Schlagwort-Archive: emotion

biografisches schreiben und weinen

ist ihnen schon einmal aufgefallen, dass es für das weinen wenige wertfreie synonyme oder umschreibungen gibt. ja gut, tränen fließen und wir schluchzen vielleicht auch dabei, ja wir heulen. aber der rest, greinen, flennen und jammern sind abwertende begriffe. wir scheuen also den blick auf den ausdruck großer traurigkeit oder hilflosigkeit, uns fehlen die worte.

dem sollte beim biografischen schreiben etwas entgegen gesetzt werden. zu weinen ist meist ein ausdruck für die realisierung einer unangenehmen situation (abseits der freudentränen). es ist ein schritt in richtung veränderung, wahrnehmung und ein ausdruck unserer gefühlslage für andere. doch in gesellschaften, in denen man die gefühle lieber weiterhin für sich behält, da fällt das weinen weiterhin schwer. es gibt kulturen, die der trauer lauten, klagenden ausdruck verleihen und sich dafür nicht schämen.

bei uns macht es weiterhin viele menschen hilflos, wenn jemand weinend vor einem steht. ganz schnell soll dieser ausdruck verschwinden und es wird alles unternommen, um nicht zu viel von der traurigkeit anderer mitzubekommen. schade eigentlich, da es kaum solch eine umfassende körperliche reaktion auf emotionale zustände gibt. das will was heißen.

bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte sollte man ruhig einmal den blick darauf werfen, wie schwer oder leicht einem das weinen gefallen ist. in welchen situationen konnte man nicht mehr an sich halten und wie haben die menschen um einen herum reagiert? hat man sich in diesen momenten aufgehoben gefühlt? wie reagierte man selber auf die trauer anderer? haben wir deshalb so viele beerdigungsvorschriften, weil wir den emotionalen ausbruch bei verlusten in rituale umlenken wollen? selbst elefanten weinen.

vielleicht ergibt sich durch das biografische schreiben ein etwas anderer blick auf die möglichkeit, durch hemmungsloses weinen einem einschneidenden moment ausdruck zu verleihen. kinder können noch weinen, irgendwann verschwindet diese fähigkeit bei den meisten menschen im gaaanz privaten. wie sagte einmal eine gute freundin „man sollte alles zelebrieren, auch die traurigkeit“.

na dann, heulen wir doch ausgiebig beim betrachten der traurigen momente unserer biografie, denn die gibt es auch, bei jedem menschen. und schämen wir uns nicht dafür, dass unsere augen dem inneren ausdruck verleihen.

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selbstbefragung (117) – eifersucht

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „eifersucht„.

  • auf wen sind sie momentan am eifersüchtigsten?
  • auf wen waren sie im laufe ihres lebens am eifersüchtigsten?
  • was machen sie, wenn sie eifersüchtig sind? beschreiben sie.
  • wer hatte anlass, auf sie eifersüchtig zu sein?
  • welche verhaltensweisen von partnerInnen oder freundInnen machen sie eifersüchtig? warum?
  • was meinen sie dazu, dass eifersucht nur besitzdenken sein soll?
  • welches waren die theaterreifsten szenen, die sie in ihren beziehungen erlebt haben?
  • sind die versöhnungen nach den szenen für sie angenehm oder unangenehm? warum?
  • kennen sie situationen, in denen sie nicht mehr wussten, was sie tun? welche?
  • mit wem würden sie sich heute gern versöhnen? warum tun sie es nicht?

kreatives schreiben und freude

kreativ seiner freude ausdruck verleihen, das ist in eine aussage gepresst, die chance, die das kreative schreiben bietet. denn wie soll man freude schriftlich darstellen. es ist nicht sehr ansprechend, wenn in einem text immer wieder „juchhuu“ steht oder der satz „ich freue mich so“, „er freute sich so“ auftaucht. also benötigt man alternativen, um die freude für die leserInnen nachvollziehbar zu machen.

da kann eine beschreibung der mimik und des körperlichen ausdrucks eines menschen, der sich freut, hilfreich sein. oder man steckt die freude in einen dialog, ohne immer wieder „ich freue mich so“ zu verwenden. die kombination aus dialog und beschreibung der mimik kann den ausdruck einer freudigen fröhlichkeit noch verstärken. die schwierigkeit besteht darin, dass freude nur eine emotion ist, die ausgedrückt wird und keine handlung. aber aus der freude heraus können handlungen entstehen, die das bild verstärken. so kann jemand zum beispiel aus freude durch die eigene wohnung tanzen oder sich etwas außergewöhnliches leisten.

eine andere form, freude kreativ darzustellen sind metaphern und vergleiche. am bekanntesten ist wahrscheinlich der satz „sich freuen wie ein schneekönig“ oder auch aussagen, wie „er grinste wie ein honigkuchenpferd“. man kann mit freuen eine menge bilder verbinden, viele davon haben mit lachen, lächeln, spontanen ausrufen oder bewegungen zu tun. da kann jemand vor freude beinahe platzen, es kann die freude überschäumen wie ein gut geschütteltes bier oder es werden einfach nur die arme hochgerissen.

diese bilder deuten auf einen weiteren kreativ umsetzbaren aspekt der freude hin: Weiterlesen

web 2.0 und liebe

das web 2.0 verheisst die wahre liebe, das perfekte pendant zu einem selber. auf diese kurze aussage lassen sich die funktionsmechanismen einer (beinahe) globalisierten kommunikation reduzieren. wie schon in dem buch „das ende der liebe“ von sven hillenkamp aufgezeigt wird, suggeriert das internet ein unendliches angebot an potentiellen partnerInnen.

doch dies ist ein trugschluss, beschränkt sich das angebot doch auf die menschen, die einen netzzugang haben, die sich in soziale netzwerke einklinken und die darüber partnerInnen suchen. so wird sich die auswahl im absoluten idealfall auf die weltbevölkerung im beziehungsfähigen alter beschränken, wenn man nicht glaubt, dass in absehbarer zeit zusätzlich potentielle partnerInnen aus dem weltall teil der kommunikationsnetze werden.

und es folgen weitere einschränkungen: jeder mensch kann für sich prioritäten benennen, die potentielle partnerInnen erfüllen sollten. doch allein diese prioritäten gehen durch einen engen filter, den der virtuellen kommunikation. es ist nicht nachvollziehbar, wie weit die angaben in profilen der realität entsprechen, wie weit das aussehen dem digitalisierten bild entspricht und wie weit die schriftliche kommunikation ein spiegel des gegenübers ist.

also muss die versprochene möglichkeit, perfekte partnerInnen durch das netz finden zu können, abermals eingeschränkt werden: die eigentlich menschlichen komponenten kann das web 2.0 nicht abbilden. dazu zählen der körpergeruch, der klang der stimme, die ganz subjektive bewegung, die gelebten emotionen und vor allen dingen die nicht in worte zu fassende ausstrahlung. im computer strahlt nur ein abbild, das eventuell und maximal einen vorgeschmack Weiterlesen

schreibidee (189)

auch wenn es momentan bei den frühlingstemperaturen unwahrscheinlich erscheint, bald wird es bitterkalt werden und der winter sorgt für die abkühlung der gemüter. ähnlich wie die laue sommernacht, haben winternächte eine ganz eigene stimmung. wenn die luft klar, kalt und die die bäume kahl sind, wirkt die welt um einen herum distanzierter. darum einmal die schreibanregung zu „winternacht-geschichten„.

in schreibgrupppen bietet sich diese schreibidee natürlich für die wintermonate an. sollte die schreibgruppe abends stattfinden, könnte man die gunst der stunde nutzen, die wettervorhersage abfragen, und sich hinaus in die kälte begeben, wenn das klima dementsprechend ist. dazu sollten die teilnehmerInnen aufgefordert werden, handschuhe mitzubringen, die es ihnen ermöglichen ein paar stichworte zu notieren.

denn als erstes begibt man sich gemeinsam in die winternacht, möglichst mit viel natur und landschaft um sich herum (perfekt ist es, wenn auch noch schnee liegt). während man sich also durch die kälte bewegt sollen assoziationen und beobachtungen notiert werden. zurückgekehrt in die räumlichkeiten der schreibgruppe bei ansprechenden heissgetränken ist dann die erste geschichte aus den beobachtungen zu schreiben. einzige auflage: es soll keine weihnachtsgeschichte werden (da zu diesem genre gern beim thema winternächte gegriffen wird). anschließend werden die geschichten in der schreibgruppe vorgetragen und ein feedback gegeben.

im zweiten schritt sind die geschichten zu überarbeiten. es soll der winternachtsstimmung rechnung getragen werden, indem alle emotionen und warmen gedanken der vorherigen geschichte entzogen werden. es soll eine geschichte entstehen, die eine kalte und klare sprache hat, so dass beim vortrag alle ins frösteln geraten. es besteht für die schreibgruppenteilnehmerInnen die möglichkeit, eine neue geschichte zu verfassen, wenn sie das gefühl haben, dass sich ihre vorherige geschichte nicht zum überarbeiten anbietet. anschließend werden auch diese geschichten vorgetragen und beim feedback wird darauf geachtet, wie kalt die geschichte wirkt.

als abschluss kann, so weit noch zeit übrig ist, das genaue gegenteil verfasst werden: eine winternacht-geschichte, die nur so von wärme und herzlichkeit strotzt. die leserunde bietet einen versöhnlichen abschluss des treffens.

selbstbefragung (45) – geilheit

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „geilheit„.

  • können sie den satz „ich bin so geil“ unbefangen aussprechen? warum?
  • wann sind sie denn „so“ geil?
  • wann waren sie das letzte mal so richtig geil?
  • wie gehen sie mit ihrer geilheit um? beschreiben sie.
  • hat geilheit für sie ausschließlich mit sex zu tun oder gibt es da noch mehr? beschreiben sie.
  • wer ist für sie der geilste mensch? begründen sie.
  • wer findet sie wohl geil?
  • was halten sie von selbstbefriedigung? warum?
  • glauben sie an triebe? wo kommen die ihrer ansicht nach her? sind sie sich da sicher? und wie äußern sich ihre triebe?
  • was törnt sie sehr schnell ab? beschreiben sie.

kreatives schreiben und mimik

die muskeln im gesicht eines menschen sind zahlreich. dies ermöglicht es uns, unzählige emotionen durch leichte gesichtsveränderungen auszudrücken. dazu kommt noch die blutpumpe herz, die diverse schattierungen ins antlitz zaubern kann. bei der beobachtung von situationen und erlebnissen, spielt die mimik des gegenübers immer eine große rolle. der mensch versucht sehr genau die gefühlslage der anderen menschen um ihn mit den augen zu erfassen.

dies alles auf papier zu bringen ist kein leichtes. wie beschreibe ich denn jemanden, der erst einen sehr blassen und ängstlichen eindruck aufgrund seiner mimik macht und dann starke worte wählt, die im widerspruch zu seiner erscheinung stehen? da es sich nicht um eine psychotherapeutische sitzung oder eine psychologische analyse handelt, darf hemmungslos aufgrund der beobachtung im kreativen schreiben gedeutet werden. es geht eben nicht um eine eins-zu-eins-situationsbeschreibung, sondern um das erfassen eines eindrucks.

hilfreich beim beschreiben von protagonisten in geschichten können dabei metaphern sein oder vergleiche mit menschen in ähnlichen situationen. es kann erstaunen ob des widerspruchs zwischen mimik und handlung ausgedrückt werden. so werden beim kreativen schreiben eindrück wiedergegeben, die nicht den anspruch auf korrektheit haben. eine ganz gute übung könnte es sein, Weiterlesen

kreatives schreiben und stimmungen

das kreative schreiben unterliegt in seiner umsetzung den aktuellen stimmungen der schreibenden. das kann man schon feststellen, wenn man schreibgruppen mit identischen abläufen durchführt und dabei sehr verschiedene ergebnisse entstehen. dies lässt sich eventuell noch auf die verschiedenen personen zurückführen. doch beim täglichen freewriting zu der gleichen fragestellung kann man feststellen, dass einem jeden tag dieses thema verschieden zugänglich ist.

darum ist es lohnenswert, sich schreibanregungen mehrmals vorzunehmen. dies bietet die chance durch das schaffen verschiedener texte zum gleichen thema, den für sich auszuwählen, der einem selber am besten gefällt oder am stimmungsvollsten umgesetzt ist. dies ist so zu schreiben die gegenaktion zu stilübungen, wie sie zum beispiel queneau durchgeführt hat, nämlich den gleichen text in verschiedene formen zu bringen. hier werden aber die stimmungen, als die tagesform genutzt.

so kann es bei einem thema zu einer humorvollen umsetzung oder einer variante in niedergeschlagener stimmung kommen. da vor allen dingen emotionen bei der umsetzung von ideen in intensive texte und geschichten eine rolle spielen. stimmungen verändern den inhalt, den ablauf oder die atmosphäre von texten. dies ist natürlich abhängig davon wie eng die schreibanregung gefasst ist.

generell ist zu empfehlen, beim kreativen schreiben, den eigenen stimmungen nachzugeben. denn dann ist man nicht zu sehr damit beschäftigt, sich gedanken über die entstehende atmosphäre zu machen. es besteht natürlich die gefahr, dass man sich in euphorische hymnen oder jämmerliche ergüsse hineinsteigern kann. aber bei verschiedenen varianten besteht ja die möglichkeit, einzelne zu verwerfen oder nachzubearbeiten. es ist jedenfalls damit zu rechnen, dass man sich dadurch der eigenen bevorzugten variante annähert, auch wenn dies ein wenig zeit benötigt. diese vorgehensweise bietet sich vor allen dingen dann an, wenn man in absehbarer zeit mit keinem feedback zu den eigenen texten rechnen kann.

selbstbefragung (10) – melancholie

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „melancholie„, die konsequente folge auf das glück vom letzten mal. lese gerade ein sehr schönes buch über die melancholie in der „grinse“-gesellschaft. demnächst mehr darüber hier.

  • können sie in glücklichen zeiten auch traurig sein?
  • wie oft haben sie depressive verstimmungen? warum so selten oder so oft?
  • was halten sie von der aussage: man muss sich einfach zusammenreissen und seine gefühle nicht so vor sich hertragen?
  • was verstehen sie unter „in gefühlen schwelgen“?
  • würden sie sich als „romantische kuh“ bezeichnen? glauben sie wirklich an die verheissungen dieser haltung?
  • welche melancholischen schriftstellerInnen mögen sie?
  • ertappen sie sich öfter dabei, dass sie das glück festhalten wollen?
  • in welchen momenten werden sie besonders traurig?
  • wie reagieren sie auf menschen, die immer gut drauf sind (weiß der geier auf was)?
  • sind für sie liebe und melancholie unzertrennlich verbunden? warum?
  • wie melancholiefreundlich ist ihre umwelt (freundInnen, partnerInnen, verwandschaft…)?

web 2.0 und globalisierung der affekte

 

der affekt ist eine emotion oder ein gefühlsausbruch. da wundert es nicht, dass dieser durch das internet sowohl verbreitet als auch verstärkt werden kann. der französische philosoph paul virilio spricht in diesem zusammenhang von der „globalisierung der affekte in echtzeit“. dabei bezieht er sich nicht nur auf das internet, sondern vor allen dingen auch auf das fernsehen.

mir scheint da etwas dran zu sein. die weltengemeinschaft ist inzwischen so vernetzt, dass katastrophen, kriege oder andere emotionen auslösende ereignisse für jeden von zuhause aus abrufbar werden. selbst wenn im fernsehen gerade noch die faschingssendung gezeigt wird, habe ich die möglichkeit, mir über das internet die aktuellen ereignisse ins wohnzimmer zu holen. wer kabelfernsehen hat, schaltet noch „cnn“ dazu und schon ist man live dabei, wenn wirbelstürme über das land toben, bomben gerade explodiert sind oder ganze regionen abbrennen. unterfüttern kann man das ganze zusätzlich mit augenzeugenberichten, die „getwittert“ werden. so geschehen bei den terroristenanschlägen in bombay (mumbai).

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