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wortklauberei (45)

„basisfahrplan“

die „basis“ ist eine „grundlage“, auf die aufgebaut werden kann. nachdem in berlin das gesamte s-bahn-netz zusammengebrochen ist, züge auf vielen linien nur noch alle 20 minuten fahren, manche strecken vollständig gestrichen wurden und auf den takt der züge auch kein verlass ist, soll nun die wende zur normalisierung kommen. erst wurde die verkündung eines „notfahrplans“ für heute ausgerufen, doch dann siegten wieder die vertreterInnen des positiven denkens.

es wurde der „basisfahrplan“ kreiert. klingt hübsch, erinnert aber doch ein wenig an einen hausabriss. da legt man erst das haus in schutt und asche, räumt die trümmer weg, hebt untergrund aus und gießt ein neues fundament, auf das der neubau gestellt werden kann. bei häusern ist dies auch ganz hübsch, da davon auszugehen ist, dass die mieter vorher das alte haus verlassen haben. bei der s-bahn ist dies eine katastrophe, da die fahrgäste im vorfeld nichts erfuhren.

das erinnert an den letzten winter, als es zwischenzeitlich so kalt war und plötzlich die züge nicht mehr fuhren, man am bahnhof stand und erst einmal gar keine durchsage kam, erst zwanzig minuten später, als die füße schon angefroren waren wurde verkündet, dass der nächste zug auch ausfalle. übrigens sieht es mit den neigetechnikzügen nach süddeutschland auch nicht besser aus. der fahrplan weist weiterhin eine verspätung von wahrscheinlichen 15 minuten aus. dies aber schon seit über einem halben jahr. wer glaubt, der fahrplan würde darauf abgestimmt, sieht sich getäuscht. oder wie mir die freundliche mitarbeiterin am schalter erklärte, „dann nehmen sie einfach den nächsten zug“.

die basis bedeutet also, der fahrgast habe zeit im überfluss und Weiterlesen

schreibidee (69)

wenn einer eine reise tut, dann muss er vorher überlegen, wie er sich fortbewegen möchte, weiß aber nie genau, wie die reise verläuft. sollte er heutzutage den zug benutzen, wird es besonders spannend, da er nicht die gewissheit hat, dass er im laufe der zeit dort landet, wo er hinmöchte, ist doch der anschluss vor der nase davongefahren. diese irritationen greift die schreibidee auf. es soll eine „fahrplangeschichte“ geschrieben werden. der fahrplan steht hier nur symbolisch für den kurzen und knappen entwurf einer geschichte mit variationen.

die teilnehmerInnen der schreibgruppe werden aufgefordert eine art streckennetz vom startpunkt bis zum ziel aufzuzeichnen. dafür haben sie maximal zehn minuten zeit und es muss mindestens drei umsteigebahnhöfe geben. soll heißen, man skizziert mit einem wort oder einen satz, die ausgangslage der geschichte, die einem durch den kopf schwirrt. dann gibt es eine stelle, wo die protagonistin zum beispiel entweder mit ihrem mann streitet, ihm eine scheuert oder die wohnung verlässt. jeder strang wird wieder an einem knotenpunkt aufgefächert, wie zum beispiel, sie kocht sich gulasch, eine gemüsesuppe oder geht essen. es muss mindestens drei solcher variationspunkte bei der zeichnung geben.

dadurch kann es auch verschiedene ziele in der geschichte geben. diese netzzeichnung oder eben dieser fahrplanauszug wird jeweils den nachbarInnen in der schreibgruppe weitergereicht. die wählen aus, welche strecke der zug nehmen soll. das bedeutet, die bestimmen, wie die zu schreibende geschichte verläuft. sie kreuzen an, in welche richtung es geht. dann wird der zettel zurückgegeben und die geschichten werden geschrieben. anschließend stellen sich alle teilnehmerInnen in der schreibgruppe, die verfassten geschichten gegenseitig vor. diese idee ist ein zusammenspiel aus assoziativen ideen und vorgaben durch andere und kann zeigen, wie man schreibanregungen entwickeln kann.