Schlagwort-Archive: fehlerkorrektur

wie man den spass am schreiben abgewöhnt (08)

kleinliche korrektur

schreiben kann auch menschen, die sich in der rechtschreibung und grammatik nicht so gut auskennen, viel spaß machen. leider verschwindet die freude am schreiben sehr schnell, wenn das augenmerk mehr auf die fehlerkorrektur gelenkt wird, denn auf den inhalt der texte. natürlich kann ein text anstrengend sein, wenn die schreibfehler den inhalt enorm verändern und der lesefluss vollständig unterbrochen wird. doch dies ist selten der fall. wir menschen sind erstaunlicherweise fähig, nur andeutungen von worten und aussagen trotzdem zu entschlüsseln und aufgrund unserer leseerfahrungen zu ergänzen.

also könnte man sich getrost dem inhalt zuwenden und die geschichten, aussagen oder ereignisse genießen. doch da sind wieder einmal das „lernziel“ oder die „vergleichsvorgaben“ vor. teilweise wird beim schreiben von aufsätzen, von stories oder von abschlussarbeiten vor allen dingen der rotstift der fehlerkorrektur gezückt. auch das wäre noch nicht so tragisch, wenn in der endbewertung eines textes vor allen dingen der inhalt beurteilt werden würde. aber es kommt immer noch zu oft vor, dass die fehlerkorrektur in den vordergrund gedrängt wird.

dies führt zum beispiel bei menschen mit schreibschwächen (legasthenie etc.) oder bei menschen, die deutsch als fremdsprache erleben, schnell zu frustrationen. da hat sich jemand eine tolle, fantasievolle geschichte ausgedacht und niedergeschrieben und dann wird der inhalt kaum beachtet. und selbst wenn jemand rechtschreibung und grammatik ganz gut beherrscht, so kann es doch jedem passieren, dass man dinge übersieht. selbst nach dreimaligem korrekturlesen können noch fehler auftauchen.

ich möchte hier nicht generell gegen die fehlerkorrektur argumentieren. die kann und soll stattfinden, auch um beim schreiben stetig etwas dazu zu lernen. aber sie muss nicht im vordergrund stehen. spaß man schreiben macht sicherlich nicht Weiterlesen

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mein computer und ich – eine umgangslehre (12)

automatismen

jupp, schon ist es geschehen. kleine rote striche unter „jupp“, da der computer das wort nicht kennt. zum glück ist keine automatische fehlerkorrektur eingestellt, denn dann würde dort wahrscheinlich eines der wörter stehen, die er mir vorschlägt: „Jupe“, „kupp“, „jump“, „pupp“ oder „wupp“. warum das ding nun „wupp“ kennt, aber nicht „jupp“ und er mir auch nicht erklären kann, was er unter „Jupe“ versteht, das werde ich wahrscheinlich nie rausfinden.

und hier fangen sie an, die automatismen, die man ein- oder ausschalten kann. automatische korrektur kann so viel freude bereiten. die hartnäckigkeit zum beispiel, satzanfänge groß zu schreiben, selbst wenn man alles klein schreibt. ganze wörter zu verändern, vieles nicht zu kennen, selbst wenn man alles immer hübsch zum wörterbuch hinzufügt, die kaskade an fehlermeldungen, wenn einmal ein englischsprachiges zitat eingefügt wird und vieles mehr. doch diese automatismen lassen sich noch beherrschen, auf sie hat man noch zugriff.

schwieriger wird es bei dingen, die mir überhaupt nicht sichtbar sind, von denen ich nichts weiß, wenn ich mich nicht mit den grundzügen von programmen und hardware auseinandersetze.zum beispiel gibt es viele programme, die in den verwinkelten ecken ihrer einstellungen schon mal eingestellt haben, dass sie automatisch ihre updates durchführen. das hat zur folge, dass sich die programme, kaum hat man einen internetzugang hergestellt, auf ihrer herstellerseite melden und mal nachschauen, ob es was neues gibt. ganz abgesehen davon, dass dieser prozess bei manchen teilen den rest der tätigkeiten verlangsamt.

also muss ich bei neuen programmen als erstes schauen, ob ich ihre automatismen deaktivieren kann. aber auch die cookies, die von manchen seiten geschaltet werden, obwohl man cookies untersagt hat, sind ein beispiel für automatismen. sie legen ihre krümel einfach auf der festplatte ab, wenn man ins netz geht und verfolgen, was man so tut. um sie zu umgehen oder besser regelmäßig zu löschen, bedarf es schon wieder eines eigenen programms (das wahrscheinlich ein eigenes update regelmäßig automatisch macht 😆 ).

möchte man vor allen dingen beim blick ins internet die kontrolle über die automatismen behalten, kann man sich anzeigen lassen, was alles geschieht, wenn man eine homepage besucht. nur leider sind dies so viele dinge, dass man das eigentliche surfen vergessen kann, wenn man alles liest. und es bedeutet noch nicht, dass man versteht, was hochgeladen und ausgeführt wird.

ich möchte die automatismen nicht per se verteufeln. es gibt sehr sinnvolle, wie das automatische zwischenspeichern beim schreiben oder die automatischen backups, die im hintergrund gemacht werden können. ganz abgesehen von den rechenleistungen, den katalogisierungen von daten, dem aufräumen auf der festplatte, der automatischen virenprüfung, der aufpassenden firewall und vielem mehr. doch inzwischen ist der grundaufbau digitaler geräte so komplex, dass man sich in vielen zusammenhängen nur dem ergebnis ausliefern kann. dies führt aber dazu, dass man bei nicht-funktionieren auch keine eigenen reparaturen mehr vornehmen kann. man kann nur automatische programme die kontrolle, überprüfung und reparatur überlassen.

das löst bei vielen menschen große unsicherheit aus, zwischenzeitlich auch ohnmachtsgefühle. und gehen die alleingänge dann noch mit meldungen einher, die zu verstehen geben, dass man einen fehler gemacht hat (und sich dadurch schuldig fühlt), dann steigert dies das unwohlsein. oft genug stellt sich im nachhinein heraus, dass der fehler von anderen geräten verursacht wurde. schönes ist es zum beispiel, wenn immer wieder das passwort für den mailzugang abgerufen wird, da der mailserver die angegebenen daten nicht akzeptiere. später stellt sich heraus, dass der mailserver einfach nicht funktioniert.

die digitale unkontrolliertheit kostet alle zeit und nerven und verdeckt teilweise eklatante konstruktionsfehler. dies ist alles andere als nutzerfreundlich.

web 2.0 und wissenschaft

das forschen für die schublade hat sich ein wenig überlebt, jedenfalls wenn man sich nicht in der drittmittel-finanzierten forschung befindet. bevor das internet sich ausbreitete war es schwierig neueste erkenntnisse und ergebnisse zu verbreiten. wer ein buch veröffentlichen oder in einer fachzeitschrift schreiben wollte, wurde meist aufgefordert, zum herstellungspreis etwas beizusteuern. für junge forscher, die dem universitären prekariat angehörten, ergab sich das problem, dass sie kaum veröffentlichen konnten. doch gleichzeitig spielte die zahl der veröffentlichungen in der wissenschaftskarriere eine große rolle.

das web 2.0 hat die chancen, beachtet zu werden, beträchtlich erhöht. die forschungsergebnisse, die keinen weg in fachzeitschriften oder in bücher finden, können für lau ins netz gestellt werden. gut, da gibt es die konkurrenz der anderen forscherInnen, denen man nicht zu viel erkenntnisse zur verfügung stellen möchte. doch so manche arbeit versauert somit nicht in papierstapeln oder bibliotheken sondern ist im netz abrufbar.

schwieriger scheint auf den ersten blick die qualtitätskontrolle: soll heißen, jeder mensch kann etwas ins netz stellen. wie weit die erkenntnisse wirklich tragfähig sind und neuesten wissenschaftlichen kriterien entsprechen, ist für den laien schwer zu entscheiden. aber es werden in den debatten um gefälschte forschungsergebnisse die vorteile des internet und web 2.0 ignoriert. die öffentlichkeit ist eine größere, die suchmaschinen finden viele veröffentlichungen in windeseile. und somit ist die zahl der menschen, die die ergebnisse korrigieren könnten eine viel größere. ein gutes beispiel dafür ist der vergleich von wikipedia mit lexikonredaktionen und die geschwindigkeit, in der fehler korrigiert werden.

dabei ist natürlich nicht zu ignorieren, dass etliche, vor allen dingen naturwissenschaftliche versuchsanordnungen, nicht so leicht nachvollziehbar sind. und doch ist eher ein diskurs über die ergebnisse möglich, als beim verharren der ergebnisse in der schublade. eine große öffentlichkeit findet schneller die knackpunkte, als ein kleiner kreis. und so werden inzwischen viele arbeiten, die keinen platz in „science“ oder „nature“ finden, auf homepages veröffentlicht.

abseits davon ermöglicht das web 2.0 einen viel leichteren austausch während geforscht wird. man kann anordnungen als film ins netz stellen, man kann messergebnisse in beinahe echtzeit veröffentlichen oder auch nur die nächsten forschungsschritte zur diskussion stellen.

das klingt jetzt alles sehr ideal für die wissenschaften. natürlich ergeben sich auch schwierigkeiten. Weiterlesen