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schreibidee (245)

höchste beachtung verdient die menschwürde. dadurch, dass wir menschen über uns und unsere situation reflektieren können, entwickeln wir auch eine ethische haltung dazu, ab welchem moment einem menschen die würde genommen wird. das bedeutet, ab wann ein mensch nicht mehr als mensch behandelt wird, sondern eher als sache, als wertloses ding oder als ein lebewesen ohne emotionen und reflexion. dies kommt leider weiterhin öfter vor als man denkt. und die folgende schreibanregung greift den gedanken auf, um „würdelose texte“ zu schreiben.

was gehört für die teilnehmerInnen zur „meschenwürde“? diese frage soll mit einem einseitigen text (also mit einem text von einer seite länge 😉 ) beantwortet werden. die texte der menschenwürde werden anschließend vorgetragen. danach wird es eine emotional sehr bewegende gruppensitzung der schreibgruppe werden. denn würdelosigkeit berührt mit großer garantie. zu weiteren einstieg werden entweder texte von folteropfern oder dokumentationen über folteropfer gezeigt. folter ist eine der drastischsten formen, dem menschen seine würde zu nehmen.

anschließend ist eine geschichte zu verfassen, in der jemand davon berichtet, wie ihm die würde genommen wurde. es muss sich dabei nicht um folter handeln. es bleibt der fantasie überlassen, welche würdelose oder entwürdigende situation geschildert wird. einzige vorgabe für den text ist es, möglichst intensiv und bewegend die geschichte zu formulieren. danach werden die entstandenen geschichten vorgetragen und in der feedbackrunde wird auch darauf geachtet, wie bewegend die schilderung auf die schreibgruppenteilnehmerInnen wirkte.

zum abschluss geht es darum, der würdelosigkeit etwas entgegen zu setzen. was ist notwendig, um keine würdelosen situationen mehr zu erleben. alle teilnehmerInnen sind aufgefordert, ein „manifest wider die würdelosigkeit“ zu verfassen. dieser aufruf sollte anschließend im entsprechenden tonfall eines aufrufs vorgetragen werden. falls interesse besteht und die schreibenden nicht zu sehr mitgenommen sind, kann der film „buenos aires 1977“ noch angeschaut werden. in diesem film wird geschildert, wie menschen in argentinien sukzessive durch folter und psychoterror die menschenwürde genommen wurde und wie sie versuchten sich von dieser situation zu befreien.

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