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„die große zukunft des buches“ von eco und carrière – ein buchtipp

das ganze buch ein gespräch zwischen zwei buchliebhabern und -sammlern: umberto eco und jean-claude carrière. auslöser für das gespräch ist die frage, ob die digitalisierung unseres lebens, das gedruckte buch zum verschwinden bringt? die leserInnen können sich schon nach ein paar seiten zurücklehnen und feststellen, die wahrscheinlichkeit ist sehr gering. denn die schrift ist eine ähnliche erfindung wie das rad, sie kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. der mensch kann nicht auf die schrift verzichten, seitdem er sie erkannt und entdeckt hat.

anders sieht es damit aus, wie die schrift verbreitet wird, natürlich verlagert sich vieles ins internet, aber auch hier wird man mit erfrischenden gedanken konfrontiert. ein großer stromausfall und vielleicht verschwindet das internet wieder so schnell, wie es gekommen ist. eco vergleicht die situation mit dem zeppelin: eine große katastrophe und die menschheit verzichtete auf diesen fortschritt. nun muss man nicht unbedingt darauf hoffen, vieles fortschrittliche bestand auch weiter, aber das gedankenspiel um die dauerhaftigkeit des buches, „die große zukunft des buches“ liest sich spannend und regt zu vielen eigenen gedanken an.

die beiden experten fragen sich zum beispiel auch, welche schriften uns eigentlich überliefert sind. sind das wirklich die schriften, die damals in den alten kulturen tonangebend waren oder sind es nur zufällige überbleibsel, deren gewicht in den damaligen gesellschaften marginal war? und was bedeutet dies für unsere gläubigkeit an überliefertes?

ein weiter bogen, der aber immer wieder zu der frage zurückführt, ob der unterschied zwischen internet und buch wirklich so groß ist, wie immer getan wird? denn auch früher bei den ersten büchern wurde schon wissen und weitergabe von wissen gefiltert. eco und carrière gehen sogar so weit, dass sie behaupten „unser wissen über die vergangenheit verdanken wir idioten, dummköpfen und gegnern“ (eine der kapitelüberschriften), da der rest verloren gegangen ist oder nicht weitergegeben wurde.

es wird richtig amüsant in dem gespräch, viel wissen wird vermittelt und der diskurs regt zu einer neuen sichtweise an. ich kann dieses buch jedem empfehlen, der sich mit den konsequenzen des internet für unsere gesellschaften auseinandersetzen möchte. ein kluges und witziges, gedrucktes buch 😉 es ist 2011 in münchen beim deutschen taschenbuch verlag erschienen. ISBN 978-3-423-34694-8

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mein computer und ich – eine umgangslehre (04)

technische neuerungen

ich lese gerade das hübsche buch „die grosse zukunft des buches„, in dem umberto eco und jean-claude carrière über die auswirkungen der digitalisierung hinsichtlich des buches diskutieren (wird hier demnächst vorgestellt). dabei stellen sie fest, dass die technischen neuerungen, die in immer kürzeren zeitabständen bei den computern und speichermedien nachgeschoben werden, es immer schwerer machen, wirkliche archive anzulegen und den vollständigen datensatz zu erhalten.

neben der filterung der daten, texte und geschichten durch den menschen (wie auch schon früher in den bibliotheken) kommt eine ganz neue komponente dazu: der ungeplante verlust von daten durch updates und upgrades sowohl technischer natur als auch in der software. nicht alles, was einmal abgespeichert und archiviert wurde, lässt sich wieder abrufen. wenn man nicht beständig bemüht ist, alles im richtigen format auf den richtigen träger zu bringen, dann lassen sich plötzlich zum beispiel die alten videokassetten mit filmen nicht mehr abspielen, auch nicht überspielen und umwandeln.

ganz abgesehen von dem enormen zeitaufwand, der geleistet werden muss, um daten in neue dimensionen herüberzuretten. auch dies wäre erst einmal zu verschmerzen, so wie momentan ganze bibliotheken eingescannt werden und digital anschließend zur verfügung stehen. nur leider bleibt es nicht bei dieser einmaligen zeitaufwendigen handlung. danach muss man immer auf dem laufenden sein, was die dateiformate angeht. denn entweder wird etwas im neuesten format veröffentlicht und man ist gezwungen seine programme immer ganz aktuelle zu halten, oder es bleibt auf einer alten programmvariante stehen und diese ist irgendwann mit dem eigenen betriebssystem nicht mehr kompatibel.

die neuesten programme laufen ab einem bestimmten zeitpunkt nur noch auf den neuesten betriebssystemen, die wiederum irgendwann nur noch auf den neuesten computern mit den neuesten chips und speicherkapazitäten laufen, die wiederum nur mit den neuesten internetzugangsformen kompatibel sind … das alles ist ein riesiger markt, der fleissig am laufen gehalten wird. wenn man schaut, wie lang es computer und das internet gibt und dann schaut, wie viele neuerungen seitdem auf den markt kamen, dann kann man sich ungefähr ausrechnen Weiterlesen

500 nutzlose spam-kommentare sind zu entschlüsseln

es gibt jubiläen, die einen nachdenklich stimmen. „akismet“ hat mir vor einem tag gemeldet, dass inzwischen der 500te spam-kommentar abgewehrt wurde. selten ist dem filter einer durchgerutscht, das ist der schöne aspekt dieser meldung. der unangenehme besteht darin, dass es technik gibt, die keine andere aufgabe hat, als schrott zu versenden. meist wird noch nicht einmal für potenzmittel oder armbanduhren geworben. es handelt sich nur um sinnlose buchstaben- und zeichenfolgen.

aus der landwirtschaft kennt man es, dass auch eine ganze menge scheiße produziert wird. doch die kommt auf den misthaufen und kann dann zu dünger verarbeitet werden. spam-kommentare sind nutzlos. es gibt wenig dinge, die ausschließlich nutzlos sind. denn spam-kommentare legen nur noch selten netzwerke lahm oder werden gelesen. sie werden rausgefiltert und entsorgt. weshalb werden sie dann produziert? es muss doch extra rechner für die produktion geben, die jemand installiert und auf denen programme installiert werden, die sinnlose zeichenfolgen produzieren. doch was will uns jemand damit sagen?

postwurfsendungen sind ähnlich lästig, aber sie haben zumindest den zweck, dass jemand doch einmal einen blick hineinwirft und dann auf die heizdecken-ein-tages-busfahrt geht, um den schweinebraten und den ausblick auf die landschaft mitzunehmen. inzwischen hat es dieses werbe-penetranz auch schwer, da auf vielen briefkasten steht, dass man nichts dergleichen darin finden möchte. die zahl des papiermülls reduziert sich also.

doch die spam-kommentare nehmen nicht ab, zumindest nicht bei diesem blog. das verleitet mich zu der spekulation, dass sie doch einen sinn haben, der sich mir noch nicht erschlossen hat. und dann fährt es mir wie ein blitz durch die denkschale, die buchstaben- und zeichenfolgen sind gar nicht sinnlos. ich verstehe die sprache nur nicht. wir alle verstehen die sprache nicht. es sind nachrichten der außerirdischen an uns, so wie wir bespielte cds und dvds ins weltall ballern, so senden sie von ihrem server botschaften an uns. und wir stoppen die interstellare kommunikation durch filter. schickt mir bitte noch mehr spam, vielleicht entschlüssel ich irgendwann den code!!! sudoku ist ein dreck dagegen 😆