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schreibidee (294)

wie sieht ein tag im leben einer eintagsfliege aus? recht abwechslungsreich und vielfältig, wenn man den tierdokumentationen glauben kann, die im fernsehen laufen. wie sieht aber der alltag eine menschen? viele würden sagen, dass der alltag oft etwas eintöniges und in wiederholungsschleifen verharrendes. blickt man jedoch ins detail, dann offenbaren sich meist kleine, intensive und überhaupt nicht von routine geprägte momente. darum die anregung zu „one-day-stories (ods)„.

zu beginn muss sich die schreibgruppe darauf einigen, wie detailreich sie einen tagesablauf beschreiben möchte. dazu sollen zeitfenster benannt werden. man kann sich entweder an einteilungen wie „morgen“, „mittag“ und „abend“ orientieren, man kann uhrzeiten benennen oder kriterien wie „aufstehen“, „frühstück“ und „arbeiten“. hat man sich auf die details geeinigt beginnt die wahl der charaktere. diese schreibanregung ist keine form des biografischen schreibens, obwohl dies eine weitere variante wäre.

alle schreibgruppenteilnehmerInnen erfinden jeweils drei charaktere, die sie in einem kurzen steckbrief beschreiben. in diese vorstellung fließen schon ideen zum tagesablauf ein, da zum beispiel beruf oder familienstand festgelegt werden. die steckbriefe werden in der schreibgruppe vorgestellt und die schreibgruppe stimmt darüber ab, welcher charakter in der folge von den schreibenden verwendet werden soll.

dann startet die erste zeitetappe: fünf minuten lang werden kurz stichworte notiert, was in diesem zeitabschnitt passiert. anschließend wird die geschichte dieses einen tages gestartet: auf maximal zwei seiten wird der erste zeitabschnitt in einen bericht oder eine geschichte eingebunden und beschrieben. dieser kurze text wird in der schreibgruppe vorgetragen, auch als anregung für die anderen teilnehmerInnen, es findet keine feedbackrunde statt.

nun werden schritt für schritt (mit zeitvorgaben für den schreibprozess) die anderen zeitetappen geschrieben. hierbei können besondere details herausgearbeitet werden oder auch die eintönigkeit im text niederschlag finden. die weiteren abschnitte werden nicht vorgelesen, sondern beiseite gelegt. sind alle zeitabschnittte der one-day-story geschrieben, werden sie zusammengeführt, falls notwendig. es ist keine vorgabe vorher, dass der tagesablauf in einem stück verfasst wird, somit können nun noch übergänge und brücken zu den anderen zeitabschnitten verfasst werden. zum abschluss wird dann noch die überschrift „ein tag im leben von xy“ vorangestellt. dann werden die tagesabläufe vorgelesen und es findet eine ausführliche feedbackrunde statt.

als erweiterung dieser schreibidee ist es vorstellbar, dass man mehrere tagesabläufe verfasst und sich dabei charaktere, die man entwickelt hat, verschränken und verstricken. somit entsteht im laufe der zeit ein gewebe eines tages, an dem sich die wege verschiedener menschen kreuzen und wieder trennen. zum abschluss kann man diese episoden verschachteln und collagenartig zusammenfügen ohne weitere übergänge zu schaffen. dies ist die schriftliche variante der episodenfilme, die einen festen zeitraum umreissen.

schreibtechnik (10)

sie kennen diese geschichten, die verschachtelt sind, und man fragt sich am anfang, was soll das? doch stück für stück nähern sich die verschiedenen stränge einander an, bis sie entweder mitten in der geschichte oder am ende aufeinandertreffen und einem plötzlich klar wird, dass sie etwas miteinander zu tun haben.

so etwas gibt es auch als film. einer der besten und gewaltigsten ist „magnolia“ mit tom cruise in einer grandiosen rolle. nun, es muss ja nicht gleich ein ganzes epos werden mit dutzenden verschiedenen erzählsträngen. doch die übung einmal einen collagenhaften text zu schreiben, ist es wert, ein gefühl für die zusammensetzung verschachtelter geschichten zu bekommen.

entweder sie überlegen sich eine zentrale startszene oder endszene. gut wären mindestens zwei protagonistInnen, zum beispiel „mann trifft frau in der bar“. und nun überlegen sie sich, was in der stunde hinterher oder vorher, beide jeweils erlebt haben. schreiben sie zwei getrennte geschichten darüber. also, was erlebt die frau eine stunde lang und was erlebt der mann eine stunde lang. nur eines sollte beiden geschichten gemeinsam sein, sie treffen sich am anfang oder ende in der bar.

wenn sie beide geschichten fertig haben, nehmen sie entweder ihr schreibprogramm des computers oder eine schere und schneiden die geschichten auseinander zum beispiel an den absätzen. setzen sie alles wieder zusammen, so dass eine geschichte daraus wird. das können sie mit noch viel mehr protagonistInnen machen. und der weg zu „magnolia“ ist nicht mehr weit.

übrigens können sie noch ganz andere dinge miteinander kombinieren. bilder, gespräche, zeitungsausschnitte, wichtig ist nur, dass sie irgendwann ihre erzählstränge einmal kurz zusammenführen.