Schlagwort-Archive: fake

web 2.0 und haltung

das web 2.0 lädt dazu ein, eine haltung einzunehmen: „gefällt mir“-buttons, bewertungssternchen oder ranglisten zu hauf. dies sind abkürzungen einer haltung, denn die eigentliche begründung fehlt bei diesen schnell-bewertungen. umstritten bleibt diese vorgehensweise, da sie zum einen inzwischen professionell genutzt wird und menschen beauftragt positive statements zu produkten abzugeben. amazon schwächt dies dadurch ab, dass rezensionen eingestellt werden können und wiederum leserInnen bewerten können, ob sie die rezensionen hilfreich fanden oder nicht.

und auf der anderen seite hängen von den bewertungen inzwischen das wohl und wehe ganzer industriezweige ab. die schnellbewertungen fördern das konkurrenzdenken und feuern manchmal gerüchteküchen an. darum gibt es auf vielen seiten eine zusätzliche komponente: die kommentarfunktion. es können gründe für bewertungen abgegeben werden. leider werden aber die kommentarfunktionen oft genug für spam oder für spass-bewertungen genutzt. darum werden alle ernsthaften seiten inzwischen moderiert und lassen sich nicht mehr auf die freie zugänglichkeit für kommentare ein.

generell lässt sich aber sagen, befördert das web 2.0 den diskurs. denn wenn menschen sich nicht in gegenseitigen abqualifizierungen erschöpfen, dann können über kommentare oder foren meinungsbildungen stattfinden. die immer noch leichte zugänglichkeit, im gegensatz zu den früher üblichen leserbriefen, erleichtert es leserInnen eine haltung einzunehmen.

befördert wird der prozess zusätzlich dadurch, dass das internet halb-anonymität zulässt. viele sehen das als problem. doch wenn man sich genau umschaut, wird man feststellen, dass im laufe der letzten jahre immer mehr menschen eine gewisse ernsthaftigkeit bei ihren stellungnahmen an den tag legen, da sie keinen sinn darin sehe, mit Weiterlesen

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schreibidee (280)

wenn wir dann schon einmal dabei sind: schreibende müssen faken! also, sie müssen sich in situationen versetzen, geschichten erfinden und ausbreiten, die sie in der form nie erlebt haben. in viele geschichten und romane fließen persönliche anteile ein, wenn es sich aber nicht explizit um biografisches schreiben handelt, ist der großteil erfunden und zusammengeklöppelt. doch man kann auch einen anderen weg beschreiten und sich „selbst“ vollständig neu erfinden. darum eine schreibanregung zu einem „fake-lebenslauf„.

der einstieg: der name. die schreibgruppenteilnehmerInnen wählen sich oder losen einen namen für ihren erfundenen lebenslauf. es können entweder vor- und nachnamen auf zetteln notiert werden, die dann gelost werden oder alle überlegen sich einen namen, der ihnen gefallen würde. dabei muss das eigene geschlecht keine rolle spielen, man darf sich auch gern in das andere geschlecht versetzen.

wenn der name gefunden ist, dann macht als nächster schritt ein genogramm sinn. alle teilnehmerInnen erfinden ihre eigene familie und sippe. da gibt es den seltsamen onkel im ausland, die karriere-cousinen oder eben nur zwei geschwister, die schon immer nervten. zu dem genogramm können noch kleine charakteristiken für die einzelnen personen verfasst werden.

nun kommt der größte schritt zu einer neuen identität: der eigene lebenslauf, der nichts mit der realität zu tun hat. in diesen lebenslauf können diverse träume der schreibenden einfließen, dies muss aber nicht sein. und gebrochene lebensläufe sind natürlich interessanter als geradlinige. das alter der gefaketen person sollte mindestens 40 jahre sein, damit schon etwas erlebt wurde. welche schulbildung, welche ausbildung, welcher beruf, wo lebt die person…? all dies gehört in den lebenslauf. anschließend werden die lebensläufe in der schreibgruppe vorgestellt.

doch dies waren alles nur vorarbeiten zur fake-autobiografie. nun soll ein längerer autobiografischer text geschrieben werden, in dem die erfundende lebensgeschichte einfließt. hierzu können genogramm und lebenslauf hinzugezogen werden, und eine episode aus dem „neuen“ leben erfunden werden. diese autobiografischen geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.

web 2.0 und vertrauen

vertrauen in der virtuellen welt ist eine äußerst komplizierte angelegenheit. der grund ist einfach: die welt ist virtuell, sie ist nicht real, sie ist halbanonym, sie ist distanziert, sie ist verführerisch. so schwanken menschen häufig zwischen den zwei extremen, alles von sich preiszugeben (also einen enormen vertrauensvorschuss zu geben) oder gar nicht preiszugeben (also pures misstrauen zu empfinden).

gerade den vertrauensvorschuss, den man dem web und den sozialen netzwerken geben möchte, sollte man nicht ungeprüft zur verfügung stellen. es macht sinn, bevor man im netz etwas veröffentlicht, sich zu überlegen, was das schlimmste sein kann, das einem aufgrund des geschriebenen passieren kann. denn es gibt sie, die menschen, die nichts anderes suchen, als einen ausrutscher, als private und intime daten, um all dies gegen einen zu wenden. das muss nicht sein, viele kommunikationen und veröffentlichungen gehen gut. es kann aber sein.

doch man tut sich keinen gefallen, die angebote des netzes überhaupt nicht zu nutzen. abgesehen davon, dass sich viele berufliche tätigkeiten und angebote nur noch über das internet und web 2.0 erledigen lassen, ist auch die reichhaltigkeit des internets eine chance. gut, fragwürdig bleibt es, welchen vorteil es haben sollte, dass einen menschen in sozialen netzwerken zu freunden erklären, obwohl man sie nicht kennt. hier entsteht ein skurriler wettbewerb. aber die kommunikation mit menschen, die ähnliche interessen haben, wie man selber, das kann sehr bereichernd für das eigene leben sein.

der „longtail“ des netzes ermöglicht es, auch in interessens-nischen gleichgesinnte zu finden. wozu man früher telefonieren oder weite reisen benötigte, dafür genügt heute die anmeldung im internet. suchmaschinen bieten einem immer schneller die passenden ergebnisse. doch selbst solche interessensgruppen müssen geprüft werden. Weiterlesen