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schreibberatung und verlust

in die schreibberatung kommen ratsuchende, die oft die zuversicht verloren haben, den notwendigen text, die anstehende schreibarbeit zu verfassen. in diesen momenten teilt sich die schreibberatung in zwei unterschiedliche beratungsbereiche. zum einen werden schreibtechniken vermittelt, um überhaupt wieder in einen schreibfluss zu kommen. zum anderen geht es aber zusätzlich darum, die zuversicht wieder zu erlangen. dies kann teilweise mit dem absolvieren der schreibanregungen einhergehen, genügt aber selten vollständig.

um den verlust der zuversicht besser rückgängig machen zu können, bedarf es einer analyse der situation und vor allen dingen einer analyse der gründe, warum die zuversicht beim schreiben verloren ging. man geht erst einmal davon aus, dass alle menschen, ein interesse daran haben, schreiben zu lernen und schreiben zu können. denn dieser schritt fördert die teilhabe an den lebensumständen, die einen umgeben und erfüllt die anforderungen, die an einen menschen in unserer gesellschaft gestellt werden. ja, man kann sogar davon ausgehen, dass die meisten menschen die ersten schreibschritte freudig vollzogen haben und spaß empfanden.

irgendwann kam dann der bruch – mal früher, mal später – ab dem das schreiben zur qual wurde oder überhaupt nicht mehr funktionierte. vielleicht war es das scheitern an einer aufgabe ohne unterstützung oder eine umwelt die signalisierte, dass man sowieso nichts richtig mache, oder eine rückmeldung, dass es sich um einen ganz fürchterlich geschriebenen text handelte, den man verfasste. gründe für den verlust der zuversicht kann es sehr viele geben. aber diesen gründen sollte man in einer schreibberatung auf die spur kommen.

erst die gemeinsame analyse (der vergangenheit) von schreibberaterInnen und ratsuchenden macht es möglich, die erlebten urteile, kritiken oder selbsteinschätzungen zu entkräften. denn es steht meist eine bewertung im hintergrund, die das eigene schreiben Weiterlesen

biografisches schreiben und bewusstes

wir menschen haben zum selbstschutz einen wunderbaren mechanismus: das verdrängen. in vielen lebensbereichen ist dies für uns sehr hilfreich. doch manchmal verdrängen wir lang etwas und es will doch immer wieder an die oberfläche, in unser bewusstsein rücken. die anstrengung, es weiter zu verdrängen wächst stetig an und kann irgendwann eventuell nicht mehr geleistet werden. dann kommt bei uns etwas hoch, das wir eigentlich nicht sehen oder fühlen wollten.

solche situationen kennt jeder mensch. mal sind es größere packen, die wir verdrängt haben, mal kleinere begebenheiten oder emotionen. wenn wir versuchen selbst-bewusster zu werden, dann machen wir uns an die arbeitet, verschüttete erinnerungen und verdrängtes ans tageslicht zu bringen. gerade das biografische schreiben ist eine gute technik, um sich seine eigene lebenssituation aber auch verdrängtes bewusst zu machen.

um verdrängtes aufgreifen zu können, muss der richtige zeitpunkt kommen. man kann sich etwas nicht unter zwang bewusst machen. der richtige zeitpunkt hängt, wie schon oben ein wenig beschrieben, mit entwicklungen in unserem leben und mit unserer person zusammen. ich möchte noch einmal betonen – auch beim biografischen schreiben kann verdrängung ein nützliches mittel sein. es geht nie um die radikale selbstentblössung bis auf die knochen, auch nicht vor sich selber.

doch man kann natürlich durch assoziationstechniken, dem automatischen schreiben und der verbindung von meditation und schreiben sich auf die spur kommen. dies muss nicht immer negativ sein. man kann positve ereignisse ebenso verdrängen, wenn die persönliche umwelt dem erlebten feindlich Weiterlesen

kritische bemerkungen zum „neuen kreativen schreiben“ nach stephan porombka (1)

in der einleitung seines artikels (siehe https://schreibschrift.wordpress.com/2012/02/20/das-„neue-kreative-schreiben-ein-lese-und-diskussionstipp/) von 2009 schreibt professor stephan porombka (hildesheim): „Verabschiedet wird die Fiktion, dass es beim literarischen Schreiben um das Freilegen von Innerem und Eigentlichem geht. Dem neuen Kreativen Schreiben geht es – in Abgrenzung von alten sozial- oder kulturpädagogisch ausgerichteten Programmen zur literarischen Selbsterfahrung oder Freizeitgestaltung – um die Arbeit am Text und damit um die Effekte, die am Text und mit dem Text entstehen, wenn man schreibt. Es geht darum, diese Arbeit nicht als etwas zu verstehen, was man nebenbei betreiben kann. Das literarische Schreiben wird als eine Form von Lebenskunst verstanden, die aufwendig und fortlaufend geübt werden muss und die man durchaus auch professionalisieren kann.

hier wird eine abgrenzung formuliert, die in dieser form in der praxis nicht vorhanden ist. schaut man sich die angebote an kreativem schreiben in deutschland an, dann reicht die bandbreite von literarischen exklusiv-zirkeln über die anwendung von kreativen schreibtechniken im coaching, im biografischen schreiben oder im wissenschaftlichen kontext bis zu schreibgruppen zur freizeitgestaltung in volkshochschulen. nun wäre zu klären, ob der begriff „kreativ“ nur einer richtung, schule oder vorstellung zugeordnet werden kann oder ob er nicht ein allumfassender begriff für schöpferische, intuitive neukombinationen in verschiedenen bereichen ist. vor allen dingen die aktuelle kreativitätsforschung zeigt auf, dass zum einen der begriff „kreativität“ ein sehr unklarer und umstrittener ist, dass aber zum anderen eine untrennbare verbindung zwischen der subjektiven historizität (meinen „selbst“erfahrungen im laufe meines lebens), meiner intuition und meiner kombinationsfähigkeit besteht.

dies zeigt, dass jeder mensch kreativ sein kann, wie weit die ergebnisse nun positiv oder negativ bewertet werden, unterliegt ganz anderen kriterien, zum beispiel der gesellschaftlichen situation, den individuellen bedürfnissen nach sinneseindrücken und den moden. also geht es herrn porombka nur um die besetzung eines positiven begriffs für seine vorstellungen (denn „kreativ“ wird bei uns gesellschaftlich inzwischen positiv, wenn nicht sogar als notwendige soziale kompetenz betrachtet). und in einem handstreich wird „neues kreatives schreiben“ dem literarischen schreiben gleichgesetzt. um die abgrenzung aufrecht zu erhalten, wird postuliert, dass es nicht mehr um „selbsterfahrung“ und „sich ausdrücken“ gehe. den autor, die autorin zeige man mir, die nicht eigene erfahrungen in texte einfließen lassen. ich mache von morgens bis abends, selbst in meinen träumen „selbsterfahrung“. aus dem erfahrenen ergeben sich gedanken, ideen, geschichten. mal dienen sie mehr der verarbeitung des erfahrenen, mal weniger.

selbst der krampfhafte versuch einer objektivierung des wahrgenommenen wird immer dem persönlichen unterliegen. wie kenneth goldsmith in seinem buch „uncreative writing“ zeigt, entsteht sogar dann etwas subjektiv-kreatives, wenn man Weiterlesen

kreatives schreiben und nähe

wie in der eben geposteten schreibidee aufgezeigt, kann man schreibend unglaublich viel nähe herstellen. doch nun möchte ich noch einen anderen aspekt im zusammenhang mit dem kreativen schreiben beleuchten: wie nah sollen meine kreativen texte an meinem leben sein? was will ich preisgeben und was nicht? denn jedesmal, wenn wir kreativ sind, fließen anteile von uns in das geschaffene und geschriebene ein. kreativität speist sich unter anderem aus unseren erfahrungen.

während des kreativen schreibens kann ein befreiendes gefühl auftreten, da man mit geschichten, gedichten und texten einen ausdruck für die eigene gefühlslage findet und „dinge loswerden“ kann. dieser aspekt ist nicht zu unterschätzen, wenn man später stolz auf das geschaffene blickt und überlegt, es der öffentlichkeit preiszugeben. man ist dem text nahe und der text geht einem nahe. (vorsicht mit deutungen: nicht jeder text spiegelt das seelenleben der autorInnen wieder!)

doch man sollte bedenken, dass man die reaktionen der öffentlichkeit auf das geschriebene nie einschätzen kann. man weiß nicht, wenn man ein buch veröffentlicht oder einen text ins internet stellt, wie er auf andere wirkt. schnell kann es zu kritiken kommen (natürlich auch zu lob, anerkennung und jubel), die einen noch stärker treffen, wenn man eine große nähe zum inhalt des textes hat. es ist sinnvoll, bevor man einen text veröffentlicht, eine gewisse distanz zu ihm aufzubauen, sich vom text zu verabschieden.

das mag jetzt recht kryptisch klingen, doch es benötigt gelassenheit, wenn jemand das selbstgeschriebene, das einen bewegt, zerpflückt. denn auch in kritiken fließen persönliche momente ein. stimmungen einzelner menschen, berührungen und nähe durch die gelesenen texte, lassen sich nicht erahnen. natürlich kann man sich beim schreiben die idealen Weiterlesen

schreibidee (278)

früher sprach man von großen konflikten. heute sind sie alle gute freunde, kumpel und kumpeline. „hotel mama“ liegt im trend und der staat verpflichtet beim empfang von finanzieller unterstützung sogar dazu, die eltern lang nicht zu verlassen. die generationen pflegen momentan einen seltsamen umgang miteinander und unterscheiden sich doch. die schreibanregung gibt raum für „generationen-geschichten„.

die schreibgruppenteilnehmerInnen werden aufgefordert, eine kurze charakteranalyse von drei generationen zu verfassen. man beschreibe die eigene generation mit ihren eigenheiten, dann die der eltern mit ihren erfahrungen und eigenheiten und die generation der großeltern. diese abrisse dreier generationen werden in werden in der schreibgruppe vorgelesen.

und da ich davon ausgehe, dass es auch weiterhin generationskonflikte gibt, da es unterschiedliche erfahrungen und vorstellungen gibt, sind nun zwei kurze geschichten zu generationskonflikten zu schreiben. zum einen ein konflikt zwischen der eigenen und der elterngeneration, zum anderen einen konflikt zwischen der eltern- und der großelterngeneration. wo die geschichte angesiedelt ist, ob sie biografische züge oder nicht annimmt, ist den schreibenden überlassen. die geschichten zu den generationskonflikten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es wird in der feedbackrunde diskutiert, wie weit man die konliktlinien nachvollziehen kann.

zum abschluss wird eine lange geschichte (es sollte genug zeit zur verfügung stehen) geschrieben, in der drei generationen eine rolle spielen. in welchem zeitalter sie angesiedelt sind, ob es konflikte gibt oder nicht, ob alle beinander leben oder weit voneinander entfernt oder ob es ein familiengeheimnis gibt oder nicht, bleibt den schreibgruppenteilnehmerInnen überlassen. anschließend werden die geschichten in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.