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wortklauberei (88)

„auf der grundlage eines festen kompasses“ (a. merkel)

es ist bundesparteitag und da werden reden geschwungen. reden wie keulen, die unsichere überzeugen und andere in ihrer haltung bestärken sollen. dabei gibt es dann reden, bei denen kaum jemand zuhört und reden, die von beinahe jedem fernsehsender zitiert oder übertragen wird. und so hielt gestern auf dem bundesparteitag a. merkel ihre große rede, die alle zitierten. schade nur, dass die ard einen ausschnitt der rede in der tagesschau zitierte, der missverständlich ist.

da verkündete die kanzlerin, man treffe seine entscheidungen und handlungen „auf der grundlage eines festen kompasses„. wer das prinzip des kompasses gerade vor augen hat, der muss zu dem schluss kommen, dass damit „starrsinn“ gemeint ist. denn man kann zwar einen kompass befestigen, aber wieder die nadel, die den weg weist, die sollte alles andere als fest sein. das gibt gerade in der heutigen zeit natürlich zu denken.

ist nur der kompass befestigt am schiff bundesrepublik und selbst bei starkem wellengang findet die kapitänin den weg? so war es wahrscheinlich gemeint. oder aber, und das ist auch nicht ganz unwahrscheinlich, jemand hat sich einen scherz erlaubt und die kompassnadel festgeklebt. dann findet man sich zwar unerschütterlich auf dem weg, doch der führt eher ins nirwana, denn an den richtigen ort.

was leider auch nicht von der chefin mitgeteilt wurde, wohin man denn nun mit dem befestigten kompass schippert, ob nach osten, westen, süden oder norden. also ich wäre ja für norden, schon allein wegen dem klimawandel. da wäre es ein wenig kühler und die sozialsysteme sind auch fortschrittlicher und menschenfreundlicher. aber das ist ein ganz anderes thema. vielleicht sollte erst mal wieder jemand den kompass in die hand nehmen und los machen.

schreibidee (152)

klimawandel scheint dieses jahr auszufallen, was natürlich nicht bedeutet, dass er nicht doch demnächst wieder die hitze in uns steigen lässt. nachdem also nach gut zwei wochen der dauerfrost beendet ist und die weiße pracht in matsch zerfließt, ist es an der zeit „tauwetter-texte“ zu verfassen.

vorraussetzung für tauwetter-texte ist es, dass etwas schmilzt. deshalb sollten die teilnehmerInnen der schreibgruppe erst einmal auf jeweils einer halben seite das schmelzen von dingen beschreiben. so kann ein herz dahinschmelzen, käse, eis, schnee oder zum beispiel blei, stahl, sand zu glas und dergleichen mehr. je nach zeitrahmen sind also mehrere schmelzprozesse kurz zu beschreiben.

anschließend ist ein schmelzendes ding auszuwählen, zu dem eine geschichte, ein text verfasst wird. dazu kann ein cluster erstellt werden. nun wird die geschichte verfasst, doch es gibt vorgaben zum stil. wie es bei schmelzenden gegenständen der fall ist, sind sie vorher fest, hart, bis die wärme ihnen zusetzt. ähnlich soll es sich mit dem text verhalten. er beginnt, hart, scharf, kantig und verwandelt sich in geschmeidig fließende worte. wie die schreibenden dies erreichen, bleibt ihnen überlassen. anschließend werden die texte vorgelesen.

sollte dann noch etwas zeit zur verfügung stehen, kann mit der schreibgruppe gemeinsam blei gegossen werden. die entstandenen kleinen skulpturen dienen als assoziationshilfe und anregung für eine weitere geschichte, die nichts mehr mit dem dahinschmelzen zu tun haben muss.