Schlagwort-Archive: fantasie

schnickschnack (125) – IKEA Hackers

das schwedische möbelhaus der selbstabholer ist kreativ so anregend wie ein baumarkt: lässt man einmal seine fantasie spielen, dann kann man wunderbar aus dem angebot dinge entwerfen und herstellen, die so von den produzenten nicht gedacht waren. ob man nun aufhübscht, perfektioniert oder ganz neu kombiniert, man schöpft das angebot einfach noch weiter aus.

vielleicht sollte man sich zu beginn erst einmal an preiswerten produkten versuchen, um für sich zu probieren, wie gern man bastelt und werkelt. macht es spass, kann man den „hack“ 😉 perfektionieren. und für all diejenigen, die schwierigkeiten haben, sich unter ikea-hacks etwas vorzustellen, gibt es natürlich einen blog, der voller ideen ist. natürlich sind manche veränderten möbelstücke geschmackssache, aber die auswahl ist. und man sollte bedenken, dass manche produkte ihre garantie verlieren, wenn man sie verfremdet, neu kombiniert oder umbaut.

hier finden sich die vielen tipps:

IKEA Hackers.

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kreatives schreiben und engel

eines der schönsten kinderbücher zeit, was man mit fantasie und engeln anstellen kann. der schriftsteller wolfdietrich schnurre hat „die zwengel“ erfunden. seine erklärung, um wen es sich dabei handelt: „es gibt zwerge, und es gibt engel; das wissen wir alle … doch manchmal schweben die engel herab, und die zwerge steigen herauf. der grund ist fast immer der gleiche: beide sind in sorge wegen der menschen. und da ist es nun also einmal geschehen, dass ein engel vor lauter sorge nicht mehr zurückfliegen konnte, sein herz war plötzlich zu schwer. unglücklicher oder glücklicher weise war es aber einem zwerg so ähnlich ergangen; sein kummer um die menschen hatte ihn ganz unbeholfen gemacht, er kam einfach nicht mehr in die erde hinein. notgedrungen zogen der kummer-beschwerte zwerg und der sorgenbelastete engel jetzt also zusammen; von da an gab es die zwengel.

schnurre ließ seine kreativität in gedichte über die verschiedenen zwengel fließen, da gab es den klorck, den mulmen, den möndi, den sternfress, den trillich, den pomunkel, den summser, den moosi, das mienchen, den zwoifel, das bimmelbammelchen, die mimi krie, den zwitsch, die seufze und noch viele andere. so kann man engel in das kreative schreiben einbeziehen.

natürlich geht das auch ganz anders. es gibt eine ganze menge geschichten mit engeln, die sich abseits der christlichen pfade bewegen. abgesehen von manchen strengen esoterischen oder glaubensauffassungen, können engel fantastische und besondere rollen einnehmen. vor allen dingen, da sie so schwer zu fassen sind, es kein klares bild von ihnen gibt und außer den flügeln, die die meisten engel angedichtet bekommen, der eigenen fantasie keine grenzen gesetzt sind.

in der kombination mit dem biografischen schreiben, kann man sich erst einmal an der frage orientieren: was sollte für einen selber, einen engel ausmachen? sollte es sich dabei um einen besonders selbstlos-helfenden menschen handeln oder sollte es sich um fantastische wesen, die sich hauptsächlich im himmel aufhalten und irgendwie zaubern können, handeln? engel werden in erster linie positiv dargestellt, obwohl im rückgriff auf den christlichen glauben, die erzengel eine vorlage für aggressive botschaftsübermittler Weiterlesen

selbstbefragung (173) – engel

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „engel“.

  • welcher mensch erscheint ihnen engelsgleich? warum?
  • wenn sie ein engel wären, was für fähigkeiten würden sie besitzen?
  • wenn sie ein engel wären, was würden sie als erstes tun?
  • glauben sie an engel? warum?
  • wann war ihr persönlicher schutzengel das letzte mal aktiv?
  • für wen würden sie einen schutzengel buchen? warum?
  • wie stellen sie sich den himmel vor?
  • erzengel sollen ja nicht nur nett sein – was würden erzengel in ihrer vorstellung machen?
  • welche geschichten mit engeln gefallen ihnen am besten?
  • welche fantasiefiguren sind ihnen lieber als engel?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

wie man den spass am schreiben abgewöhnt (10)

absurder anspruch

selten wird der anspruch an die schreibenden offen gezeigt oder ausgesprochen. es handelt sich dabei eher um ein unterschwelliges gären, das sich bei den schreibenden verfestigt. im gegensatz zur angloamerikanischen welt, ist europa und insbesondere deutschland den gedanken von der elite, der exzellenz und dem genie verhaftet. kreatives, literarisches und wissenschaftliches schreiben werden nicht in die kategorie „erlernbar“ angesiedelt, sondern unter begabung und talent.

das senkt das engagement des vermittelns von unbeschwertem schreiben und erhöht die frustration bei den schreibenden. denn die urteile, ob etwas gelungen oder nicht gelungen ist, werden auch auch von den schreibenden unter „ich kann einfach nicht schreiben“ abgelegt. dieser entscheidung wird auch nicht gegen gesteuert. eigentlich wäre hier eine ähnliche aussage, wie beuys sie für die kunst mit dem satz „jeder ist ein künstler“ getroffen hat, notwendig: jede/r kann schreiben.

nun kommen aber beinahe alle menschen irgendwann in die situation, dass sie eine schriftliche arbeit, eine ausarbeitung oder einen vortrag abliefern müssen. im hintergrund formulieren viele für sich: das muss jetzt der außergewöhnlich wurf werden, damit ich auch die entsprechenden bewertungen erhalte. und in dieser haltung nähern sie sich dem schreiben. der anspruch an sich selbst ist nicht mehr abwertung (ich kann nicht schreiben), sondern hohe erwartung (ich muss etwas perfektes schreiben).

es wird aus den augen verloren, dass alle einmal klein angefangen haben. es wird ebenso aus den augen verloren, dass man erst einmal einfach drauflos schreiben kann, um alles später zu überarbeiten. schon der erste satz muss unter diesem absurden anspruch der perfekte satz werden. die belastung des anspruchs an sich selbst (der eben noch nicht einmal von außen formuliert wird) führt viele menschen in eine schreibkrise. qual an jedem satz von anfang an zu feilen, bis er perfekt sitzt, verleidet jeden weiteren schreibversuch oder überhaupt eine unverkrampftes schreiben.

das „creative writing“ oder auch die lockeren abwandlungen des wissenschaftlichen schreibens in der angloamerikanischen welt befördern eben kein niedriges niveau, sondern eine gelassenere herangehensweise. wenn ich weiß, dass es einen stete entwicklung meines schreibens geben kann, und wenn ich weiß, dass ich mich dem schreiben auch spielerisch und interessengeleitet nähern kann, dann senkt sich die schwelle des eigenen anspruchs enorm. und dies bedeutet nicht, dass man in der niveaulosigkeit verharrt, sondern es bedeutet, dass man mehr energie und arbeit in das überarbeiten steckt, dass man stück für stück an einen text herangeht.

aber viel leichter in diesem zusammenhang fällt der einstieg in das verfassen der texte. und diese leichtigkeit ermöglicht viel kreativere, intuitivere und außergewöhnlichere gedanken. hier wird eigentlich erst der raum für kreatives, literarisches oder wissenschaftliches schreiben gegeben. feststellen kann man dies als leserInnen: angloamerikanische fachtexte strahlen oft eine viel entspanntere Weiterlesen

wie man den spass am schreiben abgewöhnt (08)

kleinliche korrektur

schreiben kann auch menschen, die sich in der rechtschreibung und grammatik nicht so gut auskennen, viel spaß machen. leider verschwindet die freude am schreiben sehr schnell, wenn das augenmerk mehr auf die fehlerkorrektur gelenkt wird, denn auf den inhalt der texte. natürlich kann ein text anstrengend sein, wenn die schreibfehler den inhalt enorm verändern und der lesefluss vollständig unterbrochen wird. doch dies ist selten der fall. wir menschen sind erstaunlicherweise fähig, nur andeutungen von worten und aussagen trotzdem zu entschlüsseln und aufgrund unserer leseerfahrungen zu ergänzen.

also könnte man sich getrost dem inhalt zuwenden und die geschichten, aussagen oder ereignisse genießen. doch da sind wieder einmal das „lernziel“ oder die „vergleichsvorgaben“ vor. teilweise wird beim schreiben von aufsätzen, von stories oder von abschlussarbeiten vor allen dingen der rotstift der fehlerkorrektur gezückt. auch das wäre noch nicht so tragisch, wenn in der endbewertung eines textes vor allen dingen der inhalt beurteilt werden würde. aber es kommt immer noch zu oft vor, dass die fehlerkorrektur in den vordergrund gedrängt wird.

dies führt zum beispiel bei menschen mit schreibschwächen (legasthenie etc.) oder bei menschen, die deutsch als fremdsprache erleben, schnell zu frustrationen. da hat sich jemand eine tolle, fantasievolle geschichte ausgedacht und niedergeschrieben und dann wird der inhalt kaum beachtet. und selbst wenn jemand rechtschreibung und grammatik ganz gut beherrscht, so kann es doch jedem passieren, dass man dinge übersieht. selbst nach dreimaligem korrekturlesen können noch fehler auftauchen.

ich möchte hier nicht generell gegen die fehlerkorrektur argumentieren. die kann und soll stattfinden, auch um beim schreiben stetig etwas dazu zu lernen. aber sie muss nicht im vordergrund stehen. spaß man schreiben macht sicherlich nicht Weiterlesen

schreibidee (368)

ob nun mittelalter oder die zukunft in dreihundert jahre, im internet sind fantasiewelten als spielwelt oder rollenspiel schon lange vorhanden und haben viele anhänger. teils werden die welten und figuren selbst entworfen, teils sind sie vorgegeben. warum also nicht einmal eine schreibgruppe zu entwürfen animieren. darum ist dies eine schreibanregung zu einer „kollaborativen fantasiewelt“.

da es ja um die ausufernde fantasie der teilnehmerInnen geht und nicht um vorgestanzte charaktere, erhält die gruppenleitung dieses mal eine noch schwächere, nur moderierende rolle. es geht vor allen dingen darum, die ideen der teilnehmerInnen zusammenzutragen und die entscheidungsfindung zu strukturieren. so werden am beginn des schreibgruppentreffens alle teilnehmerInnen aufgefordert, wichtige bestandteile einer fantasiewelt zu notieren. was gehört für sie zu einer „schönen“ oder „umfassenden“ fantasiewelt dazu. die vorschläge und ideen werden am flipchart notiert.

nun wird in der gruppe abgestimmt, welche bestandteile zur gemeinsamen fantasiewelt gehören sollen. anschließend teilen sich die gruppenteilnehmerInnen die notierten aspekte ihrer welt auf und schreiben zu den einzelnen details eine jeweils zweiseitige beschreibung. sei es nun die vegetation, der zauber, das wetter, das soziale umfeld oder anderes, für alles gibt es eine kurze beschreibung. die beschreibungen werden vorgelesen und möglichst kaum mehr verändert. sie sind für alle bindend.

denn als nächstes müssen die bewohnerInnen der fantasiewelt detaillierter beschrieben. auch dazu entwirft alle teilnehmerInnen jeweils mindestens eine person oder ein wesen und beschreibt diese auf maximal zwei seiten. und wie es zu fantasiewelten gehört, ob nun bei „alice im wunderland“ oder bei „harry potter“, es muss antagonisten oder konfliktlinien geben. hierzu werden wieder vorschläge am flipchart gesammelt und darüber abgestimmt.

als letzte gemeinsame vorbereitende arbeit wird der alltag in der fantasiewelt von den teilnehmerInnen beschrieben. dazu werden entweder einzelne bereiche der welt aufgeteilt und in einem kurzen text beschrieben oder gemeinsam wird am flipchart ein tagesablauf entworfen. sollten bereiche beschrieben worden sein, werden die texte dazu vorgetragen und sind wiederum für alle bindend.

zum abschluss wird nun eine längere geschichte aus der fantasiewelt geschrieben. hier ist es allen gruppenteilnehmerInnen freigestellt, was in ihren geschichten geschieht, jedoch sind alle vorherigen entscheidungen und beschreibungen bindend. anschließend werden alle geschichten vorgetragen und es findet eine ausführliche feedbackrunde statt, auch darüber, wie gut sich die geschichte in die vorgaben einpasst. sollte der wunsch in der gruppe bestehen, an der fantasiewelt weiter zu arbeiten, kann darüber entschieden werden, welche vorgetragene geschichte den plot zu einer größeren geschichte, die beim nächsten schreibgruppentreffen geschrieben wird, darstellt.

wie man den spass am schreiben abgewöhnt (07)

fürchterliche fantasie

fantasie hat für manche menschen, die ein geordnetes, klares und striktes leben führen, etwas bedrohliches. diese menschen sind erwachsene, die in der rolle als eltern oder lehrerInnen kindern zu verstehen geben, dass ihre fantasie zu ausufernd ist. schon junge menschen sollen verstehen, wie die knallharte realität in dieser welt aussieht. fantasie wird in solchen momenten mit flucht und unaufmerksamkeit gleichgesetzt.

wer glaubt, diese haltung erwachsener sei heute nicht mehr vorhanden, die pädagogik und erziehung hätten sich geändert, der täuscht sich gewaltig. da mögen zwar mutti und vati in den film „avatar“ gehen, wenn aber ihre lieben kleinen mit einer schlechten note im aufsatz zurückkommen, da der zu ausufernd war und sich nicht an den vorgegebenen lernzielen orientierte, dann verteidigen sie die ideen des eigenen kindes viel zu selten.

ja, immer wieder soll man sich zusammenreissen, schon in der kita, da oft nur gelenkte fantasie gewünscht ist. malt ein kind eine blumenwiese mit vielen bunten blüten, dann sind alle begeistert. sitzen aber zwei kinder in einem bus und spielen in ihrer fantasie und nur verbal kampfszenarien durch („du hast, ich sage mal, 100 einzelkämpfer!“ – „ninjas?“ – „nein, ganz normale einzelkämpfer.“ – „okay“ – „ich komme dann mit meinem panzer! pchch-puff!“- „aber dein panzer bleibt liegen, weil der motor brennt!“ – „dann hole ich erst einmal …“), dann fühlt sich sofort eine ältere matronenhafte dame berufen, die kinder anzusprechen. sie erklärt ihnen, dass sie vom gehörten ohrenschmerzen bekommen würde und fragt, ob die beiden nicht mal mit einem ball spielen könnten. aber ihren „tatort“ möchte die ältere dame am sonntagabend bestimmt nicht verpassen.

ja, kinder können fantasie entwickeln, die uns nicht gefällt. sie können ganze eigene welten erfinden, zu der wir keinen zutritt haben. und sie können, wenn sie etwas älter sind, dies mit vorliebe Weiterlesen

„reisen im skriptorum“ von paul auster – ein buchtipp

es handelt sich bei dem buch um keine neuerscheinung, eigentlich kommt es vom grabbeltisch der mängelexemplare. doch das bedeutet eigentlich nichts, bücher können ja zeitlos sein. die geschichte, die paul auster in seinem buch „reisen im skriptorum“ erzählt, könnte jeden menschen treffen, der schreibt. plötzlich wacht man auf und fragt sich wo man ist. es fehlen einem im ersten moment die worte für die eigene situation, das umfeld ist unklar.

das ganze hat etwas bedrückendes. handelt es sich um alzheimer oder andere altersgebrechen? oder handelt es sich um einen traum, den man gerade nicht verlassen kann? auster entblättert in seiner geschichte stück für stück, dass die situation des erzählers wohl mit dem schreiben von geschichten und romanen zu tun hat. so langsam erkennt der schreibende, dass er die personen, die ihn pflegen und versorgen kennt, ebenso wie seine besuche. doch er weiß nicht genau, woher er sie kennt. so viel sei geschrieben, es sind die geister, die er rief.

während des lesens wird einem bewusst, dass es sich um mehr als eine altenpflegestation handeln muss, dass der erzähler gefangen ist in einem wirrwarr aus ungereimtheiten, deren grundlagen er immer mehr auf die spur kommt. man ahnt, wer die personen um ihn herum sein könnten. man ahnt es darum, da sie ihm so viele vorwürfe machen, da er so viel macht über sie hatte. doch den schluss der geschichte kann man nicht ahnen. er gibt dem ganzen geschehen eine fiese note.

ein buch, das einen hineinzieht in eine welt der bedürftigkeit und hilflosigkeit. ein buch, das einen ebenso lang im unklaren lässt, wie den protagonisten. und ein buch, das am schluss die frage entstehen lässt, woher eigentlich die eigenen geschichten und personen beim schreiben von geschichten und romanen kommen. eine schöne story für zwischendurch. das buch ist 2007 bei rowohlt in reinbek bei hamburg erschienen. ISBN 978-3-498-00074-5

schreibidee (357)

eigentlich wäre ja weihnachten die richtige zeit, um geschichten über wesen zu schreiben, an die man glauben muss oder auch nicht. doch ostern hat ja auch viel mit dem himmel und dem glauben und den flügelwesen zu tun. (übrigens gibt es das sehr schöne kinderbuch „zwengel“ von wolfdietrich schnurre. bei „zwengeln“ handelt es sich um engel, die auf dem boden sind und nicht mehr in den himmel kommen und um zwerge, die in dem himmel sind und nicht mehr auf den boden kommen.) jedenfalls ist dies eine schreibanregung für „engelsgeschichten“.

um es gleich vorwegzunehmen: bei schreibgruppen sollte man darauf achten, keine glaubensposition einzunehmen, da alle menschen sehr verschiedene vorstellungen vom glauben haben. deshalb sind die „engelsgeschichten“ auch nichts anderes als geschichten über fabelwesen, wer ins einen geschichten darüber hinausgehen möchte, kann dies natürlich tun.

zu beginn werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, ihre fantasie spielen zu lassen und einen engel als protagonisten (es kann natürlich auch eine engelin sein) zu entwerfen. man kann einen kleinen steckbrief erstellen: angefangen beim namen, über das alter, die haarfarbe, den wohnort im himmel, die flügelspannweite, die kleidung, das schuhwerk, bis zu charaktereigenschaften, der sprache, den momentanen aufenthaltsorten, die freunde und freundinnen und so weiter. aus dem steckbrief wird ein kurzer text erstellt (maximal zwei seiten) und vielleicht eine kleine zeichnung vom eigenen engel gefertigt. text und zeichnung werden kurz in der schreibgruppe vorgestellt.

anschließend können die schreibgruppenteilnehmerInnen dazu übergehen, eine geschichte zu verfassen, in der sie dem engel begegnen. dabei ist die wahl freigestellt, wie sich der engel, die engelin verhält. bis heute sind sich die menschen nicht darüber einig, ob engel nur gutes tun oder auch bösartig sein können. diese geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es gibt eine kurze feedbackrunde.

das faszinierende an engeln ist ja, dass sie unerwartet auftauchen (passt ganz hübsch zu dem thema „störung“) und dass sie fliegen können. nun soll eine längere geschichte dazu geschrieben werden, in der ein engel die hauptrolle spielt. was erlebt er? was passiert? hat er außergewöhnliche kräfte? anschließend werden die geschichten vorgelesen und es findet eine feedbackrunde statt. zum abschluss des schreibgruppentreffens kann man aufschreiben, was man selber gern für ein engel werden würde und welche fähigkeiten man haben möchte. dabei können natürlich neue engelsformen erfunden werden.

wie man den spass am schreiben abgewöhnt (02)

fieses feedback

es gibt gruppen, die sich treffen, um gegenseitig texte vorzulesen. das kann erst einmal schön sein. doch in manchen gruppen gilt der ehrgeiz möglichst viele texte in grund und boden zu stampfen, sich zu richterInnen des guten geschmacks zu machen. hier sind kritik und feedback meist nicht förderlich, sondern personalisierend und motivationshemmend. bei diesen gruppen handelt es sich schon um die fortgeschrittenen-variante des fiesen feedbacks.

es fängt oft im kleinen an. auch bei diesem thema kann ich nur wieder die schule heranziehen. dort machen wir alle meist die ersten erfahrungen mit ersten textkritiken. man schreibt aufsätze und die lehrerInnen suchen nicht nur schreibfehler, sondern kommentieren und benoten den geschriebenen beitrag. viele lehrerInnen sind so sensibel, die anfänge kreativer schreibprozesse förderlich zu kommentieren. doch leider kam es immer wieder vor, dass das feedback zu viel oder zu wenig potential bemängelte und somit ein urteil sprach, das einhergehend mit einer note, spuren hinterlässt.

so berichteten mir mehrere menschen, dass lehrerInnen den kindern vor allen dingen zu viel fantasie attestierten, die den rahmen eines schulaufsatzes sprengten. was heisst in diesem zusammenhang zu viel? da galoppieren die geschichten mit einem kind davon. man kann dies auch als großes potential verstehen, das im laufe der zeit in produktive bahnen gelenkt werden könnte. und so wird nicht die fantasie im keim erstickt.

oder es wird jemandem bescheinigt, dass er in den naturwissenschaftlichen fächern ja prima sei, aber die aufsätze einfach zu kurz wären. auch hier wird nicht vorgeschlagen, einmal verschiedene formen der verdichtung auszuprobieren oder mit einer schreibtechnik nachdem alles geschrieben ist, zwischen zwei sätze immer einen weiteren satz einzuflechten und mal zu schauen, was dabei herauskommt.

abseits der schule gibt es die fiesen feedbacks jedoch ebenso. wenn sich ein kind sehr für das schreiben interessiert und überlegt, eigene texte zu veröffentlichen, dann wächst die angst vieler eltern exponentiell an, das kind könne auf die idee kommen, schriftstellerIn zu werden. das muss in den augen vieler erziehungsberechtigter verhindert werden, handelt es sich doch um einen brotlosen und etwas abseitigen berufswunsch. also wird das schreiben in der textkritik strategisch madig gemacht. es wird an den kompetenzen zur veröffentlichung von texten gezweifelt.

ähnliches kann man im berufsleben erleben, wenn man einen etwas lebhaftere, blumige sprache wählt, wenn jemand gern nebenher geschichten oder romane schreibt, wenn jemand überhaupt signalisiert lust am (kreativen) schreiben zu haben. auch diese aussagen werden gern in lächerliche gezogen. die texte werden unerbittlich einer geschäftsfähigkeitsprüfung unterzogen und alle anderen bestrebungen ignoriert.

womit ich zum schluss wieder bei den textkritiken in gruppen „gleichgesinnter“ lande. auch im internet ist in den foren für schreiblustige zu lesen, wie unverhältnismäßig manche kritik daherkommt. es wird nicht die wirkung des textes auf einen selbst diskutiert, sondern es werden wieder noten mit punkten, sternchen oder ziffern erstellt. es wird ein ranking erstellt. leider wird in den seltensten fällen wirklich zum text passend argumentiert. auch hier ist das feedback einfach nicht förderlich. schade, dass dies noch nicht einmal in kreisen von menschen geschieht, die große lust am schreiben haben.

die professionelle variante des fiesen feedbacks ist häufig die literaturkritik. erstaunlich, dass schreiben und geschriebenes solche widerstände verursacht. einzige lösung: sich davon in der eigenen schreiblust nicht behindern lassen.

kreatives schreiben und medien

… passen gut zusammen. auf diesen schlichten satz kann man das verhältnis des kreativen schreibens zu diversen medien bringen. alle medien können für das kreative schreiben anregungen und assoziationsmaterial liefern. zeitungen und zeitschriften kann man sogar direkt für das erstellen neuer texte, also für das schreiben mit der schere und dem klebstoff verwenden. fernsehsendungen oder kinofilme können dazu dienen, sie nachzuschreiben, plots für ähnliche genres zu entwickeln oder sie nur zur inspiration zu verwenden. und über das internet habe ich hier schon viel geschrieben, eigentlich die ganze zeit.

spannender erscheinen mir da die immer wieder aufkommenden diskurse, dass die starke verwendung von medien, zum einen das lesen, aber auch zum anderen das (kreative) schreiben stark verändern oder zum verschwinden bringen würden. dass also unter kulturpessimistischen gesichtspunkten unsere vielfältige, geregelte sprache reduziert und verrohen würde, eine regellosen anarchie zum opfer falle. dieser wildwuchs müsse unbedingt eingedämmt und pädagogisch wieder in die richtigen bahnen gelenkt werden.

schaut man sich um, so wird mehr geschrieben denn je. über die qualität lässt sich manchmal streiten, doch die steht beim kreativen schreiben nicht unbedingt im vordergrund. erst einmal geht es darum, sich überhaupt dem schreiben auf einem anderen weg als dem schulaufsatz-artigen anzunähern, das schreiben auch als persönlichen ausdruck zu verwenden und der eigenen kreativität möglichst wenige grenzen zu setzen. unter diesem gesichtspunkt haben eigentlich alle medien zur nachahmung angeregt. man müsste einmal eine umfrage unter medienschaffenden starten, wie viele von ihnen als kinder und jugendliche im spiel vorhandenes mediales nachgeahmt haben.

ein schönes beispiel sind die star-trek-filme, die meist junge menschen dazu veranlassten ganze episoden nachzuspielen, eigene zu entwickeln, einen plot zu schreiben, aufzuzeichnen und zum beispiel auf youtube zu stellen. oder man nehme die umgedichteten songtexte, die satiren auf werbungen und dergleichen mehr. und selbst wenn es nicht zur nachahmung kommt, so zeigen Weiterlesen

schreibidee (328)

da ich gerade auf dem spieletripp bin, also die vielfalt des spielens in der freizeit, im beruf und natürlich beim schreiben wieder und wieder entdecke, soll es hier zum tragen kommen. gleichzeitig macht neben dem spielen das denken viel spaß, also beides miteinander kombinieren. und schon entsteht eine schreibanregung zu „gedankenspielen“, denn das schöne am kreativen schreiben ist: es gibt keine einschränkungen.

als einstieg formulieren die schreibgruppenteilnehmerInnen zehn sätze, die mit den worten „was wäre wenn …?“ beginnen. dabei sollen die schreibenden sätze zu denkspielen formulieren, die sie interessieren. welche eventualitäten würden sie gern gedanklich durchspielen? was wäre zum beispiel, wenn es keine kühe gäbe? was wäre, wenn man eine million gewinnt? (der klassiker der gedankenspiele) und was wäre wenn wir keine arbeit mehr hätten? die sätze werden in der gruppe nicht vorgelesen.

im anschluss wählen die teilnehmerInnen einen ihrer sätze aus und schreiben dazu. dabei sollten sie darauf achten, wann der innere zensor ihre gedanken einschränkt. „darf man so weit denken? ist das realistisch? wie klingt das für die anderen?“, das sind die klassischen sätze, die verhindern, ein gedankenspiel wirklich zu vollführen. neben dem aufschreiben des was-wäre-wenn-textes sollten sich die schreibenden notieren, wie ihnen der innere zensor in die quere kommt. ist der text abgeschlossen wird noch eine kurze selbstreflexion zu den angriffen des zensors formuliert. anschließend werden bei texte in der gruppe vorgetragen, es gibt keine feedbackrunde.

nun suchen alle teilnehmerInnen aus ihrem pool an sätzen abermals einen aus und notieren ihn auf einem zettel. die zettel werden eingesammelt und es wird ausgelost, wer welche fragestellung bekommt. dazu wird auch ein gedankenspiel-text verfasst. der text wird in der gruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt. zum abschluss formulieren dann alle teilnehmerInnen noch einmal zehn sätze, die mit den worten „was wäre wenn …?“ beginnen. diese zehn neuen formulierungen werden in der gruppe vorgetragen, damit alle mit einem bunten strauss an gedankenspiel-anregungen nach hause gehen.

wissenschaftliches schreiben und spiel

die wissenschaft ist eine ernste angelegenheit, wenn man den wissenschaftlerInnen glauben möchte. doch das spannende am forschen und am experimentieren, ja am durchdenken von fragestellungen und thesen, besteht darin, dass im hintergrund immer eine spielerische komponente stattfinden. ähnlich dem kreativen schreiben oder andere kreativen techniken, besteht der fortschritt in wissenschaften immer wieder in der neukombination von wissen und gewohntem.

in vielen denkfabriken wird ein gehöriges quantum an zeit für spielerische momente verwendet. schaut man sich an unseren hochschulen und instituten um, ist davon leider nicht viel zu merken. es herrscht immer noch die auffassung, dass eine streng statistisch-naturwissenschaftliche herangehensweise (auch in sozialwissenschaftlichen fächern) den forschungsprozess begünstigt. schaut man sich zum beispiel die natur und das ökosystem an, dann gibt es diese form der eindeutigkeit und klarheit an kaum einem punkt.

so stellt sich die frage, ob auch beim wissenschaftlichen schreiben nicht mehr „spielraum“ genutzt werden kann. es geht nicht darum, das grundprinzip der wissenschaftlichen herangehensweise, die belegpflicht für behauptungen und schlussfolgerungen, abzuschaffen. es geht darum, dass allein die formen der formulierung, das einfließen eigener position und die verankerung von gedankenspielen, mehr platz finden könnte. abgesehen davon, dass die texte lesbarer würden, ist damit zu rechnen, dass sie auch zu mehr nachdenken und weiteren gedankenspielen anregen.

es wird oft unterschätzt, wie groß das interesse, auch von menschen, die nicht an hochschulen oder in instituten forschen, an wissenschaftlichen erkenntnissen ist. man schaue sich nur Weiterlesen

schreibidee (280)

wenn wir dann schon einmal dabei sind: schreibende müssen faken! also, sie müssen sich in situationen versetzen, geschichten erfinden und ausbreiten, die sie in der form nie erlebt haben. in viele geschichten und romane fließen persönliche anteile ein, wenn es sich aber nicht explizit um biografisches schreiben handelt, ist der großteil erfunden und zusammengeklöppelt. doch man kann auch einen anderen weg beschreiten und sich „selbst“ vollständig neu erfinden. darum eine schreibanregung zu einem „fake-lebenslauf„.

der einstieg: der name. die schreibgruppenteilnehmerInnen wählen sich oder losen einen namen für ihren erfundenen lebenslauf. es können entweder vor- und nachnamen auf zetteln notiert werden, die dann gelost werden oder alle überlegen sich einen namen, der ihnen gefallen würde. dabei muss das eigene geschlecht keine rolle spielen, man darf sich auch gern in das andere geschlecht versetzen.

wenn der name gefunden ist, dann macht als nächster schritt ein genogramm sinn. alle teilnehmerInnen erfinden ihre eigene familie und sippe. da gibt es den seltsamen onkel im ausland, die karriere-cousinen oder eben nur zwei geschwister, die schon immer nervten. zu dem genogramm können noch kleine charakteristiken für die einzelnen personen verfasst werden.

nun kommt der größte schritt zu einer neuen identität: der eigene lebenslauf, der nichts mit der realität zu tun hat. in diesen lebenslauf können diverse träume der schreibenden einfließen, dies muss aber nicht sein. und gebrochene lebensläufe sind natürlich interessanter als geradlinige. das alter der gefaketen person sollte mindestens 40 jahre sein, damit schon etwas erlebt wurde. welche schulbildung, welche ausbildung, welcher beruf, wo lebt die person…? all dies gehört in den lebenslauf. anschließend werden die lebensläufe in der schreibgruppe vorgestellt.

doch dies waren alles nur vorarbeiten zur fake-autobiografie. nun soll ein längerer autobiografischer text geschrieben werden, in dem die erfundende lebensgeschichte einfließt. hierzu können genogramm und lebenslauf hinzugezogen werden, und eine episode aus dem „neuen“ leben erfunden werden. diese autobiografischen geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.

kreatives schreiben und vielfalt

es gibt nichts, worüber man im kreativen schreiben nicht schreiben kann. aus jedem atemzug kann eine geschichte, ein text oder ein elfchen gemacht werden. selbst über uhrzeiten, zentimeter oder beton lässt sich schreiben. alles kann zum leben erweckt werden. das ist ein großer vorteil der menschlichen fantasie: wir sind fähig toten, bedeutungslosen und störenden dingen, ein neues kleid zu geben und aus ihnen plötzlich eine handlung mit emotionen oder eine story mit spannung zu machen.

der weg dort hin mag manchmal ein wenig holprig sein, aber eigentlich bietet auch hierfür das kreative schreiben eine vielfalt an techniken. vor allen dingen die assoziationstechniken verknüpfen jedes detail oder jeden gegenstand mit eigenen gedanken. ich muss nur eine sache auswählen, meine gedanken darauf fokussieren und sie dann frei fließen lassen, schon entstehen geschichten. in diesen momenten kann das kreative schreiben einen meditativen charakter bekommen, sich auf eine sache zu konzentrieren den eigenen gedanken dann den nötigen raum geben.

der vorteil besteht darin, dass der stoff für geschichten eigentlich nicht ausgeht. auch wenn der mensch für bestimmte menschliche dramen, happy-ends und konflikte ein faible hat, so ist der ort des geschehens doch austauschbar und sorgt für die jeweils eigene nuance. was machen zum beispiel zwei betonwände, die auf gedeih und verderb nebeneinanderstehen und sich entweder lieben, aber nicht näher kommen können oder sich nicht verstehen und leider nicht gegenseitig ausweichen können? und wie geht es den wänden, wenn das gebäude, das sie tragen, dann gesprengt wird?

es lässt sich also aus jeder sache eine persönliche geschichte machen. jedes detail einer geschichte kann plötzlich eine hauptrolle bekommen und andere details bleiben unerklärt am rand liegen. diese unerschöpfliche vielfalt stellt für schreibende gleichzeitig die krux dar: Weiterlesen

schreibidee (267)

wenn wir dann schon mal bei werbung und marken sind, dann kann dies auch noch in einer weiteren schreibanregung aufgegriffen werden. heutzutage wird zu produkten und dienstleistungen gern sowohl eine firmenphilosophie angeboten als auch geschichten rund um das angebot. in den kurzen werbefilmen werden inzwischen in ein paar sekunden ganze stories erzählt. warum also nicht einmal „marken-geschichten“ schreiben, die nicht mehr viel mit den bekannten werbestrategien zu tun haben.

als erstes benennen alle schreibgruppenteilnehmerInnen jeweils fünf marken, die ihnen sehr geläufig sind und fünf marken, die sie erfunden haben. bei den geläufigen wissen mit großer wahrscheinlichkeit alle, worum es sich handelt, bei den erfundenen sollten zumindest eins, zwei stichworte genannt werden, um was für ein produkt es sich handelt. alle marken werden am flipchart notiert.

nun wählen sich die teilnehmerInnen jeweils eine allseits bekannte und eine erfundene marke aus. zu beiden marken werden stories erfunden. die können sich entweder um die entstehung des produkts drehen (siehe „jack daniels“), um dinge, die man mit der marke erleben kann (siehe „telekom“), um eine geschichte, in der die marke die hauptrolle spielt (siehe „meister propper“ oder „wc-ente“). oder die marke ist auslöser und grund für die geschichte. mit der story darf die werbung verlassen werden, jetzt steht nur noch kreativität im vordergrund.

anschließend werden die geschichten vorgelesen. zu jeder marke gibt es eine kurze feedbackrunde. sollte es in der schreibgruppe einen internetanschluss geben, kann die schreibgruppenleitung während der schreibphase mal nachschauen, ob es für die gewählten bekannten marken vielleicht wirklich geschichten auf den homepages gibt und diese nach der feedbackrunde kurz vorstellen.

zum abschluss wird für die erfundene marke noch kurz von allen schreibenden eine firmenphilosophie erfunden, die anschließend vorgelesen wird. vielleicht kann man sich ja damit am markt etablieren 😉

kreatives schreiben und mut

ja, man kann über helden schreiben, die mutig die welt, menschen oder auch nur den kanarienvogel retten. „mut“ taucht als motiv in geschichten immer wieder auf. doch viel interessanter scheint mir der blick darauf, wie viel mut es kostet, kreativ zu schreiben. das mag in den ohren mancher etwas seltsam klingen, ist es doch nur ein wenig geschichten schreiben, etwas, das in der vorstellung unbeteiligter in die kategorie „das machen frauen in der volkshochschule“ (nichts gegen hausfrauen) gehört.

hier fängt die sache mit dem mut schon an. es ist mutig, sich hinzusetzen, entgegen aller abwertender vorurteile, zum stift zu greifen und der eigenen fantasie freien lauf zu lassen. diejenigen, die diese vorstellung possierlich finden und das kreative schreiben mit schulfaufsätzen vergleichen, scheuen diese form des ausdrucks meistens. denn dabei handelt es sich um den zweiten mutigen schritt: persönliches in einen text einfließen zu lassen.

im vorfeld weiß man nie, was das schreiben mit einem macht. man kann sich ein thema vornehmen, recherchieren und nachdenken, einen plot entwickeln und dann feststellen, dass sich die geschichte in eine ganz andere richtung entwickelt, als man es sich vorstellte. schreiben birgt immer die chance (oder gefahr) in sich, dass dinge einfließen und handlungen geschehen, die im schreibfluss nicht kontrolliert werden können. schreiben kann auch einen mutige form des kontrollverlusts sein, und eben ein ausdruck ganz persönlicher gefühle.

wenn man das kreative schreiben in einer schreibgruppe praktiziert oder es wagt, texte von sich der öffentlichkeit preis zu geben, dann unternimmt man den nächsten mutigen schritt. denn die reaktion der anderen Weiterlesen

schreibidee (258)

nachdem ich hier im blog der sinnvollen angst das wort geredet habe, die angst in schutz genommen habe vor den „coolen“ typen, ist es an der zeit einen blick auf die unberechtigte, übertriebene angst zu werfen. eine schreibanregung bietet eine schöne möglichkeit, dieser angst raum zu geben, in „schisserstories„. psychopathologisch ist dies natürlich fragwürdig, aber kreativ schreibend kann es spaß machen.

um dann gleich den „schisser“ ein wenig in schutz zu nehmen, notieren sich die schreibgruppenteilnehmerInnen zu beginn dinge und ereignisse, vor denen sie angst haben, obwohl sie wissen, dass es nicht notwendig und sinnlos ist. gern kann man dazu die so genannten „phobien“ zählen, zum beispiel die angst vor spinnen, schlangen oder auch gelben frotteehandtüchern. diese listen werden kurz in der schreibgruppe vorgestellt und noch um weitere beispiele ergänzt, damit alle teilnehmerInnen eine reichhaltige auswahl an „schisser-grundlagen“ haben.

im nächsten schritt wird ein kleiner, fiktiver lexikoneintrag für zwei der ängste und phobien verfasst. darin enthalten sei eine kurze beschreibung, wie sich die angst äußert, zu welchen reaktionen sie führt und welche strategien oder heilmethoden abhilfe schaffen können. dabei darf die realität aus den augen verloren und der fantasie raum gegeben werden. die lexikoneinträge werden ohne feedback in der schreibgruppe kurz vorgestellt.

und nun wird eine längere story daraus. es ist eine geschichte um die angst zu schreiben. wie verändert sich zum beispiel das leben eines menschen, der angst vor gelben frotteehandtüchern hat? was kann deswegen passieren. welche komplikationen tauchen auf, wenn ich auf einer party bin und auf der toilette hängen ausschließlich gelbe frotteehandtücher? in den „schisserstories“ darf alles aufgefahren werden, was mit irrationalen ängsten zu tun hat. anschließend werden die geschichten in der schreibgruppe vorgetragen und es wird im feedback gesondert die vermittlung der angstzustände reflektiert.

da wir uns mit dem kreativen schreiben auch im märchenland bewegen, kommt irgendwann eine gute fee vorbei und nimmt dem schisser plötzlich seine ängste. zum abschluss wird eine geschichte geschrieben, in der die angst plötzlich verschwunden ist, die alten verhaltensmuster aber noch nicht abgelegt sind. was kann passieren? die geschichten werden in der schreibgruppe ohne feedback vorgetragen.

kreatives schreiben und angst

das kreative schreiben macht normalerweise keine angst. es ist etwas spielerisches, ein ausprobieren, ein neu kombinieren, ein form des ideen produzierens. gut, es kann einem schwer fallen, sich in eine spielerische stimmung zu begeben, aber angstbesetzt ist dies nicht unbedingt. aber es gibt einen anderen aspekt, der einem angst einflößen kann: angst vor der eigenen fantasie.

manche kreativ schreibende erschrecken manchmal, nachdem sie einen text oder eine geschichte abgeschlossen haben, ob ihrer ausufernden fantasie. da widmen sie sich den grausamkeiten der menschen, schreiben geschichten und entwerfen bilder, wie wenn sie einen trip eingeschmissen hätten und versinken in fremden welten, die ihnen bis jetzt unbekannt waren. und das macht angst. dabei unterscheiden sich ihre geschichten in ihren bildern gar nicht so sehr von ihren träumen, die sie nacht für nacht haben, aber an die sie sich nicht mehr erinnern können.

doch sie erinnern sich an die erwachsenen, die ihnen als kind und jugendliche zu verstehen gegeben haben, dass ihre ausufernde fantasie gefährlich sei. dass man, wenn man sich zu sehr in etwas hineinsteigert, dort nicht mehr rauskommt, dies psychisch problematisch werden kann. dabei haben sie eigentlich kein problem damit, nur ihre umwelt hat ein problem damit. doch dies wird ihnen sehr klar gemacht.

solch eine vorstellung legt man nicht schnell wieder ab. was passiert mit einem, wenn die pferde mit einem durchgehen? Weiterlesen

schreibberatung und freude

eigentlich scheint freude in der schreibberatung unvorstellbar, dreht sich doch alles um schreibkrisen, schreibprobleme oder schreibblockaden. jemand begibt sich erst dann in beratung, wenn die zuspitzung der schwierigkeiten so groß ist, dass man selbst keine lösungsmöglichkeiten mehr sieht. in diesen momenten wird freude kaum raum finden.

aber es begeben sich vor allen dingen auch menschen in eine schreibberatung, die der meinung sind, sie könnten generell nicht schreiben, ja sie wären nicht kreativ, weshalb sie auch in die ausweglose situation geraten seien. viele vertrauen nicht darauf, dass auch sie „kreatives“ schreiben lernen können, dass auch sie aus ihrer fantasie schöpfen können.

um so erstaunter erleben dann etliche den (schreib)prozess, den sie durchmachen. sie kommen an den punkt, eigene kreative texte zu verfassen, ja sie schöpfen fantasievolles, geschriebenes. an diesem punkt kommt freude auf. allein das gefühl, etwas vollständig neues verfasst und geschaffen zu haben, hinterlässt einen selber mit einer mischung aus freude und stolz. auch wenn man sich nicht in schreibkrisen befindet, kann sich diese freude einstellen.

doch in der schreibberatung kommt der freude über selbstgeschriebene texte eine weitere funktion zu: es motivierte zu weiteren „taten“, zu weiteren schreibversuchen. dieser prozess ähnelt ein wenig der zahnpasta-werbung „mutti, mutti, er hat gar nicht gebohrt“. festzustellen, dass schreiben keine angeborene fähigkeit ist, sondern von jedem erlernt werden kann, eröffnet den ratsuchenden ganz neue möglichkeiten. Weiterlesen