Schlagwort-Archive: flexibilität

schreibpädagogik und wünsche

schreibgruppen verhalten sich so unterschiedlich, wie die teilnehmenden menschen. manchmal werden in einer schreibgruppe alle vorgaben durch die gruppenleitung realisiert, ohne irgendeinen eigenen wunsch zu äußern. ein andermal kommen alle teilnehmerInnen schon mit vielen erwartungen und wünschen gleich zu beginn in die gruppe. in beiden fällen ist es aufgabe der schreibgruppenleitung, eine regelung für die berücksichtigung von wünschen zu finden und klar zu kommunizieren.

in einer schreibgruppe entstehen nach einer gewissen zeit sicherlich eigene vorstellungen, zu was man gern einmal etwas schreiben möchte. dabei spielt es keine rolle, ob es sich um eine gruppe zu biografischem oder kreativem schreiben handelt. bei einer gruppe zum wissenschaftlichen schreiben sieht es etwas schwieriger aus, da meist eine menge vorgaben des wissenschaftlichen arbeitens berücksichtigt werden müssen. hier orientieren sich die wünsche eher in eine andere richtung – hier werden wünsche zu noch offenen fragen geäußert.

wenn eine schreibgruppe von sich aus keine wünsche äußert, kann es sehr belebend sein, nachdem die gruppe sich schon öfter getroffen hat, alle teilnehmerInnen aufzufordern jeweils eine eigene schreibanregung, -idee auf einen zettel zu notieren. die ideen kann man in der gruppe kurz vorstellen und losen, welche denn kurzfristig umgesetzt wird. außerdem erhält man dadurch als schreibgruppenleitung einen überblick, welche bedürfnisse Weiterlesen

Werbeanzeigen

schreibpädagogik und kombinieren

man selber muss keinen finger rühren, um immer wieder neue kombinationen erleben zu können. allein die unterschiedliche zusammensetzung einer schreibgruppe oder eines seminars sorgt dafür, dass jeder durchgang einer veranstaltung anders sein wird. selbst wenn man ein angebot sehr oft durchführt gibt es meist kaum identische situationen. gut manche ergebnisse und reaktionen können sich ähneln, aber die meisten sind so unterschiedlich, dass man sich in kürzester zeit sicher ist, den verlauf einer veranstaltung nie vorhersagen zu können.

und es liegt einzig und allein an der neuen kombination verschiedener menschen. es ist erstaunlich, wie viel dies ausmacht. wenn man sich dann zusätzlich noch die freiheit gibt, direkt auf die jeweiligen bedürfnisse der gruppe zu reagieren, dann kann man am ende einer veranstaltung jedesmal woanders landen. das ist auch für einen selber interessant und spannend. denn man arbeitet sich jedesmal in neue aspekte, blickwinkel und themen ein. dadurch wird der eigene blick auf das, was gelehrt oder angeleitet wird, stetig erweitert und vielfältiger.

dies hat natürlich den effekt, dass man beim nächsten durchgang die kombination des angebots ein wenig verändert, neues einfließen lässt. und schon befindet man sich auf einer ganz anderen schiene mit der nächsten gruppe. es kann sein, dass von mal zu mal das angebot dichter und spannender wird. es kann aber auch sein, dass man so viel in die schreibgruppenleitung packt, da man selber so viel neues erfahren hat, dass die rückmeldung eindeutig ist: es ist alles Weiterlesen

wortklauberei (84)

„flexiquote“

zur zeit gebiert die politik einen skurrilen begriff nach dem anderen. psychologisch gedeutet könnte man schreiben, es ist wohl eine zeit der unsicherheit und des nicht weiter wissens, denn sonst müsste man nicht so viel mit wortschöpfungen kaschieren. gerade ist es der quotenkampf um frauen in den führungsetagen der unternehmen. da man den herren der führung nicht zu nahe treten möchte, jedenfalls die aktuell dafür zuständige ministerin, fordert sie keine „frauenquote“, sondern eine „flexiquote“.

doch flexiquote ist abermals ein widerspruch in sich. eine quote stellt einen anteil dar, meist in prozent aber manchmal auch in festen stückzahlen. dieser anteil kann zwar variieren, aber in dem moment, in dem die quote gilt, ist sie ein fester wert. „flexi“ soll ja wohl der verniedlichende ausdruck für „flexibel“ sein, so wie „fix und foxi“. und betrachtet man „flexi“bel genau, dann ist ein synonym „biegsam“. sehr passend.

flexi relativiert die quote in allen bereichen, ist also eigentlich die vernichtung einer quote. denn die biegsame handhabung eines anteils ist nichts anderes als gelebte beliebigkeit ohne irgendeine grundlage. wenn wir dann schon solche nicht-quoten einführen, dann wäre ich dafür dass bei meiner steuer eine „flexiquote“ eingeführt wird, die es mir ermöglicht in der form einer selbstverpflichtung, die quote beliebig festzulegen.

um es noch einmal auf den punkt zu bringen: „flexiquote“ ist das bestreben trotz verwendung des wortes quote, keine quote zu haben, und ist die kleine schwester des „nullwachstums“.

p.s.: höchstens frau ministerin meinte damit, dass flexi von „flexen“ mit dem winkelschleifer kommt und sie damit an den stühlen der männlichen chefs sägen möchte. doch es macht einen anderen eindruck.

schreibpädagogik und vielfalt

schreibgruppen sind gruppen, die ein riesiges potential an möglichkeiten bieten. im gegensatz zum beispiel zum sporttraining, zum kochkurs oder zur selbsthilfegruppe für alkoholiker, benötigt eine schreibgruppe ausschließlich zwei dinge: papier und einen stift (natürlich gibt es noch viele zusätzliche hilfsmittel, die auch verwendet werden können). mit diesen zwei dingen lässt sich anschließend die ganze welt erschreiben.

so gibt es schreibgruppen, die vielleicht nur kreatives oder biografisches schreiben im titel tragen und nicht mehr. dies ermöglicht es den gruppenleiterInnen ihre angebote an der gruppe auszurichten. und da eine solche vielfalt an möglichkeiten herrscht, müssen die gruppen nie enden, wenn dies nicht gewünscht ist (sicherlich ist dies abhängig vom zeitkontingent der schreibgruppenleitung und vieler anderer dinge).

daneben gibt es aber auch unendlich viele möglichkeiten, schreibgruppen zu bestimmten aspekten anzubieten. man kann die thematik des schreibens einkreisen und sich beim biografischen schreiben zum beispiel auf die kindheit konzentrieren oder beim kreativen schreiben auf das schreiben von fabeln. man kann nur eine einzige form von assoziationstechniken verwenden und schauen, was für ergebnisse dabei herauskommen, man kann ausschließlich über den eigenen wohnort schreiben, man kann ein wochenende lang miteinander schreiben, man kann eine feste anzahl von terminen für die schreibgruppe verwenden. die variationsbreite ist unerschöpflich Weiterlesen

schreibidee (239)

viele heutige begebenheiten erscheinen nicht mehr so drastisch und brutal, da wir gelernt haben, bis zum erbrechen flexibel zu sein. dadurch federn wir manches erschütternde reflexhaft ab, damit es uns nicht erschüttere. wir sind vorbereitet, wir sind voller lösungsmöglichkeiten, wir finden einen umgang mit ausnahmesituationen, dass es beim zuschauen schon schmerz. es wird zeit, dass wir auch „flexible texte“ schreiben 😮

um schön flexibel und geschmeidig zu sein, benötigt es vorher ein paar dehnübungen. das ist der schriftliche einstieg in die schreibanregung. von der gruppenleitung wird ein kurzer satz vorgegeben, z.b. „der affe hangelt sich von baum zu baum.“. aus diesem kurzen satz soll eine einseitige beschreibung entstehen, die nichts anderes schildert als der vorgegebene satz benennt. also wäre hier das hangelnd des affens auf eine seite zu dehnen. die ergebnisse werden kurz vorgetragen.

danach gehen die schreibgruppenteilnehmerInnen gleich zur ausführlichen schreibübung über. wieder wird ein satz vorgegeben der den anfang des flexiblen textes darstellt. danach kann frei weitergeschrieben werden, bis nach fünf minuten wieder ein satz vorgegeben wird, der sofort in die geschichte eingefügt werden muss. die schreibenden greifen den satz auf und stricken ihre geschichte weiter, bis nach fünf minuten abermals ein satz einzufügen ist, und so weiter. dies kann beliebig oft wiederholt werden. die eingefügten sätzte fordern zu einem flexibel auf die veränderungen reagierenden schreiben auf. anschließend werden die texte vorgelesen und in der feedbackrunde auch die flexibilität beurteilt.

zum abschluss eine kleine, sehr ähnliche übung. es ist ein gedicht zu schreiben. und auch hier wird während des schreibens von der schreibgruppenleitung immer wieder ein wort eingeworfen, dass sofort in das gedicht aufzunehmen ist. danach kann weitergeschrieben werden. die flexiblen gedichte werden dann noch vorgetragen.

das internet konnte sich wegen der lebensbedingungen so weit entwickeln

der diskurs über das ausufernde internet, das den menschen aus der hand gleitet, das sie süchtig macht und das kaum mehr zu beherrschen ist, verkennt die entwicklung des netzes. eigentlich geht das web, vor allen dingen auch das web 2.0 den konsequenten gang einer entwicklung, die viele technologien hinter sich haben.

man sehe sich nur die inzwischen zu „windparks“ vereinten windräder an, die eine technologie aufgreifen, die vor jahrhunderten schon die windmühlen nutzten. damals wurde die gewonnene energie zum mahlen des korns genommen, heute zur eindämmung des klimawandels. oder wer hätte vor etlichen jahrzehnten geglaubt, dass das fahrradfahren wieder boomen würde, wo doch der pkw das maß aller dinge war? technologien boomen immer dann, wenn sie gesellschaftlich gebraucht werden, sich in die herrschenden lebensbedingungen perfekt einpassen und einen (wenn auch teilweise fraglichen) effekt haben. der effekt muss sich für den menschen lohnen.

es ist also nicht das internet, das uns in seinen bann schlägt und in vielen zusammenhängen schon als selbstagierendes wesen beschrieben wird, das unser denken verändert. es sind wir, die wir uns verändert haben, eine technologie aufgreifen und ihr aus einem bedürfnis heraus sehr viel raum in unserem leben geben. man kann dies als gut oder schlecht empfinden, man kann die technologie positiv oder negativ nutzen, aber man kann sie schwerlich verteufeln, denn dann hat man aus den augen verloren, dass es eine technologie ist.

so kann ein auto zur fahrt zum treffen des freundeskreises verwendet werden und die eigene soziale einbettung verbessern helfen, einem flexibilität bei der fortbewegung dorthin verschaffen, wie es die bahn zum beispiel (und heutzutage im besonderen) nicht schafft. ein auto kann aber auch zum transport von waffen in kriegsgebiete verwendet werden, Weiterlesen

schreibpädagogik und strukturierung

wie viel oder wie wenig struktur verträgt eine schreibgruppe? eine schwierige frage, ist sie doch nicht zu trennen von der frage, wie das ziel der gruppe aussieht. generell sollte kreativen gruppen ein möglichst weites korsett angelegt werden. es muss die möglichkeit bestehen, gedanken und ideen zu entwickeln und „fortzuschreiben“. auf der anderen seite sind die interessen der teilnehmerInnen oder auch die tagesformen der einzelnen sehr verschieden und subjektiv. dem sollte rechnung getragen werden.

um möglichst vielen interessen gerecht zu werden, könnte man sich bei einer regelmäßigen angeleiteten schreibgruppe zum beispiel überlegen, ob nicht in die planung zu jedem treffen auch das angebot aufgenommen wird, dass eine schreibanregung von teilnehmerInnen gegeben wird. entweder von denen, die lust dazu haben oder von allen teilnehmerInnen jeweils einmal.

findet eine schreibgruppe unter einem fortbildungsaspekt statt, sollte sie auf alle fälle eine klare struktur aufweisen, die darlegt, was grundwissen und grundvoraussetzung der jeweiligen thematik sind. dafür muss genug zeitraum eingeplant werden. die jeweilige anwendung des vermittelten bietet dann wieder mehr freiraum, damit alle ihr kreatives potential angemessen ausschöpfen können. bewährt hat sich in diesem zusammenhang, die eigentliche schreibzeit klar zu begrenzen, diese im vorfeld mitzuteilen und auch auf deren einhaltung zu achten. Weiterlesen