeln. doch es braucht eigentlich nur einen menschen dieser gruppe, der aus dem schema herausfällt und unsere verallgemeinerung ist auch schon hinfällig. aber den schritt machen wir beim klischee nicht mehr. wir beharren auf unseren aussagen, um die anstrengung der begegnung mit fremden menschen, zu reduzieren. das klischee ist also ein ausdruck von bequemlichkeit.

wann waren wir in unserem leben also zu bequem, um uns mit den menschen, die uns begegnen, auseinanderzusetzen? wen haben wir damit verletzt? wann wurden wir mit klischees zu unserer eigenen person konfrontiert und wie haben wir darauf reagiert? was machten wir, als ein klischee uns gegenüber auch noch zutraf? haben wir uns in unserem leben die zeit genommen, andere menschen kennenzulernen? es gibt viele fragen für das biografische schreiben, die ein wenig unsere eigenen vorurteile oder die konfrontation mit vorurteilen gegenüber uns selber beleuchten können.

da wir aber gerade bei vorurteilen und klischees recht widerständig sind, sie aufzuheben und zu relativieren, könnten man, wenn man über seine eigene lebensgeschichte schreibt, andere menschen, die einem nahestehen, befragen, was sie glauben, welche klischees man Weiterlesen

selbstbefragung (178) – klischee

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das „klischee“.

  • welches klischee ist in ihren augen gar keines? warum?
  • welchen klischees entsprechen sie? beschreiben sie.
  • welche klischees verbinden sie mit frauen?
  • welche klischees verbinden sie mit männern?
  • ihr lieblingsklischee?
  • klischees kann man auch als vorurteile bezeichnen – von wem haben sie klischees vermittelt bekommen?
  • was tun sie, um klischees zu vermeiden?
  • klischee kann „nachahmung“ bedeuten: wen würden sie gern nachahmen? warum?
  • welche menschen in ihrer nähe erfüllen überhaupt keine klischees?
  • welche klischees finden sie unsäglich? beschreiben sie.

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

kreatives schreiben und verwandlung

die verwandlung von gegenständen, personen, tieren oder ganzen welten ist einer der vielfältigsten gedanken des kreativen schreibens. ob es sich um märchen, fabeln oder entwicklungsromane handelt, vorlagen der verwandlung gibt es viele. nehme man nur den renner „harry potter“ oder die momentan bei jugendlichen angesagten vampirgeschichten – diese stories leben von der verwandlung. eben noch ein kleiner junge in einem britischen vorort und schon ein kleiner zauberer, der es mit der größten bedrohung der zauberwelt aufnimmt. eben noch ein jugendlicher und schon ein blutausgender mensch, der aber weiter romantische emotionen pflegt.

nimmt man noch comics und trickfilme dazu, dann gibt es die superhelden, die kleinen roboter und maschinen, oder auch nur die spielzeuge im kinderzimmer, die eine verwandlung vollziehen. und als kontrast der autorenfilm, der häufig die innere verwandlung eines menschen, der die einschneidenden veränderungen im leben zum thema hat.

aus dieser palette kann man im kreativen schreiben schöpfen. viele der hier vorgeschlagenen schreibideen basieren auf der überlegung einer verwandlung. die meiner ansicht nach einfachere variante ist es, dingen und wesen leben einzuhauchen, die bis dahin keines hatten. die schwerere variante ist es, die veränderung eines menschen in einer geschichte abzubilden, da der zeitliche vorlauf der veränderung meist längere zeit benötigt, auch in der geschichte.

so kann man sich zum beispiel in dem raum umschauen, in dem man sich gerade befindet. man kann den nächstbesten gegenstand wählen und mit ihm ein gespräch anfangen. wie geht es der blumenvase da drüben im moment? was macht sie heute noch? wie erlebt sie ihre umwelt? was ärgert sie am meisten?
im zweiten schritt kann man der vase außergewöhnliche kräfte oder ein großes geheimnis „geben“. und schon befindet man sich in einem märchen oder einer zaubergeschichte, in einer abenteuerstory oder in einem rätseltext.
im dritten schritt kommen weitere menschen ins spiel, die sich auf der suche befinden, die die vase brauchen, um etwas zu verändern, die entweder sich selbst oder ihre umwelt verwandeln wollen. sie finden die vase und in der geschichte vollzieht sich dadurch eine vewandlung.

um emotionale vewandlungen bei menschen auszulösen benötigt es für geschichten einen auslöser. dies kann ein großer geldgewinn sein, eine katastrophe oder die begegnung mit einem anderen menschen, der starke emotionen hervorruft (ganz gleich ob positiv (liebe) oder negativ (wut, hass)). es sind meist einzelne momente, die ein umdenken, eine veränderung verursachen. und in den kreativen geschichten darf dies schneller gehen als im alltag. normalerweise benötigt ein mensch Weiterlesen

selbstbefragung (175) – männer

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „männer“.

  • was sind für sie die vorteile des mann-seins? beschreiben sie.
  • was sind für sie die nachteile des mann-seins? beschreiben sie.
  • welche männer haben sie im laufe ihres lebens beeindruckt?
  • bei welchen männern konnten sie einen eindruck hinterlassen?
  • wie sehen sie das heutige verhältnis zwischen männern und frauen?
  • welche formen von männlichkeit finden sie anstrengend?
  • was mögen sie an den männern, die sie kennen?
  • welche attribute verbinden sie mit männern?
  • warum wird ihrer ansicht nach weiterhin sehr zwischen männern und frauen unterschieden? begründen sie.
  • welche männer möchten sie noch kennenlernen?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

kreatives schreiben und engel

eines der schönsten kinderbücher zeit, was man mit fantasie und engeln anstellen kann. der schriftsteller wolfdietrich schnurre hat „die zwengel“ erfunden. seine erklärung, um wen es sich dabei handelt: „es gibt zwerge, und es gibt engel; das wissen wir alle … doch manchmal schweben die engel herab, und die zwerge steigen herauf. der grund ist fast immer der gleiche: beide sind in sorge wegen der menschen. und da ist es nun also einmal geschehen, dass ein engel vor lauter sorge nicht mehr zurückfliegen konnte, sein herz war plötzlich zu schwer. unglücklicher oder glücklicher weise war es aber einem zwerg so ähnlich ergangen; sein kummer um die menschen hatte ihn ganz unbeholfen gemacht, er kam einfach nicht mehr in die erde hinein. notgedrungen zogen der kummer-beschwerte zwerg und der sorgenbelastete engel jetzt also zusammen; von da an gab es die zwengel.

schnurre ließ seine kreativität in gedichte über die verschiedenen zwengel fließen, da gab es den klorck, den mulmen, den möndi, den sternfress, den trillich, den pomunkel, den summser, den moosi, das mienchen, den zwoifel, das bimmelbammelchen, die mimi krie, den zwitsch, die seufze und noch viele andere. so kann man engel in das kreative schreiben einbeziehen.

natürlich geht das auch ganz anders. es gibt eine ganze menge geschichten mit engeln, die sich abseits der christlichen pfade bewegen. abgesehen von manchen strengen esoterischen oder glaubensauffassungen, können engel fantastische und besondere rollen einnehmen. vor allen dingen, da sie so schwer zu fassen sind, es kein klares bild von ihnen gibt und außer den flügeln, die die meisten engel angedichtet bekommen, der eigenen fantasie keine grenzen gesetzt sind.

in der kombination mit dem biografischen schreiben, kann man sich erst einmal an der frage orientieren: was sollte für einen selber, einen engel ausmachen? sollte es sich dabei um einen besonders selbstlos-helfenden menschen handeln oder sollte es sich um fantastische wesen, die sich hauptsächlich im himmel aufhalten und irgendwie zaubern können, handeln? engel werden in erster linie positiv dargestellt, obwohl im rückgriff auf den christlichen glauben, die erzengel eine vorlage für aggressive botschaftsübermittler Weiterlesen

schreibidee (357)

eigentlich wäre ja weihnachten die richtige zeit, um geschichten über wesen zu schreiben, an die man glauben muss oder auch nicht. doch ostern hat ja auch viel mit dem himmel und dem glauben und den flügelwesen zu tun. (übrigens gibt es das sehr schöne kinderbuch „zwengel“ von wolfdietrich schnurre. bei „zwengeln“ handelt es sich um engel, die auf dem boden sind und nicht mehr in den himmel kommen und um zwerge, die in dem himmel sind und nicht mehr auf den boden kommen.) jedenfalls ist dies eine schreibanregung für „engelsgeschichten“.

um es gleich vorwegzunehmen: bei schreibgruppen sollte man darauf achten, keine glaubensposition einzunehmen, da alle menschen sehr verschiedene vorstellungen vom glauben haben. deshalb sind die „engelsgeschichten“ auch nichts anderes als geschichten über fabelwesen, wer ins einen geschichten darüber hinausgehen möchte, kann dies natürlich tun.

zu beginn werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, ihre fantasie spielen zu lassen und einen engel als protagonisten (es kann natürlich auch eine engelin sein) zu entwerfen. man kann einen kleinen steckbrief erstellen: angefangen beim namen, über das alter, die haarfarbe, den wohnort im himmel, die flügelspannweite, die kleidung, das schuhwerk, bis zu charaktereigenschaften, der sprache, den momentanen aufenthaltsorten, die freunde und freundinnen und so weiter. aus dem steckbrief wird ein kurzer text erstellt (maximal zwei seiten) und vielleicht eine kleine zeichnung vom eigenen engel gefertigt. text und zeichnung werden kurz in der schreibgruppe vorgestellt.

anschließend können die schreibgruppenteilnehmerInnen dazu übergehen, eine geschichte zu verfassen, in der sie dem engel begegnen. dabei ist die wahl freigestellt, wie sich der engel, die engelin verhält. bis heute sind sich die menschen nicht darüber einig, ob engel nur gutes tun oder auch bösartig sein können. diese geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es gibt eine kurze feedbackrunde.

das faszinierende an engeln ist ja, dass sie unerwartet auftauchen (passt ganz hübsch zu dem thema „störung“) und dass sie fliegen können. nun soll eine längere geschichte dazu geschrieben werden, in der ein engel die hauptrolle spielt. was erlebt er? was passiert? hat er außergewöhnliche kräfte? anschließend werden die geschichten vorgelesen und es findet eine feedbackrunde statt. zum abschluss des schreibgruppentreffens kann man aufschreiben, was man selber gern für ein engel werden würde und welche fähigkeiten man haben möchte. dabei können natürlich neue engelsformen erfunden werden.

schreibidee (300)

eine schwierige anregung zum 300ten schreibidee-jubiläum, es darf ja auch einmal „ans eingemachte“ gehen 😉 selbstkritik ist sehr beliebt, sie kommt nicht selten unerbittlich, direkt und unverblümt zur sprache. es wurde gelernt, gern nach den eigenen fehlern zu suchen, um ein besserer mensch zu werden. und so bemühen wir uns alle vehement. gelernt haben wir nämlich, dass die andere seite stinkt, das eigenlob. gut, bei der selbstvermarktung, da wird dann gern mit dem eigenlob marktschreierisch übertrieben, das ist aber marketing und fällt vielen schwer. hier sei das bodenständige „perfekte eigenlob“ angeregt.

schon der einstieg mag manchen schreibgruppenteilnehmerInnen schwer fallen. man kann sie an bewerbungsunterlagen, die man irgendwann einmal in seinem leben erstellen musste, erinnern. denn in stichworten sollen die persönlichen vorzüge notiert werden. die liste wird nicht vorgetragen.

anschließend erhalten alle teilnehmerInnen eine liste in die sie nur ihren namen eintragen. dann wird die liste rundherum an alle anderen schreibgruppenmitglieder weitergegeben. alle sind aufgefordert, für die jeweils namentlich vermerkte person eine positive eigenschaft zu notieren. wenn es geht, sollten sich keine aussagen doppeln und es genügen stichworte, gern auch ein oder zwei sätze. zum schluss erhalten alle ihre jeweilige liste zurück und können ihre eigene aufstellung durch die aussagen der kollegInnen erweitern.

nun wird mit einzelnen sätzen begonnen: zehnmal soll der satz „ich finde an mir gut, dass … “ vervollständigt werden. auch diese sätze werden nicht vorgetragen. anschließend erstellt man aus allen vorarbeiten ein „zeugnis“. der text ist in der dritten person formuliert und beginnt zum beispiel mit „frau / herr zeichnet sich dadurch aus, dass …“. so ein „zeugnis“ bietet noch die möglichkeit der distanz und klingt, wie wenn es durch andere formuliert wurde.

zum abschluss wird dann das ultimative „perfekte eigenlob“ in der ich-form verfasst. einzelne eigenschaften und vorzüge dürfen ausgeschmückt, begründet oder in ein beispiel gefasst werden. es kann und darf ein längerer text entstehen. so weit es geht, sollte der innere zensor überwunden werden. im anschluss werden das zeugnis und das perfekte eigenlob in der schreibgruppe vorgetragen. vor und nach dem vortrag dürfen keine einschränkungen oder relativierungen vorgenommen werden. anschließend findet eine feedbackrunde statt, die sich hauptsächlich mit der frage, wie schwer es war, solch einen text zu verfassen, auseinandersetzt. und es gibt die hausaufgabe, den text auszudrucken und über das eigene bett zu hängen 😉

wortklauberei (71)

angsthase

das tierreich muss oft für die beschreibung von menschlichen Eigenschaften herhalten. die tiere können sich nicht wehren, die menschen häufig auch nicht. besonders negativ besetzt ist bei uns die angst bei männern. in vielen erziehungsvorstellungen herrscht immer noch der gedanke vor, „mann“ ist cowboy und kennt keinen schmerz, ist auf alle fälle nicht hase und hoppelt weg, weil er angst hat.

dabei könnten sich männer ein beispiel am hasen nehmen. herrscht eine bedrohung, duckt sich der hase erst einmal auf den boden und wird beinahe unsichtbar, da ihn sein fell so wunderbar der umgebung anpasst. erst wenn die gefahr sehr nahe ist, flitzt der hase weg. und er flitzt geschickt, schlägt haken, beschleunigt enorm und springt gazellengleich durch die landschaft.

das ist vernünftig überhaupt ein gespür für bedrohungen zu haben. angst ist genau dafür da. sie ist die folge einer wahrgenommenen bedrohung. doch der mackerhase, der setzt sich aufrecht hin, sieht die bedrohung auf sich zukommen, ignoriert diese aber. was in seiner vorstellung ein wahrer hase ist, der kennt keinen schmerz. und wenn man meint keinen schmerz zu kennen, dann macht man sich mental zum „supermann-hasen“. blöd nur, dass dadurch viele männer gleichzeitig zum opfer werden.

falsche gefahrenabschätzung, wie sie jungen männern vermittelt und beigebracht wird, kann tödlich sein. der angsthase dagegen rettet lieber früher als zu spät sein leben. das problem ist, er muss gleichzeitig aushalten, dass die anderen ihn abwerten, da er nicht stand gehalten hat, da er sich geduckt hat. kriege lassen sich also nur mit denen führen, die meinen, keine angsthasen zu sein. eltern möchte man in diesen momenten empfehlen, ihren kindern zu vermitteln, dass „angsthase“ ein kompliment ist. erst dann gäbe es die umsetzung des spruches „stell dir vor es ist krieg und keiner geht hin“.

der „angsthase“ sollte auf keinen fall aus unserem wortschatz verschwinden, aber er sollte umdefiniert werden. er sollte aus uns duckmäuser machen, die es leid sind für ein schwachsinniges bild von bedrohungswiderstehern herhalten zu müssen.

selbsterkenntnis und ehrlichkeit

der mensch ist ganz gut, wenn es um das ausblenden und verdrängen eigener schwächen geht. dies ist eine form des selbstschutzes, da beständige selbstkritik sehr zermürbend sein kann und es einem beinahe unmöglich macht, selbstbewusst zu sein. man kann immer noch einen schritt besser sein, etwas noch perfekter hinbekommen, sich noch genauer kennen. gerade in der heutigen gesellschaft, in der eher kritik geäußert, denn lob ausgesprochen wird, mäkeln die menschen gern viel an sich selbst herum.

ich würde aber klar zwischen mäkeln und ehrlich sich selbst gegenüber sein unterscheiden. doch wie kann man sich selbst mit seinen ganzen schwächen erkennen und annehmen? ab wann sollte man wirklich etwas an der eigenen person, am eigenen verhalten ändern? wahrscheinlich muss man bei adam und eva anfangen und erkennen, dass jeder mensch an sich einen hohen wert hat. dass es über dem wert des mensch seins eigentlich keinen höheren gibt. diesen wert kann einem niemand nehmen, so sehr auch versucht werden sollte, abzuqualifizieren. das klingt ganz hübsch, doch die realität sieht oft anders aus. menschen lassen sich einschüchtern, verunsichern und versuchen sich den anforderungen von außen anzupassen. wir bemühen uns alle. dabei verlieren wir uns oft genug selber aus den augen und vergessen wie wertvoll wir erst einmal uns und dann anderen sein sollten.

um den eigenen wert zu erkennen, sollte ich mich erst einmal schonungslos anschauen. schonungslos meint in dieser hinsicht beide richtungen, nämlich in positiver wie negativer richtung. dazu kann es hilfreich sein, einmal die eigenen positiven und negativen eigenschaften zu notieren. nun wäre zu jeder eigenschaft zu schauen, woher die bewertungen kommen. sind es eigene oder sind sie von außen an einen herangetragen worden. bei den von anderen nahegelegten positiven und negativen eigenschaften wäre dann zu schauen, wieweit man sie wirklich teilt. haben die anderen recht mit ihren urteilen. wichtig in diesem zusammenhang ist die frage, wer die urteile ausgesprochen hat. es ist erstaunlich, wie gern menschen vor allen dingen negativen wertungen über sie selber von menschen übernehmen, die ihnen überhaupt nicht nahestehen. hier wäre eine gewichtung vorzunehmen. was sagen mir gute freunde über mich und was sagen andere über mich? guten freunden ist sicherlich ein vorzug zu geben, da sie einen besser kennen und häufig auch die positiven seiten wahrnehmen.

hat man länger keine rückmeldung von freunden bekommen, kann man sie ja einmal einholen. Weiterlesen

schreibidee (140)

ob im fernsehen oder in büchern, weiterhin gern genossen werden märchen. märchen zeichnen sich vor allen dingen durch einen moment der realitätsferne aus, der nicht selten in ein happyend mündet. es tauchen fantasiefiguren auf, tiere, die sprechen können und menschliche züge tragen, kleine wunder geschehen und eine gewisse tragik oder grausamkeit erhöhen die spannung. um der zeit rechnung zu tragen, dient dieses mal die schreibanregung dem verfassen „moderner märchen„.

beim modernen märchen benötigt man ebenso wie beim klassischen, antagonisten. diese werden als erstes in der schreibgruppe festgelegt. da die welt des märchens eine einfache ist, sollte ein din a4 blatt in in vier gleichgroße flächen unterteilt werden. den vier flächen werden eigenschaften zugeschrieben: „gut“, „böse“, „ehrlich“, „hinterlistig“. man kann sich natürlich auch andere gegensätzliche eigenschaften überlegen. die teilnehmerInnen tragen nun für jede eigenschaft eine figur oder eine person ein. dazu wird eine kurze beschreibung in die flächen notiert. es können auch mehrere blätter ausgefüllt werden, um später das interessanteste auszuwöhlen.

nun wird der plot der geschichte festgelegt. um welche grundproblematik soll es gehen? meist handeln märchen von liebe, moral, gut und böse. um die grundstruktur des märchens festzulegen, wird auf einer halben seite ein kurzer abriss gegeben. wenn der notiert ist, fehlen noch die kleinen wunder, zaubereien oder außergewöhnlichkeiten. dazu werden mehrere vorschläge stichwortartig notiert. es sollten mindestens zehn möglichkeiten sein, die in ein märchen passen. so kann die tram zum beispiel ihre gleise verlassen, der mixer kann zaubertränke bereiten oder die musikanlage sendet botschaften. hier gibt es keine beschränkungen.

alle drei vorbereitenden arbeiten werden nun zusammengefasst. das märchen sollte in der heutigen zeit spielen, darf aber die einfache struktur klassischer märchen beibehalten: „es war einmal…“. anschließend findet sich die schreibgruppe zu einer märchenstunde zusammen. sollten die geschichten jugendfrei sein (was man auch bei klassischen märchen ein wenig in frage stellen kann), können dazu auch kinder eingeladen werden. die dürfen dann abstimmen, welches märchen ihnen am besten gefallen hat.

kreatives schreiben und gegenstände

der mensch mag es, wenn er gegenständen und tieren, also belebten und unbelebten dingen, eine seele und handlungsfähigkeit anhängen kann. da entwickelt sich eine zwiesprache mit dem computer, der nicht das macht, was man möchte. da wird dem lebewesen, dem fiffi als beständigen begleiter, die gleiche reflexionsfähigkeit zugesprochen wie einem menschen. es ist im alltag schwer vorstellbar, das gegenstände und lebenwesen keinen eigenen willen entwickeln, der den eigenen interessen zuwider läuft.


diese form der vermenschlichung lässt sich beim kreativen schreiben wunderbar nutzen. hier darf der cocktailshaker mit dem eiswürfel ein zwiegespräch über die ohnmacht beim shaken geführt werden. hier können metaphorische texte auf das menschliche leben bezug nehmen. so können je nach funktionalität den gegenständen eigenschaften zugeschrieben werden, die eher menschen anhängig sind. das erleichtert es zum beispiel, dinge direkter auszusprechen, die an menschen dargestellt, schnell zu kritik führen könnten. aber es ermöglicht auch, aus größere distanz situationen wiederzugeben.


diese möglichkeiten können in schreibanregungen ihren ausdruck finden. wie oben schon kurz erwähnt, lässt sich zum beispiel der alltag mit einem toaster vergleichen, mit einer rührmaschine oder einem backofen. das handy wäre eine plaudertasche, der regenschirm die urmutter und der stein die hartnäckigkeit. übrigens werden vor allen dingen steine und kiesel gern symbolisch verwendet für bestimmte menschliche zustände.


diese spielereien im kreativen schreiben sollten nicht zu viel niederschlag im alltag finden, denn sonst kommt es zu den reaktionen, die vor allen dingen bei computernutzern festzustellen sind, es wird beschimpft, darauf eingeschlagen und aus dem fenster geworfen. auf der anderen seite scheint es besser, dass die aggressionen am gegenstand ausgelassen werden (siehe boxen und sandsack), denn an anderen menschen. beiden aspekten gleich ist es, dass meist weder die gegenstände noch die menschen der grund der aggressionen ist, es sind die bedingungen und umstände.