Schlagwort-Archive: finanzkrise

wortklauberei (37)

„bad bank“

es gibt zur zeit eine menge banken, die auf miesen krediten, wertlosen spekulationen und einer menge schulden sitzen. geschickt wie der finanzjongleur ist, sind deshalb pläne entstanden, die eine so genannte „bad bank“ initiieren wollen, in der all die negativen werte versammelt werden. dadurch soll der rest der bank gut dastehen und eine rettung möglich sein.

mehr milchmädchenrechnung ist kaum möglich oder besser formuliert, mehr kann man nicht faken. hier tritt zutage, dass die ganze finanzspekulation ein einziges ideengebäude ist, das auf wenig basiert. denn wenn man alles negative hin- und herschieben kann und dies anscheinend zu einer verbesserung des restes führt, dann scheint wert beliebig und somit auch die wertschöpfung.

aber beim ersten hören von dieser überlegung und den folgenden planungen, können einem viele ideen in den sinn kommen. wie wäre es mit einem „bad konto“. dies können alles kontoinhaber einrichten, die ihren dispo vollständig ausgeschöpft haben und denen eine sperrung ihres kontos droht. so wäre es möglich von heute auf morgen wieder auf plus-minus null zu kommen. damit lebt es sich doch gleich viel angenehmer. oder auch die vollständige löschung bei der schufa könnte so ein schritt sein. es wird eine „bad schufa“ gegründet, die all die offenbarungseide und kreditunwürdigkeiten versammelt. so steht die bevölkerung bei der schufa plötzlich wieder gut da und das spiel mit den leichtfertigen krediten kann von vorne beginnen.

ein wenig erinnert dies an „monopoly“ spielen, wo der erfolg immer davon abhängig war, wie großzügig der mitspieler, der die bank inne hatte war. so konnte bei manchen ein kredit nach dem anderen aufgenommen werden. wenn genug mitspieler verschuldet waren, annullierte man diese. das spiel konnte weitergehen. leider gab es aber auch die ereigniskarte „gehe ins gefängnis, begib dich direkt dort hin. gehe nicht über „los“, zieh keine 4000 mark ein.“ nun, auch das könnte für manche abläufe eine alternative sein.

Werbeanzeigen

wortklauberei (36)

„bossnapping“

frankreichs gewerkschaften sind dafür bekannt, arbeitskämpfe drastischer durchzuführen, als es in deutschland üblich ist. so erscheinen die demonstrationen auf den straßen nicht nur größer, sondern auch gewaltbereiter. in letzter zeit machten die arbeitnehmer dadurch auf sich aufmerksam, dass sie ihre chefs als geisel nahmen, wenn es zu entlassungen oder schließungen von betrieben kommen sollte.

diese sicherlich nicht feine art des arbeitskampfes erhielt den namen „bossnapping“. hier wurden begriffe zusammengesetzt, die eine seltsame bedeutung erhalten. „napping“ bedeutet eigentlich „schlafen“ oder „schlummern“. so wird der boss anscheinend zum schlafen außerhalb seines hauses gebracht. er wird in der firma festgehalten. dabei stellt sich immer wieder die frage, ob heutzutage überhaupt noch ein boss die vollständige verantwortung für den niedergang seiner firma hat. meist mag es missmanagement geben, doch die eigentliche entscheidung einer schließung übernehmen viele menschen.

wahrscheinlich müsste es eher zum „banknapping“ oder „managementnapping“ kommen, wenn man wirklich die verantwortlichen treffen möchte. doch die wut entlädt sich an den bossen. dabei so ein verniedlichendes wort zu verwenden, scheint im widerspruch zur eigentlichen tat zu stehen. schnell sind begrifflichkeiten gefunden, die das eigentliche problem ausklammern. eine „firmenbesetzung“ oder „produktionsmittelenteignung“ würde nicht einzelpersonen treffen, sondern besitz und dessen verwendung in frage stellen. doch das findet seltsamerweise nicht statt.

schnickschnack (68)

die finanzkrise kann zur mentalen krise werden. das ist kein scherz, sondern eine tatsache, zumindest laut einer us-behörde. aufgefunden hat die hinweise dazu mal wieder die süddeutsche zeitung von heute, s.15. wichtig ist, dass der mensch gesund bleibt. wenig wird darüber diskutiert, dass allein die arbeitsbedingungen an den börsen der welt und bei den brokern der finanzen alles andere als gesund waren oder gesund sind. hier wird nicht nach den stressfaktoren gefragt, sondern nach der rendite.

anders geht man nun mit den „opfern“ der finanzkrise um. die „substance abuse & mental health services administration“ (samhsa) der usa stellte tipps ins netz, wie man folgeerkrankungen und psychische störungen aufgrund von besitztumsschwankungen feststellen kann. es ist eine ernst angelegenheit, wenn jemand seinen gesamten besitz verliert. garantiert auch ein traumatisches erlebnis. die stressoren nehmen auch im vorfeld meist schon zu, wenn die aktienkurse nach unten rasseln und nicht wenig spielen mit suizidgedanken. ärgerlich ist einzig, dass erst in der finanzkrise hilfestellung geleistet wird (siehe http://www.samhsa.gov/economy ).

schon im vorfeld wären hinweise zum börsenhandel an sich sinnvoll gewesen. denn das spekulieren mit aktien unterscheidet sich nicht groß von der spielsucht. lotterieanbieter müssen inzwischen auf diese spielsucht hinweisen, börsenspekulanten nicht. auch der verlust des arbeitsplatzes in kapitalistischen gesellschaften bedrohte schon immer die menschen in ihrer existenz, auch wenn nicht so viel geld auf dem spiel stand. doch hat jemand damals jemals auf die mentalen folgen aufmerksam gemacht? depressionen sind schon lang die folge von leistungsgesellschaften, erstaunlich, dass dies erst jetzt wahrgenommen wird. ob es vielleicht daran liegt, dass die betroffenen in einer gesellschaftsschicht zu finden sind, die bis vor kurzem glaubte unverletzlich zu sein?

wortklauberei (31)

„karriere lounge“

geahnt hat man es ja schon immer. der streit um die bonus-zahlungen für bankmanager hat es nur noch einmal bestätigt: einmal in einer bestimmten position, karriere gemacht, fließt das geld automatisch zu den menschen. man kann nur noch die treppe rauffallen und nur sehr selten abstürzen.

da passt es ganz gut, dass ein großer bekleidungskonzern im rahmen seines „general management programm“ eine „karriere lounge“ anbietet. das kann man so oder so verstehen. laut deutscher definition handelt es sich bei einer „lounge“ um einen aufenthaltsraum, einen wartesaal oder ein wartezimmer. momentan kann man da eventuell ganz schön lange warten, bis man karriere im management machen kann. werden doch eine ganze menge manager zur zeit dem arbeitsmarkt wieder überantwortet, wie man es so schön formulieren kann.

man kann es aber auch anders übersetzen: das englische „to lounge“ heißt übersetzt „faulenzen“. mal karriere gemacht, ein sicherlich zeitaufwendiges unterfangen, kann man den rest seiner arbeitstage faulenzen. das hübscheste daran ist, und hier schweife ich von den banken ab, man kann den größten bockmist bauen, in den seltensten fällen wird man zur verantwortung gezogen. Weiterlesen

wortklauberei (27)

„wir werden das konjunkturtal überwinden“

liebe frau bundeskanzlerin, das mit den 50 milliarden ist ein ganz schönes ding, oder wie es in ihrer neusten ausgabe „deutschland aktuell“ dazu heißt: „arbeitsplätze sichern – wachtstumskräfte stärken“. im hintergrund ist ein autohandel zu sehen. wer dabei wem versucht ein auto zu verkaufen, ist nicht zu erkennen. das soll wohl alles vertrauen erwecken, damit meine zweifel an dem existierende wirtschaftssystem nicht zu groß werden. sind sie aber. vor allen dingen, wenn ich über ihrem beitrag sätze lese wie „wir werden das konjunkturtal überwinden„.

wir könnten das tal überbrücken, vielleicht auch durchschreiten, uns hineinstürzen, uns ins tal abseilen, dort am grund des tales die geldflüsse durchschwimmen, am tal entlang gehen oder nur talwärts blicken, aber wir werden schwierigkeiten haben das tal zu überwinden. sinnvoller wäre es dann doch den schuldenberg zu überwinden. wissen sie frau bundeskanzlerin, ich halte die macherInnen ihres blättchens nicht für naiv, sie wählen die worte überlegt. nicht ohne grund steht die überschrift „geldverschwendung lässt sich stoppen“ unter der rubrik „energie“ und nicht unter „50-milliarden-programm“. so wollen wir das tal, die widrigkeiten überwinden, obwohl kein mensch weiß wohin die reise geht, aber gebucht ist und teuer genug ist sie auch. „überwinden“ klingt einfach so schön danach, die probleme nur noch im rückspiegel des neuen staatlich geförderten autos zu sehen.

wortklauberei (11)

„finanzmarktstabilisierungsanstalt“

wenn menschen nicht mehr weiter wissen, dann gründen sie anstalten, damit niemand mehr anstalten macht, sich daneben zu benehmen. so wurden irrenanstalten, haftanstalten, behindertenanstalten oder lehranstalten gegründet. anstalten sind in keinem guten ruf und wie foucault zeigte basieren sie gern auf ausgeklügelten kontroll- und machtmechanismen. bei anstalten denkt man an backsteingebäude, die ende vorletztes jahrhundert oder anfang letztes jahrhundert gebaut wurden.

und da die banken den bevölkerung auf den nasen rumtanzten, meint der staat, sie jetzt in anstalten stecken zu müssen. denn ihr verhalten soll korrigiert werden, fragt sich nur, wer der wärter wird in der finanzmarktstabilisierungsanstalt. sie existiert seit gestern und verwaltet eine halbe billion unterstützung für die zöglinge. welche lehranstalt träumte nicht von solchen summen. nur einen markt in eine umerziehungs- oder stabilisierungsanstalt zu stecken geht einfach nicht. da würde sich eher eine regulierungsbehörde anbieten, denn eine anstalt, die etwas virtuelles stabilisieren soll, einen markt. wie das dann aussieht kann kein mensch sagen. wann ist ein markt stabil? wenn er fleißig handelt. das tut der markt zur zeit, wenn auch nicht so, wie mancher mensch sich das vorstellt. also eigentlich ist der markt stabil in die verluste gerutscht. unter stabilisierung versteht die regierung also ein anwachsendes ergebnis, einen aufwärtstrend. soll heißen, die aktienkurse konsequent steigen zu lassen, ein traum, der schon immer geträumt wurde. oder soll die anstalt das vertrauen der banken untereinander stabilisieren? was stabilisiert vertrauen. das wissen wir aus jeder beziehung: ehrlichkeit, authentizität und zuverlässigkeit. na dann handelt es sich bei der finanzmarktstabilisierungsanstalt um ein großes psychologisches projekt für eine halbe billion. wow, also doch eine überdimensionale irrenanstalt für ökonomen 😛