Schlagwort-Archive: essay

web 2.76 – the postmodernism generator

eigentlich befinden wir uns schon in der ära der post-post-moderne, doch in den wissenschaften tummeln sich weiterhin fleissig überreste der postmoderne. die postmoderne zeichnete sich durch eine gewisse theoretische beliebigkeit aus, soll heissen „alles hat auf alles einen einfluss“ (eine böse verkürzung von seiten des autors) und verliert somit an relevanz.

so bereitete die postmoderne, die wie ein stillhalteabkommen für gesellschaftskritik klang, den boden für neoliberale und globalisierende tendenzen. es stellte sich beständig die frage, welche handlungsmöglichkeiten sich aus den theoretischen betrachtungen der postmoderne für eine humane gesellschaftsentwicklung ergeben. da die theoretischen texte in gewisser weise eklektisch wirkten, aber die begründung für diese vorgehensweise sich nicht erschloss, schienen sie auch austauschbar.

und die theoretischen annahmen schienen rekombinierbar. dies kommt einer computergenerierten, auf zufällen basierenden theorie recht nahe. warum das ganze nicht auf die spitze treiben und postmoderne theorien den computer erstellen lassen. der „postmodernism generator“ leistet dies in vortrefflicher weise. wenn man die webseite “ http://www.elsewhere.org/pomo/ “ besucht, werden einem „communications from elsewhere“ angeboten. es wird ein kurzes essay sichtbar, das sich sofort in ein neues verwandelt, wenn man die homepage neu lädt (refresh).

wer möchte, kann sich beständig neue postmoderne essays erstellen lassen, die sich vortrefflich an bekannte und verwandte versenden lassen 😀

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michael taussig: feldforschungsnotizbücher – ein lesetipp

kreative menschen produzieren ideen, die sie in werke, taten oder theorien umsetzen. sie können sich in stimmungen versetzen, in denen ideen entstehen, aber vollständig lässt sich dieser prozess nicht steuern. zwischendurch erleben kreative menschen momente, in denen ihnen ideen ganz unerwartet in den sinn kommen.

das problem mit ideen besteht darin, dass sie manchmal so schnell wieder weg sind, wie sie gekommen sind. darum gewöhnen sich kreative menschen meist an, zettel oder notizbücher mit sich herumzutragen, um die ideen zu notieren. doch die notizen unterscheiden sich teilweise von den eigentlichen ideen. notizbücher transportieren laut michael taussig in seinen betrachtungen zu „feldforschungsnotizbüchern“ stimmungen, selbstdarstellungen und vorsortierte gedanken. er versucht in seinen niedergeschriebenen gedanken, das tagebuch von den notizbüchern zu unterscheiden und die bedeutung der notizbücher für kreative oder forschende auszuloten. eine interessante lektüre, da sich ein ganz eigener kosmos der entwicklung von ideen eröffnet.

die gedanken sind in den vorbereitungsheften zur documenta 13 veröffentlicht worden. ein schlanker text (in deutsch und englisch), den es lohnt zu lesen. leider ist der preis für das 24-seitige heft einfach übertrieben (so wie die preise für alle anderen auch sehr interessanten hefte (mit horrenden versandkosten) sich auf dem niveau von dickeren taschenbüchern bewegen. das ist schade.

denn spannend ist das dargebotene allemal und gibt einen einblick in die möglichkeiten der kunst, der wissenschaft, der kreativität. mehr infos finden sich hier: http://www.hatjecantz.de/documenta13/de/notebooks/index.html?book=2850 .

web 2.70 – longform.org

ja, es gibt sie, die langen texte im netz, die man nicht unbedingt am computer, im browser lesen will. und im englischsprachigen raum gibt es auch die webseite, die sie sammelt, sortiert und verlinkt – longform.org. dabei werden artikel aus angesagten zeitungen und zeitschriften veröffentlicht, jeden tag zwei oder drei. man kann sie sich aufbereiten lassen zu, um sie am iphone (obwohl mir dann nicht einleuchtet, weshalb man sie nicht lieber im browser etwas größer liest) am ipad oder mit kindle zu lesen.

die artikel kommen teilweise zeitversetzt auf die homepage und doch lohnt sich ein blick in die archive. denn es handelt sich nicht um den üblichen nachrichtenartikel, der hier zur verfügung gestellt wird. es sind eher essays, reportagen oder eben lange berichte. das archiv geht zurück bis in die 1960er jahre und bietet auch aus dieser zeit interessantes. man kann sich ebenso einen langen artikel im vollen textformat pro woche zusenden lassen.

wer also interesse an lesestoff aus den angesagten, vor allen dingen, amerikanischen zeitungen und zeitschriften hat, der möge sich einmal auf der seite http://longform.org/ umsehen, die archive durchstöbern (es gibt viele verschiedene suchkriterien) und in ruhe das für ihn interessante lesen. es lebe der lange text 😉

web 2.49 – edge.org

der mensch verfügt über einen vorsprung gegenüber tieren und technischen geräten. er kann über seine situation reflektieren, nachdem er sie wahrgenommen hat und erfahrenes kommuniziert. aus den reflexionen resultieren beim menschen oft handlungen. doch er misstraut seiner eigenen wahrnehmung oder nimmt sehr unterschiedlich wahr. darum muss sich der mensch immer wieder über seine möglichen handlungen austauschen.

im internet gibt es eine plattform, die den rahmen für einen umfassenden austausch über fragen, die die menschheit bewegen, bietet. „edge.org“ stellt einmal im jahr eine frage zur zukunft und menschheit, sozusagen eine frage des jahres, und fordert dazu auf, antworten in essays zu geben. ein teil der eingehenden antworten wird dann veröffentlicht und zur diskussion gestellt. die frage dieses jahres lautet: What Scientific Concept Would Improve Everybody’s Cognitive Toolkit? . letztes jahr ging es zum beispiel darum, inwieweit das internet unser leben beeinflusst und unser denken verändert.

nun sind wissenschaftlerInnen, künstlerInnen, philosophInnen, psychologInnen und zum beispiel schriftstellerInnen aufgefordert, eine antwort auf die frage zu finden. auf der homepage kann man viele antworten, aber auch viele journalistische auseinandersetzungen mit der frage des jahres zu finden. leider ist die website ein wenig unübersichtlich und man muss sich erst einmal durchwühlen, wo denn nun welcher beitrag ist. wann handelt es sich nur um eine journalistische aufarbeitung und wann handelt es sich um einen essay.

doch während man sucht, kann man sich ja schon einmal gedanken zur großen frage machen. vielleicht verfasst man einmal einen eigenen essay. zu finden ist die seite unter: http://www.edge.org/ . viel spaß beim lesen und erfahren, wie es uns so geht (übrigens wird ausschließlich in englisch kommuniziert).

„das ende der liebe“ von sven hillenkamp – ein buchtipp

der untertitel des buches gibt einen hinweis auf die problematik, die der text von sven hillenkamp aufgreift. „das ende der liebe – gefühle im zeitalter unendlicher freiheit„. unendlich bedeutet, ich habe alle möglichkeiten, die ich mir nur vorstellen kann. die schwierigkeit für den menschen besteht darin, dass dies einen verlust von kontrolle oder halt bedeuten kann. natürlich wünschen wir uns alle die freiheit. die freiheit über jede lebenssituation verfügen und daraufhin entscheiden zu können.

aber gleichzeitig kann es uns immer schwerer fallen, wählen zu können. für was entscheide ich mich denn, wenn ich ein unendliches angebot vor mir habe. abgesehen von der tatsache, dass es wirkliche freiheit in den heutigen gesellschaften nicht gibt, etwas, das auch hillenkamp sieht, gaukeln aber vor allen dingen die digitalen medien, gaukelt die digitale revolution vor, einen ganz neuen freiheitsgrad auch im sozialen kontakt zu erleben. man sehe sich nur die portale der partnersuche und sexuellen kontakte an. die auswahl an potentiellen partnerInnen ist unüberschaubar. es wird versucht durch suchkriterien die möglichkeiten einzuschränken. na ja, und was suchen wir dann? den idealen menschen, das perfekte, das, was wir schon immer wollten.

ab diesem moment entsteht für uns eine vorstellung von einem menschen, der all unsere sehnsüchte und bedürfnisse stillt, mit dem der sex einmalig ist, der zu keinen komplikationen und schwierigkeiten führt, bei dem wir keine angst haben müssen, dass er uns einmal verlassen könnte. doch genau diese gefahr nimmt eigentlich zu. denn das wissen um eine beinahe unendliches angebot an potentiellen partnerInnen, lässt uns ahnen, dass es noch eine passendere person geben könnte. gleichzeitig sind wir bemüht, perfekt für die interessentInnen zu wirken, die auf uns zukommen. wohl wissend, dass es jemand besseren als uns geben könnte. laut hillenkamp kann in diesem moment die vorgegaukelte freiheit und unendlichkeit in einen terror der wahlmöglichkeiten umschlagen.

ein spannendes gedankenspiel auf die soziale interaktion von menschen angewendet. das buch beleuchtet die schwierigkeiten der kommunikation, die ausdifferenzierung der szenen und vorstellungen, eben damit auch das ende der liebe, die ein soziales konstrukt ist und wahrscheinlich von einem anderen ersetzt werden wird. schon der stil des buches bindet einen, da eine klare, „laute“ und provozierende sprache zum nachdenken und inneren diskurs anregt. mancher gedanke erschreckt und zertrümmert die romantisierenden träume. ein buch, das ernüchtern kann, gleichzeitig aber aufschreckt und den widerstand in einem herausfordert. wirklich lesenswert, da selten die digitalisierung des zusammenlebens so schonungslos seziert wird. das buch ist 2009 bei klett-cotta erschienen. ISBN 978-3-608-94608-6

verlag (15) – klett-cotta

es gab einmal zwei verlage. der eine, „cotta“, hat eine dreihundertjährige tradition, der andere, „klett“ ist erst nach dem zweiten weltkrieg gegründet worden. klett hat zum beispiel schulbücher produziert, cotta war eher der belletristik verpflichtet gewesen. und beide verlage fanden im jahr 1977 zusammen. seitdem besteht „klett-cotta“ als verlag, der einen mix aus prosa, wissenschaftlicher literatur und fantasy anbietet.
fantasy wird vor allen dingen vom label „hobbit press“ vertreten. einem label, dass sich vom namen her am „herr der ringe“ von tolkien orientiert. daneben bietet die homepage von klett-cotta die inzwischen reichhaltige auswahl mit weiteren informationen zu den autoren, kleinen leseproben, informationen zur verlagsgeschichte, zum verlagsprogramm, zum verlagseigenen essaypreis und zu den modalitäten, wenn man eigene texte beim verlag gerne veröffentlicht hätte.
daneben noch ein blog, der sich hauptsächlich auf eigene neuerscheinungen bezieht, eine möglichkeit den aktuellen katalog herunterzuladen und einen newsletter zu abonnieren. als letztes noch fragen und antworten und die möglichkeit bücher direkt zu bestellen.
also eine runde seite, die viele informationen bereit hält und schlicht im erscheinungsbild daher kommt. letztendlich kann man sich im laufe der zeit aus den hier vorgestellten verlagen seine eigene ganzjährige buchmesse zusammenstellen, die immer mit den neuesten informationen aufwartet. zu finden ist der verlag unter: http://www.klett-cotta.de/

kurzmeldung: büchergilde meldet aussetzung des essaypreises

der essaywettbewerb von büchergilde und taz war hier schon häufiger thema und es stellte sich heraus, dass er dieses jahr, obwohl erst angekündigt, nicht stattfindet. da dies nicht zu erklären war, recherchierten mitarbeiterInnen der taz. nun hat auch die büchergilde nachgezogen und eine meldung auf der eigenen homepage plaziert. da die rückläufe zum essaypreis recht gering waren, wurde dieser ausgesetzt, soll aber zu einem anderen zeitpunkt wieder angekündigt werden. so sind dann erst einmal alle unklarheiten beseitigt. link: http://www.buechergilde.de/essaypreis/index.shtml . cookies müssen nicht freigeschaltet sein, um die nachricht lesen zu können.

web 2.19 – arts & letters daily

einer der großen vorteile des web 2.0 ist die enge verzahnung mit suchmaschinen. dazu kommt eine sehr aktuelle berichterstattung im netz. diese vorteile werden vor allen dingen von nachrichtenredaktionen und ihnen folgenden blogs genutzt. seltener finden sich gebündelte kunst- und kulturnachrichten.

doch das web 2.0 wäre nicht das web 2.0 wenn es nicht eine extreme ausnahme gäbe. die seite „arts & letters daily“ versucht im englischsprachigen raum zu bündeln, was nur zu bündeln ist. und bietet dadurch ein gigantisches feuilleton zum nachklicken. ob es sich nun um aktuelle meldungen, einer riesigen auswahl an buchrezensionen, an kommentaren und essays handelt, man kann  beinahe alles finden. dadurch erscheint die seite erst einmal unübersichtlich, doch wenn man sich ein wenig eingelesen hat, eröffnet sich einem eine große fundgrube. eigentlich besteht die seite nur aus weiterführenden links, die kurz beschrieben werden. es wird zu den führenden zeitungen und zeitschriften, die ihre texte ins netz setzen verwiesen. dabei werden themen, wie kunst, literatur, film, architektur, philosophie und mehr bevorzugt.

daneben gibt es eine nicht enden wollende linkliste, auch zu sendern und verlagen und ein unüberschaubares archiv aus den letzten jahren. mit dieser seite kann man sich monatelang beschäftigen, wenn man sich nur noch für kultur interessiert. ansonsten lohnt immer wieder ein abstecher zum reinschnuppern unter http://www.aldaily.com .

essaywettbewerb von „büchergilde“ und „taz“ hat sich in luft aufgelöst

laut pdf-datei wäre der abgabetermin zum 6. büchergilde-essaypreis 2008 mit dem motto „phantasie erwünscht!“ am 15ten september. doch ich wunderte mich, weshalb so viele menschen, die den preis suchten bei mir im blog landen. also habe ich noch einmal nachgeschaut und festgestellt, dass die seite, die den wettbewerb angekündigt hat, in den tiefen des internet verschwunden sind.

die „büchergilde“ hat den besuch ihrer seite mit der freischaltung von cookies gekoppelt. als begründung dafür wird angeführt, die seite vor missbrauch schützen zu wollen. das ist nicht sehr glaubwürdig, erkennen cookies doch nur wieder, ob besucherInnen schon einmal auf der seite waren und wo sie sich bewegt haben.

seltsam bei dem ganzen ist, dass man nirgends, weder bei der „taz“ noch bei der „büchergilde“ irgendeinen hinweis auf den essaypreis oder die jury findet. es gibt aber auch keinen hinweis, dass der wettbewerb eingestellt wurde. das einzige, was ich mir vorstellen kann, ist die tatsache, dass der wettbewerb nur noch für die mitglieder der büchergilde gedacht ist. dann wurde aber die beteiligung der taz zurückgezogen. hier hätte man sich schon über eine benachrichtigung gefreut. vor allen dingen, da eine zeitlang die ankündigung und die herunterladbare pdf-datei zu finden waren. wer inzwischen einen text verfasst hat, sollte die beiden ausrichter des wettbewerbs anschreiben und sich erkundigen, was mit seinem/ihrem text geschehen soll. falls jemand mehr weiß, würde ich mich über eine kurze mitteilung freuen, um sie hier bekanntgeben zu können.

mal wieder ein beweis, wie unberechenbar das netz ist, und ein zeichen für eine schlechte nutzerpolitik.

neueste entwicklungen finden sich hier: https://schreibschrift.wordpress.com/2008/09/14/kurzmeldung-buchergilde-meldet-aussetzung-des-essaypreises/

essaywettbewerb von büchergilde und taz

was gehört zum kreativen schreiben, zur schreibpädagogik? möglichst viel fantasie. darum dreht sich auch die ausschreibung des essaypreises 2008 vom buchversand „büchergilde gutenberg“ und der tageszeitung „taz„.

motto des wettbewerbs ist „phantasie erwünscht!„. es geht um aspekte der fantasie mit blick auf politik und gesellschaft. dazu soll ein essay verfasst werden, der bis mitte september eingereicht sein muss. die gewinner werden im frühjahr 2009 in einem band der „edition zeitkritik“ veröffentlicht.

also, die stifte gespitzt, die tasten geölt, und der fantasie wieder etwas mehr raum gegeben. weitere informationen und eine pdf-datei zu den wettbewerbs-modalitäten sind auf dieser seite zu finden: http://www.buechergilde.de/essaypreis/essaypreis_2008.shtml (der link ist anscheinend nicht mehr gültig, es findet sich aber auch kein alternativer. anmerkungen im blog sind dazu hier zu finden)