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wie man den spass am schreiben abgewöhnt (03)

grosse genies

im land der dichter und denker hat sich die haltung, dass zum schreiben eine mischung aus genie und angeborener begabung gehört, noch nicht verflüchtigt. zwar wird in manchen bereichen zugestanden, dass kreativität und fantasie gefördert werden können, doch die letztendliche veröffentlichung schaffen nur „echte“ schriftstellerInnen.

das macht es jeder person, die die lust verspürt, geschichten oder romane zu schreiben, den anfang schwer und lässt wahrscheinlich viele gute schreiberInnen zurückschrecken. warum genügt es nicht, sich darauf zu einigen, dass literatur selten in einem ungetrübten schreibfluss entsteht. dass literatur schreiben eben auch arbeit ist. dies könnte vielen die tür öffnen, indem sie sich darauf einrichten, dass sie wie andere menschen einer arbeit nachgehen und dann mal schauen, wie das ergebnis ankommt.

aber nein, meist wird ein abschreckungsszenario formuliert. denn selbst wenn einem talent von anderen bescheinigt würde, dann könnte man sich lang noch nicht sicher sein, einen verlag zu finden oder leserInnen zu gewinnen. wer sich durch den dschungel der genie-talent-begabungs-argumentation durchwindet und trotzdem zu stift oder tastatur greift, muss schon ein dickes fell haben.

die einschüchterung beginnt schon früh. gehen wir einmal davon aus, eine person entscheidet für sich, ich nehme den job der literarischen arbeit auf und schreibt erste texte und geschichten. schon die ersten leserInnen werden häufig mit der erwartung an das geschriebene gehen, dass dies nun der ganz große wurf sein muss. dementsprechend fällt das feedback auch durch gute freunde und bekannte oder durch literaturkreise schnell vernichtend aus.

anscheinend muss vor dem schreiben lernen erst das feedback-geben gelernt werden. wie lässt sich konstruktive kritik lernen? vor allen dingen sollten sich alle feedbackgeberInnen vom geniegedanken verabschieden. die grundhaltung, dass geschriebenes natürlich überarbeitet und verbessert werden kann, ist unabdingbar. das mag für manche leserInnen lächerlich klingen, doch es ist nicht zu unterschätzen Weiterlesen

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nabelschau (38)

das erbe helmut kohls. nach beinahe 30 jahren zeigen sich die folgen des beständigen „intellektuellen-bashing“ durch den damaligen bundeskanzler. immer wieder betonten er und etliche seiner nachfolger, wie lästig ihm wissenschaftliche und intellektuelle diskurse sind. das kam schon damals der demontage von wissenschaft (bevorzugt von geisteswissenschaft) nahe.

es ist paradox, dass auf der einen seite die förderung der bildungselite propagiert wird, dass wir auf exellente wissenschaft als zukünftigen motor unserer gesellschaft eingeschworen werden, und auf der anderen seite das faken einer doktorarbeit durch einen minister als kavaliersdelikt angesehen wird. nun ist er zurückgetreten nach wochen der gleichgültigkeit, der ausreden und des betonens aller anderen leistungen.

alle menschen erbringen in dieser gesellschaft immer wieder leistungen. oft leistungen, die über das hinausgehen, was sie bis dahin vollbracht haben. immer mehr eltern schwören ihre kinder schon in der kita auf das leistungsprinzip ein. und dann wird ihnen erklärt, dass das alles gar nicht so wichtig ist, dass man solche abschlüsse und regeln nicht zu ernst nehmen sollte.

gut, man kann der meinung sein, dass unser wissenschaftsbetrieb auch ein fantasieloser, dem mainstream und der wirtschaftlichen verwertbarkeit verhafteter ist. dass inzwischen so viele einen doktortitel tragen, dass er immer mehr an bedeutung verliert. aber man kann den menschen nicht ihre bemühungen absprechen. man sollte endlich in dieser komplexen welt wieder dahin zurückkehren, dass man komplexe gedanken und diskurse benötigt.

gleichzeitig sollte man aber auch dahin gelangen, dass alle leistungen der menschen anerkannt werden. der eine mag sie im wissenschaftlichen betrieb erbringen, der andere bei der erziehung seiner kinder. aber vom verhalten der frau merkel und des herrn guttenberg geht eine ganz andere botschaft aus: ihr könnt euch noch so anstrengen, wenn ihr nicht zur richtigen pressure group gehört, dann bringt euch das alles nichts. und ein großteil der bevölkerung heisst dies auch noch gut. wahrscheinlich wäre es wieder an der zeit einen könig oder eine königin zu krönen.

kreatives schreiben und elite

schreiben und im speziellen kreatives schreiben transportiert oft die vorstellung, etwas außergewöhnliches, gesellschaftlichen entwicklungen konträres zu vollbringen. auf der einen seite belächelt als volkshochschulspaß, wird ab und zu von den schreibenden die position eingenommen, sich dem mainstream der flachen digitalen kommunikation zu entziehen.

das kann beim verfassen von texten und in schreibgruppen zu einer elitären haltung führen. nach dem motto: „wir widerstehen den verführungen des computerzeitalters und besinnen uns der alten werte“. dies ist eine bildungsbürgerliche haltung, die bemüht ist, sich den gesellschaftlichen entwicklungen zu widersetzen und dem „schöngeistigen“ zu verschreiben.

erst einmal handelt es sich natürlich um eine berechtigte kritik am schnelllebigen und vergänglichen der neuen medien. wer weiß, ob nicht im laufe der zeit alle archive des digitalen schreibens verschwinden und gelöscht werden. doch nicht selten mischt sich in diese haltung eine form der überlegenheit gegenüber den tippenden und an elektronischen geräten formulierenden. es macht sich der gedanke eines „wahren“ schreibens breit. diese auseinandersetzung gab es schon bei der einführung der schreibmaschine. dabei ist wort erst einmal wort. ob es nun von hand, per schreibmaschine oder am laptop niedergeschrieben wurde.

das schreiben am computer sagt nichts über die entstandenen texte aus. aber das schreiben von hand wird weiterhin von manchen als einzig annehmbare form des schreibens verstanden. die schreibende elite setzt sich noch an ihren schreibtisch, greift zum stift (oder noch besser zum federhalter) und notiert mühsam gedanken und texte auf ein weißes blatt papier. es wird mit ästhetik (auch der sprache) und mit der historie des schreibens argumentiert, die die elite des schreibens vom rest des undurchdachten tippens trennen. dabei treten die beweggründe des formulierens in den hintergrund, und eher kulturpolitische interessen in den vordergrund. dies hat beim kreativen schreiben nichts verloren. einziger anhaltspunkt sollte das eigene wohlfühlen bei der umsetzung des gedankenflusses sein. wie das dann aussieht, bleibt allen schreibenden selbst überlassen.

schule und das leistungsprinzip

seit den pisa-studien versucht das land in den bildungsinstitutionen ein leistungsprinzip zu verankern, das jegliche pädagogischen anstrengungen lernen könne spaß machen. wer in berlin mitbekommt, wie lang inzwischen schülerInnen am tag in die schule gehen müssen  und wieviel hausaufgaben sie dann noch bekommen, fragt sich, ob sie überhaupt noch spielen und freizeit haben. es spricht nichts gegen ganztagsschulen, nur müssen sie durch die bank auf eine bestimmte form des lernens ausgerichtet sein?

ähnlich konkurrierend geht es in den anschleißenden aus- und fortbildungen und in den universitäten weiter. „elite“ und „exzellenz“ sind die stichworte, die im laufe der zeit begriffe wie „leben“ und „kreativität“ an den rand drängen. der junge mensch hat leistung zu bringen, damit er akzeptiert wird. schaut man sich die eltern der jungen menschen an, dann sorgen sie sich um die zukunft ihrer kinder und tun alles, damit die lieben kleinen dem leistungsprinzip folgen können. bietet die staatliche schule zu wenig, geht es an die private oder man unterrichtet gleich zuhause. selten geschieht das noch unter dem gesichtspunkt, welche bedürfnisse die kinder haben, sondern unter dem label, hauptsache sie haben bestand in der konkurrenz.

werbung ist immer ein ausdruck gesellschaftlicher verhältnisse. so verwundert es nicht, dass die buchhandlung „hugendubel“ eine werbebroschüre unter dem titel „fit für die schule – die besten lernhilfen“ verbreitet. ein blick in das heftchen konfrontiert einen mit seitenüberschriften, die einen frieren lassen ob der pädagogischen zumutungen, die anscheinend werbewirksam sind. so lauten die werbebotschaften:

„aller anfang ist leicht!“

„lesen macht schule!“

„übung macht den meister!“

„eine klasse für sich!“

„wissen macht stark!“

„gut getestet ist halb bestanden!“

„fitness für den kopf!“

„ein kurztest für jeden tag!“

„alleskönner für jeden fall!“

„wer´s versteht, lernt leichter!“

„vokabeln und mehr!“

„ein fach, eine klasse, ein band!“

„direkt zum erfolg!“

„können, was kommt!“

„auf alles vorbereitet!“

noch fragen? man beachte die ausrufezeichen. die welt kann so einfach sein, wenn man den anforderungen nur widerstandsfrei folgt 😯